Leerlauf

von Rik van den Bos
Bühne und Kostüme Merle Vierck
Musik Matthias Frank
Dramaturgie Malin Nagel
Uraufführung 27. Oktober 2013
Thorsten HierseBirke
Jörg PoseBouwman
Bouwman
Berliner Zeitung
Doris Meierhenrich, 29.10.2013
Mit dem bohrenden, verzweifelten, hellsichtigen Monolog des Soldaten Birke beginnt das beachtliche, kleine Konfrontationsstück zwischen den beiden Kriegsversehrten Birke und Bowman, das der 31-jährige Rik van den Bos realen Soldatenberichten abgelauscht hat. Und der nervenfeine Thorsten Hierse macht dieses überreizte, zum Bersten gespannte Insichhineinhorchen und Aussichherausschnellen des jungen Veteranen Birke zum echten Ereignis. Atemlos horcht er an den Bodenbrettern seiner Kammer, die in der DT-Box nur lose den Wüstensand abdecken, und jedes kleine Geräusch, sei es die Musik aus der Nebenwohnung oder der Bombenknall in seinem Gedächtnis, wird durch ihn auch für uns zum großen Schmerz – wird die Normalität des Immergleichen um ihn herum auch für uns unerträglich.

Verstehen durch Empathie ist in diesen empfindlichen Momenten stärker denn je, obwohl und gerade weil Birke/Hierse selbst alles Erdenkliche tut, sich gegen sein eigenes „Nachfühlen“ zu sträuben. Ganz im Gegensatz zu Bowman, der in Gestalt Jörg Poses mit großem Gezeter in den Wüstenkampf eintauchen will. Das ist das Interessante dieses Stückes: Es denkt in Gegenbildern und kommt gerade dadurch dem Paradox des Verstehens näher. Langsam kreist es auch so die beiden „blinden Flecke“ ein, die der Krieg in die Leben frisst: die unbegreifliche Gewalterfahrung für den Daheimgebliebenen und die unbegreifliche „Normalität“für den Zurückkehrenden.
Mit dem bohrenden, verzweifelten, hellsichtigen Monolog des Soldaten Birke beginnt das beachtliche, kleine Konfrontationsstück zwischen den beiden Kriegsversehrten Birke und Bowman, das der 31-jährige Rik van den Bos realen Soldatenberichten abgelauscht hat. Und der nervenfeine Thorsten Hierse macht dieses überreizte, zum Bersten gespannte Insichhineinhorchen und Aussichherausschnellen des jungen Veteranen Birke zum echten Ereignis. Atemlos horcht er an den Bodenbrettern seiner Kammer, die in der DT-Box nur lose den Wüstensand abdecken, und jedes kleine Geräusch, sei es die Musik aus der Nebenwohnung oder der Bombenknall in seinem Gedächtnis, wird durch ihn auch für uns zum großen Schmerz – wird die Normalität des Immergleichen um ihn herum auch für uns unerträglich.

Verstehen durch Empathie ist in diesen empfindlichen Momenten stärker denn je, obwohl und gerade weil Birke/Hierse selbst alles Erdenkliche tut, sich gegen sein eigenes „Nachfühlen“ zu sträuben. Ganz im Gegensatz zu Bowman, der in Gestalt Jörg Poses mit großem Gezeter in den Wüstenkampf eintauchen will. Das ist das Interessante dieses Stückes: Es denkt in Gegenbildern und kommt gerade dadurch dem Paradox des Verstehens näher. Langsam kreist es auch so die beiden „blinden Flecke“ ein, die der Krieg in die Leben frisst: die unbegreifliche Gewalterfahrung für den Daheimgebliebenen und die unbegreifliche „Normalität“für den Zurückkehrenden.
RBB Inforadio
Anke Schäfer, 28.10.2013
Einfach weiter machen – nachdem man im afghanischen Sand über eine Bombe fuhr, nachdem einem das Trommelfell riss und der Kamerad und Freund neben einem starb? (…)

Schwer zu ertragen. Thorsten Hierse spielt ihn schwitzend, spuckend, ergreifend und unerbittlich, diesen Heimkehrer. Der niederländische Autor Rik van den Bos hat mit Kriegsveteranen gesprochen, um für dieses Stück zu recherchieren. Er möchte Geschichten von Menschen schreiben, die im öffentlichen Raum nicht sichtbar und in den öffentlichen Debatten nicht hörbar sind. Traumatisierte Kriegsheimkehrer isolieren sich oft und brechen jeden Kontakt zu Menschen ab, genau wie sein Protagonist. Aber dann – und das ist der Clou des Stückes, dringt der Vater des toten Kameraden in die Wahnwelt des Kriegsheimkehrers ein. Marvin Simon hat das alles sehr schön schlicht in der Box inszeniert. (…)

Intensive, unter die Haut gehende 75 Minuten sind das.
Einfach weiter machen – nachdem man im afghanischen Sand über eine Bombe fuhr, nachdem einem das Trommelfell riss und der Kamerad und Freund neben einem starb? (…)

Schwer zu ertragen. Thorsten Hierse spielt ihn schwitzend, spuckend, ergreifend und unerbittlich, diesen Heimkehrer. Der niederländische Autor Rik van den Bos hat mit Kriegsveteranen gesprochen, um für dieses Stück zu recherchieren. Er möchte Geschichten von Menschen schreiben, die im öffentlichen Raum nicht sichtbar und in den öffentlichen Debatten nicht hörbar sind. Traumatisierte Kriegsheimkehrer isolieren sich oft und brechen jeden Kontakt zu Menschen ab, genau wie sein Protagonist. Aber dann – und das ist der Clou des Stückes, dringt der Vater des toten Kameraden in die Wahnwelt des Kriegsheimkehrers ein. Marvin Simon hat das alles sehr schön schlicht in der Box inszeniert. (…)

Intensive, unter die Haut gehende 75 Minuten sind das.

Außerdem im Spielplan

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von Dietrich Brüggemann
Regie: Dietrich Brüggemann
Box
19.30 - 21.00
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse
mit englischen Übertiteln
von Gotthold Ephraim Lessing
Deutsches Theater
19.30 - 22.30
19.00 Einführung - Saal
von Max Frisch
Regie: Bastian Kraft
Kammerspiele
20.00 - 21.45
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse