Eine Inszenierung des Jungen DT

2 Uhr 14

von David Paquet
aus dem Frankokanadischen von Frank Weigand
Ausstattung Iris Kraft
Dramaturgie Anne Tippelhoffer
Premiere am 5. April 2016
Judith HofmannNicole
Jens SchäferDenis
Katharina Anchalie SchulzKatrina
Franz JährlingNorbert
Celia BährJosi
Maximilian PaierLinus
Katharina Anchalie Schulz
Katrina
Franz Jährling
Norbert
Celia Bähr
Josi
Maximilian Paier
Linus
stage and Screen
Sascha Krieger, 07.04.2016
Das Leben, ein verschwommenes Bild. In 2 Uhr 14 widmet sich der kanadische Dramatiker David Paquet der wohl seltsamsten aller Lebensphasen: dem Erwachsenwerden. Wie schwer ist es doch, klar zu sehen: sich selbst, die Anderen, die Zukunft. Regisseur Kristo Šagor inszeniert die Berliner Erstaufführung des Stücks im Rahmen des Jungen DT mit zwei erwachsenen Schauspielern und vier Jugendlichen. Und er hat dafür ein zwingendes Bild gefunden. Eine Wand aus weißen, elastischen Bändern spannt sich über die gesamte Bühnenbreite und erschweren den Blick auf das, was dahinter liegt, machen es zu einem Schattenspiel mit verzerrten Konjunkturen, gesellen dem Sehen ein Vermuten und Erraten hinzu. Geraten die Bänder in Bewegung, verschwimmt das Bild vollends in einem verwirrenden Vexierspiel, in dem nichts mehr sicher ist. Was für eine Metapher.
[...]
Die Gummiwand ist das Zentrum des Abends. Jeder geht mit ihr anders um: Linus, atemberaubend intensiv und körperlich gespielt vom umwerfenden Jungdarsteller Maximilian Paier, reißt sie weit auf und nutzt sie als Turn- und Spielfläche, probiert sie und sich aus und zeigt panische angst, wenn er sie dieses eine Mal, für Sekunden nur, loslässt. Der verlässliche Rahmen, er gibt Sicherheit. Und er zwängt ein: die schlankheitsuchende Josi, die Celia Bähr als Nervenbündel am Rande der Hysterie gibt, verheddert sich in elaborierten, selbstgewählten, Einsperrmustern. Der scheue Norbert (wunderbar unschuldig und schlitzohrig zugleich: Franz Jährling), traut sich nur zögernd an die zitternde, unsicher erscheinende Wand heran, während Katrina (starke Mischung aus rebellischer Härte und Verletzlichkeit: Katharina Anchalie Schulz) sich ihr eher aggressiv pragmatisch nähert. Sie alle können sie öffnen, hindurchschauen, aber kommen nicht von ihr los. Auch nicht die Erwachsenen: Lehrer Denis (Jens Schäfer als bemitleidenswertes sich selbst klein machendes Würstchen) verstrickt sich in ihr so sehr wie seine Schüler. Außen steht nur Nicole (Judith Hofmann): Sie gehört nicht dazu, ist jenseits der Kämpfe, welche die anderen durchleben und wird doch gleich zu beginn von ihnen eingesaugt.
zitty
Georg Kasch, 13.04.2016
Sechs Figuren und ein Amoklauf: Einmal mehr zeigt die Junge Sparte des DT großartiges Theater Sechs Figuren und ein Amoklauf: Einmal mehr zeigt die Junge Sparte des DT großartiges Theater

Natürlich ist das eine Binse: Angesichts der Endlichkeit des Lebens wirken die alltäglichen Probleme winzig. Dass einen diese Erkenntnis dennoch so richtig erwischt, gehört zu den vielen Gründen, warum es sich lohnt, "2 Uhr 14" zu sehen.
In seinem Stück setzt der kanadische Autor David Paquet die Schicksalssplitter von vier Schülern und zwei Erwachsenen zu einem packenden Mosaik zusammen.
[...]
Dass die 70 Minuten so vibrieren, liegt auch am Darstellerteam: Judith Hofmann zeichnet feinherb eine trauernde Mutter, Jens Schäfer einen Lehrer im Burnout. Aus dem Schülerquartett ragt Maximilian Paiers Linus heraus zwischen frühreifer Abgeklärtheit und Liebes-Staunen. Aber auch Katharina Anchalie Schulz, Franz Jährling und Celia Bähr und die Diesseits und Jenseits verbindende Musik von Sebastian Katzer machen den Abend unbedingt
sehenswert.

Hör-Stück

Außerdem im Spielplan

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mit englischen Übertiteln
Tragödie in sieben Bildern von Ödön von Horváth
Regie: Dušan David Pařízek
Nachgespräch mit dem Ensemble und Leitungsteam - Saal
Kammerspiele
19.30 - 21.35
mit englischen Übertiteln
von Jean Racine
Regie: Stephan Kimmig
Deutsches Theater
20.00 - 21.50