Kein Schiff wird kommen
Schreibkrise
Tip Berlin, Christine Wahl, 28.10.2010
Frank Abt kann in seiner Inszenierung einen wirklichen Trumpf aufbieten: den Schauspieler Paul Schröder. Weil der als hochenergetische Erscheinung nicht nur in jedem Satz mindestens siebenundzwanzig Facetten entdeckt, sondern die dann auch noch mit unglaublicher Präzision spielen kann.
Still schreiend
Der Tagesspiegel, Christoph Funke, 21.10.2010
In der Box des Deutschen Theaters hat Frank Abt den anspruchsvollen, gedankenschweren, monologisch strukturierten Text inszeniert und ihm erstaunliche Frische verliehen. Es gelingt ihm, den hohen Anspruch des Autors, in die Tiefen geschichtlicher und familiärer Geschehnisse vorzudringen, mit sinnlicher Kraft auf die Bühne zu katapultieren.
Seht auf diesen Mann!
Berliner Zeitung, Dirk Pilz, 20.10.2010
Es ist ein schön verschachteltes Stück, das sehr clever daherkommt. Im Grunde funktioniert es wie eine Beichte über Theater- und Theaterautorennöte. Entsprechend wird der Zuschauer in den Stand des Seelsorgers erhoben: Wir sitzen gleichsam am Krankenbett der Gegenwartsdramatik. Am allerschönsten ist aber, was der junge Schauspieler Paul Schröder daraus macht: eine Beicht-Spiel-Figurenshow. Schröder kann sich innerhalb einer Minute in mindestens fünfzig verschiedenen Figuren-Daseinsweisen verwandeln. Es gibt auch noch andere Spieler an diesem von Frank Abt geschaffenen Abend, kluge Textverschiebungen und Figuren Verdopplungen. Aber alles das wäre nichts ohne die Zauberkunst Paul Schröders: Sie ist schönstes Vorhangtheater und ihre Demontage zugleich.
Die politische Wende im Kopf, das private Drama vor Augen
Berliner Morgenpost, Anne Peter, 20.10.2010
In der Box des Deutschen Theaters erlaubt sich Regisseur Frank Abt mit dem Text einige wohltuende Freiheiten, streicht, würfelt Textteile woanders hin - zugunsten eines klar fokussierten Abends, der es ganz auf das Kopfdrama des jungen Autors abgesehen hat. (...) Paul Schröder, der diesen Abend bei dezentem Einsatz von Elias Arens, Markwart Müller-Elmau und Akkordeon-Spielerin Silke Lange quasi im Alleingang wuppt, ist ein echter Glücksfall. Mit energetischem Großeinsatz fabuliert er uns die Innenwelt der Figur direkt ins Herz, leichtfüßig meistert er jeden Rollen-Sprung. Ein Grübchen-Grinsen - und schon hat sich Schröder zu Intendant und Autor verzweifacht. Blitzschnell lässt er die Stimme von maximal-genervt auf kumpelhaft-fröhlich switchen und ist Vater und Sohn in einem.
Vom Häuten der Zwiebel
www.nachtkritik.de, Georg Kasch, 18.10.2010
Ein kleiner großer Abend. Das liegt zum einen an Regisseur Frank Abt, der wie Stockmann keine Scheu vorm menschenfreundlichen Gefühleausloten und zugleich das Fingerspitzengefühl besitzt, sich bildende Kitschkrusten sofort abzukratzen. Behutsam häutet er den Text, nähert sich den beiden autistischen Charakteren über Monologe, die den anderen adressieren, mitdenken, aber eigentlich nur sich selbst meinen.
Die vollständige Kritik finden Sie hier.
zurück