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Das Vergnügen, sich zur Verfügung zu stellen

In einem Gespräch mit Studenten hast du mal den schönen Satz gesagt:„Regie führen heißt, rauskriegen zu wollen, wer man ist, und Friedendamit zu machen, dass man andere dazu benutzt.“ Gilt das auch für dichals Lehrer?

Andreas Kriegenburg: Nein, überhaupt nicht. In der Arbeit mit Schauspielstudenten tritt das,was sonst für mich Regie führen bedeutet, sehr weit in den Hintergrund,wird fast vollständig von der Routine, szenisch zu arbeiten und einen Theaterabend zu organisieren, übernommen. Das bedeutet für mich eine enorme Entspannung. Es geht eben in diesen Arbeiten nicht um mich und die eigenen Intentionen und das Weiterverfolgen der eigenen Suche, esgeht um die Studenten, und darum, sie auf der einen Seite mit dem Tempo und der Rigorosität und den Zwängen des Stadttheateralltags zu konfrontieren und sie auf der anderen Seite zu überraschen mit dem,wieviel sie können, oder wie schnell sie lernen, was ihnen vorher ungeheuer schwierig schien. Insofern ist es nicht so, dass ich die Studenten für etwas benutze, viel eher ist es mein Vergnügen, mich ihnen zur Verfügung zu stellen.

Stichwort Schauspielausbildung: Viel hat sich ja in den letzten Jahren verändert im deutschen Theater,ganz sicher auch die Spielweise von vielen Schauspielern. So etwas wie eine psychologisch-realistische Spielweise scheint kaum noch möglich,zuviel an Brechungen, Selbstaufhebungen, Ironisierungen ist sichtbar und nicht mehr wegdenkbar. Wie, denkst du, sollte man da reagieren als Schauspiellehrer?

Andreas Kriegenburg: Was ich bei vielen Schauspielstudenten bemerkt habe, ist eine gewisse Ratlosigkeit. Als hätten die Schulen vor der Vielzahl der Stile und Möglichkeiten kapituliert und dann, wie um diese Kapitulation zuerklären und zu rechtfertigen, werden die Studenten mit einer möglichst großen Zahl verschiedenster Spielweisen und Theatertheorien konfrontiert, mit dem Hinweis, man könne sich doch ausder Fülle selber aussuchen, wohin Veranlagung oder Interesse oder Leidenschaft einen zieht. Diese übergroße Freiheit des Überangebotsmacht die Studenten oft ebenso ratlos, wie sie der Geschmacksdoktrineines einzelnen Dozenten gegenüber anderen Spielweisen oder Theateransätzen – welche Form des Spielens richtig und welche Form desSpielens falsch sei – hilflos oder bestenfalls verärgert gegenüberstehen. Ich will mir natürlich nicht anmaßen, mal rasch ausdem Ärmel zu schütteln, wie eine Schauspielausbildung auszusehen hat,aber ich bin jemand, der immer eine auf das Handwerk und die Technik inihrer Komplexität zwischen körperlichem Spiel und nuanciertem Sprechen konzentrierte Ausbildung befürworten würde.

Aus einem Gespräch mit Michael Börgerding, Direktor der Theaterakademie Hamburg
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