Kabale und Liebe
Viele Türen und kein Weg nach draußen
Neues Deutschland, Christoph Funke, 8.2.2010
Ole Lagerpusch und Claudia Eisinger machen zum Ereignis, wie zwei junge Menschen ihr Dasein herausreißen wollen aus dem Vorbestimmten, ihnen Zugeteilten. Ihr Liebesanspruch ist heftig, geht bis zu körperlicher Entblößung und erotischer Gewalt. Ungestüm und Verzweiflung toben sich aus, Zärtlichkeit muss mühsam errungen werden, triumphiert erst im Angesicht des Todes. Das Stürmische, Rücksichtslose des Ferdinand von Lagerpusch steht in einem stets gespannten Verhältnis zu der ruhigen, gefassten Luise der Claudia Eisinger. Es ist berührend, wie es der Schauspielerin gelingt, die Kraft und stille Tapferkeit dieses Mädchens von plebejischer Verklemmtheit nicht vollends zu lösen.
Aufstiegschancen - 'Kabale und Liebe' und andere Experimente im Deutschen Theater
Weltexpress, 8.2.2010
Das Bühnenbild von Katja Haß ist ein bewundernswertes Kunstwerk. In die Wände, die Decke und den Fußboden sind, senkrecht und waagerecht angeordnet, Türen eingelassen, schlichte Zimmertüren, pastellfarbig lackiert, die geöffnet und geschlossen werden können. Die oben befindlichen Türen sind nur durch Aufstieg an den Wänden mit Hilfe der dort angebrachten Haltegriffe erreichbar. Ferdinand unternimmt so einige stürmische Klettertouren. Die dreh- und verschiebbaren Wände lassen sich zu Räumen in unterschiedlicher Form und Größe zusammenstellen.
Seelen, matt wie Limonade
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Julia Encke, 7.2.2010
Eine wirklich fabelhafte Besetzung, mit einem eiskalten Ulrich Matthes als Präsident von Walter, Alexander Khuon als sein schmierig-geschmeidiger und gleichzeitig kleinmütiger Sekretär Wurm, Matthias Neukirch als Luises Vater und dem stürmisch-akrobatisch von Tür zu Tür springenden Ole Lagerpusch als liebeskranker Ferdinand. Das ist schön und ungestüm und kanalisiert die Energie des Sturm und Drangs in sportliche Leistung.
zurück