hamlet ist tot. keine schwerkraft
Im Kampf gegen die Wohlstands-Windmühlen
nachtkritik.de, Georg Kasch, 06.12.2010
Alexander Riemenscheider, seit seinem Abschluss an der Theaterakademie Hamburg heiß gehandelter Regie-Nachwuchs (inklusive Rolf-Mares-Preis und einer FAUST-Nominierung für ‚Von Mäusen und Menschen‘ am Jungen Schauspielhaus Hamburg), bittet seine sechs Schauspieler zur Familienaufstellung, treibt sie aus der offenen Spielsituation in die tastende Erkundung von Palmetshofers Sprachumlaufbahn zwischen leerem Himmel und offenem Grab. Geradezu zärtlich lässt er sie mit wenigen Schritten aus ihren ohnehin falschen Rollen treten, wosie sich vehement durch Palmetshofers Monolog-Kraftzentren wühlen – und in alldem Kampf gegen Wohlstands-Windmühlen einen erstaunlichen Humor entdecken.
Der Himmel ist leer, das Leben eine Sau
Berliner Zeitung, Dirk Pilz, 08.12.2010
Denn ‚hamlet ist tot. keine schwerkraft‘, das Stück der jungen, 1987 in Oberösterreich geborenen Dramatikerkraft Ewald Palmetshofer will wissen, was faul, was schief ist im Weltengebäude. Und es hat dafür eine stolze, kunstwillige raumgreifende Sprache.
Redemaschinen
Tagesspiegel, Andreas Schäfer, 07.12.2010
Mit ‚feinstofflicher‘ Ironie glitzert auch der goldene Vorhang, den Rimma Starodubzeva dem Regisseur Alexander Riemenschneider in die Box des Deutschen Theaters gehängt hat. Davor führen Barbara Schnitzler und Helmut Mooshammer das Elternpaar und vier Schauspielschüler der ‚Ernst Busch‘ Palmetshofers Geometrien der Ungehaustheit mit einem Irrwitz der Verzweiflung auf: Antonia Bill, die als vereinsamte Dani die Geschichte ihres Verlassenwerdens in eine tolle Theorie der Unendlichkeit verpackt und durchihre gefasste Akkuratesse der Wut etwas Schneidendes gibt. Moritz Gottwalds Mani, der sich über das Du-musst-im-Moment-leben-Gerede des ‚guten Freundes‘ Oli (Christian Löber) erregt und in der Verachtung für den anderen auch eine Berauschung an der eigenen Analysefähigkeit durchscheinen lässt.
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