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16.5.2012 VON LAURA HAMDORF UND MAGDALENA ULRICH
Obdachlos
Oliver Klucks fransige Gedanken haben keinen Platz auf einer normalen Bühne
Im Programmheft steht geschrieben: „Besonderer Spielort“. Was hat das zu bedeuten? Zum einen heißt es „Notlösung“ – denn wenn 17 Gastspiele die Bühnen des Deutschen Theaters erobern, geht auch mal eins leer aus. In diesem Fall: „Der Wiederaufbau des Haider-Denkmals“. Andererseits hat dieser Notstand eine hübsche Kehrseite: Dieses Stück hat jetzt einen der schönsten Plätze im Theater bekommen – unmittelbarer und intimer als jede Bühne.
In dem Gastspiel vom Schauspielhaus Graz geht es um alles, um das große Dahinter jeder Inszenierung: um das Schreiben eines Theaterstücks. Autor Oliver Kluck sorgt dafür, dass sich seine Schauspieler in Schreibblockaden verheddern und immer wieder vor der Frage stehen: Welches Thema ist kontrovers genug, um Stoff für mein Stück zu bieten? Die typischen Attribute für Kluck-Texte treffen dabei auch hier zu: treffsicher, grell, gerne auch zynisch.
Übrigens: Kluck ist vom Beschwerdebriefschreiber zum Theaterautoren geworden. Seine Beschwerdebriefe während der Studienzeit waren so scharf und erfolgreich, dass er von anderen Studenten Auftragsarbeiten zum Schreiben von deren Beschwerdebriefen bekam. Als vor drei Jahren sein Stück „Das Prinzip Meese“ zum Theatertreffen eingeladen wurde, gelang dem ehemaligen Student der Ingenieurwissenschaften (später studierte er zu unserem Glück noch „Prosa, Dramatik und Neue Medien“ in Leipzig), der Sprung auf die Bühne, bzw. an den Schreibtisch. Seine Texte haben alle eines gemeinsam: Sie ähneln einem Stream of Consciousness. Sie sind Sammelsurium aus Zitaten, Geschichten und Philosophien. Was diese Fransen bündelt, ist ein greller, zentraler Gedanke.
Eine Bühne ist zu eng für Klucks fransige Gedanken, es braucht einen „besonderen Spielort“. Aber wo könnte der sein? Regisseurin Christina Rast hat sich im DT auf die Suche begeben und ihn inzwischen gefunden. Wir sind ihren Fußspuren gefolgt und haben den Spielort fotografiert. Habt ihr ihn schon erraten?
Wir legen den Blockflötenfans unter euch „Der Wiederaufbau des Haiderdenkmals“ besonders ans Herz – versprochen, hier kommt ihr auf eure Kosten. Und für alle anderen: Es erwartet euch ein aufregendes Stimmenspiel und der wohl leiseste Applaus in der DT-Geschichte. Aber pssst!
ACHTUNG geänderter Vorstellungsbeginn: "Der Wiederaufbau des Haider-Denkmals", Regie: Christina Rast, Gastspiel des Schauspielhaus Graz, am 11.6. 20.30 und am 12.6. um 20.00 Uhr