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Herz der Finsternis

Herz der Finsternis

Zitty, Kerstin Decker, 4.9.2009

Die Bühne ist eine blasse Herzkammer und irgendwann lassen sich sechs riesige afrikanische Götzen darin nieder: die wahren Gesichter Afrikas. Und der zweite Blick erkennt: es sind sechs fast verhungerte Kinder. Ein unaufhebbares Spiegelspiel. Großartig, wo Kriegenburg solche Überblendungen gelingen. Und Conrads Text ist voll von Sätzen, Satzkontinenten, die erst ihre ganze Ausdehnung erreichen, werden sie wie hier im Chor gesprochen, in einem vielstimmig-dissonanten Chor: ‚Wir leben wie wir träumen – allein.‘

Marlow trifft Kurtz

Neues Deutschland, Hans-Dieter Schütt, 19.9.2009

Kriegenburg ist – vor allem im Beginn seiner Aufführungen – ein Expressionist. Oft wirken seine Gestalten wie letztverbliebene Flüchtlinge aus Stummfilmen; slapstickend zeitversetzte Lebenspartikel, die gern große Augen hätten fürs Weltbestaunen, aber denen doch nur ein verwalterisch eifriges Hin- und Herhuschen oder verkrümmtes Entlangschleichen gelingt.
Die herb-schöne Natali Seelig ist gleichsam der dominante, der ‚Haupt‘-Marlow, sie ist es mit klagender, vokalkräfiger Stimme, aus deren Tiefen mehr und mehr die Wahrheit hochschlägt: Jeder Irrsinn, dem wir begegnen, hat seine Filiale in uns, jede Gier und jedes Böse. Daniel Hoevels gibt körperlich brillant einen Harlekin in Kurtz‘ Regime; Gebrochenheit, Hassliebe-Schizophrenie als zuckender Tanz.
Riesige Menschenpuppen, die herabgelassen werden, schwarze Sklaven, Skelette fast, überlange Arme und Beine. Die Kreatur blickt, so wissend blickt kein Gott, so blickt nur der arme Mensch. Und Kriegenburgs Theater wagt, wie schon so oft und nah an Kleists Marionetten-Weisheit, höchste Künstlichkeit für tiefste Anrührung.

Herz der Finsternis leuchtete am DT

BZ online, Martina Hafner, 18.9.2009

Vor allem beeindruckt Kriegenburgs Personenführung. Stimmen und Bewegungen sind bis ins Detail durchchoreographiert, eine absolut professionelle Regie-Arbeit.
Daniel Hoevels spielt einen mit Matsch und Farbe beschmierten Harlekin, einen Mann, der im Dschungel schlicht den Verstand verloren hat. Man staunt fast fassungslos, wie der Hoevels seinen Körper mit leicht zuckenden Bewegungen einsetzt.

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