Woyzeck

von Georg Büchner
Premiere 3. Oktober 2014
Benjamin LillieWoyzeck
Katrin WichmannMarie
Süddeutsche Zeitung
Till Briegleb, 08.10.2014
Ein Mann und eine Frau in einem schwarzen Zeittunnel, an dessen Ende Lichter zucken. Sie durchleben alle Stadien von Liebe, Eifersucht und Mord und bleiben doch unzertrennlich. Am Deutschen Theater Berlin wird in der Regie von Sebastian Hartmann aus Büchners Dramenfragment ‚Woyzeck‘ ein Versuch über bedrohliche Zweisamkeit. So symbolisch aufgeladen, wie Franz und Marie hier kämpfen, kann es gar nicht um das eigentliche Stück gehen. Schon allein, weil man nichts von Büchners Geschichte versteht, wenn man sie nicht kennt. Deswegen geht es um Geschichte allgemein, um das Ringen zweier unterschiedlicher Haltungen, Ideologien, man kann das durchaus politisch sehen. Ein Mann und eine Frau in einem schwarzen Zeittunnel, an dessen Ende Lichter zucken. Sie durchleben alle Stadien von Liebe, Eifersucht und Mord und bleiben doch unzertrennlich. Am Deutschen Theater Berlin wird in der Regie von Sebastian Hartmann aus Büchners Dramenfragment ‚Woyzeck‘ ein Versuch über bedrohliche Zweisamkeit. So symbolisch aufgeladen, wie Franz und Marie hier kämpfen, kann es gar nicht um das eigentliche Stück gehen. Schon allein, weil man nichts von Büchners Geschichte versteht, wenn man sie nicht kennt. Deswegen geht es um Geschichte allgemein, um das Ringen zweier unterschiedlicher Haltungen, Ideologien, man kann das durchaus politisch sehen.
taz
Katrin Bettina Müller, 06.10.2014
Alles konzentriert sich auf die psychische Verfasstheit von Franz und Marie und ihrem Leiden an der Unmöglichkeit von Nähe. Das Drama wird dadurch zu einem dunklen, langen Gedicht, einem Exzess an selbst zugefügten Schmerzen in einer Beziehung. Dass man diese Lust an der Dunkelheit, diese schwarze Romantik ästhetisch durchaus goutieren kann, dafür sorgt Hartmann (...) durchaus. (...)
Der Musiker Ch. Mäcki Hamann begleitet die Inszenierung mit Streicherklang und elektronischer Musik, melancholisch, soghaft, verzehrend. (...)
Wenn am Ende der Aufführung einer der letzten Sätze aus Heiner Müllers "Bildbeschreibung" zu hören ist: "(...) der Mord ist ein Geschlechtertausch, fremd im eigenen Körper", klingt das wie ein möglicher Schlüssel zu der Inszenierung.
Alles konzentriert sich auf die psychische Verfasstheit von Franz und Marie und ihrem Leiden an der Unmöglichkeit von Nähe. Das Drama wird dadurch zu einem dunklen, langen Gedicht, einem Exzess an selbst zugefügten Schmerzen in einer Beziehung. Dass man diese Lust an der Dunkelheit, diese schwarze Romantik ästhetisch durchaus goutieren kann, dafür sorgt Hartmann (...) durchaus. (...)
Der Musiker Ch. Mäcki Hamann begleitet die Inszenierung mit Streicherklang und elektronischer Musik, melancholisch, soghaft, verzehrend. (...)
Wenn am Ende der Aufführung einer der letzten Sätze aus Heiner Müllers "Bildbeschreibung" zu hören ist: "(...) der Mord ist ein Geschlechtertausch, fremd im eigenen Körper", klingt das wie ein möglicher Schlüssel zu der Inszenierung.
Deutschlandfunk - Kultur heute
Michael Laages, 04.10.2014
Benjamin Lillie und Katrin Wichmann erzählen einander sozusagen von den Abgründen im eigenen wie im anderen Ich, von den entscheidenden Momenten, an denen sich die Katastrophe der beiden abzeichnet. Auch den Mord vom Schluss spielen sie gleich zu Beginn ein paar Mal miteinander durch – Stechen und Sterben, Lieben und Leiden wird hier zum Feldversuch, zum Paarexperiment mit sehr ungewissem Ausgang. Wer den Text gut kennt, wird vor allem die Momente schätzen, wo Büchners Text sozusagen das Geschlecht wechselt, von ihr zu ihm hinüber mutiert oder umgekehrt.

Auch die stark ins Absurde driftenden Rand- und Rahmenszenen, etwa Büchners Zirkusspiele, ziehen die beiden Spieler zu sich heran – und verwandeln sich in zum Beispiel haltlos brabbelnde Primaten. "Bin ich ein Mensch", fragt bekanntlich Marie, wobei sie im historischen Kontext wohl eher nachfragt, ob Woyzeck sie für eine Hure hält nach dem Abenteuer mit dem Tambourmajor. Gemeinhin stellt diese Frage heute aber das Menschsein an sich in dieser Woyzeck-Welt infrage. Vielleicht sind die beiden ja noch nicht ganz, gerade erst oder gerade noch Mensch. Auch diese Assoziation eröffnet Hartmanns Experiment. Texte von Heiner Müller, "Hydra" etwa oder die grandiose "Bildbeschreibung", verstärken die Verrätselung wie die Frage nach den verschiedenen Formen von "Ich", die in diesem Paar stecken.
All das ist natürlich wahnsinnig anstrengend; für die beiden Darsteller, für den live-spielenden Musiker Mäcki Hamann, für das Publikum natürlich auch. Die Aufführung verweigert viel. Und hat zugleich sehr viel zu bieten.
Benjamin Lillie und Katrin Wichmann erzählen einander sozusagen von den Abgründen im eigenen wie im anderen Ich, von den entscheidenden Momenten, an denen sich die Katastrophe der beiden abzeichnet. Auch den Mord vom Schluss spielen sie gleich zu Beginn ein paar Mal miteinander durch – Stechen und Sterben, Lieben und Leiden wird hier zum Feldversuch, zum Paarexperiment mit sehr ungewissem Ausgang. Wer den Text gut kennt, wird vor allem die Momente schätzen, wo Büchners Text sozusagen das Geschlecht wechselt, von ihr zu ihm hinüber mutiert oder umgekehrt.

Auch die stark ins Absurde driftenden Rand- und Rahmenszenen, etwa Büchners Zirkusspiele, ziehen die beiden Spieler zu sich heran – und verwandeln sich in zum Beispiel haltlos brabbelnde Primaten. "Bin ich ein Mensch", fragt bekanntlich Marie, wobei sie im historischen Kontext wohl eher nachfragt, ob Woyzeck sie für eine Hure hält nach dem Abenteuer mit dem Tambourmajor. Gemeinhin stellt diese Frage heute aber das Menschsein an sich in dieser Woyzeck-Welt infrage. Vielleicht sind die beiden ja noch nicht ganz, gerade erst oder gerade noch Mensch. Auch diese Assoziation eröffnet Hartmanns Experiment. Texte von Heiner Müller, "Hydra" etwa oder die grandiose "Bildbeschreibung", verstärken die Verrätselung wie die Frage nach den verschiedenen Formen von "Ich", die in diesem Paar stecken.
All das ist natürlich wahnsinnig anstrengend; für die beiden Darsteller, für den live-spielenden Musiker Mäcki Hamann, für das Publikum natürlich auch. Die Aufführung verweigert viel. Und hat zugleich sehr viel zu bieten.

Außerdem im Spielplan

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mit englischen Übertiteln
von Samuel Beckett
Regie: Christian Schwochow
Deutsches Theater
20.00 - 21.20
19.30 Einführung - Saal
von Jakob Nolte
Regie: Tom Kühnel
Kammerspiele
20.00 - 21.00