Peer Gynt

von Henrik Ibsen
Aussstattung Johannes Schütz
Sounddesign Martin Person
Dramaturgie Claus Caesar
Premiere am 30. September 2015
Margit Bendokat
Samuel Finzi
Frankfurter Rundschau
Ulrich Seidler, 2.10.2015
"In den Kammerspielen des Deutschen Theaters hat der bulgarische Regisseur Ivan Panteleev ein Zweipersonenstück aus 'Peer Gynt' gefiltert, eine philosophistische Millimeterarbeit aus der eigentlich opulenten Trial-and-Error-Selbstsuche. Das Zwiebelzitat ist gestrichen (...) – aber eine Haut, die äußere, pergamentene, taucht dann doch auf, im Bühnenbild von Johannes Schütz. Sie bildet die Wände eines Häuschens, das auf weißem Sandboden steht. Erst schneidet Margit Bendokat ein Fensterchen hinein, aber schon bald reißt Samuel Finzi diese spröde Trennung von Außen und Innen in Fetzen herunter. Die Leere ist nun ganz unbekleidet. (...) Es gibt schauspielerisch virtuose Andeutungen von Verzweiflung und Hohn, von Liebe und Wahn, von Krampf und Gier, aber alle Einbildung und Bindung ist schnell wieder zerfetzt, und sie stehen wieder verloren und bloß da: nackte Nichtlinge im nackten Nichts." "In den Kammerspielen des Deutschen Theaters hat der bulgarische Regisseur Ivan Panteleev ein Zweipersonenstück aus 'Peer Gynt' gefiltert, eine philosophistische Millimeterarbeit aus der eigentlich opulenten Trial-and-Error-Selbstsuche. Das Zwiebelzitat ist gestrichen (...) – aber eine Haut, die äußere, pergamentene, taucht dann doch auf, im Bühnenbild von Johannes Schütz. Sie bildet die Wände eines Häuschens, das auf weißem Sandboden steht. Erst schneidet Margit Bendokat ein Fensterchen hinein, aber schon bald reißt Samuel Finzi diese spröde Trennung von Außen und Innen in Fetzen herunter. Die Leere ist nun ganz unbekleidet. (...) Es gibt schauspielerisch virtuose Andeutungen von Verzweiflung und Hohn, von Liebe und Wahn, von Krampf und Gier, aber alle Einbildung und Bindung ist schnell wieder zerfetzt, und sie stehen wieder verloren und bloß da: nackte Nichtlinge im nackten Nichts."
Süddeutsches Zeitung
Peter Laudenbach, 2.10.2015
"Der hervorragende Samuel Finzi spielt das große Kind Peer als Melancholiker, der alles schon hinter sich hat und sich jetzt, etwas müde geworden, an das wilde Durcheinander erinnert, das sein Leben war. Im Rückblick räsoniert er schon mal darüber, dass die Moral als Rückseite das Böse brauche. (...) Im Leben mag Peer Pech mit den Frauen haben (und sie mit ihm). Aber zumindest auf der Bühne hat er großes Glück mit ihnen. Denn alle werden sie mit staubtrocken ausgenüchterter Komik von Margit Bendokat gespielt (...). (J)e hochtouriger Finzis Peer sich durch seine Fantastereien und Abenteuer jacgt, desto stoischer betrachten all diese Frauen mit Margit Bendokats Augen diesen seltsamen, nicht unsympathischen Ego-Wirrkopf: Ein großer Junge, der einfach nicht erwachsen werden will." "Der hervorragende Samuel Finzi spielt das große Kind Peer als Melancholiker, der alles schon hinter sich hat und sich jetzt, etwas müde geworden, an das wilde Durcheinander erinnert, das sein Leben war. Im Rückblick räsoniert er schon mal darüber, dass die Moral als Rückseite das Böse brauche. (...) Im Leben mag Peer Pech mit den Frauen haben (und sie mit ihm). Aber zumindest auf der Bühne hat er großes Glück mit ihnen. Denn alle werden sie mit staubtrocken ausgenüchterter Komik von Margit Bendokat gespielt (...). (J)e hochtouriger Finzis Peer sich durch seine Fantastereien und Abenteuer jacgt, desto stoischer betrachten all diese Frauen mit Margit Bendokats Augen diesen seltsamen, nicht unsympathischen Ego-Wirrkopf: Ein großer Junge, der einfach nicht erwachsen werden will."
Der Tagesspiegel
2.10.2015
"Nationalepos, skandinavischer Faust, Welttheater aus einer früheren Phase der Globalisierung, Richard Wagners 'Ring des Nibelungen' glüht da im Hintergrund der Zeit. Großes Stück, kleine Lösung in den Kammerspielen. Vertraute Gespräche zwischen Peer und der Überfrau, die folkloristisch eingekleidet ist, während der schon nicht mehr so junge Junge einen Businessanzug trägt. Panteleev und seine beiden Akteure spielen durch, wie Geschichte entsteht, persönliche und politische. Einfach so – indem einer erzählt, die Welt definiert und sich selbst. Peer Gynt, das scheint bei Finzi durch, hat das Zeug zum Diktator, wenn man ihn nur ließe und die Chance sich ergäbe. So wird er dann Sklavenhändler und ein reicher Mann. Und verliert wieder alles, um nach Norwegen zurückzukehren. Samuel Finzis Peer aber war nie weg. Nie auf Reisen. Für ihn ist es ein Stück der Möglichkeiten, die sich nicht realisieren, auch weil Mutter/Geliebte Margit Bendokat ein Anker ist in diesem Wüstenmeer. Die lässt ihn nicht ziehen. Die Aufführung ist kurz, unter zwei Stunden. Aber die zwei Schauspieler auf leerer Bühne haben keine kleine Strecke zurückzulegen. Sie nehmen die Sache ernst, sehr ernst." "Nationalepos, skandinavischer Faust, Welttheater aus einer früheren Phase der Globalisierung, Richard Wagners 'Ring des Nibelungen' glüht da im Hintergrund der Zeit. Großes Stück, kleine Lösung in den Kammerspielen. Vertraute Gespräche zwischen Peer und der Überfrau, die folkloristisch eingekleidet ist, während der schon nicht mehr so junge Junge einen Businessanzug trägt. Panteleev und seine beiden Akteure spielen durch, wie Geschichte entsteht, persönliche und politische. Einfach so – indem einer erzählt, die Welt definiert und sich selbst. Peer Gynt, das scheint bei Finzi durch, hat das Zeug zum Diktator, wenn man ihn nur ließe und die Chance sich ergäbe. So wird er dann Sklavenhändler und ein reicher Mann. Und verliert wieder alles, um nach Norwegen zurückzukehren. Samuel Finzis Peer aber war nie weg. Nie auf Reisen. Für ihn ist es ein Stück der Möglichkeiten, die sich nicht realisieren, auch weil Mutter/Geliebte Margit Bendokat ein Anker ist in diesem Wüstenmeer. Die lässt ihn nicht ziehen. Die Aufführung ist kurz, unter zwei Stunden. Aber die zwei Schauspieler auf leerer Bühne haben keine kleine Strecke zurückzulegen. Sie nehmen die Sache ernst, sehr ernst."

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