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30.5.2012 VON JULIA WIEßNER

„Ein Ausrufezeichen hinter diese Autorin“

John von Düffel über seinen Geheimtipp: Die Autorin Anne Lepper


Anne Lepper ist bei den diesjährigen Autorentheatertagen gleich mit zwei Gastspielen vertreten. Die 34-jährige Autorin scheut das Rampenlicht, ebenso wie Interviews. Deshalb spricht ein anderer für und über sie: John von Düffel. Der Dramaturg des Deutschen Theaters hat Anne Lepper kennen gelernt.

Lieber John von Düffel, wo haben Sie Anne Lepper zum ersten Mal getroffen?
Beim Theatertreffen im letzten Jahr. Genauer gesagt in einem Talentworkshop für junge Autoren, die bereits durch ihr Schreibtalent aufgefallen sind, denen aber noch ein kleines Eckchen an Schliff fehlte. Es war eine hoch interessante Begegnung. Ihre Texte haben eine besondere Sprachmächtigkeit, eine ganz eigene Stimme, eine fremde und auch befremdende Poesie. 

Und wie haben Sie sie persönlich erlebt?
Sie neigt zum Verstummen. Sie ist sehr schüchtern, sehr kritisch und sehr selbstbefragend. Es gibt also diese große Spaltung zwischen der Schreibpersönlichkeit, die sehr stark und ausgeprägt ist, und der öffentlichen Person, die sehr schüchtern ist - weshalb man tendenziell eher über Anne Lepper spricht als mit ihr.

Ist ihre Schüchternheit der Grund, warum sie so selten Interviews gibt?
Es ist etwas, was sie nicht kann und es quält sie, dass sie es nicht kann. Aber es ist ein von jedem und für jeden Autor zu respektierendes Privileg, dass er seine Texte sprechen lässt  - und Anne Leppers Texte sprechen tatsächliche eine beredte Sprache. 

Während der Autorentheatertagen werden zwei ihrer Stücke im Deutschen Theater zu Gast sein: „Seymour oder Ich bin nur aus Versehen hier“ und „Käthe Hermann“. Das ist eine besondere Ehre für die Autorin. 
Sie ist die Autorin, die wir mit dem diesjährigen Festival richtig nach vorne schieben wollen. Beim Theatertreffen im letzten Jahr hatte sie einen viertelstündigen Auftritt in diesem Talentworkshop. Jetzt haben wir zwei ihrer Stücke als Gastspiele eingeladen. Wir wollen ein Ausrufezeichen setzen hinter diese Autorin. Wir halten sie für sehr wichtig und sind davon überzeugt, dass sie eine einzigartige Position in der Vielstimmigkeit der neuen Dramatik hat. Wir werden noch viel von ihr hören, da bin ich mir sicher. 

Wird Anne Lepper denn zum Festival nach Berlin kommen?
Wir haben lange diskutiert, ob wir es ihr antun sollen, sie als Autorin persönlich ins Rampenlicht zu zerren. Wir haben uns dagegen entschieden. Auf dem Theatertreffen war sie zu einer kurzen Podiumsdiskussion bereit, aber nur sehr ungern. Es brauchte viele Tage mühsamen und behutsamen Zuredens. Dieses Mal ist das meiner Meinung nach nicht nötig, hier sprechen ihre Stücke und die Inszenierungen für sich. Vielleicht wird sie ja undercover zu ihren eigenen Gastspielen kommen, aber nicht öffentlich in Erscheinung treten. Sie stellt sich auf ihre eigene Art den Zuschauern vor – durch ihre Texte. 


"Seymour oder Ich bin nur aus Versehen hier", Regie: Claudia Bauer, am 7.6. um 20 Uhr in den Kammerspielen des Deutschen Theaters, 19.30 Autorenportrait im Saal.  
  
 "Käthe Hermann", Regie: Daniela Kranz, am 11.6. um 20.30 in der Box , Einführung um 20.00 in der Bar.