Gespräch wegen der Kürbisse

von Jakob Nolte
Bühne Jo Schramm
Kostüme Linda Tiebel
Dramaturgie Ulrich Beck
Uraufführung am 25.06.2016
Maren EggertAnna Krachgarten
Natali SeeligElisabeth Mishima
Anna Krachgarten
Elisabeth Mishima
Berliner Zeitung
Doris Meierhenrich, 27.06.2016
Wie hältst du‘s mit diesem verkorksten Leben? Wenn eine solche Frage […] in ein Café auf die Erdumlaufbahn verlegt wird oder zumindest in ein Planetarium, wie Tom Kühnel in seiner Uraufführung andeutet, dann ist das gleich doppelt interessant. Die Drehbühne jedenfalls, auf der die beiden Freundinnen Anna und Elisabeth zum Plausch und Zickenkrieg sitzen, dreht sich mit den beiden und einem wunderschönen Teleskop, das mal wie ein Satellit, mal wie Urinsekt aussieht, um die Achse, und auch wir im Kreis drumherum fühlen uns, als wären wir hier der Mittelpunkt des Universums.
[…]
Sein real-surrealer Kürbis-Plausch pfeift durch den Wind wie Meeresrauschen: Die Sätze rollen heran, verebben und kehren mit denselben Worten, aber minimalen Bedeutungsverschiebungen wieder. Worum geht es? Anna erzählt von ihrem Urlaub an der Ägäis, vielleicht auch der Adria, wo sie am Strand etwas Schönes sah: Ausgehöhlte Kürbisse hingen dort und hätten wie Glocken geläutet. Kürbisse wie Glocken? Elisabeth, die Wissenschaftlerin, wird skeptisch und langsam schieben sich kleine Lügen und große Abrechnungswünsche, private Ängste und aktuelle, politische Tragödien ineinander, enthüllen und verhüllen.
Wie hältst du‘s mit diesem verkorksten Leben? Wenn eine solche Frage […] in ein Café auf die Erdumlaufbahn verlegt wird oder zumindest in ein Planetarium, wie Tom Kühnel in seiner Uraufführung andeutet, dann ist das gleich doppelt interessant. Die Drehbühne jedenfalls, auf der die beiden Freundinnen Anna und Elisabeth zum Plausch und Zickenkrieg sitzen, dreht sich mit den beiden und einem wunderschönen Teleskop, das mal wie ein Satellit, mal wie Urinsekt aussieht, um die Achse, und auch wir im Kreis drumherum fühlen uns, als wären wir hier der Mittelpunkt des Universums.
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Sein real-surrealer Kürbis-Plausch pfeift durch den Wind wie Meeresrauschen: Die Sätze rollen heran, verebben und kehren mit denselben Worten, aber minimalen Bedeutungsverschiebungen wieder. Worum geht es? Anna erzählt von ihrem Urlaub an der Ägäis, vielleicht auch der Adria, wo sie am Strand etwas Schönes sah: Ausgehöhlte Kürbisse hingen dort und hätten wie Glocken geläutet. Kürbisse wie Glocken? Elisabeth, die Wissenschaftlerin, wird skeptisch und langsam schieben sich kleine Lügen und große Abrechnungswünsche, private Ängste und aktuelle, politische Tragödien ineinander, enthüllen und verhüllen.
neues deutschland
Hans-Dieter Schütt, 27.06.2016
Natali Seelig und Maren Eggert spielen Freundinnen. Ein Kaffeetreff. Zwei schlürfen am Heißen, ein kühles Abtasten bis hin zum siedenden Wortgefecht. Seelig: die Dunkelstimmige, die Undurchsichtige, die Traurigkeitsgefestigte. Eggert die Nervositätsbeschichtete, die Verstörungsoffene, die Misstrauensflinke. Die Zuschauer sitzen rund um den kleinen Kaffeetisch, über dem ein Sternenprojekor hängt, Planetengleich zieht er seine Bahn, projiziert den Sternenhimmel in den sich drehenden Spielraum. Die Assoziation ist so künstlich wie naheliegend: Cogito, ergo univer(sum). Aber was wir denken, das sind wir in dem Moment nicht mehr, da uns ein Licht von Öffentlichkeit trifft. Und Öffentlichkeit, die beginnt im Zwiegespräch. Aus einer einzigen Wahrnehmung entstehen in diesem Bühnen-Dialog mehrere Wahrheiten, unter denen die beiden Frauen auswählen, als wählten sie Waffen aus fürs Duell. Und so beginnt alles schnell zu wanken: die Urlaubsseligkeit, das Wissen um die Eltern, die Beglückung mit dem Partner, die Sicherheit in einer Welt, die fortwährend tote Flüchtlinge an die Strände spült. Was hält uns weich, was härtet uns, wie viel Selbstkraft ziehen wir aus der Verletzung anderer? Von der Erinnerung an Kürbisse in Bäumen hin zum Kern vieler Unsicherheiten in einer haltlosen Welt. Natali Seelig und Maren Eggert spielen Freundinnen. Ein Kaffeetreff. Zwei schlürfen am Heißen, ein kühles Abtasten bis hin zum siedenden Wortgefecht. Seelig: die Dunkelstimmige, die Undurchsichtige, die Traurigkeitsgefestigte. Eggert die Nervositätsbeschichtete, die Verstörungsoffene, die Misstrauensflinke. Die Zuschauer sitzen rund um den kleinen Kaffeetisch, über dem ein Sternenprojekor hängt, Planetengleich zieht er seine Bahn, projiziert den Sternenhimmel in den sich drehenden Spielraum. Die Assoziation ist so künstlich wie naheliegend: Cogito, ergo univer(sum). Aber was wir denken, das sind wir in dem Moment nicht mehr, da uns ein Licht von Öffentlichkeit trifft. Und Öffentlichkeit, die beginnt im Zwiegespräch. Aus einer einzigen Wahrnehmung entstehen in diesem Bühnen-Dialog mehrere Wahrheiten, unter denen die beiden Frauen auswählen, als wählten sie Waffen aus fürs Duell. Und so beginnt alles schnell zu wanken: die Urlaubsseligkeit, das Wissen um die Eltern, die Beglückung mit dem Partner, die Sicherheit in einer Welt, die fortwährend tote Flüchtlinge an die Strände spült. Was hält uns weich, was härtet uns, wie viel Selbstkraft ziehen wir aus der Verletzung anderer? Von der Erinnerung an Kürbisse in Bäumen hin zum Kern vieler Unsicherheiten in einer haltlosen Welt.

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