der herzerlfresser

Bühne und Kostüm Matthias Koch
Dramaturgie Hannes Oppermann
Premiere am 28. November 2015
Thorsten HierseGangsterer Andi
Lorna IshemaFauna Florentina
Harald BaumgartnerBürgermeister Rudi
Elias ArensHerbert
Isabel SchosnigIrené
Gangsterer Andi
Fauna Florentina
Bürgermeister Rudi
Herbert
Berliner Zeitung / Frankfurter Rundschau
Ulrich Seidler, 30.11.2015
"Es ist ein Sprachstück mit grausamen Kaspern, die Metaphern für bare Münze nehmen, was im Falle solcher Wendungen wie „jemanden zum Fressen gern haben“ oder 'ein Herz erobern' blutige Folgen hat. Herbert, so heißt der Titelheld mit bürgerlichem Namen, ist in Abgrenzung zu seinem lieblosen Vegetariervater Fleischer geworden und kommt, wenn er Säue aufbricht, ins Sinnieren. Überall dasselbe Gekröse – und in jedem Leib ein Herz, die Pumpe der mal totalen, mal zerstückelten Liebe. Fleischermäßig sinnierend geht er eben auch an die Liebe zu Frauen heran: 'was ich biete, ist ein versprechen, ein versprechen einer berührung, die keine trennung kennt.' Das setze natürlich den Wunsch der Frau voraus, ihr Herz an ihn zu verlieren. Denn: 'wer dauern will, muss sich in mich verdauen lassen. und wird so wieder fleisch von meinem fleisch. mein magen ist ein paradies, das wir verloren haben.'

Was Elias Arens, der wie ein Vampir mit blutigen Händen auftritt, beim Sprechen und Zuhören scheinbar unbeabsichtigt mit seinen Beiß-, Kau- und Schluckwerkzeugen macht, verdeutlicht auf das Schönste die organische Nähe von Essen und Sprechen. Und so, wie die Worte bei Ferdinand Schmalz beschaffen sind – seltsam dingliche und konkrete Brocken und Happen – überkommt einen allein vom Zuhören ein Gefühl von Sättigung, mindestens von Sättigung."
"Es ist ein Sprachstück mit grausamen Kaspern, die Metaphern für bare Münze nehmen, was im Falle solcher Wendungen wie „jemanden zum Fressen gern haben“ oder 'ein Herz erobern' blutige Folgen hat. Herbert, so heißt der Titelheld mit bürgerlichem Namen, ist in Abgrenzung zu seinem lieblosen Vegetariervater Fleischer geworden und kommt, wenn er Säue aufbricht, ins Sinnieren. Überall dasselbe Gekröse – und in jedem Leib ein Herz, die Pumpe der mal totalen, mal zerstückelten Liebe. Fleischermäßig sinnierend geht er eben auch an die Liebe zu Frauen heran: 'was ich biete, ist ein versprechen, ein versprechen einer berührung, die keine trennung kennt.' Das setze natürlich den Wunsch der Frau voraus, ihr Herz an ihn zu verlieren. Denn: 'wer dauern will, muss sich in mich verdauen lassen. und wird so wieder fleisch von meinem fleisch. mein magen ist ein paradies, das wir verloren haben.'

Was Elias Arens, der wie ein Vampir mit blutigen Händen auftritt, beim Sprechen und Zuhören scheinbar unbeabsichtigt mit seinen Beiß-, Kau- und Schluckwerkzeugen macht, verdeutlicht auf das Schönste die organische Nähe von Essen und Sprechen. Und so, wie die Worte bei Ferdinand Schmalz beschaffen sind – seltsam dingliche und konkrete Brocken und Happen – überkommt einen allein vom Zuhören ein Gefühl von Sättigung, mindestens von Sättigung."
taz
Katrin Bettina Müller, 30.11.2015
"Schmalz hat es auf den Körper abgesehen, in seiner konkreten Beschaffenheit, als verkannter Ort des Wissens und als Metaphern-Lieferant. 'Der Fuß weiß doch am ehesten, woher wir kommen und wohin wir gehen', sagt zum Beispiel die Fußpflegerin Irene. Für solche Sätze wird Ferdinand Schmalz geliebt. Warum reden wir mir dem Mund, 'diesem Suppenschlitz', durch den auch alle Nahrung geht, fragt Herbert; warum nicht mit dem Arschloch, ergänzt Florentina. Ihr Gespräch tarnt sich als Flirt, mit dem Florentina, von Lorna Ishema als selbstbewusste Draufgängerin gespielt, Herbert auf den Zahn fühlen will, ob er vielleicht der gesuchte Mörder ist (...) Eine Horrorstory also. Aber wie jeder gute Horror eingebettet in einen gesellschaftskritischen Kontext - sprich: das Einkaufszentrum. Es wurde vom Bürgermeister Rudi (Harald Baumgartner), der nur aus Floskeln, von einer roten Schärpe zusammengehalten, zu bestehen scheint, wider besseren Wissens auf einen Sumpf gebaut (...)." "Schmalz hat es auf den Körper abgesehen, in seiner konkreten Beschaffenheit, als verkannter Ort des Wissens und als Metaphern-Lieferant. 'Der Fuß weiß doch am ehesten, woher wir kommen und wohin wir gehen', sagt zum Beispiel die Fußpflegerin Irene. Für solche Sätze wird Ferdinand Schmalz geliebt. Warum reden wir mir dem Mund, 'diesem Suppenschlitz', durch den auch alle Nahrung geht, fragt Herbert; warum nicht mit dem Arschloch, ergänzt Florentina. Ihr Gespräch tarnt sich als Flirt, mit dem Florentina, von Lorna Ishema als selbstbewusste Draufgängerin gespielt, Herbert auf den Zahn fühlen will, ob er vielleicht der gesuchte Mörder ist (...) Eine Horrorstory also. Aber wie jeder gute Horror eingebettet in einen gesellschaftskritischen Kontext - sprich: das Einkaufszentrum. Es wurde vom Bürgermeister Rudi (Harald Baumgartner), der nur aus Floskeln, von einer roten Schärpe zusammengehalten, zu bestehen scheint, wider besseren Wissens auf einen Sumpf gebaut (...)."
FAZ
Simon Strauß, 01.12.2015
"Die Stücke von Ferdinand Schmalz entwickeln ihre Anziehungskraft durch die spannungsvolle Gleichzeitigkeit von sprachlich-gedanklicher Reflexionslust und einem leicht zugänglichen Handlungsgegenstand, der zum Sinnbild des Allgemeinen stilisiert wird. (...) Hier schreibt einer mit großem Talent. Einer, der nicht nur an die Kraft der parabelhaften Erzählung glaubt, sondern auch an die Macht des Manierismus, 'die DInge aus den Wörtern herauszubrechen', wie er in einem Interview gesagt hat." "Die Stücke von Ferdinand Schmalz entwickeln ihre Anziehungskraft durch die spannungsvolle Gleichzeitigkeit von sprachlich-gedanklicher Reflexionslust und einem leicht zugänglichen Handlungsgegenstand, der zum Sinnbild des Allgemeinen stilisiert wird. (...) Hier schreibt einer mit großem Talent. Einer, der nicht nur an die Kraft der parabelhaften Erzählung glaubt, sondern auch an die Macht des Manierismus, 'die DInge aus den Wörtern herauszubrechen', wie er in einem Interview gesagt hat."

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Regie: Dušan David Pařízek
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Deutsches Theater
20.00 - 21.50