der thermale widerstand

von Ferdinand Schmalz
Bühne / Kostüme Selina Traun
Dramaturgie Joshua Wicke
Premiere am 30. September 2016, Box
Harald Baumgartner
Michael Goldberg
Thorsten Hierse
Daniel Hoevels
Anne Kulbatzki
Linda Pöppel
KULTURA-EXTRA, das online-magazin
Stefan Bock, 01.10.2016
Ferdinand Schmalz setzt in seinem neuen Stück der thermale widerstand ganz geschickt [...] seine metaphernreiche Sprache ein, um ein gesellschaftliches Phänomen auf einen ganz speziellen Ort zu transformieren. Hier ist es also kein Shopping – sondern ein Wellness-Paradies, dessen die alten Angestellten – wie der etwas verlotterte Bademeister Walther (Michael Goldberg mit speckiger Langhaarperücke) – überdrüssig geworden sind. Der andauernde Wohlstand macht träge und depressiv. Dagegen steht der Neue im Team, Bademeister Hannes, der seine weiße Uniform als Verantwortung und Aufgabe versteht, nicht nur die Badeordnung einzuhalten, sondern seine Erfüllung auch darin sieht, mit Stutzigkeit (herrlich doppeldeut¡ge Wortschöpfung) ein Auge auf die "Freunde einer Unfreiheit", die das Bad bedrohen, zu haben.
Schmalz' kalauernden Wortspiele halten sich diesmal etwas in Grenzen und drehen sich nicht mehr nur ums Essen, sondern vor allem um das liquide Nass des Bads. Der junge Regisseur Matthias Rippert findet dafür schöne klaustrophobe Bilder im Bühnenbild von Selina Traun, das vier schmale, hölzerne Kabinen zeigt, die wie Umkleiden, Sauna, Bad und Büro ausgestattet sind. Der dräuende E-Sound von Robert Pawliczek macht aus Schmalz' Revoluzzer-Farce eine Art Psycho-Thriller, der durch das grandiose Spiel des Ensembles nie ins Alberne abgeleitet, aber dennoch viel Witz hat, dersich vor allem in einem schönen Slapstick mit einem im Ökobrei versteckten Verlobungsring äußert.
Ferdinand Schmalz setzt in seinem neuen Stück der thermale widerstand ganz geschickt [...] seine metaphernreiche Sprache ein, um ein gesellschaftliches Phänomen auf einen ganz speziellen Ort zu transformieren. Hier ist es also kein Shopping – sondern ein Wellness-Paradies, dessen die alten Angestellten – wie der etwas verlotterte Bademeister Walther (Michael Goldberg mit speckiger Langhaarperücke) – überdrüssig geworden sind. Der andauernde Wohlstand macht träge und depressiv. Dagegen steht der Neue im Team, Bademeister Hannes, der seine weiße Uniform als Verantwortung und Aufgabe versteht, nicht nur die Badeordnung einzuhalten, sondern seine Erfüllung auch darin sieht, mit Stutzigkeit (herrlich doppeldeut¡ge Wortschöpfung) ein Auge auf die "Freunde einer Unfreiheit", die das Bad bedrohen, zu haben.
Schmalz' kalauernden Wortspiele halten sich diesmal etwas in Grenzen und drehen sich nicht mehr nur ums Essen, sondern vor allem um das liquide Nass des Bads. Der junge Regisseur Matthias Rippert findet dafür schöne klaustrophobe Bilder im Bühnenbild von Selina Traun, das vier schmale, hölzerne Kabinen zeigt, die wie Umkleiden, Sauna, Bad und Büro ausgestattet sind. Der dräuende E-Sound von Robert Pawliczek macht aus Schmalz' Revoluzzer-Farce eine Art Psycho-Thriller, der durch das grandiose Spiel des Ensembles nie ins Alberne abgeleitet, aber dennoch viel Witz hat, dersich vor allem in einem schönen Slapstick mit einem im Ökobrei versteckten Verlobungsring äußert.
Berliner Morgenpost
Elisa von Hof, 04.10.2016
Die Badelatschentristesse wird mit Humor aufgebrochen. Daniel Hoevels gelingt es, seinen Hannes naiv-spitzbübisch aussehen zu lassen. Thorsten Hierse, die ungewohnt langen Haare stets im Gesicht, seinen Wassertester so sensibel-unberechenbar wie schon die Hauptfigur der ersten Schmalz-Inszenierung. Am Ende, will das Stück zeigen, sind es die kleinen Bademeister in uns, die uns vor den zusammenschlagenden Wellen der Zeit bewahren. Die Badelatschentristesse wird mit Humor aufgebrochen. Daniel Hoevels gelingt es, seinen Hannes naiv-spitzbübisch aussehen zu lassen. Thorsten Hierse, die ungewohnt langen Haare stets im Gesicht, seinen Wassertester so sensibel-unberechenbar wie schon die Hauptfigur der ersten Schmalz-Inszenierung. Am Ende, will das Stück zeigen, sind es die kleinen Bademeister in uns, die uns vor den zusammenschlagenden Wellen der Zeit bewahren.
neues deutschland
Tom Mustroph, 04.10.2016
Wenn es für den überhitzten Kapitalismus, der seine Getriebemäuschen immer nah am Rande der Erschöpfung hält, noch eines Sinnbildes bedurft hätte – diese Inszenierung liefert es. Und sie liefert es ohne Zeigefinger, allein mit den auf komische Art deformierten Leibern der Teilnehmer und der Deserteure des Erschöpfungsparcours. [...]

Zu verdanken hat man das zunächst Ferdinand Schmalz. Er ist ein leidenschaftlicher Sucher der großen Zusammenhänge im Abseitigen. Bekannt geworden ist er mit einem Kapitalismuskritischen Stück in einer Molkerei. Kultstatus erreichte er mit dem an einer Raststätte spielenden "dosenfleisch". Die neueste Produktion verknüpft in einem Kurbad Karrierehoffnungen mit Aussteigerfantasien und Revolutionsträumen. Dabei ist Schmalz eine rhythmisch vibrierende, mit Saft, Sinn und Körpermetaphern angefüllte Sprache eigen, die an die Landsleute Elfriede Jelinek Werner Schwab denken lässt. Dem gerade aufgehenden Jungdramatikerstern Schmalz erweist sich der noch drei Jahre jüngere Regisseur Rippert als ebenbürtig. [...]

Schmalz hat dem Kurbad alle Facetten der heutigen Arbeitsgesellschaft eingeschrieben. Sie verspricht Lebenssinn, wie Masseur Leon (Harald Baumgartner) mit seinen Händen Tag für Tag erfährt. Sie befördert sozialen Aufstieg, wie Badchefin Roswitha (Linda Pöppel) demonstriert. Bademeister Walther (Michael Goldberg) hingegen verkörpert nicht nur wegen seiner Späthippie-Frisur ganz exemplarisch die durch Flucht Arbeitsverweigerung schon im Job erkämpfte Muße. Und durch die schön verspannte Abgesandte eines Softdrink-Konzerns (Anne Kubatzki) kommt das neokapitalistische Moment des Zerstörens durch Investieren ins Spiel. [...]

Das ganze 20. Jahrhundert mit all den Kämpfen und Gegenkämpfen tobt sich noch einmal in diesem Kurbad aus. Überraschende Größe eines kleinen Stücks.
Wenn es für den überhitzten Kapitalismus, der seine Getriebemäuschen immer nah am Rande der Erschöpfung hält, noch eines Sinnbildes bedurft hätte – diese Inszenierung liefert es. Und sie liefert es ohne Zeigefinger, allein mit den auf komische Art deformierten Leibern der Teilnehmer und der Deserteure des Erschöpfungsparcours. [...]

Zu verdanken hat man das zunächst Ferdinand Schmalz. Er ist ein leidenschaftlicher Sucher der großen Zusammenhänge im Abseitigen. Bekannt geworden ist er mit einem Kapitalismuskritischen Stück in einer Molkerei. Kultstatus erreichte er mit dem an einer Raststätte spielenden "dosenfleisch". Die neueste Produktion verknüpft in einem Kurbad Karrierehoffnungen mit Aussteigerfantasien und Revolutionsträumen. Dabei ist Schmalz eine rhythmisch vibrierende, mit Saft, Sinn und Körpermetaphern angefüllte Sprache eigen, die an die Landsleute Elfriede Jelinek Werner Schwab denken lässt. Dem gerade aufgehenden Jungdramatikerstern Schmalz erweist sich der noch drei Jahre jüngere Regisseur Rippert als ebenbürtig. [...]

Schmalz hat dem Kurbad alle Facetten der heutigen Arbeitsgesellschaft eingeschrieben. Sie verspricht Lebenssinn, wie Masseur Leon (Harald Baumgartner) mit seinen Händen Tag für Tag erfährt. Sie befördert sozialen Aufstieg, wie Badchefin Roswitha (Linda Pöppel) demonstriert. Bademeister Walther (Michael Goldberg) hingegen verkörpert nicht nur wegen seiner Späthippie-Frisur ganz exemplarisch die durch Flucht Arbeitsverweigerung schon im Job erkämpfte Muße. Und durch die schön verspannte Abgesandte eines Softdrink-Konzerns (Anne Kubatzki) kommt das neokapitalistische Moment des Zerstörens durch Investieren ins Spiel. [...]

Das ganze 20. Jahrhundert mit all den Kämpfen und Gegenkämpfen tobt sich noch einmal in diesem Kurbad aus. Überraschende Größe eines kleinen Stücks.

Außerdem im Spielplan

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mit englischen Übertiteln
nach dem Roman von Alfred Döblin
Deutsches Theater
19.00 - 22.50
von Ferdinand Schmalz
Regie: Matthias Rippert
Box
19.30 - 20.30
Wiederaufnahme
von Jakob Nolte
Regie: Tom Kühnel
Kammerspiele
20.00 - 21.00

Popsalon

Balzer und Müller laden ein:
Anja Caspary (radioeins), Sebastian Zabel (Rolling Stone)
Bar
21.00