Krankenzimmer Nr. 6

von Anton Tschechow
Bühne und Kostüme Katrin Brack
Fassung Ivan Panteleev
Dramaturgie Claus Caesar
Premiere 26. Februar 2010
Harald Baumgartner
Margit Bendokat
Andreas Döhler
Samuel Finzi
Philipp Haagen
Wolfram Koch
Katrin Wichmann
Almut Zilcher
Zitty
Dirk Pilz, 25.03.2010
Denn alles an dieser bemerkenswert konzentrierten Inszenierung ist der Erforschung, dem Durch- und Ausleuchten des Menschendaseins gewidmet: Was ist der Mensch? Groß, ja warm- und weitherzig wird dieser Abend, indem er ohne vorgefertigte Meinung, ohne kalten Zynismus und ohne billige Bescheidwisserei auf uns Menschen blickt. Entsprechend liefert er auch keine klischierten, abgehangenen Bilder und Szenen, sondern eindringliche Studien über das, was Menschen zu Menschen macht. Die Sehnsucht, die Angst, das Hoffen auf ein Andersleben zum Beispiel. Dimiter Gotscheff hat sich eine Erzählung von Anton Tschechow zur Grundlage genommen, um uns ins Seelenhinterstübchen zu leuchten. Sein grandioses Ensemble mit so eigensinnigen Schauspielern wie Margit Bendokat, Almut Zilcher und Samuel Finzi entwirft dabei keine glatten Identifikationsfiguren, sondern Reflexionsflächen. Aus dem Schnürboden senken sich riesige Scheinwerfer herab, auf der Bühne steht en Tuba-Spieler, jede Szene ist ein Mini-Drama für sich: Alles zusammen ergibt einen selten dichten und intensiven Theaterabend. Denn alles an dieser bemerkenswert konzentrierten Inszenierung ist der Erforschung, dem Durch- und Ausleuchten des Menschendaseins gewidmet: Was ist der Mensch? Groß, ja warm- und weitherzig wird dieser Abend, indem er ohne vorgefertigte Meinung, ohne kalten Zynismus und ohne billige Bescheidwisserei auf uns Menschen blickt. Entsprechend liefert er auch keine klischierten, abgehangenen Bilder und Szenen, sondern eindringliche Studien über das, was Menschen zu Menschen macht. Die Sehnsucht, die Angst, das Hoffen auf ein Andersleben zum Beispiel. Dimiter Gotscheff hat sich eine Erzählung von Anton Tschechow zur Grundlage genommen, um uns ins Seelenhinterstübchen zu leuchten. Sein grandioses Ensemble mit so eigensinnigen Schauspielern wie Margit Bendokat, Almut Zilcher und Samuel Finzi entwirft dabei keine glatten Identifikationsfiguren, sondern Reflexionsflächen. Aus dem Schnürboden senken sich riesige Scheinwerfer herab, auf der Bühne steht en Tuba-Spieler, jede Szene ist ein Mini-Drama für sich: Alles zusammen ergibt einen selten dichten und intensiven Theaterabend.
tip
Peter Laudenbach, 04.03.2010
Diese verlorenen Gestalten sind komisch und traurig, aber wirklich bitter und erschütternd sind die brutalen Einbrüche der Wirklichkeit ins Spiel: Andreas Döhler, einer der erfreulichsten Neuzugänge im DT-Ensemble, zitiert zart und lakonisch Berichte aus den russischen Arbeits- und Straflagern in Sibirien, die Tschechow in seiner Großreportage "Die Insel Sachalin" festgehalten hat, darunter der Bericht einer Hinrichtung von neun Häftlingen. Döhler macht das großartig. Gerade weil er so leise, konzentriert, ohne jedes störende Dröhnen und wie im Selbstgespräch aus dem zaristischen Gulag berichtet, entfaltet der Text seine leisen Schockwirkungen. Spätestens an dieser Stelle öffnet sich der Horizont: Das Irrenhaus wird zum Spiegel der Welt. Diese verlorenen Gestalten sind komisch und traurig, aber wirklich bitter und erschütternd sind die brutalen Einbrüche der Wirklichkeit ins Spiel: Andreas Döhler, einer der erfreulichsten Neuzugänge im DT-Ensemble, zitiert zart und lakonisch Berichte aus den russischen Arbeits- und Straflagern in Sibirien, die Tschechow in seiner Großreportage "Die Insel Sachalin" festgehalten hat, darunter der Bericht einer Hinrichtung von neun Häftlingen. Döhler macht das großartig. Gerade weil er so leise, konzentriert, ohne jedes störende Dröhnen und wie im Selbstgespräch aus dem zaristischen Gulag berichtet, entfaltet der Text seine leisen Schockwirkungen. Spätestens an dieser Stelle öffnet sich der Horizont: Das Irrenhaus wird zum Spiegel der Welt.
Berliner Morgenpost
Katrin Pauly, 01.03.2010
Gotscheff reduziert die Figuren auf sich selbst und inszeniert jeden in seinem eigenen Kosmos. Aber, und das ist die große charmante Idee des Abends, zu dem Ivan Panteleev die Spielfassung beisteuerte, hier wird nicht nur amputiert, nein, man versteht sich vor allem auf die Transplantation und Gotscheff und Panteleev vernähen die Stiche gekonnt: Das Patientenpersonal des Krankenzimmers Nr. 6 trägt zwar noch Züge der ursprünglichen Besatzung, ist aber vor allem ein munter zusammengewürfeltes Personenverzeichnis des Tschechowschen Gesamtwerkes. Gotscheff reduziert die Figuren auf sich selbst und inszeniert jeden in seinem eigenen Kosmos. Aber, und das ist die große charmante Idee des Abends, zu dem Ivan Panteleev die Spielfassung beisteuerte, hier wird nicht nur amputiert, nein, man versteht sich vor allem auf die Transplantation und Gotscheff und Panteleev vernähen die Stiche gekonnt: Das Patientenpersonal des Krankenzimmers Nr. 6 trägt zwar noch Züge der ursprünglichen Besatzung, ist aber vor allem ein munter zusammengewürfeltes Personenverzeichnis des Tschechowschen Gesamtwerkes.
Der Tagesspiegel
Christine Wahl, 28.02.2010
Tatsächlich lässt Gotscheffs Inszenierung keine kuscheligen Vereinnahmungsschlupflöcher: In Katrin Bracks kongenialem Bühnenbild - einer Installation aus unzähligen Scheinwerfern, die die Krankenzimmerinsassen bis in den letzten Gesichtswinkel hinein verfolgen und ausleuchten - verweigert das erstklassige Ensemble mit seinem präzisen Minimalismus jedwede voreilige Kumpanei. Fast wirkt es, als wolle Gotscheff dem Theater diese Figuren zurückgeben, die sich während ihrer erfolgreichen Bühnenkarriere tatsächlich oft genug in realistischem Befindlichkeitskitsch aufzulösen drohten. Tatsächlich lässt Gotscheffs Inszenierung keine kuscheligen Vereinnahmungsschlupflöcher: In Katrin Bracks kongenialem Bühnenbild - einer Installation aus unzähligen Scheinwerfern, die die Krankenzimmerinsassen bis in den letzten Gesichtswinkel hinein verfolgen und ausleuchten - verweigert das erstklassige Ensemble mit seinem präzisen Minimalismus jedwede voreilige Kumpanei. Fast wirkt es, als wolle Gotscheff dem Theater diese Figuren zurückgeben, die sich während ihrer erfolgreichen Bühnenkarriere tatsächlich oft genug in realistischem Befindlichkeitskitsch aufzulösen drohten.
neues deutschland
Gunnar Decker, 01.03.2010
Es ist einer dieser kühlen, klug sezierenden Abende, mit einer jedesmal neu bei Gotscheff verblüffenden tableauartigen Raumaufteilung. Seine Seele trägt der an Heiner Müller geschulte Regisseur nicht vor sich her. Das Schaustück ist immer auch ein Denkstück, das auf die Klugheit der Schauspieler baut. Und sie überzeugen jeder für sich als Teil eines Gewebes aus Bewegung, Stillstand und Sprache. Formal zugespitzt, bis die Worte anders anfangen zu atmen. Das ist angewandte Textdeutung mit den Mitteln des Theaters. Es ist einer dieser kühlen, klug sezierenden Abende, mit einer jedesmal neu bei Gotscheff verblüffenden tableauartigen Raumaufteilung. Seine Seele trägt der an Heiner Müller geschulte Regisseur nicht vor sich her. Das Schaustück ist immer auch ein Denkstück, das auf die Klugheit der Schauspieler baut. Und sie überzeugen jeder für sich als Teil eines Gewebes aus Bewegung, Stillstand und Sprache. Formal zugespitzt, bis die Worte anders anfangen zu atmen. Das ist angewandte Textdeutung mit den Mitteln des Theaters.

Außerdem im Spielplan

Heute21222324252627282930Juli 12345678910111213141516171819202122232425262728293031August 12345678910111213141516171819202122232425262728293031
Mit englischen Übertiteln
Gastspiel Volkstheater Wien

Gutmenschen

von Yael Ronen und Ensemble
Regie: Yael Ronen
Nachgespräch - Saal
Deutsches Theater
19.30 - 21.00