Öl
Pioniere der Gier
Süddeutsche Zeitung, Christine Dössel, 21.9.2009
Eva, die auf ein Leben in Reichtum wartende, von den Dämonen ihres Gewissens eingeholte Alkoholikerin, ist die zentrale Person des Stückes: eine Glanzrolle für Nina Hoss, die ihrer Figur mit Bravour sämtliche Facetten einer arrogant auftrumpfenden, hysterisch-neurotischen, zunehmend verängstigten, verheulten, zerbrechlichen, in ihrem gärenden Wahn fast wieder zum Kind werdenden Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs erspielt. Stephan Kimmig inszeniert das so leise, befremdlich und hoch konzentriert, dass man der Intensität des Abends nicht entgeht. ‚Öl‘ ist eine Tiefenbohrung von hohem Ertrag.
Öl
www.kulturinfo.eu, Dieter Bub, 25.9.2009
‚Öl‘ von Lukas Bärfuss gehört mit ‚Herz der Finsternis‘ zum furiosen Auftakt der neuen Saison im Deutschen Theater in Berlin. Es ist fesselndes Schauspiel, das beides miteinander verbindet - vorzügliche Regie und spannende Darstellung. Die Geschichte wird mit einem wohl einzigartigem Ensemble erzählt, mit einer psychotischen Nina Hoss, Mitleid heischend, aufbrausend, verzweifelt, wütend, ungerecht, selbstgefällig. Neben ihr als einheimische Hausangestellte Margit Bendokat, die alle Erniedrigungen erträgt, die sich fügt und fügen muss und dabei - zusammen mit Hoss - ein sprachliches Kabinettstück vollbringt.
Lukas Bärfuss in Berlin
DU, Theatertipps, November 2009
Und wer noch nie Nina Hoss auf der Bühne sah, weiß nicht, was eine Schauspielerin kann, wenn sie kann. Bäfuss' Stück ist ohnehin die Schönheit seiner Sprache und die Zeichnung der Figuren. So einfach ist das mit dem Theatererfolg. Es braucht bloß fünf starke Schauspieler - zu den erwähnten gehören auch Susanne Wolff und die unbezahlbare Margit Bendokat - und ein starkes Stück. Das Deutsche Theater hat beides.
Das Fremde trägt jetzt Pilzkopf-Haarschnitt
www.nachtkritik.de, Anne Peter, 21.9.2009
Nina Hoss zeichnet das Psychogramm dieser in den Wahn hinübergleitenden Eva virtuos in allen erdenklichen Nuancen, vom hysterisch auftrumpfenden Lachen bis zu kajalverschmierten Tränen. Inmitten dieser messerscharfen Anatomie einer Gewissens- und Seelenzerrüttung steht meisterhaft stoisch Margit Bendokat als Gomua.
Die vollständige Kritik finden Sie hier.
Für diese Frauen lohnt es sich, ins Theater zu gehen
Berliner Morgenpost, Peter Hans Göpfert, 20.9.2010
Und Nina Hoss spielt selbstverständlich bravourös die idiosynkratische vereinsamte Ehefrau aus dem reichen Westen. Sie lässt, mit allen Zutaten kultureller Arroganz, ihren zivilisatorischen Dünkel heraus. Was Ausbrüche an Angst, Zorn und Verzweiflung und Hochmut angeht, ist Nina Hoss unschlagbare Spitze.
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