Lesbos – Blackbox Europa

Ein Projekt von Gernot Grünewald und Ensemble
Uraufführung am 26. Januar 2017, Box
Thalfakar Ali
Božidar Kocevski
Katharina Schenk
Stageandscreen
Sascha Krieger, 27.01.2017
Hier setzt Gernot Grünewalds Projekt an. Mit zwei Schauspieler*innen ist er nach Lesbos gefahren, hat mit Helfer*innen gesprochen, mit Verantwortlichen, hat die Lager besucht - das fast idyllische Karatepe und das zu Recht berüchtigte einem lnternierungslager gleichende Moria. Hinzu kommt mit Thalfakar Ali ein irakischer Schauspieler, der Lesbos selbst erfahren hat, als er 2015 auf seiner Flucht dort landete.
Sie haben gefilmt, fotografiert, OTöne aufgenommen und gehen mit diesen nun in die Box des Deutschen Theaters, die Grünewald und sein Bühnenbildner Michael Köpke zu einer Blackbox umgewandelt haben. So wie ihr Namensvetter aufzeichnet, was in einem Flugzeug passiert, damit nach einem Unglück zu ermitteln ist, wie es dazu kommen konnte, ist diese ein Ort der Aufzeichnung des  Vergessenen, Verdrängten, als unproblematisch Abgetanen, in dem sich herausfinden lässt, was geschehen ist und geschieht, wie Europas
Menschlichkeit so abstürzen konnte.
Hier setzt Gernot Grünewalds Projekt an. Mit zwei Schauspieler*innen ist er nach Lesbos gefahren, hat mit Helfer*innen gesprochen, mit Verantwortlichen, hat die Lager besucht - das fast idyllische Karatepe und das zu Recht berüchtigte einem lnternierungslager gleichende Moria. Hinzu kommt mit Thalfakar Ali ein irakischer Schauspieler, der Lesbos selbst erfahren hat, als er 2015 auf seiner Flucht dort landete.
Sie haben gefilmt, fotografiert, OTöne aufgenommen und gehen mit diesen nun in die Box des Deutschen Theaters, die Grünewald und sein Bühnenbildner Michael Köpke zu einer Blackbox umgewandelt haben. So wie ihr Namensvetter aufzeichnet, was in einem Flugzeug passiert, damit nach einem Unglück zu ermitteln ist, wie es dazu kommen konnte, ist diese ein Ort der Aufzeichnung des  Vergessenen, Verdrängten, als unproblematisch Abgetanen, in dem sich herausfinden lässt, was geschehen ist und geschieht, wie Europas
Menschlichkeit so abstürzen konnte.
Das Kulturblog
Konrad Kögler, 28.01.2017
Die Schauspieler fühlten sich immer rat- und
hilfloser, je länger sie sich hautnah vor Ort mit der Situation befassten. Katharina Schenk macht dies in zwei exemplarischen Situationen deutlich: als sie auf einem Friedhof, wo die Leichen der aus dem Meer gefischten Flüchtlinge verscharrt wurden, eine Schweigeminute vorschlägt, ist sie sich selbst klar darüber, dass dies nur eine hilflose, wohlfeile Geste ist. Sie weiß aber - genauso wenig wie wir im Publikum - keine angemessenere, bessere Reaktion. Später erzählt sie, wie sie einem Bustransport in das jetzt schon völlig überfüllte Lager Moria hinterherwinkte. Auch hier spürte sie, dass diese Reaktion wohl nicht so glücklich ist, aber immer noch besser, als völlig tatenlos zuzusehen.
Der Abend endet mit rhetorischen Fragen des Ensembles, die in den Wunden der deutschen und europäischen Flüchtlingspolitik bohren, und langen Kamera-Einstellungen von der Ägäis vor Lesbos, wo die Touristen mittlerweile fernbleiben.
Die Schauspieler fühlten sich immer rat- und
hilfloser, je länger sie sich hautnah vor Ort mit der Situation befassten. Katharina Schenk macht dies in zwei exemplarischen Situationen deutlich: als sie auf einem Friedhof, wo die Leichen der aus dem Meer gefischten Flüchtlinge verscharrt wurden, eine Schweigeminute vorschlägt, ist sie sich selbst klar darüber, dass dies nur eine hilflose, wohlfeile Geste ist. Sie weiß aber - genauso wenig wie wir im Publikum - keine angemessenere, bessere Reaktion. Später erzählt sie, wie sie einem Bustransport in das jetzt schon völlig überfüllte Lager Moria hinterherwinkte. Auch hier spürte sie, dass diese Reaktion wohl nicht so glücklich ist, aber immer noch besser, als völlig tatenlos zuzusehen.
Der Abend endet mit rhetorischen Fragen des Ensembles, die in den Wunden der deutschen und europäischen Flüchtlingspolitik bohren, und langen Kamera-Einstellungen von der Ägäis vor Lesbos, wo die Touristen mittlerweile fernbleiben.

Außerdem im Spielplan

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Deutsches Theater
11.00
Eintritt frei
Eine Inszenierung des Jungen DT
Box
18.00 - 19.30
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse
von Molière
Regie: Martin Laberenz
Kammerspiele
19.00 - 22.10
mit englischen Übertiteln
nach August Strindberg / Henrik Ibsen / Heinrich Heine
Regie: Sebastian Hartmann
Deutsches Theater
19.30 - 21.30