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Jurorin Elke Schmitter begründet ihre Auswahl

"Glücklicherweise hat es sich ergeben, dass mit den ausgewählten Stücken ein großes Feld der Möglichkeiten von Komödie abgedeckt ist. Insgesamt sind klassische und moderne Formen von Komödie darunter, die Stücke befassen sich durchweg mit Themen von heute: ‚Krauses Erzählungen’ von Daniel Gurnhofer steht für die anarchische Kraft der Komödie, eine psychedelische Reise ins Unterbewusstsein eines Harz IV-Empfängers, wobei der Autor prollige Töne anschlägt. ‚Getränk Hoffnung’ von David Lindemann steht für eine politische, diskurs-dramatische Richtung, bei der der Autor das neue Bankertum frech beim Wort nimmt und das Thema ‚Vertrauenskrise der Banken’ so überzeichnet und zuspitzt, dass Humor als Analyseinstrument dient. ‚Paradiesvögel’ von Judith Kuckart ist der Tradition der Komödie verpflichtet, die schonen darf, die mit Poesie und Zärtlichkeit über die Theatermetapher die Grundprobleme menschlicher Existenz betrachtet. Es geht eher um das Lächeln als um das Lachen. Das gilt auch für ‚Blinde Punkte, Sterne’ von Mathilda Onur. Während Kuckart eine reiche soziale Situation beschreibt, konzentriert sich Mathilda Onur auf ein Kammerspiel über Motive wie Freundschaft, Geldmangel und die verrückte Liebe eines jungen Mädchens zu dem falschen Mann. Damit erweist sich einmal mehr die Komödie als Reflexionsform menschlicher Grundprobleme. ‚Ein Mädchen namens Elvis’ von Julia Wolf schließlich ist eine klassische Groteske, die den Dreh nimmt, ein Stück zu werden über eine Autorin, die ein Stück schreibt, das sich gegen sie wehrt."
 
Elke Schmitter war von 1992 bis 1994 Chefredakteurin der Berliner Tageszeitung, anschließend freie Mitarbeiterin der Zeit und der Süddeutschen Zeitung. Seit 2001 gehört sie der Redaktion des Spiegel an.
Elke Schmitter veröffentlichte u.a. zahlreiche Romane wie „Frau Sartoris“, „Leichte Verfehlungen“ oder „Veras Tochter“. 2000 erhielt sie den Niederrheinischen Literaturpreis sowie 2001 ein Jahresstipendium des Deutschen Literaturfonds.

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Bild / Visual zu Autorentheatertage Berlin 2011