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Demokratie und Theater

"Wir wollen mehr Demokratie wagen!" – der Anspruch, den Willy Brandt beim Regierungsantritt 1969 formulierte, steht bis heute im Raum, verwandelt, verändert, aber nach wie vor uneingelöst. Anlass genug, sich dem Phänomen unter der Überschrift "Sagt mir das Volk jetzt, wie ich herrschen soll?" mit Inszenierungen und Texten zum Thema zu nähern: mit dem heroischen, jede Gemeinsamkeit abweisenden Individuum Ayn Rands ('Capitalista, Baby!') ebenso wie mit den einst mächtigen Bankern des 'Himbeerreichs'; mit Shakespeares Analyse eines auf demokratische Prozeduren setzenden Kalküls ('Coriolanus') und der Untersuchung dessen, was Politik einmal gewesen sein könnte ('Demokratie'); mit der Beschreibung familiärer Verwerfungen vor und nach dem Mauerfall ('In Zeiten des abnehmenden Lichts') und der Sehnsucht nach Widerständigkeit, Heldentum und sinnhaftem Leben ('Ich denke an Yu'); mit der Analyse der Disziplinargesellschaft ('Verbrecher aus verlorener Ehre') ebenso wie mit der Beschreibung einer selbstzerstörerischen Gewaltspirale der Macht ('Ödipus Stadt'). Daneben gibt es Einführungen und Nachgespräche.

Sonntag, 10. März, 11.00 bis 16.00 Uhr, 18/9€
Sagt mir das Volk jetzt, wie ich herrschen soll?
Ein Tag über Tempo und Transformationen der Demokratie mit Vorträgen und Diskussionen zum Thema

11.00 Uhr, Kammerspiele
Daniela Dahn fragt: "Haben wir die Demokratie, die wir verdienen?"
mit Daniela Dahn (Autorin, Berlin)

Daniela Dahn, geboren 1949 in Berlin, Journalistikstudium in Leipzig, danach Fernsehjournalistin. Seit 1981 arbeitet sie als freie Autorin; Mitglied des P.E.N seit 1991, Gründungsmitglied des „Demokratischen Aufbruchs“. Sie ist Trägerin des Kurt-Tucholsky-Preises für literarische Publizistik, der Luise-Schroeder-Medaille der Stadt Berlin und des Ludwig-Börne-Preises. Im März erscheint ‚Wir sind der Staat. Warum Volk sein nicht genügt’.

12.00 Uhr, Kammerspiele
Demokratie und Beschleunigung
Podiumsdiskussion mit Christoph Menke (Philosoph, Frankfurt/Main) und Dirk Jörke (Politikwissenschaftler, Greifswald), Moderation: Peter Siller (Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin)
Der politische Betrieb beschleunigt sich rasant - getrieben durch Sachzwänge, Krisen und Experten. Der Demos kommt kaum noch hinterher. Gleichzeitig erleben wir einen rasenden Stillstand: wichtige politische Entscheidungen ziehen sich hin, werden trotz laufender Uhr nicht getroffen. Ein Gespräch auf der Suche nach der verlorenen demokratischen Zeit.

13.00 Uhr, Hinterbühne Kammerspiele, Bar und Saal
Tischgespräche und Mittagessen
Mit Vertreterinnen und Vertretern aus den Berliner Botschaften der EU-Mitgliedsländer und mit dem Publikum
Wer weiß, wie etwa in Lettland und Litauen über Europa diskutiert wird? Welche Einstellungen haben z. B. die spanische oder belgische Bevölkerung zur Frage einer europäischen Demokratie? Und wie ist die Haltung der Finnen zum Euro? Beim gemeinsamen Mittagessen ist Zeit für neugieriges Nachhaken und informative Gespräche über diese und andere Fragen.

14.30 Uhr, Kammerspiele
Transformation und Demokratie in Osteuropa
Podiumsdiskussion mit Mircea Cartarescu (Schriftsteller, Bukarest) und Reinhard Veser (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Moderation: Timm Beichelt (Politikwissenschaftler, Frankfurt/Oder)
 
In Mittel- und Osteuropa sind viele Demokratien entstanden, die offensichtliche Probleme aufweisen wie Korruption, soziale Ungleichheit, Nationalismus oder die Verklärung der Vergangenheit. Handelt es sich um reale Schwierigkeiten oder entspringen sie einem voreingenommenen Blick? Verändern sie die Politik auch in Deutschland und im restlichen Europa?

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20.00 Uhr Saal
Protest und politische Haft in China Ein Gesprächüber Menschen, die ihre Rechte leben
Podiumsdiskussion mit Shi Ming (PEN-Zentrum Deutschland) und Dirk Pleiter (amnesty international, Physiker/ Regensburg,) Moderation: Katrin Kinzelbach (Politikwissenschaftlerin und Leiterin des Menschenrechtsprogramm am Global Public Policy Institute (GPPi) , Berlin)

Ein Gespräch über vergangene und gegenwärtige Proteste und Demokratiebewegungen in China, über die Rolle von Demonstrationen, Literatur, Kunst, Petitionen und Mikroblogs, aber auch über den Preis, den einzelne Menschen immer wieder für ihre Aktionen zahlen – also über Inhaftierung, Haftbedingungen und das Vergessenwerden.

Abschließend liest die Schauspielerin Naemi Simon die Erzählung Die Trauerrede von Shi Ming.


In Zusammenarbeit mit der Allianz Kulturstiftung
6. bis 10. März 2013