Der Blick von außen
Edward B. Gordon ist nach Marcel van Eeden und Tina Berning in dieser Spielzeit der Künstler, der für jede Inszenierung des Deutschen Theaters ein Bild malt und die Tradition einer Verbindung von Bildender Kunst mit dem Theater somit fortsetzt.
"Ein heruntergekommener, grauer Verteilerkasten, beklebt mit frischen neuen Plakaten, so frisch, dass der Kleister auf den Boden tropft, davor eine leere Bierflasche, in die ein einfallender Sonnenstrahl die Farben des Regenbogens zaubert." So beschreibt Edward B. Gordon eine für ihn typische Berlin-Impression. Der 1966 in Hannover geborene Künstler ist gewissermaßen Berlin-Beobachtungs-Experte: Berlin ist nicht nur der Ort, an dem er lebt und arbeitet, sondern zudem auch zentraler Gegenstand seiner Kunst. Jeden Tag streift Gordon auf der Suche nach neuen Motiven durch die Stadt, findet sie in Kreuzberg, Mitte oder Oberschöneweide, am Brandenburger Tor oder auf der Museumsinsel, in einem Restaurant, bei einem türkischen Barbier oder einfach bei schönem Wetter in einem Park. Auch das Theater ist für Gordon, der in den 80er Jahren Schauspiel studierte, ein zentraler städtischer Ort, ein Ort der Begegnung und der Fantasie, der den Künstler bereits zu zahlreichen Bildern inspirierte. Für das Deutsche Theater hat er für jede Inszenierung ein Bild gemalt, ausgehend von Thema, Personal oder Atmosphäre des jeweiligen Stücks – ein fremder, wacher Blick auf das Theater und seine Geschichten, eine Bilderwelt voller Geheimnis und Poesie.