Sonja Anders

Chefdramaturgin und stellv. Intendantin
Foto: Arno Declair
Frankfurter Rundschau
Dirk Pilz, 24.10.2016
Was lehren uns diese unter dem Titel Walls – Iphigenia in Exile betont disparaten Szenen […]? Dass Kulturgrenzen keine bloßen Sprach- und Gewohnheitsbarrieren sind, dass man die Differenzen loben muss, um die Gemeinsamkeiten würdigen zu können. Das klingt banal, aber es ist keineswegs selbstverständlich. Das Begreifen von Fremdheit beginnt jedes Mal neu mit den einfachen Schritten des Schwierigen: mit einem Zuhören, das den anderen nicht in die Raster des Eigenen zwingt, mit einer Offenheit, die sich nicht weder ins vorgebliche Bescheidwissen noch in moralische Überheblichkeit flüchtet. Das ist es, was dieser Abend erfahren lässt, es ist mehr als gewöhnlich im Theater. Was lehren uns diese unter dem Titel Walls – Iphigenia in Exile betont disparaten Szenen […]? Dass Kulturgrenzen keine bloßen Sprach- und Gewohnheitsbarrieren sind, dass man die Differenzen loben muss, um die Gemeinsamkeiten würdigen zu können. Das klingt banal, aber es ist keineswegs selbstverständlich. Das Begreifen von Fremdheit beginnt jedes Mal neu mit den einfachen Schritten des Schwierigen: mit einem Zuhören, das den anderen nicht in die Raster des Eigenen zwingt, mit einer Offenheit, die sich nicht weder ins vorgebliche Bescheidwissen noch in moralische Überheblichkeit flüchtet. Das ist es, was dieser Abend erfahren lässt, es ist mehr als gewöhnlich im Theater.
Deutschlandradio
Peter Claus, 23.10.2016
Es geht um Grenzen vielfacher Art und natürlich geht es auch um Nord- und Südkorea, das ist dort ja gerade ein sehr großes Thema.
Und das ist dann auch für mich das auch wichtigere Thema, über die Frage deutsch-deutsche Teilung und nord-südkoreanische Teilung hinaus und das wird dann, ich verrate es gleich, sehr spannend in wirklich profundes politisches Theater umgesetzt. […]
Und das ist die Qualität dieser Szenenfolge insgesamt: Dass man immer wieder zum Nachdenken angeregt wird. Es wird uns kein Kitsch geboten, nach dem Motto „Wenn wir uns alle lieb haben, wird schon alles gut werden“, es wird auch keine Schwarz-Weiß-Malerei betrieben, sondern die Schicksale und auch die Ausweglosigkeit von Iphigenies Töchtern heutzutage, die wird bebildert. Es werden Fragen gestellt und klugerweise auf der Bühne keine Antworten gegeben – das müssen wir als Publikum schon selbst bringen. [...]
Da ist der Abend ehrlich und bitter: Es gibt keine Auflösung, es gibt kein rosarotes Hemd, wir werden nicht mit beruhigenden Botschaften nach Hause entlassen. In einer der stärksten Szenen des Abends – eine Nordkoreanerin versucht sich in Seoul als Prostituierte durchzuschlagen und sie muss erkennen: Ich kann das, was ich will, nämlich meine eigenen Ängste überwinden und auch meine Form von Freiheit leben – ich kann das nicht schaffen. Und diese Iphigenie geht in den Tod und am Ende des Abends steht dann auch die Frage für uns alle – ein Satz von Goethe wird noch einmal zitiert: „Ein unnütz‘ Leben ist ein früher Tod“, das ist aus Iphigenie von Goethe …Ja, wie ist es mit dem eigenen Leben? Ist mein Leben eigentlich ein nützliches Leben? Und da wird Schluss gemacht und das finde ich gut. Es wird keine schicke Botschaft ins Publikum geschleudert. […]
Elemente des Tanzes, des Films, also Video, Puppenspiel, Pantomime fließen hier auf wirklich großartige Weise zusammen in einem Theaterabend, der sich einer großen Frage stellt, nämlich der: „Wo bitteschön ist der Humanismus?“ Und gerade weil es so klein bleibt, so schlicht, ist es so wirkungsvoll.
Es geht um Grenzen vielfacher Art und natürlich geht es auch um Nord- und Südkorea, das ist dort ja gerade ein sehr großes Thema.
Und das ist dann auch für mich das auch wichtigere Thema, über die Frage deutsch-deutsche Teilung und nord-südkoreanische Teilung hinaus und das wird dann, ich verrate es gleich, sehr spannend in wirklich profundes politisches Theater umgesetzt. […]
Und das ist die Qualität dieser Szenenfolge insgesamt: Dass man immer wieder zum Nachdenken angeregt wird. Es wird uns kein Kitsch geboten, nach dem Motto „Wenn wir uns alle lieb haben, wird schon alles gut werden“, es wird auch keine Schwarz-Weiß-Malerei betrieben, sondern die Schicksale und auch die Ausweglosigkeit von Iphigenies Töchtern heutzutage, die wird bebildert. Es werden Fragen gestellt und klugerweise auf der Bühne keine Antworten gegeben – das müssen wir als Publikum schon selbst bringen. [...]
Da ist der Abend ehrlich und bitter: Es gibt keine Auflösung, es gibt kein rosarotes Hemd, wir werden nicht mit beruhigenden Botschaften nach Hause entlassen. In einer der stärksten Szenen des Abends – eine Nordkoreanerin versucht sich in Seoul als Prostituierte durchzuschlagen und sie muss erkennen: Ich kann das, was ich will, nämlich meine eigenen Ängste überwinden und auch meine Form von Freiheit leben – ich kann das nicht schaffen. Und diese Iphigenie geht in den Tod und am Ende des Abends steht dann auch die Frage für uns alle – ein Satz von Goethe wird noch einmal zitiert: „Ein unnütz‘ Leben ist ein früher Tod“, das ist aus Iphigenie von Goethe …Ja, wie ist es mit dem eigenen Leben? Ist mein Leben eigentlich ein nützliches Leben? Und da wird Schluss gemacht und das finde ich gut. Es wird keine schicke Botschaft ins Publikum geschleudert. […]
Elemente des Tanzes, des Films, also Video, Puppenspiel, Pantomime fließen hier auf wirklich großartige Weise zusammen in einem Theaterabend, der sich einer großen Frage stellt, nämlich der: „Wo bitteschön ist der Humanismus?“ Und gerade weil es so klein bleibt, so schlicht, ist es so wirkungsvoll.