Alle meine Söhne

von Arthur Miller
Joe Keller hat’s geschafft. Ein florierendes Unternehmen, ein Leben im Wohlstand, eine heile Familie. Dass die Firma der Air Force während des Kriegs defekte Materialien lieferte und deshalb Piloten in den Tod stürzten, darüber ist längst Gras gewachsen. Sein damaliger Partner ging dafür ins Gefängnis. Einzig die Tatsache, dass Kellers Frau Kate nach wie vor an die Rückkehr von Sohn Larry aus dem Krieg glaubt, passt nicht ins Bild. Und dann ist da noch Chris, der Zweitgeborene. Überzeugt davon, dass Larry tot ist, will er Ann heiraten, einst die Verlobte seines Bruders und außerdem die Tochter von Kellers Ex-Kompagnon. Als Ann eines Tages zu Besuch kommt, ziehen erste Risse durch die Fassade der Normalität. Mit Macht behauptet das Verdrängte sein Recht. Schuld und Schulden, Verrat und Verantwortung, Krieg und Kapitalismus: Mit ,Alle meine Söhne‘ feierte Arthur Miller 1947 seinen ersten großen Broadway-Erfolg.
Musik / Video Immanuel Heidrich
Dramaturgie Anika Steinhoff
Premiere 16. Dezember 2010
Jörg PoseJoe Keller
Ulrike KrumbiegelKate Keller
Daniel HoevelsChris Keller
Ole LagerpuschGeorge Deever
Angela MeyerLydia Lubey
Und: Helena Lengers, Farajallah Diab, Leonard Däscher, Lenz Lengers, Karolin Wiegers; Ersatz: Johannes Däscher
Joe Keller
Kate Keller
Chris Keller
George Deever
Lydia Lubey
Und: Helena Lengers, Farajallah Diab, Leonard Däscher, Lenz Lengers, Karolin Wiegers; Ersatz: Johannes Däscher
Zitty
Tobias Schwartz, 30.12.2010
Eine glänzende Meike Droste gibt die Ann Deever elegant und souverän emanzipiert. Daniel Hoevels überzeugt vor allem durch die Verunsicherung seiner ach so selbstsicheren Figur Chris in dem Moment, als Anns Bruder George (Ole Lagerpusch) auftaucht und die Wahrheit allmählich ans Licht kommt. Erschütternd sind Hoevels/ Chris‘ Schreie, wenn die Fassade durch das Auftauchen eines Briefes seines im Krieg verschollenen Bruders Larry vollends bricht. Diese düstere, krimihafte Variante des amerikanischen Traums, mit der Arthur Miller 1947 erstmals am Broadway für Furore sorgte, inszeniert Roger Vontobel auf einem von einer spielenden Kinderschar ausgerollten Rasen, um den herum das Publikum platziert ist. Vontobel vertraut ganz auf den spannunsgeladenen Stücktext und seine hervorragenden Schauspieler. Einfühlung ist hiernach kein Schimpfwort mehr. Eine glänzende Meike Droste gibt die Ann Deever elegant und souverän emanzipiert. Daniel Hoevels überzeugt vor allem durch die Verunsicherung seiner ach so selbstsicheren Figur Chris in dem Moment, als Anns Bruder George (Ole Lagerpusch) auftaucht und die Wahrheit allmählich ans Licht kommt. Erschütternd sind Hoevels/ Chris‘ Schreie, wenn die Fassade durch das Auftauchen eines Briefes seines im Krieg verschollenen Bruders Larry vollends bricht. Diese düstere, krimihafte Variante des amerikanischen Traums, mit der Arthur Miller 1947 erstmals am Broadway für Furore sorgte, inszeniert Roger Vontobel auf einem von einer spielenden Kinderschar ausgerollten Rasen, um den herum das Publikum platziert ist. Vontobel vertraut ganz auf den spannunsgeladenen Stücktext und seine hervorragenden Schauspieler. Einfühlung ist hiernach kein Schimpfwort mehr.
neues deutschland
Christoph Funke, 22.12.2010
Das seltsam Bedrückte der um das Rasengeviert herumirrenden oder auf ihm wie gefangenen, bedrohten Figuren gibt Jörg Pose als Joe Keller vor. Er zeigt, wie aus der leutselig eingefärbten Festigkeit, der unbeirrbar untadeligen Haltung des Familienvaters allmählich das Leben weicht und nur noch maskenhaft Graues zurücklässt. Ulrike Krumbiegel gibt der an die Wiederkehr des älteren Sohnes glaubenden Mutter Kate eine staunenswerte Festigkeit. Und doch wird spürbar, wie sehr diese Frau den schützenden Schirm ihres Wahns braucht und wie sehr sie zugleich an das Dunkle, Furchtbare gebunden ist. Daniel Hoevels, Meike Droste, Ole Lagerpusch machen das Verstricktsein der Jungen in die Lebenslüge der Älteren deutlich, mit anrührend zaghaften Versuchen, einen gangbaren Weg zueinander zu finden, oder auch mit aufflammendem Zorn. Das seltsam Bedrückte der um das Rasengeviert herumirrenden oder auf ihm wie gefangenen, bedrohten Figuren gibt Jörg Pose als Joe Keller vor. Er zeigt, wie aus der leutselig eingefärbten Festigkeit, der unbeirrbar untadeligen Haltung des Familienvaters allmählich das Leben weicht und nur noch maskenhaft Graues zurücklässt. Ulrike Krumbiegel gibt der an die Wiederkehr des älteren Sohnes glaubenden Mutter Kate eine staunenswerte Festigkeit. Und doch wird spürbar, wie sehr diese Frau den schützenden Schirm ihres Wahns braucht und wie sehr sie zugleich an das Dunkle, Furchtbare gebunden ist. Daniel Hoevels, Meike Droste, Ole Lagerpusch machen das Verstricktsein der Jungen in die Lebenslüge der Älteren deutlich, mit anrührend zaghaften Versuchen, einen gangbaren Weg zueinander zu finden, oder auch mit aufflammendem Zorn.
nachtkriktik.de
Elena Philipp, 17.12.2010
Texttreu bricht bei Vontobel die Lügenwelt zusammen. Geschickte Kürzungen steigern den Spannungsaufbau. Millers moralisches Stück, 1947 am Broadway uraufgeführt, ist ein veritabler Krimi, und Vontobels Inszenierung ist nicht länger als ein Vorabendfilm. Die Schauspielerführung ist genau, das Spiel entschlackt. Texttreu bricht bei Vontobel die Lügenwelt zusammen. Geschickte Kürzungen steigern den Spannungsaufbau. Millers moralisches Stück, 1947 am Broadway uraufgeführt, ist ein veritabler Krimi, und Vontobels Inszenierung ist nicht länger als ein Vorabendfilm. Die Schauspielerführung ist genau, das Spiel entschlackt.

Außerdem im Spielplan

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Mit englischen Übertiteln
nach Thomas Bernhard
Inszenierung: Thom Luz
Kammerspiele
19.30 - 20.45
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse

Von Mainz bis an die Memel CXLII

Ein Videoschnipselvortrag von Kuttner
Deutsches Theater
20.00
In englischer Sprache
Gastspiel

The Evil

von Jan Guillou
Mit: Claes Bang
Regie: Julie Pauline Wieth
Nachgespräch mit Claes Bang
Box
20.30 - 21.35
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse