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Die Weber

Nu, jaja, nu, nee nee

tip Berlin, Peter Laudenbach, 03.02. – 16.02.2011

Kein Milieunaturalismus, keine pittoresken Elendsillustrationen, keine gemütliche Nostalgie angesichts der schlechten alten Zeit, sondern: Eine Kampfansage. Die von der obrigkeitsstaatlichen Zensur nur als geschlossene Vorstellung genehmigte Uraufführung muss 1893 ein Schock gewesen sein: Der Einbruch des Lumpenproletariats ins gutbürgerliche Theater. Thalheimers so wenig feinsinnige, gegenüber dem Zuschauer so dezidiert unhöfliche Inszenierung kommt diesem Schock ziemlich nahe.

Aufstand der Abständigen

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Gerhard Stadelmaier, 22.01.2011

Der Regisseur Michael Thalheimer lässt aus der Tiefe abgerissene, von unten wie von einem Hadeslicht angestrahlte, seltsame, in sich versunkene, wie aus einer Betäubung aufgeschreckte Gestalten auftauchen. Gespenster aus der Existenzhölle. Sie reden in einer tollen, fremden Sprache, die sie schnell und hart und atemlos, aber wie in Granit gehauen von sich stoßen. Es ist Hauptmanns Schlesisch, das hier nicht lächerlich, nicht verniedlicht wirkt, sondern: wie aus einer anderen Welt.

Außer Schlesien nichts gewesien

Der Tagesspiegel, Rüdiger Schaper, 22.01.2011

Thalheimer inszeniert keine Geschichte, zeigt keine Entwicklung, vielmehr hält er den Moment der Empörung fest, die Wallung des Bluts, ausgedehnt auf hundert Minuten. Die Aufführung – und das ist wörtlich zu nehmen: ein einziger Aufschrei.

Ein Schrei erstickt den anderen

Neues Deutschland, Hans-Dieter Schütt, 24.01.2011

Michael Thalheimer hat das gnadenlos mahlwerkartige, unausweichliche Szenario einer sozialen Katastrophe entworfen. Die Herren können sich nicht retten vor diesem Aufstand, aber den Arbeitern ist er keine Erlösung. Es liegt ein schreiendes „Warum?“ über all diesen bleiernen Szenen; und eine jede Szene versinkt am Ende langsam im Dunkel, so, als schlösse sich ein Sarg über Untoten – während es im Zuschauerraum dann jeweils für Momente hell wird. Als würde uns ein letzter flehender Lichtstrahl aus ferner oder kommender Zeit erreichen und uns warnen oder zur Erleuchtung bringen wollen.

Die Wut-Weber

Freie Presse, Joachim Lange, 26.01.2011

Wenn ‚Die Weber‘ kein Wut-Stück sind! Sie sind eins, in dem mit der Faust auf den Tisch gehauen und die Verzweiflung herausgebrüllt wird. Und in dem sie am Ende alles kurz und klein schlagen bis das Militär kommt. Hier kriegen die Blutsauger, die Fabrikanten wie Dreißiger und sein Expedient Pfeifer, Volkes Stimme und Wut mit dem Dreschflegel von Hauptmanns Theaterschlesisch drüber gezogen. Denn sie haben mit ihrer Hände Arbeit nicht die Spur einer Chance gegen die mechanischen Webstühle in den neuen Fabriken.

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