ATT 2012 - Der Blog

Die Autorentheatertage Berlin 2012 (5.-16. Juni) sind vorbei.
Den Blog lassen wir als Dokumentation des Festivals weiterhin in der Mediathek, schalten die Möglichkeit zum Kommentieren nun aber aus.

Hinter den Kulissen der Autorentheatertage



WER WIR SIND

Die Autorinnen des ATT-Blogs

 
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Alle Veranstaltungen:

ALSO SPRACH METZELDER ZU MERTESACKER + ANGST UND ABSCHEU IN DER BRD + BALLO LETTERARIO - BAL LITTÉRAIRE + DAS FLIEGENDE KIND + DER WIEDERAUFBAU DES HAIDER-DENKMALS + DER WIND MACHT DAS FÄHNCHEN + DIE VIER HIMMELSRICHTUNGEN + DU BIST DABEI! - È IL TUO MOMENTO! IDES DALJE! + EINE STILLE FÜR FRAU SCHIRAKESCH + EMPTY NEST + FABELHAFTE FAMILIE BAADER + FAUST 1-3 / FAUSTIN AND OUT + GIFT + GRILLENPARZ + IMMER NOCH STURM + KÄTHE HERMANN + KARTE UND GEBIET + MALAGA + OPEN MIKE + RADIKALE + SCHAFINSEL + SEYMOUR ODER ICH BIN NUR AUS VERSEHEN HIER + SYMPOSIUM + THREE KINGDOMS + TOTBERLIN + TÜR AUF TÜR ZU + WIR SCHWEBEN WIEDER + + + JUROR TOBI MÜLLER IM INTERVIEW

 
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17.6.2012 VON LAURA HAMDORF UND MAGDALENA ULRICH

Finale!

Mit der Langen Nacht der Autoren gingen gestern die Autorentheatertage zu Ende. Drei Werkstattinszenierungen erzählten von Morphium, Handgelenksnudelsalat und reifen Tomaten

John von Düffel klingt heiser und zufrieden, als er die Lange Nacht der Autoren auf der Bühne des Deutschen Theater eröffnet: „Wie Sie hören, wurde viel diskutiert in den letzten Tagen“, sagt der Kurator der Autorentheatertage, „das lag am Motto des Jurors Tobi Müller.“ „Sei nicht du selbst!“ lautet dieses Motto. Es stellt das Dogma der Authentizität unserer Zeit in Frage. Bei Nachgesprächen mit den Künstlern im Anschluss an die Vorstellungen, auf dem Symposium zum Thema „Authentizitätsterror“ und auch bei Gesprächen an der DT-Bar wurde darüber diskutiert. mehr...


 
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16.6.2012 VON CAROLINA MACHHAUS

Erzählkunst und Smashhits

Gestern beim Ballo Letterario trafen sechs Autoren und drei Sprachen im Saal aufeinander. Kleine Mädchen tanzten mit gefeierten Autoren zu Michael Jackson und Edith Piaf - ein wilder Autorenball

Der hellblaue Saal mit Sahnedekor und Euro-Paletten-Lounge-Chairs ist ein hervorragender Ort für das überbordende Veranstaltungskonzept des Ballo Letterario, eine Mischung aus Lesung und Tanz. Beim Einlass wird bereits lautstark Alicia Keys und Jay-Z gespielt. Jeder sucht seinen Platz – dann kommen die sechs Autoren auf die Bühne und erklären das Prinzip des Autorenballs: mehr...

 
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16.6.2012 VON ANNA MAYRHAUSER

Ein trauriges Rumtaataa

Oberösterreich ist meine Heimat. Schön! Oder nicht? In dem Stück „Grillenparz“ klaffen Abgründe auf – und die Zuschauer werden zu Mittätern.

Es ist nicht die Handlung, die das Stück „Grillenparz“ des jungen oberösterreichischen Autors Thomas Arzt so besonders macht. Ein paar Mitarbeiter einer Firma und ein gespenstischer Jäger treffen sich zur Firmenfeier auf einem Hügel vor dem Dorf, auf dem sogenannten „Grillenparz“. Sie trinken, reden, ringen. Und eines ist klar: Es wird Tote geben. Oder gibt es schon Tote? Am Ende des Tages werden sie einander benutzt und missbraucht haben. Die Überlebenden werden etwas verschweigen müssen. Aber sie verschweigen ja ohnehin schon so viel. mehr...


 
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15.6.2012 VON ANNA MAYRHAUSER

Sei du selbst und geh joggen!

Heute Abend nochmal im DT: „Tür auf Tür zu“ von Ingrid Lausund. Kommt in die Box und lacht mal wieder!

Eine Frau diskutiert mit einer Tür, die einen Anzug trägt und ein Chor muss später noch zur Arbeit ins Call-Center - Das klingt phantastisch, aber „Tür auf Tür zu“ ist ein sehr komisches Stück über das leise und äußerst reale Drama Arbeitslosigkeit. Unbezahlte Praktikanten, 400-Euro-Jobber und angeblich zu alte, nicht mehr vermittelbare Arbeitsmarktverlierer: Selten wird im Theater so herzhaft gelacht wie an diesem Abend. mehr...

 
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14.6.2012 VON MAGDALENA ULRICH

Und Auftritt bitte!

Ein Probenbesuch bei „Wir schweben wieder“ – dem Gewinnerstück von Charlotte Roos

Wo geht es eigentlich zur Probebühne? Von der DT-Kantine aus führt hinten eine Tür hinaus in den Hof. Schräg gegenüber liegt das Gebäude mit der Probebühne. Dort finden die Proben zu „Wir schweben wieder“ statt. Es geht hinauf in den dritten Stock. Als ich den Proberaum betrete, herrscht Hektik kurz vor Beginn: es fehlt noch ein Stuhl, ein Make-Up-Döschen, eine Tasse Kaffee. Und wo ist eigentlich die Schauspielerin Natali Seelig? mehr...

 
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14.6.2012 VON LAURA HAMDORF

Blondie grüßt vom Flughafen

Die Truppe von "Der Wiederaufbau des Haider-Denkmals" ist schon wieder abgereist, dabei auch die wichtigste Requisite: Porzellanhund Blondie

Hmm??

 
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14.6.2012 VON LAURA HAMDORF

Der Kampf gegen die Luftzerhackersprache

„Immer noch Sturm“ wurde gestern bejubelt. Das Stück zeigt, wie sehr Sprache und kulturelle Identität zusammenhängen

Regisseur Dimiter Gotscheff nimmt sich Zeit. „Es ist ein merkwürdiges Stück“, sagt er bei der Einführung im Saal. Er spricht in Zeitlupentempo. „Ich kann es nicht erklären.“ Was er aber erklären kann, ist seine Faszination am Stück: „Ich bin einen ähnlichen Weg wie Handke gegangen in meinem Leben. Wenn ich mich an meine Familiengeschichte zurück erinnere, ist da ähnliches Leid, sind da ähnliche Gesänge. Das hat mich gepackt.“ Gotscheff wurde in Bulgarien geboren, siedelte aber früh in die DDR über. mehr...


 
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13.6.2012 VON MAJA HOOCK

Hass-Parade am Kunstmarkt

Erst ein bestialischer Mord und dann auch noch Slapstick-Humor - trotzdem hat Falk Richters Version von Michel Houellebecqs „Karte und Gebiet“ beseelt. Selten hört man das Berliner Publikum so oft „Bravo“ rufen wie an diesem Abend.

„Du leere Sau“, brüllt Jed Martin. Der junge Künstler (sehr feinfühlig von Christoph Luser gespielt) steht in seinem Atelier in einer angedeuteten Fabrikhalle und schreit die Leinwand an. Er verzweifelt an seinem Gemälde „Jeff Koons und Damien Hirst teilen den Kunstmarkt unter sich auf“. Es will ihm nicht gelingen, zwei der reichsten Künstler der Gegenwart zu malen, denn er kann ihr „leeres Vertreter-Lächeln“ nicht einfangen. mehr...

 
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13.6.2012 VON LAURA HAMDORF

Preisträger zu Gast

Am Freitag wurde Peter Handkes "Immer noch Sturm" der Mülheimer Dramatikerpreis verliehen. Jetzt besucht das Stück das DT.

mehr dazu


 
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13.6.2012 VON JULIA WIEßNER

Afghanistan statt Armani

Heute durchleuchtet Ulrike Syha wieder die deutsche Großstadtseele. Wer immer schon wissen wollte, was der Sitznachbar in der S-Bahn denkt, sollte unbedingt vorbeischauen

Beim Betreten der Box begrüßt uns dieser Schauspieler in Hamburger-Kostüm. Das belegte Schaumstoffbrötchen steht auf zwei nackten Beinen und trägt graue Socken. Wer jetzt Hunger bekommt, macht lieber kehrt und rennt zum nächsten Imbiss. In der Box könnte der Appetit nämlich schnell vergehen – denn das Stück „Radikale“ der Autorin Ulrike Syha tischt gleich ein paar menschliche Schicksale auf, die alles andere als genießbar sind. mehr...


 
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12.6.2012 VON ANNA MAYRHAUSER

Flöten und Faschisten

Ein Stück redet sich in Rage. “Der Wiederaufbau des Haider-Denkmals” ist so aufgeregt wie klug. Heute Abend nochmal an einem Überraschungsort!

Sie sind zu viert. Einer trägt Hemd und kurze Hosen und erinnert damit an ein Kind oder vielleicht doch an einen Berliner Hipster. Die anderen drei scheinen gerade aus dem Sportunterricht zu kommen: kurze Schlabberhosen, alte T-Shirts. Auf einem T-Shirt steht „Sepultura“, auf einem anderen „USA“. Vielleicht weil Schreiben Sport sein kann. Oder Kämpfen. Und Sprechen manchmal auch unglaublich anstrengend ist. mehr...


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12.6.2012 VON NANCY HENZE

Mal herhören, bitte

Wer sind eigentlich die Gewinnerautorinnen? Beim "Open Mike" am Samstag stellten sie sich im Saal mit neuen, eigenen Texten vor

Drei junge Autorinnen haben den Stückewettbewerb der diesjährigen Autorentheatertage gewonnen. Am Samstag standen sie im Rampenlicht: Charlotte Roos, Nina Büttner und Sarah Tabea Paulus. Selten stehen Theaterautoren selbst auf der Bühne. Umso spannender zu sehen: Wie geben sich die Autorinnen? Es sind drei ganz unterschiedliche Autoren-Persönlichkeiten, die sich beim „Open Mike“ dem Publikum vorstellten. mehr...


Gewinnerautorin Nina Büttner im Gespräch mit ATT-Juror Tobi Müller und John von Düffel

 
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11.6.2012 VON MAGDALENA ULRICH

Authentizitätsterror

Gestern im Saal des DT: Ein Symposium zum Thema "Authentizitätsterror" in Kooperation mit dem Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin

Mehr zum Symposium und Impressionen in unsere Bildergalerie.

 
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11.6.2012 VON JULIA WIEßNER

Tanz, Mütterlein, tanz!

Heute Abend wird in der Box gegen Windmühlen gekämpft: "Käthe Hermann" ist eine Familienfarce voller Selbstbetrüger

Kämpfende Käthchen wohin man schaut. Zum Kleist-Jubiläum letztes Jahr zog das Käthchen von Heilbronn auf vielen Bühnen für ihren Liebsten ins brennende Haus. Zum Glück kam ihr ein Engel zu Hilfe. In diesem Stück lernen wir das moderne Käthchen kennen – und das ist auf sich allein gestellt. Kein Engel, kein Ritter kommt ihr zu Hilfe. Dieses Käthchen muss sich aller Niedlichkeiten entledigen, selbst der Name bleibt nicht verschont. Käthchen heißt jetzt Käthe und ist eine alte Witwe mit zwei Kindern. mehr...


 
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10.6.2012 VON MAGDALENA ULRICH UND LAURA HAMDORF

Im Keller hört dich niemand

Wer gestern "Faust 1-3 / FaustIn and out" gesehen hat, musste sich entscheiden: Keller oder Zuschauerraum? Wir waren an beiden Spielorten dabei - ein Theatererlebnisbericht

20 Uhr am Bühneneingang: Nach kurzem Weg steigen wir Zuschauer freiwillig hinab in den DT-Keller. „Vorsicht Kopf! Die Decken sind niedrig“, warnt noch der Abenddienst. 30 Zuschauer, viele weiblich, betreten den engen Kellerraum: Eine Stuhlreihe an der Wand führt einmal rings herum. Alle Wände sind mit grauen Schaumstoffplatten schallgedämmt. Der Klang ist wattig und intim. Kein Schrei dringt von hier heraus. mehr...


 
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10.6.2012 VON NANCY HENZE

Alex, was ist passiert?

„Malaga“ ist ein Familiendesaster zwischen Fönfrisur, Baumwollhemd und Adoleszenz.

Als sich die Türen der Box geschlossen haben, folgt das übliche Getuschel. Dann ein lautes Gespräch mitten im Publikum: Michael (Klaus Rodewald) und Vera (Ragna Pitoll) wollen sich scheiden lassen und diskutieren darüber, wer am Wochenende die siebenjährige Tochter Rebekka nimmt – eigentlich hat keiner der beiden Zeit. Michael nicht, weil er zu dem wichtigsten Kongress seines Lebens fahren muss. Und Vera nicht, weil sie ihre neue Freiheit genießen und mit ihrem Liebhaber nach Málaga reisen will. mehr...

 
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9.6.2012 VON MAJA HOOCK

Der Burka-Transvestit

Wie sehr berührt uns fremdes Leid? Theresia Walser setzt sich in ihrem Stück „Eine Stille für Frau Schirakesch“ mit der Frage nach einer kulturübergreifenden Moral auseinander

„Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“ heißt es in der Dreigroschenoper von Berthold Brecht. Unbestreitbar ein Moralstück. Das Moralstück von heute ist dagegen nicht so leicht als solches zu erkennen, denn die Tugend versteckt sich hinter politischer Inkorrektheit. mehr...

 
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9.6.2012 VON JULIA WIEßNER

Kopflos in Europa

Gestern wurde nicht nur auf dem Fußballfeld um Europa gekämpft, sondern auch in Simon Stephens' Stück "Three Kingdoms"

Als gestern Abend das erste EM-Tor in der 17. Minute für den Gastgeber Polen fiel, brach unter Fußball-Fans Jubelgeschrei aus. In der Berliner Schumannstraße aber hörte man davon nichts. Dort, im barocken Saal, wartete das Publikum zu dieser Zeit noch auf einen der bedeutendsten englischen Dramatiker der Gegenwart: Simon Stephens ist vor der Aufführung seines Stücks „Three Kingdoms“ zur Frage-Antwort-Runde vor Ort. mehr...

 
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8.6.2012 VON MAGDALENA ULRICH

Krawall und Remmidemmi

Dirk Lauckes Recherche-Stück „Angst und Abscheu in der BRD“ rechnet mit geheuchelter Demokratie ab

Wo lebt völkisches Denken fort? Was sind die Nazis? Und in welchem Gewand kommen sie heute daher? Diesen Fragen geht „Angst und Abscheu in der BRD“ mit ausgeprägter Lust zur Komik nach. Das Gastspiel des Theater Oberhausen, bei dem der Autor zugleich Regie führte, sticht laut Laucke mitten ins „Herz der Deutschen“. mehr...

 
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7.6.2012 VON MAGDALENA ULRICH

Aufmerksamkeit im Anderswo

Beobachtungen auf den Autorentheatertagen und in unserem Alltag

„Wir leben in einer nervösen Zeit“, sagte DT-Intendant Ulrich Khuon in seiner Eröffnungsrede zu den Autorentheatertagen am vergangenen Dienstag im Saal des Deutschen Theater. Es ist eine Zeit, die „kein großes, gemeinsames Thema kennt, an dem es sich abzuarbeiten gilt“. Vielmehr ist unsere Zeit zersplittert in heterogene Bruchstücke.
Heute in den Morgenstunden: Rush Hour auf den Straßen Berlins. mehr...

 
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7.6.2012 VON LAURA HAMDORF

Fußballflirt

Die Lesung von Moritz Rinkes Buch „Also sprach Metzelder zu Mertesacker“ brachte Stadion-Atmosphäre in die Kammerspiele

Als das übergroße Foto auf der Leinwand aufleuchtet, geht’s los. Prusten in den Kammerspielen. Zu sehen ist Angela Merkel, die einem verschwitzten, flüchtig blondierten Bastian Schweinsteiger einen Blick zuwirft, der Bände spricht: Verzückt reißt sie die Augen auf und zieht die Nase kraus – „Mein Basti gehört zu mir“, dachte sie vielleicht. mehr...

 
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6.6.2012 VON MAGDALENA ULRICH

Wir bloggen ohne Blogger-Dutt und tragen das Must-Have der Autorentheatertage: den ATT-Jute-Rucksack.

 
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6.6.2012 VON SASKIA SCHABON


Die Scham der Niederlage

Am ATT-Eröffnungsabend erinnert Philipp Löhles „Der Wind macht das Fähnchen“ sein Publikum an peinliche Schwächen.

Entspannte und erwartungsfrohe Stimmung herrschte unter den Besuchern an der Bar vor den Kammerspielen. Bei Sekt und Weinschorle wurde lebhaft über das anstehende Programm diskutiert und gelacht. Das Lachen setzte sich auch während der Aufführung unter den Zuschauen fort. Löhle schildert in seinem Stück "Der Wind macht das Fähnchen" das tragische Zerfallen einer Familie mit viel Humor und schafft so tröstliche Distanz. mehr...

 
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6.6.2012 VON LAURA HAMDORF

Mitgelauscht

Der Autor Carsten Brandau im Gespräch mit Dramaturgin Anika Steinhoff – ein Autorenportrait kurz vor Vorstellungsbeginn in der DT-Bar

Anika Steinhoff: In deinen Stücken treffen Radikalität und Normalität aufeinander. Wie kommst du zu deinen Themen? Beim Schreiben entwickeln sich langsam rote Fäden. Das passiert sehr aus dem Bauch heraus, überhaupt nicht bewusst.

„Fabelhafte Familie Baader“, wird gleich nebenan in der Box aufgeführt, darin geht es um den Mythos des RAF-Pärchens Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Wieso hast du dich für historische Figuren entschieden?
Ich habe Geschichte studiert und mich so mit historischen Identitäten auseinandergesetzt. Historische Figuren ermöglichen ein enormes Spielfeld – angefangen bei der Ikonografie über Rezeption bis hin zum Aufbau. mehr...

 
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6.6.2012 VON LAURA HAMDORF

Sagen wir’s mit Graham Nash

Gestern ging’s los: Zur offiziellen Eröffnung der Autorentheatertage wippte Juror Tobi Müller zur Musik und ließ sich vom Berliner Kulturstaatssekretär zum Vatersein beglückwünschen

Kurz, sogar ausgesprochen kurz ist die Ansprache von Kulturstaatssekretär André Schmitz vor dem vollbesetzten Saal im Mittelrangfoyer. Mit den Worten „Ich verzichte jetzt einmal darauf, das zu sagen, was mir die kluge Behörde hier aufgeschrieben hat“ verstaut er seinen Spickzettel in seinem Jackett und sorgt damit für allgemeines, befreites Schmunzeln. In der dann folgenden ein-minütigen Ansprache drückt er ATT-Juror Tobi Müller seine Bewunderung für dessen Leistung aus, binnen zwei Monaten sowohl 100 Stücke gelesen zu haben als auch Vater geworden zu sein. „Letzteres war ja weniger mein Verdienst, als der meiner Frau“, sagt uns Tobi Müller später lachend. mehr...

Startschuss für die Autorentheatertage 2012

 
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5.6.2012 VON JULIA WIEßNER

Europäisches Babylon

Auf Mörderjagd begegnen Engländer, Deutsche und Estländer in „Three Kingdoms“ ihrem Selbst im fremden Europa

Grenzenloses Europa, lange haben wir von dir geträumt. Du schienst zum Greifen nah, aber ziehst dich jetzt wieder in deine nationalen Grenzen zurück. Europa, du steckst in der Krise, deine Bürger versinken in schlechten Nachrichten und verlieren das große Ganze aus den Augen. Deine Medien überschlagen sich mit düsteren Prognosen, sie scheinen die Hoffnung schon aufgegeben zu haben. Dein Theater aber wirkt als gemeinsame Bühne,... mehr...

 
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5.6.2012 VON LAURA HAMDORF

Du bist dabei!

Aber bitte zeig uns in der nächsten Show noch mehr Personality, sei doch mal du selbst! Ein dreisprachiges Theaterstück entblößt auf humorvolle Weise den Castingwahn

Was ist eigentlich aus den Siegern der großen Castingsendungen geworden? Abgesehen von Alexander Klaws, der sich im Hamburger Musical „Tarzan“ singend von Liane zu Liane schwingt, sind sie von den Bühnen und aus den Medien verschwunden. Kennt noch jemand Elli Erl? – kein Wunder, sie hat nach dem Sieg der zweiten Staffel bald ihr Lehramtsstudium wiederaufgenommen. Und Mark Medlock? Der redet sich neuerdings vor der Fernsehkamera seine Drogenvergangenheit von der Seele. Mehrzad Marashi? Das war doch der, der seiner Freundin in einer Mottoshow einen Antrag machte. Authentizität pur. mehr...

 
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4.6.2012 VON LAURA HAMDORF

Die Kickerfreuden der Kanzlerin

Ein Gespräch mit Moritz Rinke über sein neues Buch - in dem die Bundeskanzlerin Liebesbriefe an Bastian Schweinsteiger schreibt und Jogi Löw Wutreden hält

Moritz Rinke humpelt. Seit fünf Wochen trägt er einen Knieverband. Schuld ist der Fußball, genauer gesagt die DFB-Autorennationalmannschaft. Seine Knieverletzung macht ihn sichtlich ungeduldig - zu viele Trainingseinheiten hat er schon verpasst. Am nächsten Morgen will er deshalb nach Istanbul fliegen, um sich vom Mannschaftsarzt der hiesigen Fußballmannschaft Fenerbahçe heilen zu lassen. Man kennt sich in der Fußballerszene. Vor seiner Abreise hat er zum Glück noch Zeit, von seinem neuen Buch "Also sprach Metzelder zu Mertesacker" zu erzählen – zunächst geht es aber um das große Handycap des Alterns. mehr...

 
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31.5.2012 VON MAJA HOOCK

Füttert mein Ego

Nächste Woche beginnen die Autorentheatertage. Der Auftakt ist eine Mischung aus Großstadt, Geldsucht und einer Kapitalisten-Version von Andreas Baader

Drei Stücke eröffnen die Autorentheatertage am 5. Juni. Dreimal geht es um Ego-Einzelkämpfer in Schein-Gemeinschaften. Nach der Eröffnung im Saal mit Intendant Ulrich Khuon und dem diesjährigen Alleinjuror Tobi Müller wird es ab 20 Uhr im doppelten Wortsinn düster im Deutschen Theater: mehr...

 
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30.5.2012 VON JULIA WIEßNER


„Ein Ausrufezeichen hinter diese Autorin“

John von Düffel über seinen Geheimtipp: Die Autorin Anne Lepper

Anne Lepper ist bei den diesjährigen Autorentheatertagen gleich mit zwei Gastspielen vertreten. Die 34-jährige Autorin scheut das Rampenlicht, ebenso wie Interviews. Und so spricht ein anderer für und über sie: John von Düffel. Der Dramaturg des Deutschen Theater hat Anne Lepper kennen gelernt. mehr...

 
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29.5.2012 VON ANNA MAYRHAUSER

„Ich bin mit halberten Herz ein Romantiker”

Der österreichische Dramatiker Thomas Arzt über die Produktivität des Fremdseins und Besuche daheim

Ich bin auch Oberösterreicherin und ich wusste gar nicht, dass es den Grillenparz wirklich gibt. Ich habe das für einen besonders lustigen Einfall von dir gehalten!
Das ist tatsächlich der Hügel, an dem ich aufgewachsen bin. Mein Heimatort Schlierbach liegt direkt am Grillenparz. Nur ist dieser Name ein Fremdkörper in der Sprache. Im Dialekt nennt man den „Grüllpoatz“ oder „Grüllenposs“. Auf der Landkarte ist er als Grillenparz verzeichnet. Und das klang immer so poetisch... mehr...

 
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28.5.2012 VON JULIA WIEßNER

Von traurigen, dicken Kindern

Perfektion um jeden Preis: Anne Lepper stichelt mit „Seymour oder Ich bin nur aus Versehen hier“ gegen die Fit-for-Fun-Gesellschaft

Was ist eigentlich schön? Das langbeinige Model ohne Fett und Formen oder die kleine, runde Dame aus Mali, deren Bauchumfang Maß für Wohlstand und Gesundheit ist? Oder anders: Was bedeutet normal und wer entscheidet in unserer Gesellschaft über Norm und Abnorm? mehr...

 
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25.5.2012 VON LAURA HAMDORF

Versunken im Grün

In seinem Roman "Immer noch Sturm" kämpft sich Peter Handke durch den Sturm der Stimmen seiner Vorfahren. Auf der Bühne wird seine Erinnerung zu grünem Konfetti

Ein alter Mann sitzt auf einem Feld im österreichischen Kärnten. Klapprig stakst er durch den Rasen und träumt sich in seine Vergangenheit. Er lässt seine Vorfahren wiederauferstehen, findet sich in den schützenden Armen seiner jungen Mutter wieder. Vor zwei Jahren erschien der Roman „Immer noch Sturm“ von Peter Handke. Der Autor selbst hat sich hineingeschrieben. Er ist der alte Mann auf dem Jaunfeld. Handke verbrachte seine Kindheit in Kärnten, als Mitglied einer slowenischen Familie. In seinem Roman verarbeitet er diese Familiengeschichte, die geprägt ist von Vertreibung durch die Nazis, Widerstand und dem Gefühl der Ausgeschlossenheit. mehr...

 
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25.5.2012 VON LAURA HAMDORF

Der Schnösel in Weiß

Ein Gespräch mit dem Schauspieler Hans Löw über Gedärme und Archaik und seine Rolle in dem Gastspiel "Immer noch Sturm"

Du trägst als Valentin einen weißen Anzug und siehst damit aus wie ein Großstadtcowboy.
Es ist die Country-Variante eines Schnösels, würde ich sagen. Der Country-Stil spielt auf die Landbevölkerung an, der Valentins Familie angehört. Das Weiße, was so schnöselig aussieht, kennzeichnet ihn aber eher als „Anti-Agrar-Menschen“ innerhalb der Truppe. Außerdem spielt die Assoziation zu Amerika mit hinein, ebenso wie die Zeit. Valentin zitiert viele Hits, Songs von Elvis Presley zum Beispiel. Am Anfang der Proben hatte ich immer noch ein Radio dabei, einen Weltempfänger, um mir da den ganzen Westen reinzuziehen. Der flog während der Proben aber leider raus. mehr...

 
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24.05.2012 VON SASKIA SCHABON

Deutschlandreise

Dirk Laucke rüttelt in seinem Stück „Angst und Abscheu in der BRD“ am demokratischen Selbstverständnis der Bundesrepublik

Günther Grass ist ein Antisemit. Thilo Sarrazin ein Rassist. Und Journalisten, die sich einem Vokabular wie „Dönermorde“ bedienen ebenfalls. So einfach ist das! Da sind wir uns doch alle einig! - Oder etwa nicht?
Dirk Laucke und Matthias Platz reisten ein Jahr durch das Land, um Deutschlands wahre Stimme(n) zu hören. Dabei begaben sie sich tief ins rechte wie linke politische Spektrum und bewegten sich letztlich doch nicht weit im Abseits. mehr...

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23.5.2012 VON LAURA HAMDORF

Wie man aus Luftballons Frösche knetet

Roland Schimmelpfennig fordert mit seinem Stück "Die vier Himmelsrichtungen" die Fantasie der Zuschauer heraus

„Schön, dass wir oben sind. Nur schade, dass das Ding sich dreht“, sagte die Kellnerin mit den Locken zu ihrem neuen Liebhaber, damals im Riesenrad – das erzählt sie dem Publikum. Roland Schimmelpfennigs „Die vier Himmelsrichtungen“ lebt nicht nur von Rückblenden, es lebt auch von Vorhersagen: Diese Kellnerin wird noch an ihren Locken sterben, denn sie wachsen nach innen - ein Gehirntumor. Ihr kräftiger Liebhaber wird noch jemanden umbringen. Nämlich einen Straßenkünstler, der aus Luftballons sogar Frösche machen kann. Und die Wahrsagerin Madame Oiseau hat alles geahnt. Vor 20 Jahren kam sie in das Dorf. Der Zug musste anhalten, weil zu viel Schnee auf den Gleisen lag. „Mal sehen, wann der nächste Zug kommt“, hat sie beim Aussteigen gesagt. Das Zusammentreffen der vier Figuren wirft das Riesenrad des Schicksals an: „Es fährt dich hoch, aber es fährt dich auch wieder runter. Nur schade, dass das Ding sich dreht.“ mehr...

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22.5.2012 VON MAGDALENA ULRICH

Schweben ist knallharte Arbeit

Charlotte Roos über den Wunsch, anders zu sein und das Sonderbare an Übersetzungen

In deinem Stück „Wir schweben wieder“ sticht eine Person heraus: Maria, die Joggerin. Sie wirkt unheimlich getrieben und läuft „dreimal in der Woche dreißig Minuten“, wie sie immer wieder betont. Wie bist du zu dieser Figur gekommen?
Maria war der Versuch eine Amokläuferin zu schaffen. Eine ganz normale durchschnittliche Frau, die aber eine enorme Gewaltbereitschaft hat. Bei ihr kann man nicht sagen: Die hat zu viel Counter-Strike gespielt. Oder: Die ist absolut krank. Es wird ja nach einem Amoklauf immer versucht, das Problem aus der Gesellschaft wegzuschieben. Man sucht Gewaltbereitschaft im Präkariat, in ganz bestimmten Milieus, im Zusammenhang mit krassen Schicksalen. Mich hat dagegen eine Figur interessiert, die ganz normal ist, von der man sich nicht so leicht distanzieren kann, und die eines Tages sagt: Ich bin nicht mehr einverstanden, ich wehre mich. mehr...

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21.5.2012 VON SASKIA SCHABON

Schmutz im Nest

Für das System Familie wird es brenzlig: Das Schauspiel Bonn ist mit Philipp Löhles Tragikkomödie „Der Wind macht das Fähnchen“ zu Gast bei den ATT

Woran soll man sich halten, in Zeiten, in denen die einst geachteten und liebgewonnen Instanzen und Werte bröckeln, Bundespräsidenten bestechlich sind, Finanzmärkte zusammenbrechen und Thomas Gottschalk aus dem Abendprogramm verschwindet? Da bleibt nur der Rückzug in den warmen Schoß der Familie. Nicht zu Unrecht rufen die Feuilletons derzeit ein zweites Biedermeier aus – eines mit Internet. mehr ...

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18.5.2012 VON JULIA WIEßNER

Ein explosives Gebräu

Ulrike Syhas Stück „Radikale“ ist ein Lauschangriff auf derangierte Menschenmengen

7 Uhr morgens in einem U-Bahn-Abteil der Linie U8: „Wegen so einer Bratwurst rennst du weg?“, sagt ein schlaksiger Junge zu seiner Nachbarin. Sie scheint beim Wurstgeruch um diese Uhrzeit mit der Übelkeit zu kämpfen. Der Schlaksige grinst und wedelt mit seinem Wurstbrötchen herum – schön nah vor dem Gesicht der Frau. Sie presst ihren  Leoparden-Schal vor Mund und Nase. „Jetzt stell dich nicht so an, hmmmm“ – er genießt seinen Auftritt. mehr ...


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17.5.2012 VON ANNA MAYRHAUSER

"Wer was vom Leben versteht, versteht auch was von Poesie"

Ein Gespräch mit Gewinnerautorin Nina Büttner über den Zwiespalt der Authentizität und das Schaf als Symbol der Freiheit

Deine Protagonistin Nori träumt von der Schafinsel. Schafe sind ja etwas ganz Friedliches, Dröges.
Was alle Figuren in diesem Stück gemeinsam haben, und Nori spürt das natürlich am meisten, das ist eine emotionale und psychische Unfreiheit. Und diese Unfreiheit entspringt der Angst. Ich würde sagen, wenn Freiheit das Fehlen von Angst ist, dann denke ich, dass die Nori dieses kleine Fleckchen ohne Angst sucht. Sie möchte ihrem Alltag entfliehen. mehr...

 
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16.5.2012 VON LAURA HAMDORF UND MAGDALENA ULRICH

Obdachlos

Oliver Klucks fransige Gedanken haben keinen Platz auf einer normalen Bühne

Im Programmheft steht geschrieben: „Besonderer Spielort“. Was hat das zu bedeuten? Zum einen heißt es „Notlösung“ – denn wenn 17 Gastspiele die Bühnen des Deutschen Theaters erobern, geht auch mal eins leer aus. In diesem Fall: „Der Wiederaufbau des Haider-Denkmals“. Andererseits hat dieser Notstand eine hübsche Kehrseite: Dieses Stück hat jetzt einen der schönsten Plätze im Theater bekommen – unmittelbarer und intimer als jede Bühne. mehr ...

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15.5.2012 VON MAJA HOOCK

Betroffen im Bikini

Die Mediensatire „Eine Stille für Frau Schirakesch“ entlarvt falsche Anteilnahme im TV

Was hat „Germany’s next Topmodel“ mit Politik zu tun? Nun, Mitleid mit den Menschen in einem Kriegsgebiet können auch minder schauspielbegabte Damen heucheln - immerhin sehen die Models besser aus, als die meisten Regierungsvertreter. Und wieviel Moral verträgt die Quote einer Talkshow, ohne zu straucheln? Wenn die Argumente der nicht notwendigerweise gebildeten Gäste genug Stammtisch-Potential bieten, dann nicht gerade wenig. mehr...

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14.5.2012 VON LAURA HAMDORF

Der Wunsch nach weniger Ich

Gewinnerautorin Sarah Tabea Paulus über die Notwendigkeit extremer Emotionen und die Schönheit des Nichts

„Totberlin“ heißt dein Stück. Es handelt von drei Großstädtern, die an der Stadt und sich selbst scheitern – sie werden zu Passivmenschen, zu Alles-Abbrechern oder zu Selbstmördern. Wie kamst du auf diese Idee?
Ich hatte einen Freund, der vier Wochen verschollen war. In dieser Zeit habe ich geträumt, dass er gestorben ist. Dauernd habe ich überlegt, wo er sein könnte und bin wirklich verrückt geworden. Ich war überzeugt davon, dass er tot ist, denn ich hatte es ja geträumt. Meine Gedanken haben sich nur darum gedreht, wo sein Körper gerade wohl tot liegen könnte. Diese Frage hat einen ganz seltsamen Tunnelfokus erzeugt, eine ganz andere Realität für mich. In fünf Tagen habe ich dann das Stück geschrieben. mehr...

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10.5.2012 VON MAGDALENA ULRICH

Durchblicken

Im ATT-Gewinnerstück „Wir schweben wieder“ wagen die Figuren eine neue Sicht auf ihre Welt – durch die Brillen der anderen

„Alles fing damit an, dass ich seine Brillen haben wollte. Seine Brillen sollten auf meiner Nase sitzen...“, sagt Bruno. Er ist eine Figur in Charlotte Roos‘ Stück „Wir schweben wieder“ – eines von drei Gewinnerstücken des diesjährigen Wettbewerbs der Autorentheatertage. „Sei nicht du selbst“, lautet das diesjährige Motto. Und in diesem Theaterstück spielen wir: durch fremde Brillen blicken. Ein Rollentausch. Was kann man da erkennen? mehr...

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10.5.2012 VON JULIA WIEßNER

Giftige Erinnerung

Auf Tribünen lässt sich gut trauern – das beweist das Gastspiel „Gift“

Man stelle sich eines der schlimmsten Dinge vor. Man stelle sich vor, als Mutter oder Vater das eigene Kind zu verlieren. Unvorstellbar? Aber es passiert - manchmal sogar in der unmittelbaren Umgebung. Lot Vekemans hat ein Drama geschrieben, in dem die Welt für zwei Personen auseinander bricht. mehr...

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9.5.2012 VON MAJA HOOCK

Der Tod eines Provokateurs

Falk Richter inszeniert "Karte und Gebiet" nach Michel Houellebecqs Roman

Houellebecq scheint Humor zu besitzen. Er nimmt das literaturtheoretische Konzept des "Tod des Autors" beim Wort und tötet sich selbst in seinem vielbesprochenen Roman "Karte und Gebiet". Damit hinterfragt er den Einfluss der Schriftsteller über ihre Schöpfung provokant und rückt die Macht der Leser in den Mittelpunkt. In seiner ironischen, anspielungsreichen Skizzierung der Kunstwelt behandelt Houellebecq gleichsam die Vergänglichkeit der Künstler, ihrer Kunst und des Lebens überhaupt. mehr ...

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8.5.2012 VON LAURA HAMDORF

Málaga – leider lecker!

Lukas Bärfuss garniert eine große Portion Familientragödie mit bunten Streuseln

Mmmálaga, eiskalt, in einer Waffel. Eine Genussbombe aus Sahne, Zucker, Eiern und Rosinen. Doch Obacht: Wenn die Rosinen nach Rum schmecken, waren wir leider in der Loser-Eisdiele. Denn die richtige Málaga-Eiscreme ist gespickt mit Rosinen, die in süffigem Málaga-Wein eingelegt wurden. mehr...


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7.5.2012 VON LAURA HAMDORF UND MAGDALENA ULRICH

Der Schweizer mit dem Fiebermesser

Der Alleinjuror der Autorentheatertage Tobi Müller über das ständige Gebot „du selbst“ zu sein

Tobi ist im Stress, als wir ihn in seinem Büro in Prenzlauer Berg treffen. Mit Sonnenbrille und frühlingsgrünem Hemd kommt er uns entgegen. Hinter riesigen, rot gerahmten Altbau-Fenstern steht sein Schreibtisch. Dort liegen Suhrkamp-Bände neben einem Apple-Bildschirm, außerdem ein schrumpeliger Apfel, der schon seit Wochen unberührt dort liegen könnte. Zeit ist eben Mangelware für den Alleinjuror, kurz vor Beginn der Autorentheatertage.

Ein Anruf von Ulrich Khuon im letzten August hat dich zum Alleinjuroren der Autorentheatertage 2012 gemacht. Was ging dir da durch den Kopf?
Ich fand es super, das machen zu können. Eine gute Gelegenheit, den Fiebermesser in die junge Dramatik zu halten. Nach einem Tag des Nachdenkens war dann auch das Motto für mich klar. mehr ...


 
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5.5.2012 VON LAURA HAMDORF

Raus aus der Idiotenfalle

Ein Probenbesuch bei „Totberlin“ – dem Gewinnerstück von Sarah Tabea Paulus

Es wird geklatscht auf Probebühne eins. Ganz sauber im Takt. Dann setzt Gitarrengeschrammel ein, kurz darauf der mechanische Singsang dreier Schauspieler, die nebeneinander stehen und finster ihren Regisseur Tobias Wellemeyer anstarren. Sie pressen die Worte hervor: „Gleichgeschaltet absolut, wir laufen durch ein schwarzes Raster." mehr...


 
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4.5.2012 VON MAGDALENA ULRICH

Der Pudel kläfft im Keller

Mit ihrem Sekundärdrama „FaustIn and out“ beißt die Autorin Elfriede Jelinek dem Klassiker Faust in die Wade

Im Keller ist es unheimlich: düster, feucht, beklemmend. Man kriegt so eine Ahnung, wie es sein wird, wenn man sich nicht mehr freiwillig unter die Erde begibt, zum Marmeladengläser holen oder Wintersachen einmotten, sondern leblos in die Erde hinabgelassen wird – und die Gänseblümchen von unten sieht.
Seid ihr neugierig, wie es im DT-Keller aussieht? Zu den Autorentheatertagen ist das Stück „Faust 1-3 / FaustIn und out“ vom Schauspielhaus Zürich zu Gast. mehr...


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2.5.2012 VON LAURA HAMDORF

Die Dystopie von Prenzlauer Berg

Roland Schimmelpfennigs „Das fliegende Kind“ entlarvt egoistische Eltern

Kinder brauchen ihre Eltern. Doch manchmal scheint es, als bräuchten Eltern ihre Kinder nicht. Sie vernachlässigen das Familienleben und jagen stattdessen dem eigenen Glück hinterher. Unter Großstädtern besteht dieses Glück zum Beispiel aus Fastengruppenkuren, Geschäftsreisen mit dem smarten Chef, Yoga… Eltern halten Vieles für reizvoller als die eigene Familie, könnte man denken, wenn man das Stück „Das fliegende Kind“ von Roland Schimmelpfennig gelesen hat. mehr...


 
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2.5.2012 VON LAURA HAMDORF

Der Autor im Sekretärinnen-Outfit

Sein Stück wurde ihm langweilig - da schrieb sich Carsten Brandau selbst hinein

Bei den ersten 29 Grad des Jahres gibt es nichts Besseres, als unter einer alten Kastanie Club Mate zu trinken. Und genau das tun die jungen Regisseure David Czesienski und Robert Hartmann, als ich sie auf ein Gespräch treffe. In einem Innenhof-Café in Berlin Mitte unter besagter Kastanie lässt es sich gut plaudern über ihr Gastspiel bei den diesjährigen Autorentheatertagen. mehr...
 

 
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23.4.2012 VON MAGDALENA ULRICH UND JULIA WIEßNER

Nimm den Finger aus der Nase

Früh-Stücke zu den Autorentheatertagen

Der Countdown läuft: noch sechs Wochen bis zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater. Gestern Vormittag gab es bei den Früh-Stücken im Saal einen ersten Vorgeschmack auf das Theaterfestival. Ulrich Khuon begrüßt auf dem Podium Tobi Müller, den Alleinjuror der diesjährigen Autorentheatertage, und lobt seine „Eleganz des Denkens“. Der Juror stellt passioniert und erfrischend humorvoll die drei Gewinnerstücke vor, die in der „Langen Nacht der Autoren“, am 16. Juni als Werkstattinszenierungen zu sehen sein werden. Mit „Wir schweben wieder“ von Charlotte Roos, „Schafinsel“ von Nina Büttner und „Totberlin“ von Sarah Tabea Paulus hat Tobi Müller in diesem Jahr drei Autorinnen gekürt. Einwandfreie Frauenquote, finden wir. Doch im zweiten Teil der Früh-Stücke glänzen auch die Männer: 

Die DT-Ensemblemitglieder Daniel Hoevels und Helmut Mooshammer geben in kurzen Lesungen einen Vorgeschmack auf zwei eingeladene Gastspiele: Hoevels liest den Schlussmonolog aus Peter Handkes aufreibendem Stück „Immer noch Sturm“. Danach ist Mooshammer mit Elfriede Jelineks „Faust 1-3 / Faustin and out“ an der Reihe. Gemeinsam mit ATT-Kuratorin Christa Müller liest Mooshammer - und erzeugt mit der typischen Wucht eines Jelinek-Texts eine eigentümliche Reaktionsfolge im Saal: Erst herrscht Lachen im Publikum über herrlich treffende Frauen-Klischees in Jelineks Stück – in der nächsten Sekunde gefriert die Stimmung, denn es geht um den Missbrauch eines Vaters an seiner eigenen Tochter, wie im Fall Fritzl vor einigen Jahren.

Jelineks „Faust 1-3 / Faustin and out“ passt zu dem diesjährige Motto der Autorentheatertage, denn es zeigt, was Texte bewirken können, die nicht von den eigenen „Fühlzonen“ erzählen, sondern einen mutigen Blick auf die Welt dort draußen richten. „Sei nicht du selbst“ – dazu ruft Juror Tobi Müller in seinem Stückwettbewerb auf. „Nimm den Finger aus der Nase und blicke den Dingen ins Auge.“ Wir sagen: tiptop – und erwarten vorfreudig, die Stücke auf der Bühne zu sehen.


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23.4.2012 VON LAURA HAMDORF

Sei nicht du selbst!


Sei komisch, sei grausam, sei bizarr – aber löse dich von dem ewigen Authentizitätsterror. Der lauert nämlich überall: in Castingshows, im Klosterurlaub, in der Verzweiflung über die Wahl der falschen Eissorte. Es ist dringend Zeit für den Appell „Sei nicht du selbst“ – und der bestimmt in diesem Jahr die Autorentheatertage am Deutschen Theater in Berlin. 

Die Autorentheatertage  sind ein Theaterfestival, das die Autoren in den Mittelpunkt rückt: Vom 5. bis zum 16. Juni werden 17 Gastspiele gezeigt, die schon an sich sehenswert sind, sich zudem in diesem Jahr auch thematisch an der Überschrift des Stückwettbewerbs orientieren: "Sei nicht du selbst". Es geht  nicht um das Eigene, sondern um das Fremde – in der eigenen Stadt, im eigenen Spiegelbild, in der eigenen Biografie. Es reisen an: Peter Handkes „Immer noch Sturm“ aus Hamburg, Elfriede Jelineks Sekundärdrama „Faust 1-3/ Faustin and out“ aus Zürich und Roland Schimmelpfennigs „Das fliegende Kind“aus Wien. 14 weitere Stücke folgen.

Der Höhepunkt des Festivals ist die Auszeichnung dreier junger Autoren durch den Alleinjuror Tobi Müller: Der 42-jährige Kulturjournalist hat dem diesjährigen Stückwettbewerb das Motto  „Sei nicht du selbst“ gegeben und drei Gewinnerstücke gekürt. Diese Stücke werden vom Ensemble des Deutschen Theaters innerhalb von zwei Wochen geprobt und als Werkstattinszenierungen uraufgeführt – alle nacheinander in der Langen Nacht der Autoren am 16. Juni. 

Erstmals gibt es in diesem Jahr den ATT-Blog. Ein Team von jungen Journalistinnen, allesamt Studentinnen des Studiengangs „Kulturjournalismus“ an der Universität der Künste Berlin, werden immer und überall dabei sein: bei den Proben, Vorbereitungen und Vorstellungen. Sie werden Interviews führen und Bilder einfangen – und eine lebendige, tagesaktuelle Plattform entstehen lassen.

Kürzlich beschwerte sich übrigens Claus Peymann, der Intendant des Berliner Ensembles, über den Niveauverlust der Gegenwartsdramatiker. Es gebe nur noch Nichtstücke – so wurde er auf Spiegel Online zitiert – und es sei deshalb wichtiger, die Werke der alten Dramatiker zu spielen. Zeit für den Gegenbeweis: 34 Veranstaltungen in 12 Tagen und viele talentierte Autoren im Alter von 13 bis 69 werden den zweifellos erbringen.




Die Früh-Stücke am 22. April

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