Hier geht es zu unserer Stückankündigung von "Fabelhafte Familie Baader"

6.6.2012 VON LAURA HAMDORF

Mitgelauscht

Der Autor Carsten Brandau im Gespräch mit Dramaturgin Anika Steinhoff – ein Autorenportrait kurz vor Vorstellungsbeginn in der DT-Bar

Anika Steinhoff: In deinen Stücken treffen Radikalität und Normalität aufeinander. Wie kommst du zu deinen Themen?
Beim Schreiben entwickeln sich langsam rote Fäden. Das passiert sehr aus dem Bauch heraus, überhaupt nicht bewusst.

„Fabelhafte Familie Baader“, wird gleich nebenan in der Box aufgeführt, darin geht es um den Mythos des RAF-Pärchens Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Wieso hast du dich für historische Figuren entschieden?
Ich habe Geschichte studiert und mich so mit historischen Identitäten auseinandergesetzt. Historische Figuren ermöglichen ein enormes Spielfeld – angefangen bei der Ikonografie über Rezeption bis hin zum Aufbau.

Du hast den Stil der Zombie-Komödie begründet, in vielen deiner Stücke geht es um Körpertausch. Warum?
Das weiß ich ehrlich gesagt nicht, die Faszination am Körpertausch kann ich schwer begründen. Vielleicht hat sie etwas mit Kapitalismuskritik zu tun oder mit der Zombie-Ästhetik, die mir sehr gefällt. Vor allem geht es aber darum, einen Raum für die Sprache meiner Stücke zu schaffen. Ellipsen und solch ein Kram brauchen eine körperliche Entsprechung. Ganz davon abgesehen, soll es natürlich auch Spaß machen, sich meine Stücke anzusehen. Gliedmaßen fallen ab und gut ist.

Deine Stücke haben Unterhaltungswert, sie sind aber zugleich Gesellschaftskritik, sie zeigen schmerzhafte Prozesse und stecken voller grotesker Elemente. Warum hast du dich für die Komödienform entschieden?
Das liegt daran, dass ich bei solchen Themen wie Baader-Meinhoff oder Neoliberalismus keine klare Stellung beziehen will. Ich will kein Thesentheater schreiben, das eine Meinung vorkaut. Die Groteske sorgt dafür, dass der Zuschauer nicht bloß zwei, drei Sätze mitnimmt, sondern sie wird zum Katalysator für eigene Prozesse. Erst lacht man in der Vorstellung und beim Frühstücksbrötchen am nächsten Morgen kommt man zum Nachdenken. 

Vor zwei Jahren war „Fabelhafte Familie Baader“ eines der Gewinnerstücke, das in der Langen Nacht der Autoren als Werkstattinszenierung aufgeführt wurde. Außerdem hast du die Uraufführung am Neuen Theater in Halle mitverfolgt. Was hast du für Erfahrungen mit der Weiterentwicklung deines Stücks gemacht?
Ich sehe mich in der Rolle eines Rädchens im Theaterbetrieb. Es ist schön, wenn das Stück in den Proben ein Eigenleben entwickelt. Somit bin ich auch Katalysator für weitere Ideen. 

Apropos Katalysator: Du selbst bist Katalysator des Stücks „Fabelhafte Familie Baader“. Du hast dich nämlich selbst hineingeschrieben. Wie kam es dazu?
Eigentlich sollte es ein Zwei-Personen-Stück werden. Ich merkte dann aber bald, dass sich die Handlung in die falsche Richtung entwickelte, dass eine dritte Person gebraucht wurde, um die Handlung umzulenken. Diese dritte Person war natürlich erstmal ich als Autor. Ich schrieb diese Person als Sekretärin in das Stück hinein und probte dann auch mal in dieser Rolle mit, folglich hieß die Sekretärin auch Carsten Brandau. Ganz davon abgesehen ist es auch sehr schön, neben historischen Namen wie Andreas Baader und Gudrun Ensslin eine Rolle in einem Stück zu spielen. 

Du hast das Theaterleben neulich als Nischendasein beschrieben. Warum?
Viele meiner Freunde werden nie etwas von mir sehen – das liegt nicht daran, dass sie meine Stücke nicht mögen, sondern daran, dass sie sich einfach nicht für das Theater interessieren. Deshalb ist ein Theaterberuf immer ein Nischendasein, man tummelt sich in einer exklusiven und abgeschlossenen Gesellschaft herum.