Alles
von Ingeborg Bachmann
Wo gibt es diese Insel von der aus ein neuer Mensch, eine neue Welt begründen kann?
Ingeborg Bachmann ‚Alles’
Mit der Geburt des Kindes verändert sich für den jungen Vater alles: die Stadt, die Wohnung, seine Beziehung zu seiner Frau Hanna, sein Blick auf sich selbst und auf die Welt. Einen neuen Menschen will er aus seinem Sohn machen. Fipps soll nicht wie die anderen werden, nicht die immer gleichen Fehler begehen, nicht verletzen, beleidigen, töten. Die Welt ist ein gescheiterter Versuch, das Kind soll einen neuen wagen und den ewigen Kreislauf aus Schuld, Liebe und Verzweiflung durchbrechen. Doch je älter Fipps wird desto ähnlicher wird er den Menschen, tritt in die Fußstapfen seiner Eltern und all der Generationen vor ihm. Er enttäuscht die Erwartungen des Vaters, der seinen Sohn aus wachsender Distanz beobachtet und ihn immer weiter aus seiner Liebe fallen lässt.
Die fortschreitende Entfremdung von Hanna, die Aufgabe des Kindes, die Enttäuschung über das eigene Scheitern werden schließlich von einem tragischen Ereignis durchbrochen, das alles zum Stillstand zwingt und den Graben unüberwindbar werden lässt.
Man müsste den Trauerbogen zerreißen können, der von einem Mann zu einer Frau reicht. Diese Entfernung, meßbar mit Schweigen, wie soll sie je abnehmen? Denn in alle Zeit wird, wo für mich ein Minenfeld ist, für Hanna ein Garten sein.
Ingeborg Bachmann ‚Alles’
Regie Marike Moiteaux
Bühne Holger Pohl
Kostüme Karin Rosmann
Dramaturgie Meike Schmitz
Mit Olivia Gräser und Peter Moltzen
Aufführungsrechte Piper Verlag GmbH
DIe lange Nacht der Assistenten
22. Oktober 2011