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Alle meine Söhne

Alle meine Söhne

Zitty, Tobias Schwartz, 30.12.2010

Eine glänzende Meike Droste gibt die Ann Deever elegant und souverän emanzipiert. Daniel Hoevels überzeugt vor allem durch die Verunsicherung seiner ach so selbstsicheren Figur Chris in dem Moment, als Anns Bruder George (Ole Lagerpusch) auftaucht und die Wahrheit allmählich ans Licht kommt. Erschütternd sind Hoevels/ Chris‘ Schreie, wenn die Fassade durch das Auftauchen eines Briefes seines im Krieg verschollenen Bruders Larry vollends bricht. Diese düstere, krimihafte Variante des amerikanischen Traums, mit der Arthur Miller 1947 erstmals am Broadway für Furore sorgte, inszeniert Roger Vontobel auf einem von einer spielenden Kinderschar ausgerollten Rasen, um den herum das Publikum platziert ist. Vontobel vertraut ganz auf den spannunsgeladenen Stücktext und seine hervorragenden Schauspieler. Einfühlung ist hiernach kein Schimpfwort mehr.

Grauen wächst aus der Idylle

Neues Deutschland, Christoph Funke, 22.12.2010

Das seltsam Bedrückte der um das Rasengeviert herumirrenden oder auf ihm wie gefangenen, bedrohten Figuren gibt Jörg Pose als Joe Keller vor. Er zeigt, wie aus der leutselig eingefärbten Festigkeit, der unbeirrbar untadeligen Haltung des Familienvaters allmählich das Leben weicht und nur noch maskenhaft Graues zurücklässt. Ulrike Krumbiegel gibt der an die Wiederkehr des älteren Sohnes glaubenden Mutter Kate eine staunenswerte Festigkeit. Und doch wird spürbar, wie sehr diese Frau den schützenden Schirm ihres Wahns braucht und wie sehr sie zugleich an das Dunkle, Furchtbare gebunden ist. Daniel Hoevels, Meike Droste, Ole Lagerpusch machen das Verstricktsein der Jungen in die Lebenslüge der Älteren deutlich, mit anrührend zaghaften Versuchen, einen gangbaren Weg zueinander zu finden, oder auch mit aufflammendem Zorn.

Unter dem Firnis das Tier

www.nachtkriktik.de, Elena Philipp, 17.12.2010

Texttreu bricht bei Vontobel die Lügenwelt zusammen. Geschickte Kürzungen steigern den Spannungsaufbau. Millers moralisches Stück, 1947 am Broadway uraufgeführt, ist ein veritabler Krimi, und Vontobels Inszenierung ist nicht länger als ein Vorabendfilm. Die Schauspielerführung ist genau, das Spiel entschlackt.

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