Gespenster

nach August Strindberg / Henrik Ibsen / Heinrich Heine
Regie / Bühne Sebastian Hartmann
Musik Ben Hartmann, Philipp Thimm
Video / Licht Rainer Casper
Videoanimation Tilo Baumgärtel
Dramaturgie Claus Caesar
Premiere am 24. Februar 2017, Deutsches Theater
Edgar Eckert
Felix Goeser
Gabriele Heinz
Markwart Müller-Elmau
Linda Pöppel
Katrin Wichmann
Almut Zilcher
Ben HartmannLive-Musik
Philipp ThimmLive-Musik
nachtkritik
Frauke Adrians, 24.02.2017
Hartmanns Bühnenbild unterstreicht die Ausweglosigkeit der Endlosschleife: Eine drehbare Rampe führt aufwärts, aber letztlich nirgendwohin; die Figuren auf einem scheinbar lieblichen romantischen Gemälde im Hintergrund zeigen ihre Gesichter nicht; die auf die Wände projizierten Dorfhäuser wirken bei näherer Betrachtung eher alptraumhaft. Auch fürs Ohr bietet der Abend einiges, gelegentlich Überlautes, aber auch einen pfiffigen Ehekrisenwalzer für Cello und E-Gitarre. Faszinieren aber kann er nur dann, wenn die Schauspieler ihre Szenen auch mal bis zur Raserei ausspielen können [...]: Diese Freiheit lässt der Regisseur seinem Ensemble immer öfter im Verlauf der Inszenierung. Die nicht nur verbale Schlacht zwischen dem Rittmeister (Felix Goeser) und seiner Frau Laura (Katrin Wichmann) ist ganz großer Strindberg und hat dabei auch noch Witz. Und das Mutter-Sohn-Finale zwischen Zilcher und Eckert ist so haarsträubend überspannt, dass der Zuschauer zwischen Mitleid und Abscheu, Überlegenheitsgrinsen und Betroffenheit schwankt.

Es stimmt ja: Ungeklärte Vaterschaften sind, ebenso wie väterliche Allgewalt per Gesetz, in Westeuropa ein Problem von gestern, und die Syphilis, die den Sohn wie den Vater ins Grab bringen wird, ist hier selten und noch seltener tödlich. Aber Familien-Konstellationen von ähnlich verheerender Wirkung wie bei Strindberg und Ibsen sind zeitlos. Nicht totzukriegen. Das bringt Sebastian Hartmanns Stückcollage auf den Punkt [...].
Hartmanns Bühnenbild unterstreicht die Ausweglosigkeit der Endlosschleife: Eine drehbare Rampe führt aufwärts, aber letztlich nirgendwohin; die Figuren auf einem scheinbar lieblichen romantischen Gemälde im Hintergrund zeigen ihre Gesichter nicht; die auf die Wände projizierten Dorfhäuser wirken bei näherer Betrachtung eher alptraumhaft. Auch fürs Ohr bietet der Abend einiges, gelegentlich Überlautes, aber auch einen pfiffigen Ehekrisenwalzer für Cello und E-Gitarre. Faszinieren aber kann er nur dann, wenn die Schauspieler ihre Szenen auch mal bis zur Raserei ausspielen können [...]: Diese Freiheit lässt der Regisseur seinem Ensemble immer öfter im Verlauf der Inszenierung. Die nicht nur verbale Schlacht zwischen dem Rittmeister (Felix Goeser) und seiner Frau Laura (Katrin Wichmann) ist ganz großer Strindberg und hat dabei auch noch Witz. Und das Mutter-Sohn-Finale zwischen Zilcher und Eckert ist so haarsträubend überspannt, dass der Zuschauer zwischen Mitleid und Abscheu, Überlegenheitsgrinsen und Betroffenheit schwankt.

Es stimmt ja: Ungeklärte Vaterschaften sind, ebenso wie väterliche Allgewalt per Gesetz, in Westeuropa ein Problem von gestern, und die Syphilis, die den Sohn wie den Vater ins Grab bringen wird, ist hier selten und noch seltener tödlich. Aber Familien-Konstellationen von ähnlich verheerender Wirkung wie bei Strindberg und Ibsen sind zeitlos. Nicht totzukriegen. Das bringt Sebastian Hartmanns Stückcollage auf den Punkt [...].
Berliner Morgenpost
Katrin Pauly, 26.02.2017
Von narrativer Linearität hält Regisseur Sebastian Hartmann wenig. Er hat sich aus den drei Texten ein paar wenige Stellen rausgesucht und sie neu zusammengebaut. [...]

Aber wer sich auf einzelne Szenen, auf visuelle Sequenzen konzentriert und einlässt, der kann hier echte Theaterschönheitsmomente erleben. Hartmann, der auch sein eigener Bühnenbildner ist, wirft eine dunkel verhangene Unwirklichkeit über Darsteller und Szenerie. Eine halbrunde geschwungene Rampe schraubt sich spiralförmig ins Nirgendwo, an die Wände projiziert er gezeichnete Geisterhäuser. Ein romantisch anmutendes Familiengemälde macht sich selbstständig. Das hervorragende Musi­kerduo Ben Hartmann und Philipp Thimm verwebt das Ganze mit Klängen. Ästhetisch ist dieser zweistündige Abend ein echter Genuss. Er wird in den sich wiederholenden Szenen zudem immer konkreter, was den Schauspielern neue Spielräume eröffnet. Die nutzen sie ausführlich. Wie Strindbergs Rittmeister von seiner Gattin Laura in die Knie gezwungen wird mit der Andeutung, die Tochter könne einen anderen Vater haben, das spielen Katrin Wichmann und Felix Goeser mit abgrundtiefer Unausweichlichkeit. Auch Almut Zilcher als Frau Alving und Edgar Eckert als ihr Sohn Osvald geben ein stimmiges Paar ab. Osvald ist todkrank, er stirbt. Klopft sich aber dann auf der eigenen Beerdigung behände die Erde von den Kleidern. Er wird noch gebraucht. Als Gespenst für kommende Generationen.
Von narrativer Linearität hält Regisseur Sebastian Hartmann wenig. Er hat sich aus den drei Texten ein paar wenige Stellen rausgesucht und sie neu zusammengebaut. [...]

Aber wer sich auf einzelne Szenen, auf visuelle Sequenzen konzentriert und einlässt, der kann hier echte Theaterschönheitsmomente erleben. Hartmann, der auch sein eigener Bühnenbildner ist, wirft eine dunkel verhangene Unwirklichkeit über Darsteller und Szenerie. Eine halbrunde geschwungene Rampe schraubt sich spiralförmig ins Nirgendwo, an die Wände projiziert er gezeichnete Geisterhäuser. Ein romantisch anmutendes Familiengemälde macht sich selbstständig. Das hervorragende Musi­kerduo Ben Hartmann und Philipp Thimm verwebt das Ganze mit Klängen. Ästhetisch ist dieser zweistündige Abend ein echter Genuss. Er wird in den sich wiederholenden Szenen zudem immer konkreter, was den Schauspielern neue Spielräume eröffnet. Die nutzen sie ausführlich. Wie Strindbergs Rittmeister von seiner Gattin Laura in die Knie gezwungen wird mit der Andeutung, die Tochter könne einen anderen Vater haben, das spielen Katrin Wichmann und Felix Goeser mit abgrundtiefer Unausweichlichkeit. Auch Almut Zilcher als Frau Alving und Edgar Eckert als ihr Sohn Osvald geben ein stimmiges Paar ab. Osvald ist todkrank, er stirbt. Klopft sich aber dann auf der eigenen Beerdigung behände die Erde von den Kleidern. Er wird noch gebraucht. Als Gespenst für kommende Generationen.
Berliner Zeitung
Dirk Pilz, 27.02.2017
Dieser Abend entwirft allerdings nicht einfach eine Collage, er malt mit dickem Pinsel ein Gegenwartsbild der Ausweglosigkeit. Fast durchgängig steht ein Gemälde auf der Bühne, das eine Sonnenfinsternis zeigt, einmal verwandelt es sich in einen Film – und wird wieder festgefrorenes Bild. Einmal steht Almut Zilcher vor diesem Bild und scheint sich zur Gemäldefigur zu verwandeln. Und immer wieder ist es, als kippe das Kunstbild auf die Bühne und die Bühne in die Malerei: Die Kunst als Wiedergänger der Wirklichkeit, die Wirklichkeit als Kopie des Schauspiels.

Hartmanns Spieler schenken ihren Figuren die entsprechend dunkel glitzernde Diffusität. Katrin Wichmann lässt für ihre Strindberg-Frau offen, ob sie von Starr- oder Irrsinn getrieben ist, Felix Goeser verleiht seinem Vater eine Mischung aus Trotz und Trostlosigkeit, Edgar Eckert schickt den Malersohn Osvald auf den Schlingerkurs zwischen feingliedriger Figureneinfühlung und derber Figurenabweisung. Sie spielen sich damit in einen Sog, der die Szenen zu verschlucken scheint – um sie wieder auszuspeien.

[...] So viel Poesie und Zartheit bei aller Dunkel-Drastik gibt es nicht oft. Heine und Ibsen, Strindberg und Live-Musik, die Großraum-Videos, das fahle Licht, die geisterhaften Bühnenumbauten, die flirrenden, immer namenlosen Figuren: Es fügt sich alles zu einem Gesamtgebilde.
Dieser Abend entwirft allerdings nicht einfach eine Collage, er malt mit dickem Pinsel ein Gegenwartsbild der Ausweglosigkeit. Fast durchgängig steht ein Gemälde auf der Bühne, das eine Sonnenfinsternis zeigt, einmal verwandelt es sich in einen Film – und wird wieder festgefrorenes Bild. Einmal steht Almut Zilcher vor diesem Bild und scheint sich zur Gemäldefigur zu verwandeln. Und immer wieder ist es, als kippe das Kunstbild auf die Bühne und die Bühne in die Malerei: Die Kunst als Wiedergänger der Wirklichkeit, die Wirklichkeit als Kopie des Schauspiels.

Hartmanns Spieler schenken ihren Figuren die entsprechend dunkel glitzernde Diffusität. Katrin Wichmann lässt für ihre Strindberg-Frau offen, ob sie von Starr- oder Irrsinn getrieben ist, Felix Goeser verleiht seinem Vater eine Mischung aus Trotz und Trostlosigkeit, Edgar Eckert schickt den Malersohn Osvald auf den Schlingerkurs zwischen feingliedriger Figureneinfühlung und derber Figurenabweisung. Sie spielen sich damit in einen Sog, der die Szenen zu verschlucken scheint – um sie wieder auszuspeien.

[...] So viel Poesie und Zartheit bei aller Dunkel-Drastik gibt es nicht oft. Heine und Ibsen, Strindberg und Live-Musik, die Großraum-Videos, das fahle Licht, die geisterhaften Bühnenumbauten, die flirrenden, immer namenlosen Figuren: Es fügt sich alles zu einem Gesamtgebilde.
taz
René Hamann, 27.02.2017
Sebastian Hartmann hat es sich und dem aufmerksamen Publikum gegeben: Düsternis, Kälte, Todessehnsucht, Elternkonflikte, wir sagten es bereits. Und diesmal funktioniert es.

[...] Die ''Gespenster'' in dieser Fassung sind sozusagen ein Atmo-Stück; ein Stück, das von der Atmosphäre lebt. Der Künstler und die Eltern. Die Tochter und die Frage nach dem Vater. Die Wiederkehr als Heimsuchung. Das Ensemble ist stets auf der Höhe, Katrin Wichmann und Felix Goeser sind inzwischen ein eingespieltes Team, sie geben die Strindberg'schen Eltern; Linda Pöppel die zum Wahnsinn neigende Tochter. Markwart Müller-Elmau hat eine gute Szene als Pfarrer, der sich gegen die dreifaltige Frau (Wichmann/Pöppel/Gabriele Heinz) behaupten muss. Wie überhaupt immer wieder Lockerungsübungen stattfinden, exzessive Szenen sich mit Bühnentricks, mit Musik, mit Ironie und Metaverweisen [...] abwechseln – erprobtes Collagentheater, das sonst oft ins Sinnlose auszuufern droht, hier aber in jedem einzelnen Teil funktioniert.
Sebastian Hartmann hat es sich und dem aufmerksamen Publikum gegeben: Düsternis, Kälte, Todessehnsucht, Elternkonflikte, wir sagten es bereits. Und diesmal funktioniert es.

[...] Die ''Gespenster'' in dieser Fassung sind sozusagen ein Atmo-Stück; ein Stück, das von der Atmosphäre lebt. Der Künstler und die Eltern. Die Tochter und die Frage nach dem Vater. Die Wiederkehr als Heimsuchung. Das Ensemble ist stets auf der Höhe, Katrin Wichmann und Felix Goeser sind inzwischen ein eingespieltes Team, sie geben die Strindberg'schen Eltern; Linda Pöppel die zum Wahnsinn neigende Tochter. Markwart Müller-Elmau hat eine gute Szene als Pfarrer, der sich gegen die dreifaltige Frau (Wichmann/Pöppel/Gabriele Heinz) behaupten muss. Wie überhaupt immer wieder Lockerungsübungen stattfinden, exzessive Szenen sich mit Bühnentricks, mit Musik, mit Ironie und Metaverweisen [...] abwechseln – erprobtes Collagentheater, das sonst oft ins Sinnlose auszuufern droht, hier aber in jedem einzelnen Teil funktioniert.
Deutschlandfunk
Michael Laages, 25.02.2017
Von einem Best-of-Album, wie in Pop-, Rock- und Jazz-Musik üblich, ist dieser an sich sehr besondere Theaterabend nicht ganz leicht zu unterscheiden. Tatsächlich hat Sebastian Hartmann nur die szenischen Highlights der Vorlagen ins Visier genommen [...] Die besondere Kraft der Montage liegt aber nicht nur in diesem Neben-, Mit- und Durcheinander – Sebastian Hartmann hat es obendrein mit großer Fantasie für das Ensemble entwickelt. [...]

Edgar Eckert, der ''richtige'' Sohn Osvald in den Armen der ''richtigen'' Mutter Almut Zilcher, wird schließlich mit Eimern von Erde zugeschüttet. Dann krabbelt er sich frei, alle klatschen sich die Sand-Reste von den Händen und gehen so in den Schluss-Applaus – der Abend ist voll von solch schönen Überraschungen. 
Von einem Best-of-Album, wie in Pop-, Rock- und Jazz-Musik üblich, ist dieser an sich sehr besondere Theaterabend nicht ganz leicht zu unterscheiden. Tatsächlich hat Sebastian Hartmann nur die szenischen Highlights der Vorlagen ins Visier genommen [...] Die besondere Kraft der Montage liegt aber nicht nur in diesem Neben-, Mit- und Durcheinander – Sebastian Hartmann hat es obendrein mit großer Fantasie für das Ensemble entwickelt. [...]

Edgar Eckert, der ''richtige'' Sohn Osvald in den Armen der ''richtigen'' Mutter Almut Zilcher, wird schließlich mit Eimern von Erde zugeschüttet. Dann krabbelt er sich frei, alle klatschen sich die Sand-Reste von den Händen und gehen so in den Schluss-Applaus – der Abend ist voll von solch schönen Überraschungen. 
neues deutschland
Hans-Dieter Schütt, 27.02.2017
Die Inszenierung greift Kernszenen Ibsens und Strindbergs heraus, lässt sie mehrfach spielen, die Schauspieler wechseln. Die Aura entfaltet sich assoziativ, nicht erzählend. Hoher fliegender Puls. Dann aber – sie sind der energetische Höhepunkt – bewegende Momente psychologischer Expressivität. [...]

Hartmann vereinnahmt Texte – einnehmend will er nicht sein. Er nimmt Texte aus. Inneres wird per Ausriss und Montage zu einem Bild komponiert. Das dann zwischen Unaufgeräumtheit und Geheimnis wechselt, zwischen Absurdität und Symbolik. Er gliedert aus und setzt Elemente miteinander in Verbindung. [...]

Es ist gefährlich, ein herunterfallendes Messer fangen zu wollen – doch genau so mutet an, was Hartmann beständig unternimmt, wenn er bildlich das Normale mit dem Anormalen verschränkt und damit Spannungen erzeugt. Das Ergebnis ist immer ungewiss. Dennoch ist es gerade diese Unschlüssigkeit, die packen kann. Atmosphäre, die er regelmäßig unterbricht, indem er Bühnenarbeiter auftreten und die Spieler aus der Rolle treten lässt – die sich über eine Rauchpause freuen oder gar essen gehen wollen. Gewissheit und Verwirrung, Extro- und Introvertiertheit, Geselligkeit und Einsamkeit, Freud und Leid, Licht und Dunkelheit – alles eine gemeinsame Raumfüllung.
Die Inszenierung greift Kernszenen Ibsens und Strindbergs heraus, lässt sie mehrfach spielen, die Schauspieler wechseln. Die Aura entfaltet sich assoziativ, nicht erzählend. Hoher fliegender Puls. Dann aber – sie sind der energetische Höhepunkt – bewegende Momente psychologischer Expressivität. [...]

Hartmann vereinnahmt Texte – einnehmend will er nicht sein. Er nimmt Texte aus. Inneres wird per Ausriss und Montage zu einem Bild komponiert. Das dann zwischen Unaufgeräumtheit und Geheimnis wechselt, zwischen Absurdität und Symbolik. Er gliedert aus und setzt Elemente miteinander in Verbindung. [...]

Es ist gefährlich, ein herunterfallendes Messer fangen zu wollen – doch genau so mutet an, was Hartmann beständig unternimmt, wenn er bildlich das Normale mit dem Anormalen verschränkt und damit Spannungen erzeugt. Das Ergebnis ist immer ungewiss. Dennoch ist es gerade diese Unschlüssigkeit, die packen kann. Atmosphäre, die er regelmäßig unterbricht, indem er Bühnenarbeiter auftreten und die Spieler aus der Rolle treten lässt – die sich über eine Rauchpause freuen oder gar essen gehen wollen. Gewissheit und Verwirrung, Extro- und Introvertiertheit, Geselligkeit und Einsamkeit, Freud und Leid, Licht und Dunkelheit – alles eine gemeinsame Raumfüllung.
Tagesspiegel
Christine Wahl, 28.02.2017
Goeser verleiht dem omnipotenzfantasiebegabten Rittmeister aus dem ''Vater'' genau die nötige Heutigkeitsbrüchigkeit. Und Wichmanns Laura bietet die Strindberg'sche Frauenfeindlichkeit mit einer Mischung aus Pragmatismus, Witz, Ironie und tieferer Bedeutung in einer Lässigkeit dar, die Seltenheitswert besitzt im Theater – und in keiner Sekunde Gefahr läuft, platterdings den Text zu demontieren. [...]

Neben tollen Schauspielerleistungen gelingen Hartmann spektakuläre Bilder. Die Düsternis der von ihm selbst entworfenen Bühne mit wuchtiger Rampe und weitem Raum für Tilo Baumgärtels zeiten- und genreübergreifende Videoprojektionen wiederholt sich in Adriana Braga Peretzkis Kostümen: Die Strindberg- und Ibsen-Zombies tragen standesgemäß Schwarz und wirken wie Wiedergänger eines wuchtigen Genregemäldes.
Goeser verleiht dem omnipotenzfantasiebegabten Rittmeister aus dem ''Vater'' genau die nötige Heutigkeitsbrüchigkeit. Und Wichmanns Laura bietet die Strindberg'sche Frauenfeindlichkeit mit einer Mischung aus Pragmatismus, Witz, Ironie und tieferer Bedeutung in einer Lässigkeit dar, die Seltenheitswert besitzt im Theater – und in keiner Sekunde Gefahr läuft, platterdings den Text zu demontieren. [...]

Neben tollen Schauspielerleistungen gelingen Hartmann spektakuläre Bilder. Die Düsternis der von ihm selbst entworfenen Bühne mit wuchtiger Rampe und weitem Raum für Tilo Baumgärtels zeiten- und genreübergreifende Videoprojektionen wiederholt sich in Adriana Braga Peretzkis Kostümen: Die Strindberg- und Ibsen-Zombies tragen standesgemäß Schwarz und wirken wie Wiedergänger eines wuchtigen Genregemäldes.
Süddeutsche Zeitung
Mounia Meiborg, 28.02.2017
Almut Zilcher spielt eine Frau (Helene Alving aus "Gespenster"), die schizophren geworden ist, weil die Kluft zwischen Sein und Schein zu groß war. Eine einleuchtende Lesart. Und wie Zilcher das macht, mit einem unsicheren Lächeln auf den Lippen und leicht panischer Wachsamkeit, ist toll. Die Szene zwischen ihr und ihrem Sohn wird gedoppelt, auch von älteren Schauspielern – Gabriele Heinz und Markwart Müller-Elmau – gespielt . Die Generationen wechseln, das Drama bleibt. [...]

Katrin Wichmann und Felix Goeser zeigen, dass Höflichkeit das Schlimmste ist, was einem Paar passieren kann. Bevor auch ihre Gewohnheit (als Laura und Rittmeister in "Der Vater") aufbricht und sie sich einen erbitterten Kampf liefern. Grandios, wie Katrin Wichmann das spielt – eine kluge Manipulatorin und Fallenstellerin.
Almut Zilcher spielt eine Frau (Helene Alving aus "Gespenster"), die schizophren geworden ist, weil die Kluft zwischen Sein und Schein zu groß war. Eine einleuchtende Lesart. Und wie Zilcher das macht, mit einem unsicheren Lächeln auf den Lippen und leicht panischer Wachsamkeit, ist toll. Die Szene zwischen ihr und ihrem Sohn wird gedoppelt, auch von älteren Schauspielern – Gabriele Heinz und Markwart Müller-Elmau – gespielt . Die Generationen wechseln, das Drama bleibt. [...]

Katrin Wichmann und Felix Goeser zeigen, dass Höflichkeit das Schlimmste ist, was einem Paar passieren kann. Bevor auch ihre Gewohnheit (als Laura und Rittmeister in "Der Vater") aufbricht und sie sich einen erbitterten Kampf liefern. Grandios, wie Katrin Wichmann das spielt – eine kluge Manipulatorin und Fallenstellerin.
Zitty
Friedhelm Teicke, 27.02.2017
In dieser bildgewaltigen Familienaufstellung mit albtraumhaften Riesenprojektionen (Tilo Baumgärtel) erscheint die bucklige Verwandtschaft immer wieder als geisterhafter Schattenriss vor einer sich verfinsternden Sonne, ein Ahnenreigen gesichtsloser Untoter – das Blutsbande-Päckchen, an dem die Paarkonstellationen (Strindbergs Ehepaar und Vater-Tochter-Konflikt, Ibsens Mutter-und-Sohn-Konfrontation) schwer zu tragen haben. Das ist oft toll anzuschauen und großartig gespielt – Almut Zilcher und Edgar Eckert zeigen gruslige Mutter-und-Sohn-Abgründe, Katrin Wichmann und Felix Goeser wuchtig streitende Eheleute. In dieser bildgewaltigen Familienaufstellung mit albtraumhaften Riesenprojektionen (Tilo Baumgärtel) erscheint die bucklige Verwandtschaft immer wieder als geisterhafter Schattenriss vor einer sich verfinsternden Sonne, ein Ahnenreigen gesichtsloser Untoter – das Blutsbande-Päckchen, an dem die Paarkonstellationen (Strindbergs Ehepaar und Vater-Tochter-Konflikt, Ibsens Mutter-und-Sohn-Konfrontation) schwer zu tragen haben. Das ist oft toll anzuschauen und großartig gespielt – Almut Zilcher und Edgar Eckert zeigen gruslige Mutter-und-Sohn-Abgründe, Katrin Wichmann und Felix Goeser wuchtig streitende Eheleute.
Theater heute
Franz Wille, April 2017
Der Bühnenbildner Sebastian Hartmann hat dem Regisseur Sebastian Hartmann einen imposanten Andachtsraum des Unbehagens gebaut: Eine hohe, leicht gekrümmte schiefe Ebene schmiegt sich im Hintergrund an den gemauerten Rundhorizont und wird sich später, ihrem unentrinnbaren Drehbühnenschicksal folgend, auch leise malmend in Bewegung setzen. [...]

Sieben Schauspieler reichen sich in dunklen Bratenröcken oder anders schwarzem Trauerhabit (Kostüme Adriana Braga Peretzki) die Szenenschnipsel quer durch die Generationen von Hand zu Mund. Felix Goeser, Edgar Eckert und Markwart Müller-Elmau übernehmen die Rittmeister, Doktoren, Alvings und Oswalds und verschmelzen sie zur altersübergreifenden Wiederkehr von feisten Patriarchenfratzen (vornehmlich Goeser), triebgesteuerten Unterleibsakrobaten (herausragend Eckert!) oder eher weinerlichen Muttersöhnchen (salbungsvoll Müller-Elmau). Nicht minder intensiv halten auf der Mütter- und Tochterseite Gabriele Heinz, Almut Zilcher, Katrin Wichmann und Linda Pöppel dagegen. [...]

Gabriele Heinz erdet alle hochtönenden Ausbrüche immer wieder mit pragmatischer Bodenständigkeit, Almut Zilcher erklärt zwischendurch ausführlich, dass sie hier ja eigentlich immer dieselbe Szene spiele, und bei Katrin Wichmann kann man sowieso nie sicher sein, wo das schauspielerische Erregungshandwerk aufhört und die Parodie anfängt. Linda Pöppel stakst souverän durch alle Register, liefert sich zwischendurch eine furiose Würgenummmer mit Felix Goeser – röchel, krächz – und wechselt außerdem noch immer mal wieder in eine kleine ''Wintermärchen''-Schleife, variantenreich dargeboten von Rockballade bis lyrischem Vortrag. [...]

Sebastian Hartmann ist damit auf dem besten Weg zum Caspar David Friedrich des Regietheaters.

[...] Sebastian Hartmann fährt mit alten Schrecken eindrucksvoll Geisterbahn.
Der Bühnenbildner Sebastian Hartmann hat dem Regisseur Sebastian Hartmann einen imposanten Andachtsraum des Unbehagens gebaut: Eine hohe, leicht gekrümmte schiefe Ebene schmiegt sich im Hintergrund an den gemauerten Rundhorizont und wird sich später, ihrem unentrinnbaren Drehbühnenschicksal folgend, auch leise malmend in Bewegung setzen. [...]

Sieben Schauspieler reichen sich in dunklen Bratenröcken oder anders schwarzem Trauerhabit (Kostüme Adriana Braga Peretzki) die Szenenschnipsel quer durch die Generationen von Hand zu Mund. Felix Goeser, Edgar Eckert und Markwart Müller-Elmau übernehmen die Rittmeister, Doktoren, Alvings und Oswalds und verschmelzen sie zur altersübergreifenden Wiederkehr von feisten Patriarchenfratzen (vornehmlich Goeser), triebgesteuerten Unterleibsakrobaten (herausragend Eckert!) oder eher weinerlichen Muttersöhnchen (salbungsvoll Müller-Elmau). Nicht minder intensiv halten auf der Mütter- und Tochterseite Gabriele Heinz, Almut Zilcher, Katrin Wichmann und Linda Pöppel dagegen. [...]

Gabriele Heinz erdet alle hochtönenden Ausbrüche immer wieder mit pragmatischer Bodenständigkeit, Almut Zilcher erklärt zwischendurch ausführlich, dass sie hier ja eigentlich immer dieselbe Szene spiele, und bei Katrin Wichmann kann man sowieso nie sicher sein, wo das schauspielerische Erregungshandwerk aufhört und die Parodie anfängt. Linda Pöppel stakst souverän durch alle Register, liefert sich zwischendurch eine furiose Würgenummmer mit Felix Goeser – röchel, krächz – und wechselt außerdem noch immer mal wieder in eine kleine ''Wintermärchen''-Schleife, variantenreich dargeboten von Rockballade bis lyrischem Vortrag. [...]

Sebastian Hartmann ist damit auf dem besten Weg zum Caspar David Friedrich des Regietheaters.

[...] Sebastian Hartmann fährt mit alten Schrecken eindrucksvoll Geisterbahn.

Außerdem im Spielplan

Eine Weltbürger-Suche von Turbo Pascal
Regie: Turbo Pascal (Angela Löer, Frank Oberhäußer, Eva Plischke, Margret Schütz)
Recherchestart mit Turbo Pascal
Vorplatz
ab 19.00
PREMIERE
nach dem Roman von Sinclair Lewis
Kammerspiele
20.00 - 22.15