Der Weg zum Glück

von Ingrid Lausund
Raum, Kostüme und Licht Beatrix von Pilgrim
Berlin-Premiere 30. Dezember 2010
Bernd Moss
Berliner Morgenpost
Georg Kasch, 04.01.2011
Beim Versuch, die eigenen Zwangsstörungen zu sortieren, der hinterjeder Stehlampe lauernden Panik zu entfliehen und zwischen den verschiedenen Stimmen seiner bipolaren Störung zumindest einen Ausgleich herzustellen, funkeln Wahn und Wahnsinn so fröhlich, dass das Zwerchfell schmerzt. Dabei verliert die Figur bei Bernd Moss nie an tragischer Fallhöhe, ergeben sich Momente stiller Verzweiflung, die umso schmerzlicher erscheinen, weil sich die Bekenntnisse einer zutiefst verletzten Seele wirkungsvoll zwischen die Pointen schmuggeln. Wenn sich gegen Ende das Experiment, ein anderer Mensch sein zuwollen, ein kraftvollerer, umgänglicherer, angstfreierer, lächerlich schiefgeht, dann ist das nicht nur ein furioses Finale für Moss, sondern zur Jahreswende auch ein Hinweis darauf, dass der ‚Weg zum Glück‘ keine Frage von guten Vorsätzen ist. Schon eher eine von großer Schauspielkunst, weshalb fürs Publikum in diesem Fall der Weg das Ziel ist. Zum Glück. Beim Versuch, die eigenen Zwangsstörungen zu sortieren, der hinterjeder Stehlampe lauernden Panik zu entfliehen und zwischen den verschiedenen Stimmen seiner bipolaren Störung zumindest einen Ausgleich herzustellen, funkeln Wahn und Wahnsinn so fröhlich, dass das Zwerchfell schmerzt. Dabei verliert die Figur bei Bernd Moss nie an tragischer Fallhöhe, ergeben sich Momente stiller Verzweiflung, die umso schmerzlicher erscheinen, weil sich die Bekenntnisse einer zutiefst verletzten Seele wirkungsvoll zwischen die Pointen schmuggeln. Wenn sich gegen Ende das Experiment, ein anderer Mensch sein zuwollen, ein kraftvollerer, umgänglicherer, angstfreierer, lächerlich schiefgeht, dann ist das nicht nur ein furioses Finale für Moss, sondern zur Jahreswende auch ein Hinweis darauf, dass der ‚Weg zum Glück‘ keine Frage von guten Vorsätzen ist. Schon eher eine von großer Schauspielkunst, weshalb fürs Publikum in diesem Fall der Weg das Ziel ist. Zum Glück.
Der Tagesspiegel
Christoph Funke, 02.01.2011
Hohe nervliche Anspannung, Zwang zur Selbstansalyse, Fremdbestimmung kleidet sie in Späße ein, hochintelligente und (bewusst) strohdumme, sie bringt die Zeit in Aufruhr, fantasiert auch den letzten Fetzen von Realität weg und packt Wirkliches gerade deshalb unbarmherzig bei all seiner Bosheit. Gehen ohne Pause, ohne auch nur eine Sekunde des Innehalten, fordert eine gnadenlose geistige und körperliche Disziplin. Denn Moss geht ja nicht nur, er denkt im Ausschreiten, wechselt Leichtigkeit und Schwere der Bewegung, kommt mal stockend, mal fließend voran, gerät ins Tänzeln, friert wieder ein im strengen Vorwärtsgang, wehrt sich gegen den Zwang zum Kreiseln. Was der Geist will und der Körper nicht schafft, oder was der Körper erzwingt gegen den Geist, wird heiter, und auch sehr schmerzhaft anschaulich. Geschichten bleiben stecken, in halben, abgehackten Sätzen. Aber gestisch kommen sie zur Vollendung, im Lauern, im Umsehen, in der Entdeckung von Leuten, Gegenständen, Landschaften, die gar nicht da sind. Moss macht zum Ereignis, wie von den Wänden eine geheimnisvolle, hypnotische Abwehrkraft ausgeht, die Bewegungsrichtungen immer wieder ändert und umpolt. Hohe nervliche Anspannung, Zwang zur Selbstansalyse, Fremdbestimmung kleidet sie in Späße ein, hochintelligente und (bewusst) strohdumme, sie bringt die Zeit in Aufruhr, fantasiert auch den letzten Fetzen von Realität weg und packt Wirkliches gerade deshalb unbarmherzig bei all seiner Bosheit. Gehen ohne Pause, ohne auch nur eine Sekunde des Innehalten, fordert eine gnadenlose geistige und körperliche Disziplin. Denn Moss geht ja nicht nur, er denkt im Ausschreiten, wechselt Leichtigkeit und Schwere der Bewegung, kommt mal stockend, mal fließend voran, gerät ins Tänzeln, friert wieder ein im strengen Vorwärtsgang, wehrt sich gegen den Zwang zum Kreiseln. Was der Geist will und der Körper nicht schafft, oder was der Körper erzwingt gegen den Geist, wird heiter, und auch sehr schmerzhaft anschaulich. Geschichten bleiben stecken, in halben, abgehackten Sätzen. Aber gestisch kommen sie zur Vollendung, im Lauern, im Umsehen, in der Entdeckung von Leuten, Gegenständen, Landschaften, die gar nicht da sind. Moss macht zum Ereignis, wie von den Wänden eine geheimnisvolle, hypnotische Abwehrkraft ausgeht, die Bewegungsrichtungen immer wieder ändert und umpolt.

Außerdem im Spielplan

Heute27282930Mai 12345678910111213141516171819202122232425262728293031Juni 123456789101112131415161718192021222324252627282930Juli 12345678910111213141516171819202122232425262728293031
Gastspiel
BERLIN-PREMIERE
von Wolfram Lotz
Regie: Yannik Böhmer
Koproduktion mit der Zürcher Hochschule der Künste
Box
19.30
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse
Mit englischen Übertiteln
nach dem Roman Der Verschollene von Franz Kafka
Deutsches Theater
20.00 - 22.00
19.30 Einführung - Saal
Zum Geburtstag von Dimiter Gotscheff
von Heiner Müller
Regie: Dimiter Gotscheff
Kammerspiele
20.00 - 21.00
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse