Eine Inszenierung des Jungen DT

Die Welt in uns

Eine Stückentwicklung von Turbo Pascal und Berliner Schüler_innen
Ausstattung Janina Janke
Musik Friedrich Greiling
Dramaturgie Anne Tippelhoffer
Uraufführung am 23. April 2017, Box
Maria Abramov, Simon Maximilian Frenz, Hamid Hassanzadeh, Enayat Khodadadi, Laides Kreuzpointner, Ilia Norouzi, Frank Oberhäußer, Mustafa Eren Özdilberler, Gino Reusner, Yoshii Riesen, Denise-Celine Rodis
Maria Abramov, Simon Maximilian Frenz, Hamid Hassanzadeh, Enayat Khodadadi, Laides Kreuzpointner, Ilia Norouzi, Frank Oberhäußer, Mustafa Eren Özdilberler, Gino Reusner, Yoshii Riesen, Denise-Celine Rodis
Berliner Zeitung
Doris Meierhenrich, 25.04.2017
Mit dem "richtigen" Pass ist es wie mit dem Geld: hat man es, wird es egal. Das sieht Illia schon ganz anders. Er kommt aus Afghanistan, wo ihm erstens nie ein Pass ausgestellt wurde und dieser ihm, zweitens, auch nur Probleme verschaffte. Vor einiger Zeit ist Ilia nach Deutschland gekommen, wo er bleiben möchte, weil er nach Afghanistan einfach nicht gehöre, sagt er. Nun steht er in der Box des DT und stellt mit der Performerin Eva Plischke nach, was die Dame auf dem Amt dazu sagt: einen deutschen Pass zu bekommen dauert sieben Jahre. Aber auch nur, falls Ilia zuvor einen "Aufenthaltstitel" erhält, was für Afghanen wiederum wenig aussichtsreich ist. Ilia ist ein aufgeweckter Junge, versteht das dennoch nicht. Wie seine Berliner Schulfreunde will er für die Sommerreise planen, und nun?
Das Performerkollektiv Turbo Pascal, das seit 13 Jahren an einem dokumentarisch-fiktiven Gesellschaftsbefragungstheater experimentiert, hat sich im Auftrag des jungen DT zusammen mit neun Schülern dreier Berliner Schulen in die Ungerechtigkeiten und Absurditäten der internationalen Nationalitäten-Bürokratie begeben. Warum also braucht man Pässe? Wer bestimmt Grenzen? Einen Fürsprecher werden die kleinen Büchlein nicht bekommen in der knapp einstündigen [...] Bürokratieparodie "Die Welt ins uns". Dafür einen prominenten Gegner: Garry Davis, Erfinder und erster Inhaber der eigenen ausgerufenen "Weltbürgerschaft".
Mit dem "richtigen" Pass ist es wie mit dem Geld: hat man es, wird es egal. Das sieht Illia schon ganz anders. Er kommt aus Afghanistan, wo ihm erstens nie ein Pass ausgestellt wurde und dieser ihm, zweitens, auch nur Probleme verschaffte. Vor einiger Zeit ist Ilia nach Deutschland gekommen, wo er bleiben möchte, weil er nach Afghanistan einfach nicht gehöre, sagt er. Nun steht er in der Box des DT und stellt mit der Performerin Eva Plischke nach, was die Dame auf dem Amt dazu sagt: einen deutschen Pass zu bekommen dauert sieben Jahre. Aber auch nur, falls Ilia zuvor einen "Aufenthaltstitel" erhält, was für Afghanen wiederum wenig aussichtsreich ist. Ilia ist ein aufgeweckter Junge, versteht das dennoch nicht. Wie seine Berliner Schulfreunde will er für die Sommerreise planen, und nun?
Das Performerkollektiv Turbo Pascal, das seit 13 Jahren an einem dokumentarisch-fiktiven Gesellschaftsbefragungstheater experimentiert, hat sich im Auftrag des jungen DT zusammen mit neun Schülern dreier Berliner Schulen in die Ungerechtigkeiten und Absurditäten der internationalen Nationalitäten-Bürokratie begeben. Warum also braucht man Pässe? Wer bestimmt Grenzen? Einen Fürsprecher werden die kleinen Büchlein nicht bekommen in der knapp einstündigen [...] Bürokratieparodie "Die Welt ins uns". Dafür einen prominenten Gegner: Garry Davis, Erfinder und erster Inhaber der eigenen ausgerufenen "Weltbürgerschaft".
Stage and Screen
Sascha Krieger, 15.05.2017
Vergrößerte Pässe liegen am Boden, jede(r) tritt auf den seinen – oder doch den, den man gern hätte? Nein, so einfach ist das mit der Identität nicht. Da ist der junge Afghane, der einen deutschen Pass will, weil er ihm vielen leichter macht und das Land bisher gut zu ihm war. Hier will er leben, hier dazugehören. Warum sollte er das auch nicht. Das ist die "Deutschrussin", die den deutschen Pass abgeben möchte, weil ihre Identität russisch sei. Na ja, mehr oder weniger. Oder der Junge türkischer Eltern, der sich entscheiden muss, welchen Pass er behalten will. Mit welchem, so fragt er in einem imaginierten Photoshooting, sähe er denn besser aus? [...]

Es ist dieser Teil, szenisch skizziert, spielerisch angelegt, in dem der Abend wirklich Leben eingehaucht bekommt. Weil es ums Eingemachte geht, um die persönliche Identität, die wir so gern als gegeben annehmen und für deren Kern wir das Konstrukt der Nationalstaatlichkeit halten. Wie die Jugendlichen selbiges mit viel Witz, gespielter Naivität und einer gehörigen Prise anarchischer Frechheit angehen, wie sie die Schubladen, in die sie gepresst werden sollen auseinandernehmen, bunt anmalen und neu zusammensetzen, ist so unterhaltsam wie erhellend. Es ist der Geist des Spiels, das "Was wäre wenn?" und das "Warum eigentlich?", die Möglichkeiten freisetzen und nie Hinterfragtes plötzlich seiner vermeintlichen Substanz berauben. [...]

Am Ende steht da eine Wand aus Pässen. Turbo-Pascal-Mitglied Frank Oberhäußer (er und Kollegin Eva Plischke geben die mal feindlichen, mal gleichgültigen Autoritäten) steht als Passkontrolleur dahinter. Drei Spieler*innen scheitern mit dem Versuch, per Weltbürgerpass Einlass zu erhalten. Dann tragen sie einfach die Mauer ab. Am ende steht Oberhäußer einsam da auf seinem Stuhl. Die Grenze, die er bewachte ist verschwunden. Ein lächerlicher Anblick. Eine schöne Utopie.
Vergrößerte Pässe liegen am Boden, jede(r) tritt auf den seinen – oder doch den, den man gern hätte? Nein, so einfach ist das mit der Identität nicht. Da ist der junge Afghane, der einen deutschen Pass will, weil er ihm vielen leichter macht und das Land bisher gut zu ihm war. Hier will er leben, hier dazugehören. Warum sollte er das auch nicht. Das ist die "Deutschrussin", die den deutschen Pass abgeben möchte, weil ihre Identität russisch sei. Na ja, mehr oder weniger. Oder der Junge türkischer Eltern, der sich entscheiden muss, welchen Pass er behalten will. Mit welchem, so fragt er in einem imaginierten Photoshooting, sähe er denn besser aus? [...]

Es ist dieser Teil, szenisch skizziert, spielerisch angelegt, in dem der Abend wirklich Leben eingehaucht bekommt. Weil es ums Eingemachte geht, um die persönliche Identität, die wir so gern als gegeben annehmen und für deren Kern wir das Konstrukt der Nationalstaatlichkeit halten. Wie die Jugendlichen selbiges mit viel Witz, gespielter Naivität und einer gehörigen Prise anarchischer Frechheit angehen, wie sie die Schubladen, in die sie gepresst werden sollen auseinandernehmen, bunt anmalen und neu zusammensetzen, ist so unterhaltsam wie erhellend. Es ist der Geist des Spiels, das "Was wäre wenn?" und das "Warum eigentlich?", die Möglichkeiten freisetzen und nie Hinterfragtes plötzlich seiner vermeintlichen Substanz berauben. [...]

Am Ende steht da eine Wand aus Pässen. Turbo-Pascal-Mitglied Frank Oberhäußer (er und Kollegin Eva Plischke geben die mal feindlichen, mal gleichgültigen Autoritäten) steht als Passkontrolleur dahinter. Drei Spieler*innen scheitern mit dem Versuch, per Weltbürgerpass Einlass zu erhalten. Dann tragen sie einfach die Mauer ab. Am ende steht Oberhäußer einsam da auf seinem Stuhl. Die Grenze, die er bewachte ist verschwunden. Ein lächerlicher Anblick. Eine schöne Utopie.

Außerdem im Spielplan

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Box
19.00 - 20.30
mit englischen Übertiteln
Deutsches Theater
19.30 - 21.25
PREMIERE
nach dem SCUM-Manifesto von Valerie Solanas
Anschl. Premierenfeier mit den DJanes Pelzbikinis - Bar
Kammerspiele
20.00 - 21.30
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse