Das Mädchen mit dem Fingerhut

von Michael Köhlmeier
Bühne / Kostüme Juliane Grebin
Licht Peter Grahn
Ton Konstantinos Georgiou
Dramaturgie Meike Schmitz
Berlin-Premiere 26. Oktober 2017
Uraufführung am 20. Mai 2017 Ruhrfestspiele Recklinghausen
Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen
Thorsten Hierse
Kotti Yun
Tobias VethakeLive-Musik
Die Deutsche Bühne
Hans-Christoph Zimmermann, 21.05.2017
Aufsicht und Untersicht fallen zusammen. Die schwarze Rückwand auf der handtuchtiefen Bühne ist übersät mit hellen Punkten. Der Blick fällt ins unermesslich weite Weltall. Ist das der sternüberwölbte Himmel der Heimat oder steht er für die Sehnsucht nach der Ferne? Zugleich wird damit das Panorama der Erde bei Nacht entfaltet. Lichtpunkte gesehen aus dem Orbit, von Fremden oder Außerirdischen. Die Bühne in der Halle König Ludwig in Recklinghausen (Ausstattung: Juliane Grebin) wird bevölkert mit einem Musiker und zwei Schauspielern in hellbeigefarbener einfacher Kleidung, die Gesichter weiß geschminkt, die Lippen (nicht die Wangen) rot, die Füße nackt. [...]

Thorsten Hierse rollt mit seinem hohen Bariton fürsorglich den Textteppich aus; er beugt sich herab, dreht den Kopf, lässt einen wärmenden Mantel erscheinen, legt betend die Hände zusammen – während neben ihm Kotti Yun beobachtend auf der Hut ist. Es dauert, bis sie den Erzähler anblickt. Doch dann legt er, ganz wärmender Schutz des Containers, die Arme um sie, hüllt sie ein; sie schmiegt den Kopf an ihn: Der sprachmächtige Erzähler hat die Sprachlose aufgenommen – und zwar genau dort, wo der Abfall der Zivilisation sich sammelt. [...]

Alexander Riemenschneider unterlegt dem Abend eine Bewegungspartitur, die zwischen Tanz, Pantomime und Illustration changiert. Bewegung gewinnt den Rang einer selbständigen Sprache, die der Verständigung, der Akkulturation, aber auch der Überwältigung dient.

Wenn das Trio im Haus duscht, isst, mit Puppen spielt, tollen Kotti Yun und Thorsten Hierse enthemmt-tänzerisch über die Bühne als Moment größten Glück. Wenn das kleine Mädchen dagegen von einer Schwester im Heim gebadet wird oder später von einer älteren einsamen Frau gesund gepflegt, geschlagen und einem Sprachunterricht unterworfen wird, ähnelt das auf der Bühne einem harschen körperlichen Übergriff, der mit Verweigerung beantwortet wird. Tobias Vethake unterlegt diese wechselnden Aggregatszustände der Fremdheit mit dem zirpenden, gezupten, oder auch mal brüllenden Sound seines elektronischen Cellos.
Aufsicht und Untersicht fallen zusammen. Die schwarze Rückwand auf der handtuchtiefen Bühne ist übersät mit hellen Punkten. Der Blick fällt ins unermesslich weite Weltall. Ist das der sternüberwölbte Himmel der Heimat oder steht er für die Sehnsucht nach der Ferne? Zugleich wird damit das Panorama der Erde bei Nacht entfaltet. Lichtpunkte gesehen aus dem Orbit, von Fremden oder Außerirdischen. Die Bühne in der Halle König Ludwig in Recklinghausen (Ausstattung: Juliane Grebin) wird bevölkert mit einem Musiker und zwei Schauspielern in hellbeigefarbener einfacher Kleidung, die Gesichter weiß geschminkt, die Lippen (nicht die Wangen) rot, die Füße nackt. [...]

Thorsten Hierse rollt mit seinem hohen Bariton fürsorglich den Textteppich aus; er beugt sich herab, dreht den Kopf, lässt einen wärmenden Mantel erscheinen, legt betend die Hände zusammen – während neben ihm Kotti Yun beobachtend auf der Hut ist. Es dauert, bis sie den Erzähler anblickt. Doch dann legt er, ganz wärmender Schutz des Containers, die Arme um sie, hüllt sie ein; sie schmiegt den Kopf an ihn: Der sprachmächtige Erzähler hat die Sprachlose aufgenommen – und zwar genau dort, wo der Abfall der Zivilisation sich sammelt. [...]

Alexander Riemenschneider unterlegt dem Abend eine Bewegungspartitur, die zwischen Tanz, Pantomime und Illustration changiert. Bewegung gewinnt den Rang einer selbständigen Sprache, die der Verständigung, der Akkulturation, aber auch der Überwältigung dient.

Wenn das Trio im Haus duscht, isst, mit Puppen spielt, tollen Kotti Yun und Thorsten Hierse enthemmt-tänzerisch über die Bühne als Moment größten Glück. Wenn das kleine Mädchen dagegen von einer Schwester im Heim gebadet wird oder später von einer älteren einsamen Frau gesund gepflegt, geschlagen und einem Sprachunterricht unterworfen wird, ähnelt das auf der Bühne einem harschen körperlichen Übergriff, der mit Verweigerung beantwortet wird. Tobias Vethake unterlegt diese wechselnden Aggregatszustände der Fremdheit mit dem zirpenden, gezupten, oder auch mal brüllenden Sound seines elektronischen Cellos.
nachtkritik.de
Sascha Westpahl, 21.05.2017
Das Mädchen mit dem Fingerhut – Alexander Riemenschneider inszeniert Michael Köhlmeiers poetischen Roman bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen

Auf den Probenfotos, die das Deutsche Theater auf seiner Webseite und im Programmheft zu Alexander Riemenschneiders Inszenierung veröffentlicht hat, fallen einem sofort die großen roten Flecken auf Kotti Yuns und Thorsten Hierses Wangen ins Auge. Das dunkle Rot akzentuiert nicht nur die weiße Schminke, die ihre Gesichter bedeckt. Es weckt zudem Erinnerungen an die Masken der japanischen Nō-Spiel und an die Gesichter der Schauspielerinnen und Schauspieler im Kabuki-Theater.

Auf der Bühne sind Kotti Yun, Thorsten Hierse und der Live-Musiker Tobias Vethake deutlich dezenter geschminkt. Nur eine dünne Schicht weißen Puders liegt auf ihren Gesichtern und Armen. Die japanischen Theatertraditionen schwingen so in Alexander Riemenschneiders Inszenierung, einer Koproduktion der Ruhrfestspiele mit dem Deutschen Theater, immer noch mit. Aber sie drängen sich nicht derart in den Vordergrund. Die weißen Gesichter und die in Sand- und Beigetönen gehaltenen Kostüme eröffnen einen weiten Assoziationsraum. Entscheidend ist nur, dass Riemenschneider so von Anfang an jeglichem Realismus abschwört.

Mit Realismus wäre Michael Köhlmeiers vor gut einem Jahr erschienenen Roman "Das Mädchen mit dem Fingerhut" auf der Bühne auch kaum beizukommen. Schließlich macht sich der Erzähler die Perspektive der Kinder, von deren Odyssee durch eine westeuropäische Großstadt er berichtet, konsequent zu eigen. Woher die sechsjährige Yiza, die in Wahrheit gar nicht Yiza heißt, ihren wirklichen Namen aber nicht kennt, der wenige Jahre ältere Arian und der vierzehnjährige Schamhan kommen, bleibt ebenso offen wie die Frage, was aus ihren Eltern geworden ist. Sie lernen sich in einem Heim für Flüchtlingskinder kennen und fliehen zusammen von dort.

Diese drei Kinder, von denen zumindest eines viel zu früh erwachsen geworden ist, blicken als Fremde auf die westeuropäische Gesellschaft. Und das macht sie besonders empfänglich für deren tiefe Widersprüche. [...]

Dabei überschreiten sie mehr und mehr Grenzen. Aber Köhlmeier urteilt nicht über sie. In einfachen Sätzen, die sachlich sind und zugleich eine große poetische Sogwirkung entwickeln, fängt er Yizas, Arians und Schamhans Sicht auf die Dinge und Menschen ein. Ohne es auch nur zu ahnen, bewegen sie sich auf den Spuren Hänsel und Gretels. Nur lassen sich in diesem Märchen des 21. Jahrhundert Gut und Böse, Schwarz und Weiß, längst nicht mehr voneinander scheiden. [...]

Köhlmeiers Sprache steht im Zentrum der Inszenierung. Yuns und Hierses teils ritualisierte Spielweise, in der sich der simple, eingängige Rhythmus der Köhlmeierschen Sätze spiegelt, und Tobias Vethakes elektronisch verstärkter und verzerrter Live-Score, der konsequent auf geloopte Tonfolgen und schroffe Dissonanzen setzt, schaffen ihr einen zusätzlichen Resonanzraum. Riemenschneider und sein Ensemble müssen keine großen Bilder schaffen, die entstehen sowieso in den Köpfen der Zuschauerinnen und Zuschauer. Also setzen sie kleine lyrische Akzente. Dafür reicht oft schon eine geschickte Lichtregie.

Je nach Lichteinfall können sich die verstreuten weißen Punkte auf der schwarzen Hinterwand einmal in Schneeflocken verwandeln. Im selben Augenblick werden Yun und Hierse zu Märchengestalten, deren in eisigem Licht erstrahlende Einsamkeit einem das Herz rührt. Vermeintliche Distanzierungsstrategien wie die weißen Gesichter und die teils stark stilisierten Bewegungen entwickeln schließlich die enorme emotionale Wucht. Yun und Hierse bringen durch ihr Spiel und mehr noch durch ihren Tonfall, in dem sich Staunen und Schrecken, Gleichmut und Sehnsucht übergangslos verbinden, Köhlmeiers Sätze zum Schwingen und intensivieren noch einmal deren visionäre Kraft.
Das Mädchen mit dem Fingerhut – Alexander Riemenschneider inszeniert Michael Köhlmeiers poetischen Roman bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen

Auf den Probenfotos, die das Deutsche Theater auf seiner Webseite und im Programmheft zu Alexander Riemenschneiders Inszenierung veröffentlicht hat, fallen einem sofort die großen roten Flecken auf Kotti Yuns und Thorsten Hierses Wangen ins Auge. Das dunkle Rot akzentuiert nicht nur die weiße Schminke, die ihre Gesichter bedeckt. Es weckt zudem Erinnerungen an die Masken der japanischen Nō-Spiel und an die Gesichter der Schauspielerinnen und Schauspieler im Kabuki-Theater.

Auf der Bühne sind Kotti Yun, Thorsten Hierse und der Live-Musiker Tobias Vethake deutlich dezenter geschminkt. Nur eine dünne Schicht weißen Puders liegt auf ihren Gesichtern und Armen. Die japanischen Theatertraditionen schwingen so in Alexander Riemenschneiders Inszenierung, einer Koproduktion der Ruhrfestspiele mit dem Deutschen Theater, immer noch mit. Aber sie drängen sich nicht derart in den Vordergrund. Die weißen Gesichter und die in Sand- und Beigetönen gehaltenen Kostüme eröffnen einen weiten Assoziationsraum. Entscheidend ist nur, dass Riemenschneider so von Anfang an jeglichem Realismus abschwört.

Mit Realismus wäre Michael Köhlmeiers vor gut einem Jahr erschienenen Roman "Das Mädchen mit dem Fingerhut" auf der Bühne auch kaum beizukommen. Schließlich macht sich der Erzähler die Perspektive der Kinder, von deren Odyssee durch eine westeuropäische Großstadt er berichtet, konsequent zu eigen. Woher die sechsjährige Yiza, die in Wahrheit gar nicht Yiza heißt, ihren wirklichen Namen aber nicht kennt, der wenige Jahre ältere Arian und der vierzehnjährige Schamhan kommen, bleibt ebenso offen wie die Frage, was aus ihren Eltern geworden ist. Sie lernen sich in einem Heim für Flüchtlingskinder kennen und fliehen zusammen von dort.

Diese drei Kinder, von denen zumindest eines viel zu früh erwachsen geworden ist, blicken als Fremde auf die westeuropäische Gesellschaft. Und das macht sie besonders empfänglich für deren tiefe Widersprüche. [...]

Dabei überschreiten sie mehr und mehr Grenzen. Aber Köhlmeier urteilt nicht über sie. In einfachen Sätzen, die sachlich sind und zugleich eine große poetische Sogwirkung entwickeln, fängt er Yizas, Arians und Schamhans Sicht auf die Dinge und Menschen ein. Ohne es auch nur zu ahnen, bewegen sie sich auf den Spuren Hänsel und Gretels. Nur lassen sich in diesem Märchen des 21. Jahrhundert Gut und Böse, Schwarz und Weiß, längst nicht mehr voneinander scheiden. [...]

Köhlmeiers Sprache steht im Zentrum der Inszenierung. Yuns und Hierses teils ritualisierte Spielweise, in der sich der simple, eingängige Rhythmus der Köhlmeierschen Sätze spiegelt, und Tobias Vethakes elektronisch verstärkter und verzerrter Live-Score, der konsequent auf geloopte Tonfolgen und schroffe Dissonanzen setzt, schaffen ihr einen zusätzlichen Resonanzraum. Riemenschneider und sein Ensemble müssen keine großen Bilder schaffen, die entstehen sowieso in den Köpfen der Zuschauerinnen und Zuschauer. Also setzen sie kleine lyrische Akzente. Dafür reicht oft schon eine geschickte Lichtregie.

Je nach Lichteinfall können sich die verstreuten weißen Punkte auf der schwarzen Hinterwand einmal in Schneeflocken verwandeln. Im selben Augenblick werden Yun und Hierse zu Märchengestalten, deren in eisigem Licht erstrahlende Einsamkeit einem das Herz rührt. Vermeintliche Distanzierungsstrategien wie die weißen Gesichter und die teils stark stilisierten Bewegungen entwickeln schließlich die enorme emotionale Wucht. Yun und Hierse bringen durch ihr Spiel und mehr noch durch ihren Tonfall, in dem sich Staunen und Schrecken, Gleichmut und Sehnsucht übergangslos verbinden, Köhlmeiers Sätze zum Schwingen und intensivieren noch einmal deren visionäre Kraft.
theater:pur
Dietmar Zimmermann, 23.05.2017
Kaum hat Thorsten Hierse zu erzählen begonnen, hat uns die Inszenierung von Alexander Riemenschneider schon gepackt. Es ist die Sprache, der gediegene, einfach wirkende und doch so kunstvoll komponierte und poetische Text von Michael Köhlmeier, der uns so schnell gefangen nimmt. Es ist die ungewöhnliche, lange Zeit rätselhaft bleibende Flüchtlingsgeschichte – eine Geschichte von drei Kindern, die wie aus dem Nichts kommend in eine fremde Stadt geworfen werden. Und es ist die suggestive, ebenfalls poetisch-rätselhafte und dunkle Musik des elektronischen Cellos von Tobias Vethake. Mit einem kleinen Ensemble vom Deutschen Theater Berlin bringt Riemenschneider den Roman "Das Mädchen mit dem Fingerhut" zur Uraufführung.

Weiß geschminkt, stehen Vethake, Hierse und Kotti Yun nebeneinander auf der Bühne und sprechen den Text, performen die Musik in drei bereitstehende Mikrofone. Es ist keineswegs so, dass Kotti Yun das "Mädchen mit dem Fingerhut" spielt und die Jungs ihren… soll man sagen: Freund Arian und den deutlich älteren, nämlich vierzehnjährigen Schamhan. Die drei wechseln die Rollen, spielen den Roman meist in der 3. Person. Ihre Bewegungen sind spärlich; nur manchmal reißt es den Erzähler oder die Erzählerin zu ausladenden Gesten hin. Im einzigen Moment, in dem die Kinder einmal so etwas wie Glück empfinden, gibt es eine temperamentvolle Pantomime, fast so etwas wie eine Tanzchoreographie. Wir erleben kein Dialogstück, sondern wir erleben ein Fest der Sprache – und der Veredelung einer ohnehin schon sehr perfekt gesetzten Sprache durch Vethakes Elektrosound.
Kaum hat Thorsten Hierse zu erzählen begonnen, hat uns die Inszenierung von Alexander Riemenschneider schon gepackt. Es ist die Sprache, der gediegene, einfach wirkende und doch so kunstvoll komponierte und poetische Text von Michael Köhlmeier, der uns so schnell gefangen nimmt. Es ist die ungewöhnliche, lange Zeit rätselhaft bleibende Flüchtlingsgeschichte – eine Geschichte von drei Kindern, die wie aus dem Nichts kommend in eine fremde Stadt geworfen werden. Und es ist die suggestive, ebenfalls poetisch-rätselhafte und dunkle Musik des elektronischen Cellos von Tobias Vethake. Mit einem kleinen Ensemble vom Deutschen Theater Berlin bringt Riemenschneider den Roman "Das Mädchen mit dem Fingerhut" zur Uraufführung.

Weiß geschminkt, stehen Vethake, Hierse und Kotti Yun nebeneinander auf der Bühne und sprechen den Text, performen die Musik in drei bereitstehende Mikrofone. Es ist keineswegs so, dass Kotti Yun das "Mädchen mit dem Fingerhut" spielt und die Jungs ihren… soll man sagen: Freund Arian und den deutlich älteren, nämlich vierzehnjährigen Schamhan. Die drei wechseln die Rollen, spielen den Roman meist in der 3. Person. Ihre Bewegungen sind spärlich; nur manchmal reißt es den Erzähler oder die Erzählerin zu ausladenden Gesten hin. Im einzigen Moment, in dem die Kinder einmal so etwas wie Glück empfinden, gibt es eine temperamentvolle Pantomime, fast so etwas wie eine Tanzchoreographie. Wir erleben kein Dialogstück, sondern wir erleben ein Fest der Sprache – und der Veredelung einer ohnehin schon sehr perfekt gesetzten Sprache durch Vethakes Elektrosound.
WAZ
Tina Brambrink, 23.05.2017
Drei Stühle, darauf die beiden Protagonisten und ein Musiker mit weiß gepuderten Gesichtern in schlichten sandfarbenen Kostümen, im Hintergrund ein bedrohlich dunkler Sternenhimmel, dazu eisiges Licht. Mehr braucht Regisseur Alexander Riemenschneider nicht, um die Bühne in der Halle König Ludwig in einen schockgefrosteten Großstadtdschungel unserer Tage zu verwandeln – und dem Zuschauer einen riesigen Raum für Assoziationen zu eröffnen.

Seine Deutung von Michael Köhlmeiers Erfolgsroman "Das Mädchen mit dem Fingerhut" verzichtet auf jegliche Dramatisierung, bleibt ganz nah am Duktus des Textes und entwickelt dabei eine enorme Sogkraft, die berührend und schonungslos in den Überlebenskampf in einer fremden Welt zieht. In nüchternem Protokollstil führt die Uraufführung, eine Koproduktion der Ruhrfestspiele und dem Deutschen Theater Berlin, in die Geschichte der sechsjährigen Yiza ein. [...]

Die Emotionen konzentriert Regisseur Alexander Riemenschneider auf Körpersprache und Mimik: Immer wieder gibt es zarte Berührungen, dann spenden ein warmer Atem oder ein Augenkontakt Trost. Live-Musiker Tobias Vethacke folgt dem Rhythmus und der poetischen Kraft der Sprache kongenial mit seinem Elektro-Sound. Auch die kluge Lichtregie lässt Gefühle einfrieren und wieder auftauen. Am Ende ist man verzaubert von diesem modernen Märchen. Frappierend, welche großen Bilder die Inszenierung ganz leise in Gang setzt. Zu Recht viel Beifall für den Regisseur und sein erstklassiges Ensemble in der alten Maschinenhalle.
Drei Stühle, darauf die beiden Protagonisten und ein Musiker mit weiß gepuderten Gesichtern in schlichten sandfarbenen Kostümen, im Hintergrund ein bedrohlich dunkler Sternenhimmel, dazu eisiges Licht. Mehr braucht Regisseur Alexander Riemenschneider nicht, um die Bühne in der Halle König Ludwig in einen schockgefrosteten Großstadtdschungel unserer Tage zu verwandeln – und dem Zuschauer einen riesigen Raum für Assoziationen zu eröffnen.

Seine Deutung von Michael Köhlmeiers Erfolgsroman "Das Mädchen mit dem Fingerhut" verzichtet auf jegliche Dramatisierung, bleibt ganz nah am Duktus des Textes und entwickelt dabei eine enorme Sogkraft, die berührend und schonungslos in den Überlebenskampf in einer fremden Welt zieht. In nüchternem Protokollstil führt die Uraufführung, eine Koproduktion der Ruhrfestspiele und dem Deutschen Theater Berlin, in die Geschichte der sechsjährigen Yiza ein. [...]

Die Emotionen konzentriert Regisseur Alexander Riemenschneider auf Körpersprache und Mimik: Immer wieder gibt es zarte Berührungen, dann spenden ein warmer Atem oder ein Augenkontakt Trost. Live-Musiker Tobias Vethacke folgt dem Rhythmus und der poetischen Kraft der Sprache kongenial mit seinem Elektro-Sound. Auch die kluge Lichtregie lässt Gefühle einfrieren und wieder auftauen. Am Ende ist man verzaubert von diesem modernen Märchen. Frappierend, welche großen Bilder die Inszenierung ganz leise in Gang setzt. Zu Recht viel Beifall für den Regisseur und sein erstklassiges Ensemble in der alten Maschinenhalle.

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Vortrags- und Gesprächsreihe "Welche Zukunft"

Zukunft der Arbeit

Vortrag von Jutta Allmendinger
Saal
19.00
Eintritt frei
nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf
Kammerspiele
19.30 - 21.30

Hundeherz

nach Michail Bulgakow
Regie: Lilja Rupprecht
Box
20.00 - 21.25
mit englischen Übertiteln
von Peter Weiss
Regie: Stefan Pucher
Deutsches Theater
20.00 - 21.40