Judith

von Friedrich Hebbel
Premiere 18. März 2011
Elias Arens
Harald Baumgartner
Alexander KhuonHolofernes
Bernd Moss
Matthias Neukirch
Heiko Raulin
Katharina Marie SchubertJudith
Aenne Schwarz
Bernd Stempel
Die Welt
Ulrich Weinzierl, 23.03.2011
Die neue ‚Judith‘ des Deutschen Theaters in Berlin, inszeniert von Andreas Kriegenburg, wirkt sehr gelungen. Sie nötigt Respekt ab vor der konzeptuellen Leistung, verlangt und erzwingt in ihrem präzisen Sprachduktus hohe Aufmerksamkeit. Die wesentlichen Erzählstränge der Geschichte sind vorhanden, auch die sonst häufig ausgesparten Volksszenen. Kriegenburgs Regie wagt den Spagat zwischen Zeitgenossenschaft und zeitlosen emotionalen Konflikten.

Alexander Khuons Holofernes ist weder Ungeheuer noch Triebtäter des Massensmords, eher ein fast lebensmüder Dandy der Tyrannei: Seine Schlächtereien vollzieht er im nonchalanten Handumdrehen, wie angewidert von mickriger Umgebung: Kein würdiger Gegner weit und breit.

Schön auch, wie die Jammergestalten der Bethulier eine lebendige Gruppenskulptur à la Rodin bilden: Die Wut- und Dreckbürger von Calais. Fern jeglicher Überlebensgröße präsentiert sich die Judith von Katharina-Marie Schubert: als, junge, zerrissene Frau im Kampf um ihre Identität – und erreicht dabei bemerkenswerte, gleichsam vibrierende Eindringlichkeit. In ihrem Herzen muss sie die Frau in sich besiegen, muss zum Mann werden, fähig der großen Tat, die eine Untat ist.
Die neue ‚Judith‘ des Deutschen Theaters in Berlin, inszeniert von Andreas Kriegenburg, wirkt sehr gelungen. Sie nötigt Respekt ab vor der konzeptuellen Leistung, verlangt und erzwingt in ihrem präzisen Sprachduktus hohe Aufmerksamkeit. Die wesentlichen Erzählstränge der Geschichte sind vorhanden, auch die sonst häufig ausgesparten Volksszenen. Kriegenburgs Regie wagt den Spagat zwischen Zeitgenossenschaft und zeitlosen emotionalen Konflikten.

Alexander Khuons Holofernes ist weder Ungeheuer noch Triebtäter des Massensmords, eher ein fast lebensmüder Dandy der Tyrannei: Seine Schlächtereien vollzieht er im nonchalanten Handumdrehen, wie angewidert von mickriger Umgebung: Kein würdiger Gegner weit und breit.

Schön auch, wie die Jammergestalten der Bethulier eine lebendige Gruppenskulptur à la Rodin bilden: Die Wut- und Dreckbürger von Calais. Fern jeglicher Überlebensgröße präsentiert sich die Judith von Katharina-Marie Schubert: als, junge, zerrissene Frau im Kampf um ihre Identität – und erreicht dabei bemerkenswerte, gleichsam vibrierende Eindringlichkeit. In ihrem Herzen muss sie die Frau in sich besiegen, muss zum Mann werden, fähig der großen Tat, die eine Untat ist.
nachtkritik.de
Dirk Pilz, 19.03.2011
Katharina-Marie Schubert als Judith: eindringlich, rätselhaft, scharfkantig. Jedes Wort gewinnt bei ihr die Klarheit der Vieldeutigkeit. Sie ist die Ausnahmeerscheinung dieses Abends. Katharina-Marie Schubert als Judith: eindringlich, rätselhaft, scharfkantig. Jedes Wort gewinnt bei ihr die Klarheit der Vieldeutigkeit. Sie ist die Ausnahmeerscheinung dieses Abends.
Kulturinfo.eu
Dieter Bub, 22.03.2011
Holofernes stirbt durch die Hand einer Frau – sie dringt zu ihm vor, läßt sich von ihm vergewaltigen, manipuliert ihn mit Lüge und Rafinesse und ermordet ihn: Judith. Die Begegnung der beiden ist die Stärke der Inszenierung von Andreas Kriegenburg am Deutschen Theater – ein Akt von Raserei und Besäufnis, in dem der Feldherr erst alle seine Getreuen tötet, sich ihre Mäntel überstülpt, die ihm zur Last werden, sich dann wankend, volltrunken, über Judith hermacht, sie demütigt und schließlich auf sein Todeslager abschleppt. Der Kampf dieser beiden und Judiths Weg in den Wahnsinn, das macht diesen Abend zum Ereignis. Katharina Marie Schubert und Alexander Khuon spielen sich intensiv impulsiv in ihr Ende. Sehens-, hörenswert. Hochdramatisch, spannend. Holofernes stirbt durch die Hand einer Frau – sie dringt zu ihm vor, läßt sich von ihm vergewaltigen, manipuliert ihn mit Lüge und Rafinesse und ermordet ihn: Judith. Die Begegnung der beiden ist die Stärke der Inszenierung von Andreas Kriegenburg am Deutschen Theater – ein Akt von Raserei und Besäufnis, in dem der Feldherr erst alle seine Getreuen tötet, sich ihre Mäntel überstülpt, die ihm zur Last werden, sich dann wankend, volltrunken, über Judith hermacht, sie demütigt und schließlich auf sein Todeslager abschleppt. Der Kampf dieser beiden und Judiths Weg in den Wahnsinn, das macht diesen Abend zum Ereignis. Katharina Marie Schubert und Alexander Khuon spielen sich intensiv impulsiv in ihr Ende. Sehens-, hörenswert. Hochdramatisch, spannend.
taz
Simone Kaempf, 21.03.2011
Gewalt verliert alle Selbstherrlichkeit, wenn kein Volk zum Jubeln bereitsteht, niemand den Sieger als Helden feiert. So ergeht es Judith, wie man sie nun in den Kammerspielen des Deutschen Theaters sieht. Eine farbverschmierte, drahtige wie verausgabte Frau, die den schlafenden Heerführer Holofernes zuvor mit einem Säbelstich getötet hat: Sie wird nicht als Retterin des Volkes Israel ernannt, sondern erkennt, sich selbst überlassen, das niedere Ziele ihr Handeln leiteten: „Nichts trieb mich als der Gedanke an mich selbst.“ Aus dem Kollektiv in die Vereinzelung führt Andreas Kriegenburg seine Hauptfigur. Von der Generalpräsenz des Krieges zu der prekären Verantwortung des Einzelnen bewegt sich insgesamt seine Inszenierung der „Judith“ von Friedrich Hebbel. Gewalt verliert alle Selbstherrlichkeit, wenn kein Volk zum Jubeln bereitsteht, niemand den Sieger als Helden feiert. So ergeht es Judith, wie man sie nun in den Kammerspielen des Deutschen Theaters sieht. Eine farbverschmierte, drahtige wie verausgabte Frau, die den schlafenden Heerführer Holofernes zuvor mit einem Säbelstich getötet hat: Sie wird nicht als Retterin des Volkes Israel ernannt, sondern erkennt, sich selbst überlassen, das niedere Ziele ihr Handeln leiteten: „Nichts trieb mich als der Gedanke an mich selbst.“ Aus dem Kollektiv in die Vereinzelung führt Andreas Kriegenburg seine Hauptfigur. Von der Generalpräsenz des Krieges zu der prekären Verantwortung des Einzelnen bewegt sich insgesamt seine Inszenierung der „Judith“ von Friedrich Hebbel.
Berliner Morgenpost
Anne Peter, 20.03.2011
Judith, haarverstrubelt und farbverschmiert wie alle, behält bei Katharina Marie Schubert den Kopf stets oben, steht immer wieder auf, bevor sie sich irgendwann in angstzitternde Augen-zu-und-durch-Haltung begibt. Mit welcher Klarheit Schubert dabei den Hebbel-Text auszuloten vermag, wie sie ihre Stimme um Nuancen kippen, rauer, leiser, heftiger werden lässt, ist ziemlich beeindruckend. Judith, haarverstrubelt und farbverschmiert wie alle, behält bei Katharina Marie Schubert den Kopf stets oben, steht immer wieder auf, bevor sie sich irgendwann in angstzitternde Augen-zu-und-durch-Haltung begibt. Mit welcher Klarheit Schubert dabei den Hebbel-Text auszuloten vermag, wie sie ihre Stimme um Nuancen kippen, rauer, leiser, heftiger werden lässt, ist ziemlich beeindruckend.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Irene Bazinger, 21.03.2011
Katharina-Marie Schubert als Judith steht mit bewundernswerter Belastbarkeit und wie ein fundamentalistischer Fels in der diskursiven Brandung zwischen Angriff, Kapitulation, Verteidigung, Suizid, Gottestreue, Menschenliebe. Katharina-Marie Schubert als Judith steht mit bewundernswerter Belastbarkeit und wie ein fundamentalistischer Fels in der diskursiven Brandung zwischen Angriff, Kapitulation, Verteidigung, Suizid, Gottestreue, Menschenliebe.
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Florian Zinnecker, 20.03.2011
Die Schauspieler, besonders Katharina Marie Schubert und Alexander Khuon in den titelgebenden Rollen, schaffen es sehr gut allein, dem Stück die nötige Drastik zu geben, eigentlich schaffen sie es allein sogar besser. Später, als Holofernes unter der nahezu nackt herumstehenden Judith liegt und sich aus einer ihr von hinten zwischen die Beine drapierten Flasche Schnaps ins Gesicht gießt, fragt man sich wieder, was das Ganze soll und ob das nun wirklich sein muss. Es muss sein. Es zeigt, wozu Menschen in der Lage sind, zu Mord und Folter, Suff und Sätzen wie: Es ist öde niemanden ehren zu können als sich selbst. Wo gibt es das sonst noch? Die Schauspieler, besonders Katharina Marie Schubert und Alexander Khuon in den titelgebenden Rollen, schaffen es sehr gut allein, dem Stück die nötige Drastik zu geben, eigentlich schaffen sie es allein sogar besser. Später, als Holofernes unter der nahezu nackt herumstehenden Judith liegt und sich aus einer ihr von hinten zwischen die Beine drapierten Flasche Schnaps ins Gesicht gießt, fragt man sich wieder, was das Ganze soll und ob das nun wirklich sein muss. Es muss sein. Es zeigt, wozu Menschen in der Lage sind, zu Mord und Folter, Suff und Sätzen wie: Es ist öde niemanden ehren zu können als sich selbst. Wo gibt es das sonst noch?

Außerdem im Spielplan

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mit englischen Übertiteln
von Samuel Beckett
Regie: Christian Schwochow
Deutsches Theater
20.00 - 21.20
19.30 Einführung - Saal
von Jakob Nolte
Regie: Tom Kühnel
Kammerspiele
20.00 - 21.00