Auferstehung

von Lew N. Tolstoi
in einer Bearbeitung von Armin Petras
Bühne Peta Schickart
Kostüme Annette Riedel
Dramaturgie Bernd Isele
Premiere
26. März 2022
Deutsches Theater

Dauer: 3 Stunden, 10 Minuten, eine Pause

Anja SchneiderJekaterina Maslowa / Junge
Natali SeeligKaufmann Smelnikow / Baba / Weberova / Potemkin / u. a.
Katrin WichmannStaatsanwalt / Wärterin / Generalin / Maisfrau / u. a.
Kotbong YangSekretär / Missi / Lydia / Veralydia / u. a.
Regine ZimmermannBotschkowa / Pathologe / Försterin / Schwester / u. a.
Felix GoeserDmitri Iwanowitsch Nechljudow
Paul GrillRichter / Deutscher / Schwager / Simonson / u. a.
Andreas LeupoldLehrer / Simon Kartikin / Matthäus / u. a.
Sven KaiserLive-Musik
Jekaterina Maslowa / Junge
Kaufmann Smelnikow / Baba / Weberova / Potemkin / u. a.
Staatsanwalt / Wärterin / Generalin / Maisfrau / u. a.
Sekretär / Missi / Lydia / Veralydia / u. a.
Botschkowa / Pathologe / Försterin / Schwester / u. a.
Dmitri Iwanowitsch Nechljudow
Richter / Deutscher / Schwager / Simonson / u. a.
Lehrer / Simon Kartikin / Matthäus / u. a.
Live-Musik
Nachtkritik
Simone Kaempf, 27.03.2022
"Ein Prozess wie eine Karikatur ist es, mit dem Armin Petras seine Inszenierung von Lew Tolstois "Auferstehung" am Deutschen Theater startet, und es bleibt nicht die einzige dieses Abends. Breit, bildmächtig und szenisch mäandernd fährt Petras auf, um den langen Weg des Fürsten, Lebemanns und Sinnsuchers Nechljudow zu erzählen. In der Verurteilung der jungen Jekaterina Maslowa erkennt er sein eigenes Mitwirken und weiß, dass das Urteil ein Irrtum ist." "Ein Prozess wie eine Karikatur ist es, mit dem Armin Petras seine Inszenierung von Lew Tolstois "Auferstehung" am Deutschen Theater startet, und es bleibt nicht die einzige dieses Abends. Breit, bildmächtig und szenisch mäandernd fährt Petras auf, um den langen Weg des Fürsten, Lebemanns und Sinnsuchers Nechljudow zu erzählen. In der Verurteilung der jungen Jekaterina Maslowa erkennt er sein eigenes Mitwirken und weiß, dass das Urteil ein Irrtum ist."
Berliner Zeitung
Doris Meierhenrich, 27.03.2022
"[…] Wie immer experimentiert das Petras-Ensemble furchtlos mit allen möglichen Formen offenen Spiels, eingeflochten in epische und bildliche Erzählweisen. […] Geschickt, wie Petras dem durchaus auch sentimentalen Wandlungsdrama des Romans jede einfühlende Psychologie entzieht, stattdessen in verschiedensten Schattierungen eine Art lebendiges Pappfiguren-Theater stattfinden lässt. Wunderschöne, vielgestaltige Sequenzen ziehen da als Schattenspiele durchs Bild, wenn in Rückblenden an die Verführung der Maslowa in der Osternacht erinnert wird. Und immer wechseln die Figuren dabei fliegend vom Dialog zur kommentierenden Erzählung. […]" "[…] Wie immer experimentiert das Petras-Ensemble furchtlos mit allen möglichen Formen offenen Spiels, eingeflochten in epische und bildliche Erzählweisen. […] Geschickt, wie Petras dem durchaus auch sentimentalen Wandlungsdrama des Romans jede einfühlende Psychologie entzieht, stattdessen in verschiedensten Schattierungen eine Art lebendiges Pappfiguren-Theater stattfinden lässt. Wunderschöne, vielgestaltige Sequenzen ziehen da als Schattenspiele durchs Bild, wenn in Rückblenden an die Verführung der Maslowa in der Osternacht erinnert wird. Und immer wechseln die Figuren dabei fliegend vom Dialog zur kommentierenden Erzählung. […]"
Berliner Morgenpost
Ulrike Borowczyk, 28.03.2022
"[…] Von Beginn an schimmert unter der humorigen Leichtigkeit von Leo Tolstois "Auferstehung" bittere Tragik durch. Viele Male verschoben, feierte die bildgewaltige Inszenierung von Armin Petras nun Premiere. Seiner Bühnenfassung ist das Kunststück gelungen, die knapp 800 Seiten von Leo Tolstois drittem und letztem großen Roman von 1899 auf das Wesentliche einzudampfen. Im letzten Dezember hätte man die dreistündige Produktion noch anders gelesen. Durch den Krieg in der Ukraine wirkt der Abend jetzt gerade zum Ende hin sehr heutig. […] Die Inszenierung bleibt nah am Roman. Es wird viel über die untergehende Welt geredet, über kommende Revolutionen und über Gott. Alles in beeindruckende Bilder gegossen. Gespielt von einem starken achtköpfigen Ensemble, das mit fliegenden Wechseln in über zwei Dutzend Rollen schlüpft. Ein grandioser Abgesang auf ein untergehendes Reich." "[…] Von Beginn an schimmert unter der humorigen Leichtigkeit von Leo Tolstois "Auferstehung" bittere Tragik durch. Viele Male verschoben, feierte die bildgewaltige Inszenierung von Armin Petras nun Premiere. Seiner Bühnenfassung ist das Kunststück gelungen, die knapp 800 Seiten von Leo Tolstois drittem und letztem großen Roman von 1899 auf das Wesentliche einzudampfen. Im letzten Dezember hätte man die dreistündige Produktion noch anders gelesen. Durch den Krieg in der Ukraine wirkt der Abend jetzt gerade zum Ende hin sehr heutig. […] Die Inszenierung bleibt nah am Roman. Es wird viel über die untergehende Welt geredet, über kommende Revolutionen und über Gott. Alles in beeindruckende Bilder gegossen. Gespielt von einem starken achtköpfigen Ensemble, das mit fliegenden Wechseln in über zwei Dutzend Rollen schlüpft. Ein grandioser Abgesang auf ein untergehendes Reich."
rbbkultur
Frank Dietschreit, 28.03.2022
"[…] Ein langer Weg durch Schnee und Kälte, mitten hinein in die Hölle des Gulag, die Apokalypse der Menschlichkeit: Hier gibt es keinen Gott und keine Liebe, nur das nackte Überleben, blutige Folter und tödliche Verdammnis. Hier landen die kleinen Gauner und großen Intellektuellen, die Anarchisten und die Esoteriker, alle, die Nein sagen zur herrschenden Clique, ein anderes Leben wollen, sich die Köpfe heiß diskutieren, bevor sie erfrieren, verhungern oder erschossen werden. Bässe wummern, schrille Töne zertrümmern das Gehör, alles, was nach Demokratie und Freiheit ruft, wird vernichtet: Ob gestern oder heute, ob Zar, Stalin oder Putin: Russland war und ist ein Schlachthaus, eine Diktatur, die nur eines kennt: Unterdrückung und Unterwerfung. […] Mögen Katja und der Fürst auch irgendwann diesem Zwangssystem entkommen: sie sind gezeichnet, ihre Seele ein Trümmerfeld. Betäubt stolpert man aus dem Theater. Gleich nebenan: die Botschaft der Ukraine. Blumen der Trauer und Solidarität. Auf einer Video-Wand laufen die täglichen Bilder des Grauens. Russland ist ein Monstrum, wer sich seinem Willen widersetzt und frei sein will, wird vernichtet. Das zeigte uns Tolstoi, das zeigt uns jetzt auch Petras." "[…] Ein langer Weg durch Schnee und Kälte, mitten hinein in die Hölle des Gulag, die Apokalypse der Menschlichkeit: Hier gibt es keinen Gott und keine Liebe, nur das nackte Überleben, blutige Folter und tödliche Verdammnis. Hier landen die kleinen Gauner und großen Intellektuellen, die Anarchisten und die Esoteriker, alle, die Nein sagen zur herrschenden Clique, ein anderes Leben wollen, sich die Köpfe heiß diskutieren, bevor sie erfrieren, verhungern oder erschossen werden. Bässe wummern, schrille Töne zertrümmern das Gehör, alles, was nach Demokratie und Freiheit ruft, wird vernichtet: Ob gestern oder heute, ob Zar, Stalin oder Putin: Russland war und ist ein Schlachthaus, eine Diktatur, die nur eines kennt: Unterdrückung und Unterwerfung. […] Mögen Katja und der Fürst auch irgendwann diesem Zwangssystem entkommen: sie sind gezeichnet, ihre Seele ein Trümmerfeld. Betäubt stolpert man aus dem Theater. Gleich nebenan: die Botschaft der Ukraine. Blumen der Trauer und Solidarität. Auf einer Video-Wand laufen die täglichen Bilder des Grauens. Russland ist ein Monstrum, wer sich seinem Willen widersetzt und frei sein will, wird vernichtet. Das zeigte uns Tolstoi, das zeigt uns jetzt auch Petras."
kultura-extra
Stefan Bock, 29.03.2022
"[…] Das achtköpfige Ensemble schlüpft dabei immer wieder nach schnellen Kostümwechseln in die verschiedenen Romanrollen. Nur Anja Schneider und Felix Goeser behalten ihre Rollen als Katja und Nechludow bei. Das scheint […] auf den ersten Blick etwas albern, ist aber auch ein großes spielerisches Theatervergnügen, wie man es von Armin Petras kennt. Ein wenig nimmt er hier auch Tolstois Pathos auf die Schippe. Der Ernst des Romans zeigt sich aber durchaus auch, wenn etwa Regine Zimmermann mit Handschellen vor dem Vorhang Texte der Sozialrevolutionärin Bogoduchowskaja spricht, oder in Szenen im Gefängnis mit einer Art fahrbarem Gittergestell, aus dem heraus Katja ihre Gespräche mit dem sie retten wollenden Nechludow führt. Dessen Wohnung zeigt eine vergoldete Wand mit stilisierten Sonne. Nechludows Verlobte Missi (Kotbong Yang) tritt als mondäner Vamp auf und zum Besuch bei der reichen Tante (Katrin Wichmann) wird von einem Kellner (Andreas Leupold) ein Tisch gedeckt. So versucht Petras die Standesunterschiede herauszuarbeiten. […] Den Menschen zur Gesellschaft hin erziehen, ist eine der sozialrevolutionären Thesen im vorrevolutionären Russland. Die schreckliche Wahrheit der sowjetischen Gulags schwingt aber auch in Petras Inszenierung mit. Ohne Liebe geht es nicht, ist die andere Aussage dieses nicht immer großen aber spielerisch doch überzeugenden Abends." "[…] Das achtköpfige Ensemble schlüpft dabei immer wieder nach schnellen Kostümwechseln in die verschiedenen Romanrollen. Nur Anja Schneider und Felix Goeser behalten ihre Rollen als Katja und Nechludow bei. Das scheint […] auf den ersten Blick etwas albern, ist aber auch ein großes spielerisches Theatervergnügen, wie man es von Armin Petras kennt. Ein wenig nimmt er hier auch Tolstois Pathos auf die Schippe. Der Ernst des Romans zeigt sich aber durchaus auch, wenn etwa Regine Zimmermann mit Handschellen vor dem Vorhang Texte der Sozialrevolutionärin Bogoduchowskaja spricht, oder in Szenen im Gefängnis mit einer Art fahrbarem Gittergestell, aus dem heraus Katja ihre Gespräche mit dem sie retten wollenden Nechludow führt. Dessen Wohnung zeigt eine vergoldete Wand mit stilisierten Sonne. Nechludows Verlobte Missi (Kotbong Yang) tritt als mondäner Vamp auf und zum Besuch bei der reichen Tante (Katrin Wichmann) wird von einem Kellner (Andreas Leupold) ein Tisch gedeckt. So versucht Petras die Standesunterschiede herauszuarbeiten. […] Den Menschen zur Gesellschaft hin erziehen, ist eine der sozialrevolutionären Thesen im vorrevolutionären Russland. Die schreckliche Wahrheit der sowjetischen Gulags schwingt aber auch in Petras Inszenierung mit. Ohne Liebe geht es nicht, ist die andere Aussage dieses nicht immer großen aber spielerisch doch überzeugenden Abends."
neues deutschland
Gunnar Decker, 29.03.2022
"[…] Petras erzählt seine Auferstehungs-Reise gewohnt vielstimmig, geradezu multimedial. Etwas Spiel im Stegreif, etwas Comic, etwas Soap, etwas Moritat, etwas opera buffa - alle Mittel sind recht, auch und gerade die einfachen, um die unspektakuläre, aber tiefgreifende Wandlung eines Menschen zu zeigen. […] Tschechow formulierte: Tolstoi habe für alle Schriftsteller gearbeitet. Das gilt bis hin zu Gorki – und nun auch für Petras. Mit Regine Zimmermann und Andreas Leupold hat er bewährte Schauspieler auf der Bühne des Deutschen Theaters, die ihm seit fast zwanzig Jahren verbunden sind. Doch so energievoll in wechselnden Rollen sah man beide lange nicht. Auch Anja Schneider war unter Petras‘ Intendanz bereits am Gorki, spielte dort Effi Briest. […] Und Katrin Wichmann verkörpert, wie ihre Mitspieler auch, viele Figuren, bleibt doch in ihrer etwas schwerblütigen Art unverkennbar. Auch sie trägt diesen Petras-Abend, der etwas von Passions-Spiel an sich hat. […]" "[…] Petras erzählt seine Auferstehungs-Reise gewohnt vielstimmig, geradezu multimedial. Etwas Spiel im Stegreif, etwas Comic, etwas Soap, etwas Moritat, etwas opera buffa - alle Mittel sind recht, auch und gerade die einfachen, um die unspektakuläre, aber tiefgreifende Wandlung eines Menschen zu zeigen. […] Tschechow formulierte: Tolstoi habe für alle Schriftsteller gearbeitet. Das gilt bis hin zu Gorki – und nun auch für Petras. Mit Regine Zimmermann und Andreas Leupold hat er bewährte Schauspieler auf der Bühne des Deutschen Theaters, die ihm seit fast zwanzig Jahren verbunden sind. Doch so energievoll in wechselnden Rollen sah man beide lange nicht. Auch Anja Schneider war unter Petras‘ Intendanz bereits am Gorki, spielte dort Effi Briest. […] Und Katrin Wichmann verkörpert, wie ihre Mitspieler auch, viele Figuren, bleibt doch in ihrer etwas schwerblütigen Art unverkennbar. Auch sie trägt diesen Petras-Abend, der etwas von Passions-Spiel an sich hat. […]"

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Mit englischen Übertiteln
Ein Stück Musiktheater von Sebastian Hartmann und PC Nackt nach Max Stirner
Regie: Sebastian Hartmann
Deutsches Theater
18.00 - 20.00
Mit englischen Übertiteln
von William Shakespeare
in einer neuen Übersetzung von Jakob Nolte
Regie: Jan Bosse
Kammerspiele
19.00 - 21.15
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