Drei Schwestern

nach Anton Tschechow
Bühne / Kostüme Nina von Mechow
Musik und Sounddesign Arvild Baud
Licht / Video Voxi Bärenklau
Dramaturgie John von Düffel
Premiere
12. November 2018, Deutsches Theater
Bernd MossOlga / Werschinin
Michael GoldbergMascha / Kulygin
Benjamin LillieIrina / Tusenbach
Felix GoeserAndrej / Natascha
Angela WinklerIrina
Olga / Werschinin
Mascha / Kulygin
Irina / Tusenbach
Andrej / Natascha
nachtkritik.de
Christian Rakow, 12.11.2018
Angela Winkler, die einzige Frau in der Besetzung erscheint in einem mächtigen, aufgebockten Landhaus, das Nina von Mechow auf die große Drehbühne des DT zimmern ließ. Ein Designerbau mit surrealen Ecken und Kanten. [...]

Die Vergangenheit kann in düsteren Schemen aufsteigen. Voxi Bärenklau zaubert geisterhafte Umrisse auf die Bühnenrückwand. Es sind Projektionen der Spieler, die uns in antiquierten Kleidern und Uniformen entgegentreten. [...]

Angela Winkler, diese Wunderfrau des deutschen Theaters, die in ihrem Alter von bald 75 Jahren noch wie ein jugendliches Gemüt verborgenen Sinn zu wittern vermag, die Worte spricht, als habe sie sie eben erst gefunden, die neugiert und zögert und wagt – sie entert die Bühne. Als Irina.
Angela Winkler, die einzige Frau in der Besetzung erscheint in einem mächtigen, aufgebockten Landhaus, das Nina von Mechow auf die große Drehbühne des DT zimmern ließ. Ein Designerbau mit surrealen Ecken und Kanten. [...]

Die Vergangenheit kann in düsteren Schemen aufsteigen. Voxi Bärenklau zaubert geisterhafte Umrisse auf die Bühnenrückwand. Es sind Projektionen der Spieler, die uns in antiquierten Kleidern und Uniformen entgegentreten. [...]

Angela Winkler, diese Wunderfrau des deutschen Theaters, die in ihrem Alter von bald 75 Jahren noch wie ein jugendliches Gemüt verborgenen Sinn zu wittern vermag, die Worte spricht, als habe sie sie eben erst gefunden, die neugiert und zögert und wagt – sie entert die Bühne. Als Irina.
Berliner Zeitung
Ulrich Seidler, 13.11.2018
Der Nebel der Erinnerungen lichtet sich, eine containergroße Wohneinheit wird auf halber Höhe ins Bild gedreht, darin steht die alterslose Bühnenträumerin Angela Winkler mit ihren 74 Jahren, lässt ihre Augen schimmern, ihr Wesen in Sphären hinaus- und in ihre Seele hineinlauschen.
[...]
Die Schwestern sind mit Männern besetzt, um den Text fremd zu stellen. Mit Hilfe von Glattmasken und Kostümwechseln können diese jeweils in eine zweite Rolle springen und die Männer, die die Schwestern lieben oder eben nicht, gleich mitspielen: Benjamin Lillie ist sowohl der euphorisch liebesbekümmerte Tusenbach als auch die jung ermüdete Irina. Mascha und ihr zu alter, langweiliger, unterwürfiger Lehrermann Kulygin stecken im Körper von Michael Goldberg, und die Kehrseite von Bernd Moss' Olga ist der einzige ernstzunehmende Mann Werschinin – Amtsnachfolger des Vaters, leider in einer unglücklichen Ehe gefangen, aus der er bestimmt noch ausgebrochen wäre, wenn seine Brigade nicht verlegt worden und mit ihr das letzte Leben aus dem Städtchen entwichen wäre.
Der Nebel der Erinnerungen lichtet sich, eine containergroße Wohneinheit wird auf halber Höhe ins Bild gedreht, darin steht die alterslose Bühnenträumerin Angela Winkler mit ihren 74 Jahren, lässt ihre Augen schimmern, ihr Wesen in Sphären hinaus- und in ihre Seele hineinlauschen.
[...]
Die Schwestern sind mit Männern besetzt, um den Text fremd zu stellen. Mit Hilfe von Glattmasken und Kostümwechseln können diese jeweils in eine zweite Rolle springen und die Männer, die die Schwestern lieben oder eben nicht, gleich mitspielen: Benjamin Lillie ist sowohl der euphorisch liebesbekümmerte Tusenbach als auch die jung ermüdete Irina. Mascha und ihr zu alter, langweiliger, unterwürfiger Lehrermann Kulygin stecken im Körper von Michael Goldberg, und die Kehrseite von Bernd Moss' Olga ist der einzige ernstzunehmende Mann Werschinin – Amtsnachfolger des Vaters, leider in einer unglücklichen Ehe gefangen, aus der er bestimmt noch ausgebrochen wäre, wenn seine Brigade nicht verlegt worden und mit ihr das letzte Leben aus dem Städtchen entwichen wäre.
Kulturradio vom rbb
Barbara Behrendt, 13.11.2018
"Nach Moskau, nach Moskau!" – Zwei Worte, und jeder Theatergänger weiß, worum es geht: um Tschechows "Drei Schwestern", die in der Provinz feststecken und von einem anderen Leben im Zentrum der Welt träumen.
 
[...] Drei Männer spielen die Rollen der drei Schwestern. An ihrer Seite und als einzige Frau auf der Bühne: Angela Winkler.
Winkler, bald 75 Jahre alt, wundersam mädchenhafte Theaterzauberin, steht in weißem Sommerkleid auf dem sich drehenden Bühnenkasten: ein verwinkeltes Haus, bedrohlich beleuchtet. Plötzlich kippt es ein Stück zur Seite, die Möbel rutschen die Schräge herab, und aus dem Schrank heraus rollt der Brummkreisel, den Irinia von ihrem Verehrer zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, und jener Oberleutnant Tusenbach in Uniform, dem das Blut über die Schläfe rinnt. [...]

Ein starker Auftakt, der eine Rahmenhandlung setzt: die gealterte Irina erinnert sich zurück – im Verlauf wird das Drama in ihrem Kopf abspulen. Den Tod des Verehrers inszeniert Karin Henkel als Irinas Trauma, das sie ein Leben lang verfolgt, immer wieder knallt der Pistolenschuss durch ihre Erinnerung.

[...] Die Regisseurin spitzt zu und erschafft – ihre große Stärke – eine eigene, geschlossene Kunstwelt. Das sich drehende Haus, auf das Schemen und Schatten projiziert werden, durch das ferne Stimmen und Musiken hallen, entwickelt eine schaurige Albtraumatmosphäre.
"Nach Moskau, nach Moskau!" – Zwei Worte, und jeder Theatergänger weiß, worum es geht: um Tschechows "Drei Schwestern", die in der Provinz feststecken und von einem anderen Leben im Zentrum der Welt träumen.
 
[...] Drei Männer spielen die Rollen der drei Schwestern. An ihrer Seite und als einzige Frau auf der Bühne: Angela Winkler.
Winkler, bald 75 Jahre alt, wundersam mädchenhafte Theaterzauberin, steht in weißem Sommerkleid auf dem sich drehenden Bühnenkasten: ein verwinkeltes Haus, bedrohlich beleuchtet. Plötzlich kippt es ein Stück zur Seite, die Möbel rutschen die Schräge herab, und aus dem Schrank heraus rollt der Brummkreisel, den Irinia von ihrem Verehrer zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, und jener Oberleutnant Tusenbach in Uniform, dem das Blut über die Schläfe rinnt. [...]

Ein starker Auftakt, der eine Rahmenhandlung setzt: die gealterte Irina erinnert sich zurück – im Verlauf wird das Drama in ihrem Kopf abspulen. Den Tod des Verehrers inszeniert Karin Henkel als Irinas Trauma, das sie ein Leben lang verfolgt, immer wieder knallt der Pistolenschuss durch ihre Erinnerung.

[...] Die Regisseurin spitzt zu und erschafft – ihre große Stärke – eine eigene, geschlossene Kunstwelt. Das sich drehende Haus, auf das Schemen und Schatten projiziert werden, durch das ferne Stimmen und Musiken hallen, entwickelt eine schaurige Albtraumatmosphäre.
Berliner Morgenpost
Felix Müller, 14.11.2018
Die "Drei Schwestern" sind mit Männern besetzt. Wir sehen Bernd Moss als Olga, Michael Goldberg als Mascha und Benjamin Lillie als Irina – mal mit, mal ohne eine puppenhafte Maske. Was man als abgeschmackte Travestie belächeln könnte, erweist sich als plausible Entscheidung: Dem Stück wird die etwas platte sozialhistorische Lesart als Frauengeschichte entzogen, während es zugleich auf seinen allgemein menschlichen Gehalt geprüft wird.

[...] Es macht Spaß, Bernd Moss in der Rolle der Olga zu sehen, die mit ihrer monotonen Aufgabe im Schuldienst hadert. Zugleich schlüpft er in die Uniformjacke des gelangweilten Offiziers Werschinin. Auch Michael Goldberg als schlaksige Mascha, den wir nebenbei auch als betrogenen Ehemann Kulygin sehen, spielt souverän und nuancenreich auf der Klaviatur des Unglücks. Und Benjamin Lillie als jüngste Schwester Irina weiß schon in der ersten Szene Schutzbedürfnisse zu wecken, als er mit drei Ballons um den Hals die Bühne betritt, als stehe nicht Irinas Namenstag, sondern ihr Tod durch den Strang bevor. Felix Goeser als Bruder Andrej und Schwägerin Natascha weiß für unterhaltsame, oft lustige Momente zu sorgen – während die Ausnahmeschauspielerin Angela Winkler alle überstrahlt, die, obwohl bald 75 Jahre alt, in der Eingangs- und der Schlusssequenz den Part der jungen Irina übernimmt und diese mit einer so stillen, kraftvollen Intensität verkörpert, dass man sich nicht mehr zu atmen traut.
Die "Drei Schwestern" sind mit Männern besetzt. Wir sehen Bernd Moss als Olga, Michael Goldberg als Mascha und Benjamin Lillie als Irina – mal mit, mal ohne eine puppenhafte Maske. Was man als abgeschmackte Travestie belächeln könnte, erweist sich als plausible Entscheidung: Dem Stück wird die etwas platte sozialhistorische Lesart als Frauengeschichte entzogen, während es zugleich auf seinen allgemein menschlichen Gehalt geprüft wird.

[...] Es macht Spaß, Bernd Moss in der Rolle der Olga zu sehen, die mit ihrer monotonen Aufgabe im Schuldienst hadert. Zugleich schlüpft er in die Uniformjacke des gelangweilten Offiziers Werschinin. Auch Michael Goldberg als schlaksige Mascha, den wir nebenbei auch als betrogenen Ehemann Kulygin sehen, spielt souverän und nuancenreich auf der Klaviatur des Unglücks. Und Benjamin Lillie als jüngste Schwester Irina weiß schon in der ersten Szene Schutzbedürfnisse zu wecken, als er mit drei Ballons um den Hals die Bühne betritt, als stehe nicht Irinas Namenstag, sondern ihr Tod durch den Strang bevor. Felix Goeser als Bruder Andrej und Schwägerin Natascha weiß für unterhaltsame, oft lustige Momente zu sorgen – während die Ausnahmeschauspielerin Angela Winkler alle überstrahlt, die, obwohl bald 75 Jahre alt, in der Eingangs- und der Schlusssequenz den Part der jungen Irina übernimmt und diese mit einer so stillen, kraftvollen Intensität verkörpert, dass man sich nicht mehr zu atmen traut.
Süddeutsche Zeitung
Peter Laudenbach, 14.11.2018
Karin Henkel hat auf der großen Bühne Anton Tschechows "Drei Schwestern" einer so radikalen wie genauen Neulektüre unterzogen. [...] Starke Schauspieler, ein kluger Umgang mit literarischen Stoffen, markante Regiehandschrift und das Vertrauen darauf, dass das Publikum bereit ist, auch kompliziertere Wege mitzugehen. 
[...]
Angela Winkler ist eine Wehmuts- und Sehnsuchtsspezialistin, nichts könnte dieser erstaunlichen Schauspielerin fremder sein als die handelsübliche Theaterironie. Immer scheint sie leise vor Glück zu strahlen, als würde sie garantiert keinen Wert darauf legen, in einer entzauberten Realität anzukommen. Ihre Auftritte rahmen den Abend, was wir sehen, sind die Erinnerungen der alten Frau, die sich weigert, ihre Mädchenhaftigkeit gegen erwachsenen Wirklichkeitssinn einzutauschen. Bei jeder anderen Schauspielerin wäre das purer Kitsch, bei Angela Winkler formuliert es eine Wahrheit.
Karin Henkel hat auf der großen Bühne Anton Tschechows "Drei Schwestern" einer so radikalen wie genauen Neulektüre unterzogen. [...] Starke Schauspieler, ein kluger Umgang mit literarischen Stoffen, markante Regiehandschrift und das Vertrauen darauf, dass das Publikum bereit ist, auch kompliziertere Wege mitzugehen. 
[...]
Angela Winkler ist eine Wehmuts- und Sehnsuchtsspezialistin, nichts könnte dieser erstaunlichen Schauspielerin fremder sein als die handelsübliche Theaterironie. Immer scheint sie leise vor Glück zu strahlen, als würde sie garantiert keinen Wert darauf legen, in einer entzauberten Realität anzukommen. Ihre Auftritte rahmen den Abend, was wir sehen, sind die Erinnerungen der alten Frau, die sich weigert, ihre Mädchenhaftigkeit gegen erwachsenen Wirklichkeitssinn einzutauschen. Bei jeder anderen Schauspielerin wäre das purer Kitsch, bei Angela Winkler formuliert es eine Wahrheit.

Außerdem im Spielplan

Heute2021222324252627282930Dezember 12345678910111213141516171819202122232425262728293031Januar 12345678910111213141516171819202122232425262728293031
Mit englischen Übertiteln
von Arthur Miller
Deutsches Theater
19.30 - 21.00
Exklusiv für DT Freunde

Moritz Rinke: Westend

Lesung und Gespräch mit Moritz Rinke und John von Düffel
Saal
19.30