Verbrecher aus verlorener Ehre

nach Friedrich Schiller
Fünf Wissenschaftler aus verschiedenen Fachbereichen schließen sich zusammen, um gemeinsam die Frage zu erforschen: Wie wird ein Mensch zum Verbrecher? Sie berufen sich dabei nicht nur auf ihr subjektiv eingefärbtes 'Expertenwissen' vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart, sondern vor allem auf die Erzählung 'Der Verbrecher aus verlorener Ehre' von Friedrich Schiller, die 1786 erstmals veröffentlicht wurde und auf einer wahren Geschichte beruht. Schiller zeichnet den Lebensweg von Christian Wolf nach. Von Geburt an missgebildet und verspottet, gerät dieser früh auf die schiefe Bahn, wird erst zum Wilddieb und nach mehrjährigem Gefängnisaufenthalt zum Mörder. Schiller formuliert eine eindrückliche Kritik an Justiz und Strafrechtsvollzug und stellt Fragen, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Was ist eine gerechte Strafe? Was passiert mit Menschen im Gefängnis? Und letztlich – in was für einer Gesellschaft wollen wir leben?
Kostüme Maike Storf
Video Bert Zander
Recherche und Interviews Dirk Schneider
Premiere 22. November 2012
Elias ArensWissenschaftler/Robert
Christoph FrankenWissenschaftler/Christian Wolf
Özgür KaradenizWissenschaftler/Wirt/Sänger
Helmut MooshammerWissenschaftler/Mutter
Olivia GräserWissenschaftlerin/Hannchen
Kathleen MorgeneyerWissenschaftlerin/Hannchen
Norman Bürger
Markus Pohle
Wissenschaftler/Robert
Wissenschaftler/Christian Wolf
Wissenschaftler/Wirt/Sänger
Wissenschaftler/Mutter
Wissenschaftlerin/Hannchen
Norman Bürger, Markus Pohle
nachtkritik.de
Nikolaus Merck, 23.11.2012
Solberg ist ein kritischer Geist. Er deutet auf die Zustände, auf Unterdrückung, Ungerechtigkeit, politischen Hirnriss und ruft: Das kann so nicht bleiben! Recht hat er! [...] Dann kommt das eigentliche. In Videoeinspielungen, oben, sprechen die Ex-Sträflinge Norman Bürger und Markus Pohle über den Weg ins Verbrechen, Verhaftung, die archaische Brutalität im Knast. Oben verankert sich der Abend in Realität, unten geht das illustrierte Spiel weiter oder pausiert. Helmut Mooshammer liest aus einem Zeitungsbericht vor, wie ein 20-Jähriger 2006 in der JVA Siegburg von seinem Zellengenossen gefoltert und ermordet wurde. Mooshammer isst dabei, sehr effektvoll, einen Apfel. Der Bericht ist bedrückend, mucksmäuschenstill der Saal. Solche Zustände herrschen in diesem Land. Unerhört! Das kann so nicht bleiben! Solberg ist ein kritischer Geist. Er deutet auf die Zustände, auf Unterdrückung, Ungerechtigkeit, politischen Hirnriss und ruft: Das kann so nicht bleiben! Recht hat er! [...] Dann kommt das eigentliche. In Videoeinspielungen, oben, sprechen die Ex-Sträflinge Norman Bürger und Markus Pohle über den Weg ins Verbrechen, Verhaftung, die archaische Brutalität im Knast. Oben verankert sich der Abend in Realität, unten geht das illustrierte Spiel weiter oder pausiert. Helmut Mooshammer liest aus einem Zeitungsbericht vor, wie ein 20-Jähriger 2006 in der JVA Siegburg von seinem Zellengenossen gefoltert und ermordet wurde. Mooshammer isst dabei, sehr effektvoll, einen Apfel. Der Bericht ist bedrückend, mucksmäuschenstill der Saal. Solche Zustände herrschen in diesem Land. Unerhört! Das kann so nicht bleiben!
Berliner Zeitung
Ulrich Seidler, 24.11.2012
Fünf vermutlich irre Wissenschaftler sehen wir, die Verbrecherfälle aus Schillers Lebzeiten, aus den 20er Jahren und aus der Gegenwart unter ihre große Lupe nehmen. Solberg nutzt dabei jede Möglichkeit, seinen reichen Szenenscherzschatz darzubieten. Ein Pappohr hängt an der Leine wenn einer lauscht, Christoph Franken wird mit Tesafilm verform, wenn von Hässlichkeit die Rede ist ("Hier haben wir: Miss Lungen"). Jedes Gefühl wird verschlagen, jede Geste vergrößert: Solberg lässt seine Schauspieler überdrehen, comedysieren, persiflieren wo und wie es nur geht – und hängt seinem Schiller doch an den Lippen. Fünf vermutlich irre Wissenschaftler sehen wir, die Verbrecherfälle aus Schillers Lebzeiten, aus den 20er Jahren und aus der Gegenwart unter ihre große Lupe nehmen. Solberg nutzt dabei jede Möglichkeit, seinen reichen Szenenscherzschatz darzubieten. Ein Pappohr hängt an der Leine wenn einer lauscht, Christoph Franken wird mit Tesafilm verform, wenn von Hässlichkeit die Rede ist ("Hier haben wir: Miss Lungen"). Jedes Gefühl wird verschlagen, jede Geste vergrößert: Solberg lässt seine Schauspieler überdrehen, comedysieren, persiflieren wo und wie es nur geht – und hängt seinem Schiller doch an den Lippen.
Berliner Morgenpost
Georg Kasch, 24.11.2012
Solberg zappt originell und witzig durch Klassiker und Krisenjahre, operiert mit rasanten Kostümwechseln im großen Laboratorium, das Jelena Nagorni über zwei Etagen gebaut hat, wo die Wissenschaftler in weißen Kitteln dem Rätsel von Gewalt und Menschlichkeit auf die Spur zu kommen versuchen. Solberg zappt originell und witzig durch Klassiker und Krisenjahre, operiert mit rasanten Kostümwechseln im großen Laboratorium, das Jelena Nagorni über zwei Etagen gebaut hat, wo die Wissenschaftler in weißen Kitteln dem Rätsel von Gewalt und Menschlichkeit auf die Spur zu kommen versuchen.

Materialmappe für Lehrer

Außerdem im Spielplan

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mit englischen Übertiteln
von Samuel Beckett
Regie: Christian Schwochow
Deutsches Theater
20.00 - 21.20
19.30 Einführung - Saal
von Jakob Nolte
Regie: Tom Kühnel
Kammerspiele
20.00 - 21.00