Sklaven

Einakter von Georges Courteline aus der Hölle der bürgerlichen Freiheit
Regie / Bühne Andreas Kriegenburg
Dramaturgie Juliane Koepp

Das umgestürzte Auto

Monsieur Badin

Der Hausfrieden

Angst vor Schlägen

Die Boulingrins

Premiere 28. März 2013
Hans LöwEin Herr
Olivia GräserEine Dame
Elias ArensMonsieur Ledaim
Natali SeeligCaspar
Jörg PoseMonsieur Badin
Hans LöwOvide
Daniel HoevelsDirektor
Elias ArensTrielle
Natalia BelitskiValentine
Hans LöwEr
Natali SeeligSie
Daniel HoevelsDe Roulade
Olivia GräserMadame Boulingrin
Jörg PoseMonsieur Boulingrin
Natalia BelitskiFelicitas

Das umgestürzte Auto

Ein Herr
Eine Dame
Monsieur Ledaim
Caspar

Monsieur Badin

Monsieur Badin
Ovide
Direktor

Der Hausfrieden

Trielle
Valentine

Angst vor Schlägen

Die Boulingrins

De Roulade
Madame Boulingrin
Monsieur Boulingrin
Felicitas
Deutschlandfunk, Kultur heute
Michael Laages, 29.03.2013
Alles in dieser grenzenlosen Kostümfantasie glitzert und flirrt und flimmert zudem wie in der Cabaret-Revue, selbst die rundum extrem hochhackigen Schuhe. Wie immer die Kritik Kriegenburgs Inszenierung behandeln wird - Andrea Schraad kandidiert hier als "Kostümbildnerin des Jahres"; was für ein unendlicher Spaß, den Ergebnissen ihrer Arbeit zuzusehen!

Courtelines Texte, mal schwächer, mal stärker, geraten bei Kriegenburg durchweg schrill und laut - die Geschichte von der Gelegenheits-Prostituierten, die sich als Opfer getürkter Autounfälle Freier besorgt, um sich zu Hause dann jeweils vom Gatten "überraschen" zu lassen; die vom faulen Beamten, der schon seit Jahren Woche für Woche die absurdesten Ausreden erfindet, um bloß nicht ins Büro zu müssen, nun aber dieses Leidens am Leben wegen um Gehaltserhöhung einkommt; die vom Ehemann, der der Gattin all ihrer Fehler eine Art Luxus-Steuer auferlegt. Nach der Pause traut sich ein gehörnter Ehemann nicht, dem Partner der untreuen Gattin (einem Militär!) mal so richtig aufs Maul zu hauen - aus ganz begreiflicher "Angst vor Schlägen". Und schließlich wird ein schleimend-parasitärer Gast zum mäßig bedauernswerten Opfer innerfamiliärer Horror-Gewalt in feinem bürgerlichen Interieur.

All das hat Abgrund und Witz - doch hält Kriegenburg das Spiel des extrem clownesk agierenden Ensemble immerzu auf Hochtouren, immerzu auf 180 ... Klar: Sie sind ja ständig im Krieg gegen Alltag und Banalität, die draußen toben (...).

Das Ganze: ein Gefecht der Extreme; mit vielen Verlusten. Der Haltung lässt sich folgen - denn draußen schreitet ja der Niedergang der bürgerlichen Klasse unaufhaltsam fort. Mit jeder neuen Zypernkrise nimmt das Tempo zu.
Alles in dieser grenzenlosen Kostümfantasie glitzert und flirrt und flimmert zudem wie in der Cabaret-Revue, selbst die rundum extrem hochhackigen Schuhe. Wie immer die Kritik Kriegenburgs Inszenierung behandeln wird - Andrea Schraad kandidiert hier als "Kostümbildnerin des Jahres"; was für ein unendlicher Spaß, den Ergebnissen ihrer Arbeit zuzusehen!

Courtelines Texte, mal schwächer, mal stärker, geraten bei Kriegenburg durchweg schrill und laut - die Geschichte von der Gelegenheits-Prostituierten, die sich als Opfer getürkter Autounfälle Freier besorgt, um sich zu Hause dann jeweils vom Gatten "überraschen" zu lassen; die vom faulen Beamten, der schon seit Jahren Woche für Woche die absurdesten Ausreden erfindet, um bloß nicht ins Büro zu müssen, nun aber dieses Leidens am Leben wegen um Gehaltserhöhung einkommt; die vom Ehemann, der der Gattin all ihrer Fehler eine Art Luxus-Steuer auferlegt. Nach der Pause traut sich ein gehörnter Ehemann nicht, dem Partner der untreuen Gattin (einem Militär!) mal so richtig aufs Maul zu hauen - aus ganz begreiflicher "Angst vor Schlägen". Und schließlich wird ein schleimend-parasitärer Gast zum mäßig bedauernswerten Opfer innerfamiliärer Horror-Gewalt in feinem bürgerlichen Interieur.

All das hat Abgrund und Witz - doch hält Kriegenburg das Spiel des extrem clownesk agierenden Ensemble immerzu auf Hochtouren, immerzu auf 180 ... Klar: Sie sind ja ständig im Krieg gegen Alltag und Banalität, die draußen toben (...).

Das Ganze: ein Gefecht der Extreme; mit vielen Verlusten. Der Haltung lässt sich folgen - denn draußen schreitet ja der Niedergang der bürgerlichen Klasse unaufhaltsam fort. Mit jeder neuen Zypernkrise nimmt das Tempo zu.
Die Welt
Matthias Heine, 02.04.2013
Das Bürgertum ist eine belagerte Festung. Oder eher ein schicker Bunker, dessen Tor die letzten Bourgeois mit MPs verteidigen. Der anonyme menschliche Trash da draußen bewirft sie sie aus der Dunkelheut mit einer ihm gemäßen Waffe: Müllsäcke. Wenn die Türen in einer Kampfpause geschlossen sind, rüsten sich die Bürger mit kulturkritischen Aphorismen auf, die klingen wie eine Blütenlese aus Medien von "Welt" bis "Cicero" und aus Büchern von Max Goldt bis Steiner. (…)

Heute will keiner mehr konform sein, sondern alle mühen sich um Individualität. Sie sind Sklaven ihres Ich-Behauptungstriebs geworden. Das ist die etwas plakative Botschaft, die Kriegenburgs Inszenierung der fünf Einakter in den Kammerspielen des Deutschen Theaters verkündet. (…) Sie tragen ihre Dummheit und Gemeinheiten geschliffenen vor als in deutschen Theaterstücken die größten Weisheiten ausgesprochen werden. Legt man diese Sätze tollen Schauspielern in den Mund – und daran hat es im Ensemble, zu dem unter anderen die treuen Kriegenburg-Gefährten Natali Selig, Hans Löw gehören, keinen Mangel -, dann gelten sie als unzerstörbar (...).
Das Bürgertum ist eine belagerte Festung. Oder eher ein schicker Bunker, dessen Tor die letzten Bourgeois mit MPs verteidigen. Der anonyme menschliche Trash da draußen bewirft sie sie aus der Dunkelheut mit einer ihm gemäßen Waffe: Müllsäcke. Wenn die Türen in einer Kampfpause geschlossen sind, rüsten sich die Bürger mit kulturkritischen Aphorismen auf, die klingen wie eine Blütenlese aus Medien von "Welt" bis "Cicero" und aus Büchern von Max Goldt bis Steiner. (…)

Heute will keiner mehr konform sein, sondern alle mühen sich um Individualität. Sie sind Sklaven ihres Ich-Behauptungstriebs geworden. Das ist die etwas plakative Botschaft, die Kriegenburgs Inszenierung der fünf Einakter in den Kammerspielen des Deutschen Theaters verkündet. (…) Sie tragen ihre Dummheit und Gemeinheiten geschliffenen vor als in deutschen Theaterstücken die größten Weisheiten ausgesprochen werden. Legt man diese Sätze tollen Schauspielern in den Mund – und daran hat es im Ensemble, zu dem unter anderen die treuen Kriegenburg-Gefährten Natali Selig, Hans Löw gehören, keinen Mangel -, dann gelten sie als unzerstörbar (...).
nachtkritik.de
Georg Kasch, 29.03.2013
Wenn ein Stück in der Schlusspointe "Ein charmanter Abend!" gipfelt, dann muss zuvor die Hölle losgewesen sein. So endet nicht nur George Courtelines Einakter "Die Boulingrins", in der ein Schmarotzer statt aufs erwartete Vorzeigepaar auf ein diabolisches Ehegespann trifft, das nicht nur einander, sondern auch dem Gast das Leben zur Hölle macht. So endet auch Andreas Kriegenburgs Spaßinferno "Sklaven" in den Kammerspielen des Deutschen Theaters: Sieben Hyper-Individualisten und Terrorclowns catwalken auf dem Spiegelboden im glänzend-glitzernden Bühnenkasten herum, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt sind, hinter der Doppeltür auf der Trashhalde aufeinander mit Plastik-Maschinengewehren zu feuern. Sie hauen einander mit Worten und Ellenbogen vor den Kopf und vors Schienbein, hyperventilieren ihre Neurosen und brüllen auf unverbindliche Nachfragen ihre Ticks heraus. Sie hampeln und zappeln, kalauern und zoten, kurz: Es ist der Wahnsinn! Wenn ein Stück in der Schlusspointe "Ein charmanter Abend!" gipfelt, dann muss zuvor die Hölle losgewesen sein. So endet nicht nur George Courtelines Einakter "Die Boulingrins", in der ein Schmarotzer statt aufs erwartete Vorzeigepaar auf ein diabolisches Ehegespann trifft, das nicht nur einander, sondern auch dem Gast das Leben zur Hölle macht. So endet auch Andreas Kriegenburgs Spaßinferno "Sklaven" in den Kammerspielen des Deutschen Theaters: Sieben Hyper-Individualisten und Terrorclowns catwalken auf dem Spiegelboden im glänzend-glitzernden Bühnenkasten herum, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt sind, hinter der Doppeltür auf der Trashhalde aufeinander mit Plastik-Maschinengewehren zu feuern. Sie hauen einander mit Worten und Ellenbogen vor den Kopf und vors Schienbein, hyperventilieren ihre Neurosen und brüllen auf unverbindliche Nachfragen ihre Ticks heraus. Sie hampeln und zappeln, kalauern und zoten, kurz: Es ist der Wahnsinn!
RBB online
Fabian Wallmeier, 29.03.2013
Courtelines Texte sind voll von prallem Witz, der zwischen Scharfzüngigkeit und sattem Klamauk pendelt und beide Tonlagen beherrscht, auch wenn nicht alle fünf Stücke sich auf dem gleichen Niveau bewegen (das dritte ist deutlich schwächer als der Rest). Kriegenburg hat seine sieben Darsteller in grellbunte Kostüme gesteckt: Die Schwarz-Weiß-Kontraste des Varieté treffen auf das Sams mit seinen bunten Punkten, Zebras und Pfauen auf die Teletubbies. Dazu sind die Gesichter der Darsteller deftig überschminkt, fast bis zur Unkenntlichkeit. Genau so knallig wie die Schauspieler ist auch Kriegenburgs gesamte Inszenierung, die Courtelines Witz noch weiter ins Absurde steigert und vor allem rasend schnell daherkommt - wozu auch immer wieder Maschinengewehrsalven beitragen, die die Figuren auf und hinter der Bühne nebenbei abfeuern. Eine bekloppte Idee, die sich aber wunderbar in Kriegenburgs Knallbonbon-Inszenierung integriert. Dass er allerdings den größtenteils rasend komischen Szenen unbedingt noch einen Überbau verpassen muss, indem er die Figuren im Titel zu "Sklaven" stilisiert, die - so heißt es im Untertitel des Stücks - in der "bürgerlichen Hölle" leben, ist zwar unnötig, schmälert aber den Spaß nicht. Courtelines Texte sind voll von prallem Witz, der zwischen Scharfzüngigkeit und sattem Klamauk pendelt und beide Tonlagen beherrscht, auch wenn nicht alle fünf Stücke sich auf dem gleichen Niveau bewegen (das dritte ist deutlich schwächer als der Rest). Kriegenburg hat seine sieben Darsteller in grellbunte Kostüme gesteckt: Die Schwarz-Weiß-Kontraste des Varieté treffen auf das Sams mit seinen bunten Punkten, Zebras und Pfauen auf die Teletubbies. Dazu sind die Gesichter der Darsteller deftig überschminkt, fast bis zur Unkenntlichkeit. Genau so knallig wie die Schauspieler ist auch Kriegenburgs gesamte Inszenierung, die Courtelines Witz noch weiter ins Absurde steigert und vor allem rasend schnell daherkommt - wozu auch immer wieder Maschinengewehrsalven beitragen, die die Figuren auf und hinter der Bühne nebenbei abfeuern. Eine bekloppte Idee, die sich aber wunderbar in Kriegenburgs Knallbonbon-Inszenierung integriert. Dass er allerdings den größtenteils rasend komischen Szenen unbedingt noch einen Überbau verpassen muss, indem er die Figuren im Titel zu "Sklaven" stilisiert, die - so heißt es im Untertitel des Stücks - in der "bürgerlichen Hölle" leben, ist zwar unnötig, schmälert aber den Spaß nicht.

Außerdem im Spielplan

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mit englischen Übertiteln
von Samuel Beckett
Regie: Christian Schwochow
Deutsches Theater
20.00 - 21.20
19.30 Einführung - Saal
von Jakob Nolte
Regie: Tom Kühnel
Kammerspiele
20.00 - 21.00