Fräulein Julie

nach August Strindberg
Bühne / Kostüme Oleg Golowko
Dramaturgie Claus Caesar, Roman Dolzhanskij
Premiere
12. August 2021
Kammerspiele

Dauer: 1 Stunde, 35 Minuten, keine Pause
Felix Goeser
Božidar Kocevski
Franziska Machens
Linn Reusse
nachtkritik.de
Jorinde Minna Markert, 13.08.2021
[...] Wir hören, wie Jean als widerwilliges Echo die Sätze nachspricht, sie manchmal variiert und dabei wirkt wie ein Schauspieler, der zum ersten Mal Text liest und merkt, dass die Worte nicht in den Mund wollen.
Das lädt zu Meta-Betrachtungen des Theaters ein, ist oft witzig und bietet einen neuen Blickpunkt auf Julies Begehren. Wir können uns vorstellen, wie Jean auf Julie wirkt, die von dem Headset-Flüsterer nichts weiß, nur Zeugin wird, wie der Mann vor ihr mit seinen Sätzen kämpft, seltsame Lücken in ihnen lässt, abwesend und hochkonzentriert zugleich wirkt. Er klingt fremd und fremdgesteuert, liefert aber pick-up-artist-mäßig genau die richtigen maßgeschneiderten Sätze, die Julies Ex-Verlobter mit guter Kenntnis ihrer Person vorgibt. Vielleicht ist es gerade dieses seltsame Mischung aus etwas nicht einzuordnendem und Vertrautheit, die sie plötzlich anzieht.
[...] Wir hören, wie Jean als widerwilliges Echo die Sätze nachspricht, sie manchmal variiert und dabei wirkt wie ein Schauspieler, der zum ersten Mal Text liest und merkt, dass die Worte nicht in den Mund wollen.
Das lädt zu Meta-Betrachtungen des Theaters ein, ist oft witzig und bietet einen neuen Blickpunkt auf Julies Begehren. Wir können uns vorstellen, wie Jean auf Julie wirkt, die von dem Headset-Flüsterer nichts weiß, nur Zeugin wird, wie der Mann vor ihr mit seinen Sätzen kämpft, seltsame Lücken in ihnen lässt, abwesend und hochkonzentriert zugleich wirkt. Er klingt fremd und fremdgesteuert, liefert aber pick-up-artist-mäßig genau die richtigen maßgeschneiderten Sätze, die Julies Ex-Verlobter mit guter Kenntnis ihrer Person vorgibt. Vielleicht ist es gerade dieses seltsame Mischung aus etwas nicht einzuordnendem und Vertrautheit, die sie plötzlich anzieht.
rbb24
Oliver Kranz, 13.08.2021
Vor allem Linn Reusse als Julie ist überragend – erst ist sie die verwöhnte Millionärstochter mit
Machtgelüsten, dann eine verwundete Seele, die keinen Ausweg mehr sieht. Felix Goeser als Jean hingegen ist hinreißend komisch, immerzu überfordert von der sich rasant verändernden Situation.

In dieser Inszenierung ist niemand Herr der Lage. Das ist das eigentliche Thema. Eine Intrige wird eingefädelt, gerät aber trotz permanenter Kameraüberwachung außer Kontrolle. Die Figuren balancieren am Rande eines Abgrunds und es ist nicht klar, ob sie abstürzen werden. Eine erfrischend neue Sicht auf einen viel gespielten Klassiker.
Vor allem Linn Reusse als Julie ist überragend – erst ist sie die verwöhnte Millionärstochter mit
Machtgelüsten, dann eine verwundete Seele, die keinen Ausweg mehr sieht. Felix Goeser als Jean hingegen ist hinreißend komisch, immerzu überfordert von der sich rasant verändernden Situation.

In dieser Inszenierung ist niemand Herr der Lage. Das ist das eigentliche Thema. Eine Intrige wird eingefädelt, gerät aber trotz permanenter Kameraüberwachung außer Kontrolle. Die Figuren balancieren am Rande eines Abgrunds und es ist nicht klar, ob sie abstürzen werden. Eine erfrischend neue Sicht auf einen viel gespielten Klassiker.
SWR2
Ina Beyer, 13.08.2021
Timofej Kuljabin ist einer der wohl derzeit aufregendsten Regisseure Russlands.

[...]
Inszeniert ist "Fräulein Julie" als Theaterthriller, in dem Linn Reusse als Julie tobt und trauert, Felix Goeser als Jean herrscht und heuchelt, Bozidar Kocevksi als Thomas manipuliert und verliert, Franziska Machens als Christine putzt und pöbelt.

Timofej Kuljabin ist einer der wohl derzeit aufregendsten Regisseure Russlands.

[...]
Inszeniert ist "Fräulein Julie" als Theaterthriller, in dem Linn Reusse als Julie tobt und trauert, Felix Goeser als Jean herrscht und heuchelt, Bozidar Kocevksi als Thomas manipuliert und verliert, Franziska Machens als Christine putzt und pöbelt.

taz
Katja Kollmann, 14.08.2021
Selten ist Überwachung so sinnlich dargestellt worden. Aus diesem Grund ist der Blick auf die Bühne beklemmend und interessant zugleich. Wohin richten sich die Augen? Auf die Realität in der Küche? Auf das Video, das einen zum Teil der Überwachung macht? Oder auf Thomas, der so selbst zum Überwachten wird? Eigentlich ist das Publikum in der Position eines totalitären Sicherheitsapparats. Selten ist Überwachung so sinnlich dargestellt worden. Aus diesem Grund ist der Blick auf die Bühne beklemmend und interessant zugleich. Wohin richten sich die Augen? Auf die Realität in der Küche? Auf das Video, das einen zum Teil der Überwachung macht? Oder auf Thomas, der so selbst zum Überwachten wird? Eigentlich ist das Publikum in der Position eines totalitären Sicherheitsapparats.

Außerdem im Spielplan

Autor:innenatelier #4

Raum für neue Dramatik
mit Thomas Perle (Wien) und Maria Ursprung (Solothurn)
Saal
19.30
Eintritt frei
Mit englischen Übertiteln

Hasta la Westler, Baby!

Ein deutsches Theater mit Musik
von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner
Regie: Tom Kühnel und Jürgen Kuttner
Kammerspiele
20.00 - 21.50