Leonce und Lena

von Georg Büchner
Regie und Bühne Ulrich Rasche
Komposition und Musikalische Leitung Nico van Wersch
Chorleitung Toni Jessen
Choreografie Jefta van Dinther
Mitarbeit Musik Jonathan Heck
Dramaturgie David Heiligers
Premiere
20. Januar 2023
Deutsches Theater

Dauer: 2 Stunden 30 Minuten, keine Pause

Zazie Cayla
Toni Jessen
Marcel Kohler
Philipp Lehfeldt
Linda Pöppel
Yannik Stöbener
Ingraban von Stolzmann
Alida Stricker
Enno Trebs
Julia Windischbauer
Almut Zilcher
Carsten BrockerLive-Musik
Katelyn Rose KingLive-Musik
Špela MastnakLive-Musik
Thomsen MerkelLive-Musik
Die deutsche Bühne
Dorte Lena Eilers, 21.01.2023
In dem künstlichen, nahezu totalitären Setting ist es der Rhythmus aus Schreiten, Sprache und Sound, der entscheidend ist. Was schnell droht, zur Masche zu gerinnen, wirkt hier wie ein Katalysator. [...]

Gerade weil alles extrem artifiziell ist, bis hin zur Mikrofonierung, die jeden Atemzug, jedes Hecheln und Schmatzen der Schauspielerinnen und Schauspieler hörbar macht, begegnen einem die Worte, die schon so oft von Bühnen und Podien gesprochen wurden, wieder ganz neu.
In dem künstlichen, nahezu totalitären Setting ist es der Rhythmus aus Schreiten, Sprache und Sound, der entscheidend ist. Was schnell droht, zur Masche zu gerinnen, wirkt hier wie ein Katalysator. [...]

Gerade weil alles extrem artifiziell ist, bis hin zur Mikrofonierung, die jeden Atemzug, jedes Hecheln und Schmatzen der Schauspielerinnen und Schauspieler hörbar macht, begegnen einem die Worte, die schon so oft von Bühnen und Podien gesprochen wurden, wieder ganz neu.
Berliner Morgenpost
Elena Philipp, 21.01.2023
Straff gespannte Muskeln, geducktes Gehen, klagender Ton: Das kennt man von Ulrich Rasche. […] Thematisch passt das endlose Gehen, gebückt wie von schwerer Last. Rasche inszeniert zwar Georg Büchners Lustspiel „Leonce und Lena“, will aber dessen politische Dimension herausstellen. Dafür ergänzt er den stark gekürzten Text um Zitate aus anderen Büchner-Werken. […] Die Montage von Pamphlet und Lustspiel funktioniert anfangs bestens.[…] Mit Wucht und Kampfeswillen treten hier die Entrechteten neben ihre adeligen Schinder und Schmarotzer. Ein stimmiger, aufrüttelnder Kontrast.[…] Vom „zarten Elfenmährchenton“, den ein Zeitgenosse des Autors kritisierte, ist in Ulrich Rasches Inszenierung allerdings nichts zu hören. […] Liebe ist ein Register, das Rasches gut geölte Oratoriums-Orgel nicht abspielen kann.[…] Atmosphärisch ist diese Kreation, gewiss. Und überwältigend. Straff gespannte Muskeln, geducktes Gehen, klagender Ton: Das kennt man von Ulrich Rasche. […] Thematisch passt das endlose Gehen, gebückt wie von schwerer Last. Rasche inszeniert zwar Georg Büchners Lustspiel „Leonce und Lena“, will aber dessen politische Dimension herausstellen. Dafür ergänzt er den stark gekürzten Text um Zitate aus anderen Büchner-Werken. […] Die Montage von Pamphlet und Lustspiel funktioniert anfangs bestens.[…] Mit Wucht und Kampfeswillen treten hier die Entrechteten neben ihre adeligen Schinder und Schmarotzer. Ein stimmiger, aufrüttelnder Kontrast.[…] Vom „zarten Elfenmährchenton“, den ein Zeitgenosse des Autors kritisierte, ist in Ulrich Rasches Inszenierung allerdings nichts zu hören. […] Liebe ist ein Register, das Rasches gut geölte Oratoriums-Orgel nicht abspielen kann.[…] Atmosphärisch ist diese Kreation, gewiss. Und überwältigend.
Deutschlandfunk Kultur
André Mumot, 20.01.2023
Man vergisst ein bisschen die Zeit, weil man geradezu hypnotisiert wird von diesen Ulrich Rasche-Abenden. […] Man konnte schon davon ausgehen, dass er sich mit der Komödie allein nicht begnügen würde, das ist einfach nicht sein Genre, […] insofern hat er diese anderen Büchner-Texte in den Abend mit hineingezogen, insbesondere den Hessischen Landboten [...].Gerade da passiert etwas erstaunliches, eine absolute Provokation dieses Abends, die ihn eigentlich auch ganz besonders interessant macht, nämlich dass da ein Text aus dem Vormärz gesprochen wird, […] und wenn man den heute hört und in einen anderen Kontext stellt, bekommt er auch eine andere Bedeutung. […] Diese Bruchstellen sind faszinierend anzusehen, es ist ein druckhafter Abend, ein aufregender Abend, der am Ende auch sehr deutlich macht, dass die Revolutionäre mit den guten Ideen am Ende dann doch wahrscheinlich auch ein Regime eröffnen werden, das ähnlich unangenehm ist wie das, gegen das sie sich auflehnen. Das sind starke Aussagen und das findet auch in aufregenden […] Bildern statt. Man vergisst ein bisschen die Zeit, weil man geradezu hypnotisiert wird von diesen Ulrich Rasche-Abenden. […] Man konnte schon davon ausgehen, dass er sich mit der Komödie allein nicht begnügen würde, das ist einfach nicht sein Genre, […] insofern hat er diese anderen Büchner-Texte in den Abend mit hineingezogen, insbesondere den Hessischen Landboten [...].Gerade da passiert etwas erstaunliches, eine absolute Provokation dieses Abends, die ihn eigentlich auch ganz besonders interessant macht, nämlich dass da ein Text aus dem Vormärz gesprochen wird, […] und wenn man den heute hört und in einen anderen Kontext stellt, bekommt er auch eine andere Bedeutung. […] Diese Bruchstellen sind faszinierend anzusehen, es ist ein druckhafter Abend, ein aufregender Abend, der am Ende auch sehr deutlich macht, dass die Revolutionäre mit den guten Ideen am Ende dann doch wahrscheinlich auch ein Regime eröffnen werden, das ähnlich unangenehm ist wie das, gegen das sie sich auflehnen. Das sind starke Aussagen und das findet auch in aufregenden […] Bildern statt.
FAZ
Kevin Hanschke, 22.01.2023
Es ist eine explosive Adaption des Lustspiels.[…] Unwiderstehlich inszeniert Rasche den Zynismus, die Langeweile und den Hedonismus des Adels und die gleichzeitige Hoffnungslosigkeit der Bauern, die einfach nicht erlöst werden.[…] Der Horizont färbt sich dunkelrot, und der Vorhang schließt sich. Spätestens dann ist es klar, dass das drei Stunden waren, die auf der Theaterbühne die Welt erschütterten. Es ist eine explosive Adaption des Lustspiels.[…] Unwiderstehlich inszeniert Rasche den Zynismus, die Langeweile und den Hedonismus des Adels und die gleichzeitige Hoffnungslosigkeit der Bauern, die einfach nicht erlöst werden.[…] Der Horizont färbt sich dunkelrot, und der Vorhang schließt sich. Spätestens dann ist es klar, dass das drei Stunden waren, die auf der Theaterbühne die Welt erschütterten.
Das Kulturblog
Konrad Kögler, 21.01.2023
"Rasche at it´s best" erleben wir in den Momenten, in denen er sein bewährtes Handwerkszeug präsentieren und die künstlerischen Mittel ausstellen kann, die ihm mit "Die Räuber", "Woyzeck" und "Das große Heft" drei Theatertreffen-Einladungen in Folge einbrachten.[…]
Wer bereit ist, sich auf den Rasche-Sound einzulassen und das nötige Sitzfleisch mitbringt, kann einen lohnenden Abend erleben, der zu den stärkeren und durchdachteren Inszenierungen der Saison zählt.

"Rasche at it´s best" erleben wir in den Momenten, in denen er sein bewährtes Handwerkszeug präsentieren und die künstlerischen Mittel ausstellen kann, die ihm mit "Die Räuber", "Woyzeck" und "Das große Heft" drei Theatertreffen-Einladungen in Folge einbrachten.[…]
Wer bereit ist, sich auf den Rasche-Sound einzulassen und das nötige Sitzfleisch mitbringt, kann einen lohnenden Abend erleben, der zu den stärkeren und durchdachteren Inszenierungen der Saison zählt.

nachtkritik.de
Elena Philipp, 21.01.2023
Wie Almut Zilcher hellwach diese bloße Hülle von einem Herrscher gestaltet – mit pompöser Präzision intonierend, würdevoll gebückt ihre größte Verwirrung bekennend und mit der Schläfe auf die sie in Konfusion treibenden Menschen lauschend –, ist ein Höhepunkt von Ulrich Rasches "Leonce und Lena".

Wie Almut Zilcher hellwach diese bloße Hülle von einem Herrscher gestaltet – mit pompöser Präzision intonierend, würdevoll gebückt ihre größte Verwirrung bekennend und mit der Schläfe auf die sie in Konfusion treibenden Menschen lauschend –, ist ein Höhepunkt von Ulrich Rasches "Leonce und Lena".

Süddeutsche Zeitung
Peter Laudenbach, 23.01.2023
Der Rhythmus der hart skandierten Parolen prügelt auf die Zuschauer ein wie erbarmungslose Wirkungstreffer. Einfühlungsangebote, gar so etwas wie subtile Charakterstudien oder ein übertrieben hoffnungsfrohes Menschenbild hat Rasches Theater eher nicht zu bieten. Sein radikales Formbewusstsein, die Könnerschaft seiner Wirkungs- und Überwältigungsästhetik in ihrer kompletten Ironiefreiheit machen den Regisseur zu einer ziemlich solitären Ausnahmeerscheinung im Gegenwartstheater […].

Der Rhythmus der hart skandierten Parolen prügelt auf die Zuschauer ein wie erbarmungslose Wirkungstreffer. Einfühlungsangebote, gar so etwas wie subtile Charakterstudien oder ein übertrieben hoffnungsfrohes Menschenbild hat Rasches Theater eher nicht zu bieten. Sein radikales Formbewusstsein, die Könnerschaft seiner Wirkungs- und Überwältigungsästhetik in ihrer kompletten Ironiefreiheit machen den Regisseur zu einer ziemlich solitären Ausnahmeerscheinung im Gegenwartstheater […].

Der Tagesspiegel
Elena Philipp, 22.02.2023
Ein Neongitter schwebt über dem Exerzierplatz. Ein Fenster wie im Gefängnis, eine Damokles-Folter? Rasches Bühnenbild führt ein Eigenleben. Es besitzt erhabene Kraft; darunter ringen die Menschen um Atem und Würde. Ein Neongitter schwebt über dem Exerzierplatz. Ein Fenster wie im Gefängnis, eine Damokles-Folter? Rasches Bühnenbild führt ein Eigenleben. Es besitzt erhabene Kraft; darunter ringen die Menschen um Atem und Würde.
taz
Katharina Granzin, 23.01.2023
Der Mensch, ein seines Schicksals nicht mächtiger Automat, wird seiner Bestimmung zugeführt. Es sind starke Schlussbilder einer sehr konsequenten, nicht leicht zu goutierenden Inszenierung, die ihren Büchner in ziemlich eigener Weise ernst nimmt.

Der Mensch, ein seines Schicksals nicht mächtiger Automat, wird seiner Bestimmung zugeführt. Es sind starke Schlussbilder einer sehr konsequenten, nicht leicht zu goutierenden Inszenierung, die ihren Büchner in ziemlich eigener Weise ernst nimmt.

Theater:pur
Eva Britsch, 23.01.2023
Eine überaus interessante und spannende Geschichte, die aktuell am Deutschen Theater Premiere feierte. [...] Sie hat das Potential, die Besucher*in mit Befremden und verstörenden Gefühlen zurückzulassen – und vielleicht ist dies eine jener Inszenierungen, die erst mit etwas Abstand zu dem Besuch die Wirkung entfalten könnte, die sie wirklich in sich trägt. Eine überaus interessante und spannende Geschichte, die aktuell am Deutschen Theater Premiere feierte. [...] Sie hat das Potential, die Besucher*in mit Befremden und verstörenden Gefühlen zurückzulassen – und vielleicht ist dies eine jener Inszenierungen, die erst mit etwas Abstand zu dem Besuch die Wirkung entfalten könnte, die sie wirklich in sich trägt.

Außerdem im Spielplan

Eine Inszenierung des Jungen DT

Im Spiegelsaal

nach der Graphic Novel von Liv Strömquist
Regie: Katharina Bill
Box
19.00 - 20.30
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse
Mit englischen Übertiteln
von Georg Büchner
Regie: Ulrich Rasche
Deutsches Theater
19.30 - 22.00
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse