Aus der Zeit fallen

von David Grossman
Uraufführung 13. Dezember 2013
Matthias NeukirchMann/Gehender Mann
Katrin KleinFrau/Frau auf dem Glockenturm
Bernd MossChronist der Stadt
Natali SeeligFrau des Chronisten
Jürgen HuthSchuster
Janina SachauHebamme
Barbara HeynenFrau im Netz
Daniel HoevelsHerzog
Jörg PoseZentaur
Markwart Müller-ElmauGreiser Rechenlehrer
Mann/Gehender Mann
Frau/Frau auf dem Glockenturm
Chronist der Stadt
Frau des Chronisten
Schuster
Hebamme
Frau im Netz
Zentaur
Greiser Rechenlehrer
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Julia Emcke, 15.12.2013
David Grossmans Text ist eine Mischung aus Prosa, Lyrik und Drama, den auf die Bühne zu bringen sofort einleuchtet. Was Andreas Kriegenburg, der dem Text Raum und Körper gibt, aber daraus macht, ist ein so überwältigendes Requiem, dass man, völlig ergriffen, mit einigen anderen Zuschauern dieses Abends sogar in der Pause sitzen bleibt, eine halbe Stunde lang gar nicht raus will aus diesem Theaterdunkel, was ungewöhnlich ist, weil dieser Abend dreieinhalb Stunden dauert. Da geht doch eigentlich jeder mal kurz raus. Nur geht das Geschehen oben auf der Bühne auch in der Pause immer weiter. Es fällt auch hier kein Vorhang. Für jene, die aus der Zeit gefallen sind, gibt es keine Pause, keine Ruhe. Sie sind Zeit und Raum enthoben. David Grossmans Text ist eine Mischung aus Prosa, Lyrik und Drama, den auf die Bühne zu bringen sofort einleuchtet. Was Andreas Kriegenburg, der dem Text Raum und Körper gibt, aber daraus macht, ist ein so überwältigendes Requiem, dass man, völlig ergriffen, mit einigen anderen Zuschauern dieses Abends sogar in der Pause sitzen bleibt, eine halbe Stunde lang gar nicht raus will aus diesem Theaterdunkel, was ungewöhnlich ist, weil dieser Abend dreieinhalb Stunden dauert. Da geht doch eigentlich jeder mal kurz raus. Nur geht das Geschehen oben auf der Bühne auch in der Pause immer weiter. Es fällt auch hier kein Vorhang. Für jene, die aus der Zeit gefallen sind, gibt es keine Pause, keine Ruhe. Sie sind Zeit und Raum enthoben.
Der Tagesspiegel
Patrick Wildermann, 15.12.2013
Diesen [Grossmans] Text auf die Bühne zu bringen, ist ein Wagnis. Weil er das genaue Hinhören und den langen Atem verlangt, weil er zu Pathos und falscher Lesart verführen kann. Andreas Kriegenburg unternimmt am Deutschen Theater den Versuch– und scheitert nicht. […] Erst mit dem Gehen beginnt das Loslassen. Angeführt vom namenlosen Mann setzt sich auf der rotierenden Drehbühne eine Karawane der Schicksalsgefährten in Gang. Die Bewegung – ein zentrales Motiv in Grossmans Werk – verhindert das Versteinern. Immer mehr vertraut Kriegenburgs Inszenierung auf den kraftvollen Fluss der Worte, bis sein Ensemble am Ende, nur mit Blättern in der Hand, zu einer ganz puren Wucht findet. Bernd Moss, der den rastlos begleitenden ‚Chronisten der Stadt‘ spielt, spricht fast emotionslos einen Abgesang auf die tote Tochter, der ins Mark trifft. Sich erinnern, ohne daran zugrunde zu gehen – das ist die unfassliche Leistung, die Grossman vollbracht hat. Und davon teilt dieser Abend schließlich viel mit. Diesen [Grossmans] Text auf die Bühne zu bringen, ist ein Wagnis. Weil er das genaue Hinhören und den langen Atem verlangt, weil er zu Pathos und falscher Lesart verführen kann. Andreas Kriegenburg unternimmt am Deutschen Theater den Versuch– und scheitert nicht. […] Erst mit dem Gehen beginnt das Loslassen. Angeführt vom namenlosen Mann setzt sich auf der rotierenden Drehbühne eine Karawane der Schicksalsgefährten in Gang. Die Bewegung – ein zentrales Motiv in Grossmans Werk – verhindert das Versteinern. Immer mehr vertraut Kriegenburgs Inszenierung auf den kraftvollen Fluss der Worte, bis sein Ensemble am Ende, nur mit Blättern in der Hand, zu einer ganz puren Wucht findet. Bernd Moss, der den rastlos begleitenden ‚Chronisten der Stadt‘ spielt, spricht fast emotionslos einen Abgesang auf die tote Tochter, der ins Mark trifft. Sich erinnern, ohne daran zugrunde zu gehen – das ist die unfassliche Leistung, die Grossman vollbracht hat. Und davon teilt dieser Abend schließlich viel mit.
Berliner Morgenpost
Katrin Pauly, 15.12.2013
Wie er [Andreas Kriegenburg] das Thema und die Figuren surreal und mythologisch entrückt, wie er nicht so sehr zur individuellen Anteil-, aber sehr zur Kenntnisnahme zwingt und so eine universelle Topgraphie der Trauer skizziert,das hallt später, wenn die Erschöpfung nachlässt, […] noch tief und lange nach. Wie er [Andreas Kriegenburg] das Thema und die Figuren surreal und mythologisch entrückt, wie er nicht so sehr zur individuellen Anteil-, aber sehr zur Kenntnisnahme zwingt und so eine universelle Topgraphie der Trauer skizziert,das hallt später, wenn die Erschöpfung nachlässt, […] noch tief und lange nach.
Süddeutsche Zeitung
Mounia Meiborg, 16.12.2013
Der Mann will den Sohn suchen, aber nicht dort,wo er starb oder wo er begraben liegt, sondern einfach nur „dort“ – vermutlich imTod. Er beginnt zu laufen. Matthias Neukirch spielt diesen namlosen Mann. Über weite Strecken des dreistündigen Abends wird er im Kreis laufen: Die Schultern nach vorne gebeugt, die Arme schlenkernd, barfuß im Sand. Und weil die Drehbühne sich in die entgegengesetzte Richtung dreht, sieht es im ersten Moment so aus, als komme er kein Stück vom Fleck.
Das ist ein passendes Bild für die immer gleichen Gedanken, die in den Köpfen der Figuren kreisen: Warum musste mein Kind vor mir sterben? Wie kann ich daran denken, ohne zu leiden?  Und ist nicht jedes Weiterleben ein Verrat?
Andreas Kriegenburg findet Bilder für diese Trauer, und einige davon sind so voller Poesie, voller Liebe für die Menschen, dass man niederknien möchte. […] Andreas Kriegenburgs Phantasie scheint unerschöpflich zu sein, und er versteht es,seine Einfälle perfekt zu choreografieren.
Der Mann will den Sohn suchen, aber nicht dort,wo er starb oder wo er begraben liegt, sondern einfach nur „dort“ – vermutlich imTod. Er beginnt zu laufen. Matthias Neukirch spielt diesen namlosen Mann. Über weite Strecken des dreistündigen Abends wird er im Kreis laufen: Die Schultern nach vorne gebeugt, die Arme schlenkernd, barfuß im Sand. Und weil die Drehbühne sich in die entgegengesetzte Richtung dreht, sieht es im ersten Moment so aus, als komme er kein Stück vom Fleck.
Das ist ein passendes Bild für die immer gleichen Gedanken, die in den Köpfen der Figuren kreisen: Warum musste mein Kind vor mir sterben? Wie kann ich daran denken, ohne zu leiden?  Und ist nicht jedes Weiterleben ein Verrat?
Andreas Kriegenburg findet Bilder für diese Trauer, und einige davon sind so voller Poesie, voller Liebe für die Menschen, dass man niederknien möchte. […] Andreas Kriegenburgs Phantasie scheint unerschöpflich zu sein, und er versteht es,seine Einfälle perfekt zu choreografieren.

Außerdem im Spielplan

Mit englischen Übertiteln
von Albert Camus
Kammerspiele
19.30 - 21.45

Frei-Boxen

Penthesilea
nach Heinrich von Kleist
Box
20.00
Mit englischen Übertiteln
von Samuel Beckett
Deutsches Theater
20.00 - 22.20