Gertrud

von Einar Schleef
Bühne / Kostüme Dorien Thomsen
Dramaturgie Ulrich Beck
Premiere
15. Dezember 2017, Kammerspiele
Koproduktion mit dem Schauspielhaus Bochum
Antonia Bill
Wolfram Koch
Almut Zilcher
Online Merker
Ursula Wiegand, 16.12.2017
Jakob Fedler hat aus diesem  tausendseitigen, teils wütenden, teils wehleidigen Gedanken- und Erzähl-Konvolut eine knapp zweistündige Bühnenfassung extrahiert und führt auch Regie in den Kammerspielen vom Deutschen Theater bei dieser Koproduktion mit dem Schauspielhaus Bochum. [...]

Die relativ karge Bühnenhandlung kreist um eine bronzene Schräge mit einem geöffneten Sarg, in dem angeblich der tote Willy liegt. Um den trauert nun Gertrud, gespielt vonWolfram Kochin Bluse und Rock. Feinfühlig macht er das, bietet all seine Sprech- und Schauspielkunst auf. Glaubhaft schildert er/sie ihren körperlichen Verfall, den krummen Rücken, den schmerzenden Arm, den sie sich am liebsten selbst abhacken möchte. [...]

Zuletzt rennt die junge Gertrud erneut, die mittlere taucht ebenfalls auf, und Koch mimt wieder die einsame Witwe, deren Gedanken und Erinnerungen  – typisch für den Autor und Regisseur Einar Schleef – übereinander purzeln. Sein Fazit: Keine Zukunft für die alte kranke Mutter – nirgends. Ein hartes, realistisches Ende.

Danach herzlicher Schlussbeifall für die drei Darsteller und das Regieteam.
Jakob Fedler hat aus diesem  tausendseitigen, teils wütenden, teils wehleidigen Gedanken- und Erzähl-Konvolut eine knapp zweistündige Bühnenfassung extrahiert und führt auch Regie in den Kammerspielen vom Deutschen Theater bei dieser Koproduktion mit dem Schauspielhaus Bochum. [...]

Die relativ karge Bühnenhandlung kreist um eine bronzene Schräge mit einem geöffneten Sarg, in dem angeblich der tote Willy liegt. Um den trauert nun Gertrud, gespielt vonWolfram Kochin Bluse und Rock. Feinfühlig macht er das, bietet all seine Sprech- und Schauspielkunst auf. Glaubhaft schildert er/sie ihren körperlichen Verfall, den krummen Rücken, den schmerzenden Arm, den sie sich am liebsten selbst abhacken möchte. [...]

Zuletzt rennt die junge Gertrud erneut, die mittlere taucht ebenfalls auf, und Koch mimt wieder die einsame Witwe, deren Gedanken und Erinnerungen  – typisch für den Autor und Regisseur Einar Schleef – übereinander purzeln. Sein Fazit: Keine Zukunft für die alte kranke Mutter – nirgends. Ein hartes, realistisches Ende.

Danach herzlicher Schlussbeifall für die drei Darsteller und das Regieteam.
Berliner Morgenpost
Katrin Pauly, 18.12.2017
Nun ist es [das Stück "Gertrud"], als Koproduktion mit dem Schauspielhaus Bochum, in den Kammerspielen des Deutschen Theaters zu sehen. In einer Bühnenfassung von Jakob Fedler, der auch Regie führte. Er hat das schroffe, mäandernde Textwerk auf zwei Stunden eingedampft und es auf drei hervorragende Darsteller aufgeteilt: Wolfram Koch, Almut Zilcher und Antonia Bill. Sie sind als Gertrud zu dritt, damit sie auch im Chor sprechen können. Einar Schleef war ein Spezialist für Chöre auf der Bühne. [...] Nun ist es [das Stück "Gertrud"], als Koproduktion mit dem Schauspielhaus Bochum, in den Kammerspielen des Deutschen Theaters zu sehen. In einer Bühnenfassung von Jakob Fedler, der auch Regie führte. Er hat das schroffe, mäandernde Textwerk auf zwei Stunden eingedampft und es auf drei hervorragende Darsteller aufgeteilt: Wolfram Koch, Almut Zilcher und Antonia Bill. Sie sind als Gertrud zu dritt, damit sie auch im Chor sprechen können. Einar Schleef war ein Spezialist für Chöre auf der Bühne. [...]
Frankfurter Rundschau
Dirk Pilz, 18.12.2017
Ein Chor bietet sich an, und chorisch lässt auch Jakob Fedler seine Inszenierung beginnen. Almut Zilcher, Antonia Bill und Wolfram Koch bauen sich hinter dem Sarg auf: forsch ins Publikum geschaut und stramm einen Satz gesprochen, den sie noch mehrfach wiederholen werden, seiner Leitmotivik wegen [...]

Schleef, der einst selbst große Chöre inszenierte, hat gern von „Chor-Riss“, von „Chor-Sprengung“ gesprochen, denn der Riss gehöre als Ausdruck einer ureigenen menschlichen Zerrissenheit zu jedem Chor immer dazu. Sie lässt sich nicht auflösen, nur durch den Rausch, nur als Droge.

Der Rausch soll an diesem Abend durch Verzicht entstehen: Das Mutter-Trio hat keine Requisiten, keine Musik, kaum Lichtwechsel. Es hat Sprache, Gänge, Gestik. Reduktion als Mittel der Vergrößerung. In den zehn Punkten für Schauspieler, die Einar Schleef vor 25 Jahren notierte und hier freundlicherweise auf den Programmzettel gedruckt sind, heißt es an sechster Stelle: „Picasso sagt: Wenn du mit drei Farben malen kannst, male mit zwei.“ Das wird bei Fedler wörtlich genommen: Sie malen mit Worten ihre Figuren an, von grellbunt bis grautrüb. Sie gefallen sich in Witznummern und Traueretüden. Sie hüpfen frohgemut vom Komischen ins Tragische. [...]
Ein Chor bietet sich an, und chorisch lässt auch Jakob Fedler seine Inszenierung beginnen. Almut Zilcher, Antonia Bill und Wolfram Koch bauen sich hinter dem Sarg auf: forsch ins Publikum geschaut und stramm einen Satz gesprochen, den sie noch mehrfach wiederholen werden, seiner Leitmotivik wegen [...]

Schleef, der einst selbst große Chöre inszenierte, hat gern von „Chor-Riss“, von „Chor-Sprengung“ gesprochen, denn der Riss gehöre als Ausdruck einer ureigenen menschlichen Zerrissenheit zu jedem Chor immer dazu. Sie lässt sich nicht auflösen, nur durch den Rausch, nur als Droge.

Der Rausch soll an diesem Abend durch Verzicht entstehen: Das Mutter-Trio hat keine Requisiten, keine Musik, kaum Lichtwechsel. Es hat Sprache, Gänge, Gestik. Reduktion als Mittel der Vergrößerung. In den zehn Punkten für Schauspieler, die Einar Schleef vor 25 Jahren notierte und hier freundlicherweise auf den Programmzettel gedruckt sind, heißt es an sechster Stelle: „Picasso sagt: Wenn du mit drei Farben malen kannst, male mit zwei.“ Das wird bei Fedler wörtlich genommen: Sie malen mit Worten ihre Figuren an, von grellbunt bis grautrüb. Sie gefallen sich in Witznummern und Traueretüden. Sie hüpfen frohgemut vom Komischen ins Tragische. [...]
taz
Katrin Bettina Müller, 18.12.2017
"Gertrud" ist ein Roman von Einar Schleef, ein wuchtiger Text über seine Mutter, fantasiert als Monolog, boshaft oft im Blick auf den Mann, die Söhne und auch auf das eigene Leid. [...]

Der Regisseur Jakob Fedler rahmt seine Inszenierung am Deutschen Theater Berlin jetzt mit einem Refrain, der schon ahnen lasst, dass gerade die Brüche in Gertruds Leben ihn interessieren: "Meine Kindheit fiel ins Kaiserreich, der Sportplatz in der Weimaraner, die Ehe auf Hitler und das Alter in die DDR. Wohin mein Kopf. Viermal Deutsches Reich, das fünfte ist zwei Meter lang."Die Geschichte von Gertrud ist auch eine, um der deutschen Geschichte auf die Spur zu kommen.[...]

Gertrud durchschaut sich. Manchmal. Das macht einen Teil der Komik aus, die dieser Text auch hat. Ebenso wie das Dazwischenfunken des Körpers, der mit Jucken, Furzen und Blut ihre Gedanken unterläuft. Wolfram Koch schafft es, die skurrilen Seiten im Kampf gegen den Widerstand des Körpers auszuagieren.

Diese verschiedenen Zeithorizonte und Gefühlsebenen sind in "Gertrud" immer nebeneinander gegenwärtig, und das transportiert auch diese Inszenierung gut. Allmählich schlüsselt sich ihr Leben auf, die Bitterkeit, die Einsamkeit, der Leib gewordene Vorwurf. [...]

Knapp zwei Stunden dauert die Inszenierung und bringt dabei doch erstaunlich viele Gertrud-Momente auf die Bühne. Das puzzelt sich so nach und nach zusammen, ohne sich je allzu sehr Bedeutung zu geben. Es ist ein Schleef-Abend der leichteren Art und vielleicht deshalb ganz gut, um sich mit ihm anzufreunden.
"Gertrud" ist ein Roman von Einar Schleef, ein wuchtiger Text über seine Mutter, fantasiert als Monolog, boshaft oft im Blick auf den Mann, die Söhne und auch auf das eigene Leid. [...]

Der Regisseur Jakob Fedler rahmt seine Inszenierung am Deutschen Theater Berlin jetzt mit einem Refrain, der schon ahnen lasst, dass gerade die Brüche in Gertruds Leben ihn interessieren: "Meine Kindheit fiel ins Kaiserreich, der Sportplatz in der Weimaraner, die Ehe auf Hitler und das Alter in die DDR. Wohin mein Kopf. Viermal Deutsches Reich, das fünfte ist zwei Meter lang."Die Geschichte von Gertrud ist auch eine, um der deutschen Geschichte auf die Spur zu kommen.[...]

Gertrud durchschaut sich. Manchmal. Das macht einen Teil der Komik aus, die dieser Text auch hat. Ebenso wie das Dazwischenfunken des Körpers, der mit Jucken, Furzen und Blut ihre Gedanken unterläuft. Wolfram Koch schafft es, die skurrilen Seiten im Kampf gegen den Widerstand des Körpers auszuagieren.

Diese verschiedenen Zeithorizonte und Gefühlsebenen sind in "Gertrud" immer nebeneinander gegenwärtig, und das transportiert auch diese Inszenierung gut. Allmählich schlüsselt sich ihr Leben auf, die Bitterkeit, die Einsamkeit, der Leib gewordene Vorwurf. [...]

Knapp zwei Stunden dauert die Inszenierung und bringt dabei doch erstaunlich viele Gertrud-Momente auf die Bühne. Das puzzelt sich so nach und nach zusammen, ohne sich je allzu sehr Bedeutung zu geben. Es ist ein Schleef-Abend der leichteren Art und vielleicht deshalb ganz gut, um sich mit ihm anzufreunden.

Außerdem im Spielplan

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mit englischen Übertiteln
von Samuel Beckett
Regie: Christian Schwochow
Deutsches Theater
20.00 - 21.20
19.30 Einführung - Saal
von Jakob Nolte
Regie: Tom Kühnel
Kammerspiele
20.00 - 21.00