Anxieties and Power (Die Sorgen und die Macht)
Sozialistisches
Theater der Zeit, Gunnar Decker, Oktober 2010
Tom Kühnel und Jürgen Kuttner haben ein Amalgam aus Tragik und Komik, aus Pathos und Ironie, aus Perfektion und Dilettantismus, aus grandios und abscheulich geschaffen - und damit wohl eine stimmige Positionsbeschreibung gegeben nicht nur für dieses aufreizend altbackene Stück 'Die Sorgen und die Macht', das kaum mehr ist als eine klassizistisch-dünkelhafte Variante des Bitterfelder Wegs, sondern auch für die Rolle von Peter Hacks vor 1989 und danach.
Die Sorgen und die Macht
zitty, Tobias Schwartz, 24.9.2010
Lohnt sich angesichts gegenwärtiger Kapitalismuskrisen dieser historische Exkurs in 'die Zukunft von gestern'? Darüber lässt sich trefflich streiten, allein das ist schon ein Gewinn des kurzweiligen Abends. Aber diese dreieinhalbstündige Revue ist auch eine kluge Einführung in das widersprüchliche Denken eines inspirierenden Autors Eine Nachhilfestunde am richtigen Ort und zur richtigen Zeit.
Glühend rote Sonne
Südwestpresse, Christoph Müller, 8.9.2010
Requiem und Revue in einem, Nachruf und slapstickhafte Parodie, quirlig zusammengemischt und wirklichkeits-dokumentarisch aufeinander bezogen - das gelingt der dialektisch von Widerspruch zu Widerspruch elegant hüpfenden Inszenierung vor allem dank der virtuosen Spielfreude des Ensembles.
Dies ist die Zukunft von gestern
Süddeutsche Zeitung, Peter Laudenbach, 7.9.2010
Jürgen Kuttner und Tom Kühnel gelingt bei ihren selbstlosen Ausgrabungsarbeiten in der versunknen DDR-Theater- wie Realgeschichte das Kunststück, Hacks mitsamt seinen etwas abgenutzten ideologischen Seifenblasen gleichzeitig ernst zu nehmen und im fröhlichen Kabarett zu entsorgen. Sie inszenieren nicht Hacks' Stück, sie inszenieren mit ihrem Abend 'über die Zukunft von gestern' den historischen Abstand zwischen den Utopien von damals und einer utopie-resistent ausgenüchterten Gegenwart. So schaut man aus sehr großer Ferne auf die gelegentlich in formvollendeten Versen sprechenden Helden der Arbeiterklasse, die noch einmal die Konflikte zwischen Egoismus und Klassensolidarität, zwischen gesundem Menschenverstand und Funktionärs-Gebrabbel, zwischen funkelnder Utopie und nicht ganz so hübscher Wirklichkeit vorturnen.
Das wäre unsre Zukunft gewesen
Berliner Zeitung, Dirk Pilz, Berliner Zeitung
Die Zukunft von gestern, das heißt hier: der Ernst einer Holdefleiss, die Lächerlichkeit eines Kunze, die Eiseskälte eines Hacks. Diese Inszenierung ist voller Komik, Verbissenheit, Kitsch und Tragik. Sie ist alles zugleich. Lachhaft aber werden die Figuren nie. Man sieht nicht oft so bewusstseinsspitze Schauspieler. Man sieht nicht oft DDR- Verarbeitungstheater, das weder in Ostalgie noch in hochkommunistische Salonschwärmerei verfällt.
Goethes Kohlekumpel
Der Tagesspiegel, Christine Wahl, 6.9.2010
In der Darstellung des bestens aufgelegten DT-Ensembles wird die Hacks-Ausgrabung zum Glücksfall, weil sämtliche Akteure - allen voran Susanne Wolff und Felix Goeser als Liebespaar - Ironie, Trash und tiefere Bedeutung sehr genau von Denunziation zu unterscheiden wissen.
back