Digitale Limited Edition

Die härteste Tochter Deutschlands

nach einem Text von Katharina Köth
Video und Streamoperator Roman Kuskowski
Musik Maximilian Bastian, Marcel Braun, Björn Mauder
Premiere
7. Mai um 20 Uhr im Livestream

Elias Arens
Edgar Eckert
Annemie Twardawa
nachtkritik.de
Gabi Hift, 7. Mai 2020
Die Schauspieler*innen spielen die einzelnen Momente psychologisch glaubwürdig, aber auf eine mehr allgemeine Art, sie gehen weg von der spezifischen Vater-Tochter-Situation. Insbesondere der Vater ist nicht die Figur, die auf dem realen Video zu sehen ist (weil der Titel genannt wird, ist man verführt, es zu googlen, und fühlt sich dann wie ein Voyeur). Elias Arens, der das Video nachspielt, zeigt keinen weinenden, beseelt Besessenen, sondern eher den fanatischen Standardnazi. Dadurch wirkt er gefährlicher als der Mann in dem Video.

[...]
In dieser Interaufführung sieht und spürt man den Rand des Abgrunds. Man ist dabei allein zu Hause, niemand traut sich zu springen.
Die Schauspieler*innen spielen die einzelnen Momente psychologisch glaubwürdig, aber auf eine mehr allgemeine Art, sie gehen weg von der spezifischen Vater-Tochter-Situation. Insbesondere der Vater ist nicht die Figur, die auf dem realen Video zu sehen ist (weil der Titel genannt wird, ist man verführt, es zu googlen, und fühlt sich dann wie ein Voyeur). Elias Arens, der das Video nachspielt, zeigt keinen weinenden, beseelt Besessenen, sondern eher den fanatischen Standardnazi. Dadurch wirkt er gefährlicher als der Mann in dem Video.

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In dieser Interaufführung sieht und spürt man den Rand des Abgrunds. Man ist dabei allein zu Hause, niemand traut sich zu springen.
rbb24
Fabian Wallmeier, 8. Mai 2020
[...] die aus der Not geborene Form des Abends und sein Thema [bilden] eine schlüssige Einheit. Die Geschichte einer gesellschaftlichen Selbstentkoppelung wird da erzählt, wo sie vollzogen wurde: in der stetigen Gleichzeitigkeit der Internets, wo neben all dem Unverzichtbaren, was unser Leben heute mit ausmacht, eben auch für jede noch so irre Verschwörungstheorie vermeintliche Belege zu finden sind - und Gleichgesinnte einander in ihrem Wahn bestätigen.

[...]
Dieser direkte Brückenschlag zu den äußeren Umständen, die zu dieser ungeplanten Inszenierungsform geführt haben, ergibt auch einen inneren Sinn: Von den Verschwörungstheorien der Reichsbürger sind die Verschwörungstheorien zum Coronavirus und den ergriffenen Maßnahmen nur wenige Klicks entfernt. Damit gewinnt die Inszenierung an Unmittelbarkeit.
[...] die aus der Not geborene Form des Abends und sein Thema [bilden] eine schlüssige Einheit. Die Geschichte einer gesellschaftlichen Selbstentkoppelung wird da erzählt, wo sie vollzogen wurde: in der stetigen Gleichzeitigkeit der Internets, wo neben all dem Unverzichtbaren, was unser Leben heute mit ausmacht, eben auch für jede noch so irre Verschwörungstheorie vermeintliche Belege zu finden sind - und Gleichgesinnte einander in ihrem Wahn bestätigen.

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Dieser direkte Brückenschlag zu den äußeren Umständen, die zu dieser ungeplanten Inszenierungsform geführt haben, ergibt auch einen inneren Sinn: Von den Verschwörungstheorien der Reichsbürger sind die Verschwörungstheorien zum Coronavirus und den ergriffenen Maßnahmen nur wenige Klicks entfernt. Damit gewinnt die Inszenierung an Unmittelbarkeit.
taz
Esther Slevogt, 9. Mai 2020
Sofort mit Atmosphäre bedrohlich aufgeladen wird das Tableau auf dem Monitor mit einschlägigem Rechts- und anderem Rock. Ein Fenster bleibt Funden aus dem Netz vorbehalten: mal Wikipedia-Infos zu einschlägigen Suchwörtern wie "Reichsbürger" oder "Viertes Reich", dann aber auch Banal-Blödes wie Hamster- oder Katzenbilder – diese Dinge eben, die in den Hochkulturblasen oft für die gleiche Verstörung wie die Nazis sorgen.

[...]
Es ist ein schnelles Switchen zwischen Gedanken, Sätzen, Bildern, die wohl die große Diffusion und Disruption abbilden sollen, die das Internet als Zumutung für ein einziges Bewusstsein auch darstellen kann – besonders in diesem merkwürdigen Bias, das für das Leben dieser Tage kennzeichnend ist: zwischen der eigenen Reduktion auf das enge private Umfeld und dem täglich zu sortierenden Bild- und Info-Chaos aus dem Internet.
Sofort mit Atmosphäre bedrohlich aufgeladen wird das Tableau auf dem Monitor mit einschlägigem Rechts- und anderem Rock. Ein Fenster bleibt Funden aus dem Netz vorbehalten: mal Wikipedia-Infos zu einschlägigen Suchwörtern wie "Reichsbürger" oder "Viertes Reich", dann aber auch Banal-Blödes wie Hamster- oder Katzenbilder – diese Dinge eben, die in den Hochkulturblasen oft für die gleiche Verstörung wie die Nazis sorgen.

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Es ist ein schnelles Switchen zwischen Gedanken, Sätzen, Bildern, die wohl die große Diffusion und Disruption abbilden sollen, die das Internet als Zumutung für ein einziges Bewusstsein auch darstellen kann – besonders in diesem merkwürdigen Bias, das für das Leben dieser Tage kennzeichnend ist: zwischen der eigenen Reduktion auf das enge private Umfeld und dem täglich zu sortierenden Bild- und Info-Chaos aus dem Internet.
rbbKultur
Barbara Behrendt, 11. Mai 2020
Trotzdem weist der Text über das Einzelschicksal hinaus, weil Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, die jeden Facebook-Fake für bare Münze nehmen und über Rebellion auch ihre Kontrolle zurückzuerlangen versuchen, immer mehr zu werden scheinen. […] Und deshalb passt der Text auch so gut ins Internet.

[...]
Zwischendurch löst sich das Gesicht eines Spielers in einer endlosen Kaleidoskop-Spirale auf, […] als ästhetisches Element eigentlich ganz schön und über allem liegt ein düsterer Rock-Gitarren-Sound und es gibt den Chat als Teil der Aufführung.

[...]
Als kleines, digitales und interaktives Experiment über Verschwörungstheorien, die ja fast ausschließlich über das Netz verbreitet werden, [...] ziemlich gelungen.
Trotzdem weist der Text über das Einzelschicksal hinaus, weil Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, die jeden Facebook-Fake für bare Münze nehmen und über Rebellion auch ihre Kontrolle zurückzuerlangen versuchen, immer mehr zu werden scheinen. […] Und deshalb passt der Text auch so gut ins Internet.

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Zwischendurch löst sich das Gesicht eines Spielers in einer endlosen Kaleidoskop-Spirale auf, […] als ästhetisches Element eigentlich ganz schön und über allem liegt ein düsterer Rock-Gitarren-Sound und es gibt den Chat als Teil der Aufführung.

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Als kleines, digitales und interaktives Experiment über Verschwörungstheorien, die ja fast ausschließlich über das Netz verbreitet werden, [...] ziemlich gelungen.

Außerdem im Spielplan

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