Der zerbrochne Krug

von Heinrich von Kleist
Premiere
18. Dezember 2021
Deutsches Theater

Dauer: 90 Minuten, keine Pause

Ulrich MatthesAdam, Dorfrichter
Jeremy MockridgeLicht, Schreiber
Lorena HandschinWalter, Gerichtsrätin
Franziska MachensFrau Marthe Rull
Lisa HrdinaEve Rull, ihre Tochter
Tamer TahanRuprecht Tümpel
Julia WindischbauerFrau Brigitte
Adam, Dorfrichter
Licht, Schreiber
Walter, Gerichtsrätin
Frau Marthe Rull
Eve Rull, ihre Tochter
Ruprecht Tümpel
Frau Brigitte
Deutschlandfunk Kultur
André Mumot, 18.12.2021
Erfolgsregisseurin Anne Lenk findet in dem alten Mee-Too-Stück eine erstaunlich sprudelnde Boulevardkomödie. […] Die Ernsthaftigkeit des Themas ist dabei durchaus beibehalten. Was aber herausragt bei dieser Premiere am Deutschen Theater Berlin, ist das Fest der penibel aufgeführten Charakterkomik. Konventionell, aber extrem elegant [ist] diese ganz auf die Feinheiten der Darstellung konzentrierte Inszenierung. Sich ihrer ungeheuren schauspielerischen Finesse, ihrer durchdachten Eleganz und Intelligenz zu entziehen, dürfte schwerfallen. Erfolgsregisseurin Anne Lenk findet in dem alten Mee-Too-Stück eine erstaunlich sprudelnde Boulevardkomödie. […] Die Ernsthaftigkeit des Themas ist dabei durchaus beibehalten. Was aber herausragt bei dieser Premiere am Deutschen Theater Berlin, ist das Fest der penibel aufgeführten Charakterkomik. Konventionell, aber extrem elegant [ist] diese ganz auf die Feinheiten der Darstellung konzentrierte Inszenierung. Sich ihrer ungeheuren schauspielerischen Finesse, ihrer durchdachten Eleganz und Intelligenz zu entziehen, dürfte schwerfallen.
Berliner Zeitung
Ulrich Seidler, 19.12.2021
Die Regisseurin Anne Lenk, die am Haus ihren dritten Klassiker vorlegt, nachdem sie mit Molières "Menschenfeind" und Schillers "Maria Stuart" Theatertreffeneinladungen einheimste, besetzt Walter weiblich (mit Lorena Handschin). Sie markiert so neben dem kolonialistischen Aspekt auch den feministischen und schließt umstandslos an die Debatten der Gegenwart an. Das funktioniert dann wie von selbst und ganz ohne weiteres Gebastel. [...]

Das handlungsarme Lustspiel, das 1808 bei seiner von Goethe inszenierten Weimarer Uraufführung durchfiel, bevor es zum Dauerbestseller wurde, zeigt noch in der gestrafften Fassung von der Regisseurin und David Heiligers seine bis an die Grenze der Albernheit reichende Freude an Wortspiel und Doppeldeutigkeit. Der Schwung von Kleists Jamben wird genutzt und klingt besonders schön nach, wenn die Figuren zwischendurch in melancholischen Denkpausen verharren. Bevor es zu verschwatzt werden könnte, schneidet ein Black ins Geschehen, die Farbenpracht verlischt in einem Rahmen aus weißem LED-Licht und Jazz-Rhythmen straucheln und stürzen übereinander (Musik: Lenny Mockridge).
Die Regisseurin Anne Lenk, die am Haus ihren dritten Klassiker vorlegt, nachdem sie mit Molières "Menschenfeind" und Schillers "Maria Stuart" Theatertreffeneinladungen einheimste, besetzt Walter weiblich (mit Lorena Handschin). Sie markiert so neben dem kolonialistischen Aspekt auch den feministischen und schließt umstandslos an die Debatten der Gegenwart an. Das funktioniert dann wie von selbst und ganz ohne weiteres Gebastel. [...]

Das handlungsarme Lustspiel, das 1808 bei seiner von Goethe inszenierten Weimarer Uraufführung durchfiel, bevor es zum Dauerbestseller wurde, zeigt noch in der gestrafften Fassung von der Regisseurin und David Heiligers seine bis an die Grenze der Albernheit reichende Freude an Wortspiel und Doppeldeutigkeit. Der Schwung von Kleists Jamben wird genutzt und klingt besonders schön nach, wenn die Figuren zwischendurch in melancholischen Denkpausen verharren. Bevor es zu verschwatzt werden könnte, schneidet ein Black ins Geschehen, die Farbenpracht verlischt in einem Rahmen aus weißem LED-Licht und Jazz-Rhythmen straucheln und stürzen übereinander (Musik: Lenny Mockridge).
Der Tagesspiegel
Christine Wahl, 19.12.2021
Lenk forciert einerseits tatsächlich die große Komödie [...]. Andererseits zielt die Regisseurin auf umfassende Systemkritik, indem sie den Krug als Raubkunst thematisiert und so den kolonialen Diskurs, der bei Kleist nur am Rande anklingt, mit dem patriarchalen verknüpft – und damit in den Vordergrund ihrer Inszenierung rückt. Darauf bezieht sich auch Judith Oswalds Bühnenbild. [...]

So sind an diesem Abend einerseits starke Auftritte und konzeptionell aufgewertete Frauenrollen zu sehen – allen voran von Lisa Hrdina, die das von Adam eingeschüchterte Missbrauchsopfer Eve sehr klar und selbstbewusst spielt. Am Schluss soll denn auch in nächster Instanz dem Richter – so beschließt die Dorfgemeinschaft progressiver als bei Kleist – der Prozess gemacht werden. Andererseits steckt in diesem Abend aber auch viel durchaus traditionelle Stadttheater-Komödie.
Lenk forciert einerseits tatsächlich die große Komödie [...]. Andererseits zielt die Regisseurin auf umfassende Systemkritik, indem sie den Krug als Raubkunst thematisiert und so den kolonialen Diskurs, der bei Kleist nur am Rande anklingt, mit dem patriarchalen verknüpft – und damit in den Vordergrund ihrer Inszenierung rückt. Darauf bezieht sich auch Judith Oswalds Bühnenbild. [...]

So sind an diesem Abend einerseits starke Auftritte und konzeptionell aufgewertete Frauenrollen zu sehen – allen voran von Lisa Hrdina, die das von Adam eingeschüchterte Missbrauchsopfer Eve sehr klar und selbstbewusst spielt. Am Schluss soll denn auch in nächster Instanz dem Richter – so beschließt die Dorfgemeinschaft progressiver als bei Kleist – der Prozess gemacht werden. Andererseits steckt in diesem Abend aber auch viel durchaus traditionelle Stadttheater-Komödie.
nachtkritik.de
Elena Philipp, 19.12.2021
Spannend ist dieser "Zerbrochne Krug", weil hier dramaturgisch jedes Detail stimmt, die Dynamik, der Rhythmus, das Zusammenspiel des durchweg famosen Ensembles. Gedanklich durchdrungen wirkt der Text. Obgleich es weitgehend das Original ist, das die Schauspieler:innen sprechen, wirkt der komplexe Kleist’sche Satzbau in ihrer Diktion direkt und ungekünstelt. […] In Anne Lenks psychologisch präzise gearbeiteter Inszenierung funktioniert das langsame Enthüllen der Selbsttäuschung ganz wunderbar. Gelacht wird viel an dem auf 90 Minuten komprimierten Abend. Spannend ist dieser "Zerbrochne Krug", weil hier dramaturgisch jedes Detail stimmt, die Dynamik, der Rhythmus, das Zusammenspiel des durchweg famosen Ensembles. Gedanklich durchdrungen wirkt der Text. Obgleich es weitgehend das Original ist, das die Schauspieler:innen sprechen, wirkt der komplexe Kleist’sche Satzbau in ihrer Diktion direkt und ungekünstelt. […] In Anne Lenks psychologisch präzise gearbeiteter Inszenierung funktioniert das langsame Enthüllen der Selbsttäuschung ganz wunderbar. Gelacht wird viel an dem auf 90 Minuten komprimierten Abend.
Der Spiegel
Wolfgang Höbel, 19.12.2021
Mit eiskaltem Hohn und echtem Amüsement wird hier auf den Täter geblickt. […] Im Fall des Autors Kleist und des klassischen Lustspiels „Der zerbrochne Krug“ gelingt Lenk ein klug austariertes, oft schamlos komisches 90-Minuten-Kunststück. Es ist eine Feier der wunderbar verdrehten kleistschen Sprache, manchmal auch bloß eine hinreißende Blödelei. […] Es ist eine Party in Grellorange, die die Regisseurin Lenk hier präsentiert, eine Triumphsitzung über den #MeToo-Schurken Adam, der seiner gerechten Strafe zugeführt werden muss. […] Am Ende jubelt das Publikum im erleuchteten Saal, als seien die finsteren Zeiten des Patriarchats für alle Zeiten vorbei. Mit eiskaltem Hohn und echtem Amüsement wird hier auf den Täter geblickt. […] Im Fall des Autors Kleist und des klassischen Lustspiels „Der zerbrochne Krug“ gelingt Lenk ein klug austariertes, oft schamlos komisches 90-Minuten-Kunststück. Es ist eine Feier der wunderbar verdrehten kleistschen Sprache, manchmal auch bloß eine hinreißende Blödelei. […] Es ist eine Party in Grellorange, die die Regisseurin Lenk hier präsentiert, eine Triumphsitzung über den #MeToo-Schurken Adam, der seiner gerechten Strafe zugeführt werden muss. […] Am Ende jubelt das Publikum im erleuchteten Saal, als seien die finsteren Zeiten des Patriarchats für alle Zeiten vorbei.
Sueddeutsche Zeitung
Peter Laudenbach, 19.12.2021
Die Premiere von Kleists "Der zerbrochene Krug" […] ist eine ungemein frische, witzige, leichtfüßige Klassiker-Inszenierung. Sie sorgt für etwas, was man von Klassiker-Inszenierungen, erst recht von Klassikern, die im Fleischwolf des Regie-Theaters zerlegt werden, nicht unbedingt erwarten darf: Sie sorgt für Vergnügen […]. Ulrich Matthes spielt den verschlagenen Schwerenöter und Dorfrichter Adam schön trocken als eine Art Clown, jemand, der sich dümmer stellt, als er ist, und genüsslich die Vokale der Kleist-Verse zerdehnt und zerlegt. [...] In der Tradition ist [Eve], die der Dorfrichter zu sexuellen Gefälligkeiten erpressen will, eine Figur der naiven Unschuld. Aber davon kann erfreulicherweise bei Lisa Hrdina keine Rede sein, die sich stattdessen lieber für einen Auftritt entscheidet, die ihre Figur mit Wumms, Lebensklugheit und Selbstbewusstsein ausstattet - das Jungfrauenopfer kann abtreten. Die Premiere von Kleists "Der zerbrochene Krug" […] ist eine ungemein frische, witzige, leichtfüßige Klassiker-Inszenierung. Sie sorgt für etwas, was man von Klassiker-Inszenierungen, erst recht von Klassikern, die im Fleischwolf des Regie-Theaters zerlegt werden, nicht unbedingt erwarten darf: Sie sorgt für Vergnügen […]. Ulrich Matthes spielt den verschlagenen Schwerenöter und Dorfrichter Adam schön trocken als eine Art Clown, jemand, der sich dümmer stellt, als er ist, und genüsslich die Vokale der Kleist-Verse zerdehnt und zerlegt. [...] In der Tradition ist [Eve], die der Dorfrichter zu sexuellen Gefälligkeiten erpressen will, eine Figur der naiven Unschuld. Aber davon kann erfreulicherweise bei Lisa Hrdina keine Rede sein, die sich stattdessen lieber für einen Auftritt entscheidet, die ihre Figur mit Wumms, Lebensklugheit und Selbstbewusstsein ausstattet - das Jungfrauenopfer kann abtreten.
Berliner Morgenpost
Katrin Pauly, 20.12.2021
Die Erwartungen waren hoch. Um es vorwegzunehmen: Sie wurden erfüllt. Ein nicht nur optisch wunderschön anzuschauender, sondern auch sehr fein und genau gearbeiteter Abend ist ihr [Anne Lenk] hier gemeinsam mit ihrem hervorragend harmonierenden Ensemble gelungen. Die Erwartungen waren hoch. Um es vorwegzunehmen: Sie wurden erfüllt. Ein nicht nur optisch wunderschön anzuschauender, sondern auch sehr fein und genau gearbeiteter Abend ist ihr [Anne Lenk] hier gemeinsam mit ihrem hervorragend harmonierenden Ensemble gelungen.
SWR2
Ina Beyer, 20.12.2021
Mit ihrer dritten Klassikeradaption, nach Molière und Schiller, erweist sich Anne Lenk am Deutschen Theater mehr und mehr als kunstvolle, feinsinnige Texttieftaucherin, die wortgetreu inszeniert, dezent aktualisiert, psychologisierend interpretiert. Diese Abende sprengen nicht Mittel, Sinn oder Gesellschaft, sie sind kleine, feine Theaterpralinen, die sehr gut munden. Mit ihrer dritten Klassikeradaption, nach Molière und Schiller, erweist sich Anne Lenk am Deutschen Theater mehr und mehr als kunstvolle, feinsinnige Texttieftaucherin, die wortgetreu inszeniert, dezent aktualisiert, psychologisierend interpretiert. Diese Abende sprengen nicht Mittel, Sinn oder Gesellschaft, sie sind kleine, feine Theaterpralinen, die sehr gut munden.
taz
Katja Kollmann, 20.12.2021
Regisseurin Anne Lenk schärft im Deutschen Theater den Blick für die Farce im "Zerbrochnen Krug". Die Situationskomik, die in Kleists Dialogen angelegt ist, wird mit Freude ausgespielt, aber bewusst spröde gehalten. Der Blick bleibt so frei für zwei Themenkomplexe, die Kleist schon vor über 200 Jahren im Stück verankert hatte und die das Stück mit aktuellen Diskursen verbinden: Kolonialverbrechen und Macht – in Kombination mit sexuellem Missbrauch.

[...] Die Inszenierung ist neunzig knackige Minuten kurz. Blacks, die den die Bühne eingrenzenden Lichtrahmen leuchten lassen, sind ein frischer, sinnlicher Übergang zur nächsten Szene und die Figurenstills, die danach für Sekunden bleiben, sind fürs Auge ein wahres Schmankerl. Denn es ist ein wenig Zeit da, die verschiedenen Orangetöne der witzig-hintergründigen Kostüme (Sibylle Wallum) zu zählen.
Regisseurin Anne Lenk schärft im Deutschen Theater den Blick für die Farce im "Zerbrochnen Krug". Die Situationskomik, die in Kleists Dialogen angelegt ist, wird mit Freude ausgespielt, aber bewusst spröde gehalten. Der Blick bleibt so frei für zwei Themenkomplexe, die Kleist schon vor über 200 Jahren im Stück verankert hatte und die das Stück mit aktuellen Diskursen verbinden: Kolonialverbrechen und Macht – in Kombination mit sexuellem Missbrauch.

[...] Die Inszenierung ist neunzig knackige Minuten kurz. Blacks, die den die Bühne eingrenzenden Lichtrahmen leuchten lassen, sind ein frischer, sinnlicher Übergang zur nächsten Szene und die Figurenstills, die danach für Sekunden bleiben, sind fürs Auge ein wahres Schmankerl. Denn es ist ein wenig Zeit da, die verschiedenen Orangetöne der witzig-hintergründigen Kostüme (Sibylle Wallum) zu zählen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Irene Bazinger, 21.12.2021
Die muntere Inszenierung ist [...] wohltuend am Stück orientiert. Sie ist mehr unterhaltsam als kontem­plativ, wobei sie sich traut, den Figuren und ihren Problemen zu folgen, ohne sie ironisch zu übermalen oder performativ aufzubrechen. Dem solcherart herausgeforderten Ensemble scheint das ziemlichen Spaß zu machen, ob Lisa Hrdina als barschem Mauerblümchen von einer Eve, die aus Erfahrung weiß, was politische Gewalt und sexueller Missbrauch bedeuten, oder ob Franziska Machens als ihre hinreißend zickige Mutter, die resolut auf ihrem Recht beharrt. Jeremy Mockridge gibt den ehrgeizig-tüchtigen Schreiber Licht, der Adams Intrigen längst durchschaut hat, wie es überdies bald Lorena Handschin als Gerichtsrätin tut. Tamer Tahan poltert eifersüchtig als Eves Verlobter Ruprecht herum, während Julia Windischbauer als die Zeugin Brigitte wie ein cleveres Power-Girlie die Spur zum wahren Krug-Zerstörer aufdeckt. [...]

Berlin liebt Ulrich Matthes, deshalb viel Jubel und Ap­plaus, auch von Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel im Parkett, gute Laune allenthalben.
Die muntere Inszenierung ist [...] wohltuend am Stück orientiert. Sie ist mehr unterhaltsam als kontem­plativ, wobei sie sich traut, den Figuren und ihren Problemen zu folgen, ohne sie ironisch zu übermalen oder performativ aufzubrechen. Dem solcherart herausgeforderten Ensemble scheint das ziemlichen Spaß zu machen, ob Lisa Hrdina als barschem Mauerblümchen von einer Eve, die aus Erfahrung weiß, was politische Gewalt und sexueller Missbrauch bedeuten, oder ob Franziska Machens als ihre hinreißend zickige Mutter, die resolut auf ihrem Recht beharrt. Jeremy Mockridge gibt den ehrgeizig-tüchtigen Schreiber Licht, der Adams Intrigen längst durchschaut hat, wie es überdies bald Lorena Handschin als Gerichtsrätin tut. Tamer Tahan poltert eifersüchtig als Eves Verlobter Ruprecht herum, während Julia Windischbauer als die Zeugin Brigitte wie ein cleveres Power-Girlie die Spur zum wahren Krug-Zerstörer aufdeckt. [...]

Berlin liebt Ulrich Matthes, deshalb viel Jubel und Ap­plaus, auch von Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel im Parkett, gute Laune allenthalben.
der Freitag
Elena Philipp, 13.01.2022
Nah am Text bleibend, analysiert sie [Anne Lenk] Personen- und Machtkonstellationen und stellt sie mit präzise choreografierter Körpersprache auf
die Bühne. [...]

Mit einer klugen Umbesetzung und einem minimalen Handlungs-Twist zum Schluss verwandelt die Regisseurin die Geschichte von Machtmissbrauch und Willkür in eine Erzählung über Verantwortung und Selbstermächtigung. Gerichtsrat Walter, bei Kleist ein älterer Würdenträger, ist bei Anne Lenk eine junge Frau, die Dorfrichter Adam unaufdringlich, aber unbeugsam Paroli bietet. Statt über Adams Vergehen hinwegzugehen, bringt sie ihn gemeinsam mit der Mutter der von Adam belästigten Eve vor Gericht. Viel braucht es nicht, um inszenierend Position zu den problematischen Aspekten eines Dramenklassikers zu beziehen, ohne mit ihm zu brechen. Dann sieht man ihn auch wieder gern.
Nah am Text bleibend, analysiert sie [Anne Lenk] Personen- und Machtkonstellationen und stellt sie mit präzise choreografierter Körpersprache auf
die Bühne. [...]

Mit einer klugen Umbesetzung und einem minimalen Handlungs-Twist zum Schluss verwandelt die Regisseurin die Geschichte von Machtmissbrauch und Willkür in eine Erzählung über Verantwortung und Selbstermächtigung. Gerichtsrat Walter, bei Kleist ein älterer Würdenträger, ist bei Anne Lenk eine junge Frau, die Dorfrichter Adam unaufdringlich, aber unbeugsam Paroli bietet. Statt über Adams Vergehen hinwegzugehen, bringt sie ihn gemeinsam mit der Mutter der von Adam belästigten Eve vor Gericht. Viel braucht es nicht, um inszenierend Position zu den problematischen Aspekten eines Dramenklassikers zu beziehen, ohne mit ihm zu brechen. Dann sieht man ihn auch wieder gern.

Außerdem im Spielplan

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Mit englischen Übertiteln
von Heinrich von Kleist
Regie: Anne Lenk
Deutsches Theater
20.00 - 21.30