Macht und Widerstand

von Ilija Trojanow
Regie / Bühne Dušan David Pařízek
Dramaturgie Judith Gerstenberg
Berlin-Premiere
3. Oktober 2017, Deutsches Theater
In Kooperation mit dem Schauspiel Hannover
Samuel FinziKonstantin Milew Scheitanow, Albena
Sarah FrankeDora, Nezabrawka, Zdrawko
Henning HartmannHund, Vizepräsident, Bruder, Waleri, Beron Nedeltschew (Verfassungsrichter), Stoiko Serafimow (ehemaliger Oberster Archivar)
Markus JohnMetodi Popow
Konstantin Milew Scheitanow, Albena
Sarah Franke
Dora, Nezabrawka, Zdrawko
Henning Hartmann
Hund, Vizepräsident, Bruder, Waleri, Beron Nedeltschew (Verfassungsrichter), Stoiko Serafimow (ehemaliger Oberster Archivar)
Markus John
Metodi Popow
nachtkritik.de
Jan Fischer, 15.12.2016
"Macht und Widerstand", inszeniert am Staatsschauspiel Hannover von Dušan David Pařízek, hätte eine Lobpreisung im Affekt verdient. Eine, die emotional geschrieben wurde wie ein guter Verriss. Nichts Wohlüberlegtes also, kein differenziertes Lob, das nicht zu groß, nicht zu kitschig ist und nur spärlich gesprenkelt mit Adjektiven und Superlativen. Diese Inszenierung hätte ein richtig schmieriges Lob verdient. Eines, das von unkritischen Superlativen überquillt. [...]

Das große Wunder an Pařízeks Drei-Stunden-Inszenierung ist, dass sie nie trocken, nie belehrend oder moralisierend wird. Im Gegenteil: In dieser großen, ernsten Erzählung gibt es immer wieder lustige Stellen, kleine Absurditäten, beispielsweise Henning Hartmann in einer Rolle als Hund. Oder den Wahnsinn einer Kostümparty, auf der die ehemaligen Geheimdienstfunktionäre sich als die Personen verkleiden, die sie einst observiert haben.

"Macht und Widerstand" von Ilija Trojanow ist ein Brocken von Roman, lohnenswert, aber mit einer Menge Arbeit verbunden. Pařízeks "Macht und Widerstand" ist eine leichtfüßige, spannende Angelegenheit, gute drei Stunden, die nie langweilig werden – ohne dass die Ernsthaftigkeit des Themas leidet. Und das, gepaart mit Schauspielern, die kraftvoll und subtil mit ihren Figuren arbeiten, ist tatsächlich eine Lobpreisung wert.
"Macht und Widerstand", inszeniert am Staatsschauspiel Hannover von Dušan David Pařízek, hätte eine Lobpreisung im Affekt verdient. Eine, die emotional geschrieben wurde wie ein guter Verriss. Nichts Wohlüberlegtes also, kein differenziertes Lob, das nicht zu groß, nicht zu kitschig ist und nur spärlich gesprenkelt mit Adjektiven und Superlativen. Diese Inszenierung hätte ein richtig schmieriges Lob verdient. Eines, das von unkritischen Superlativen überquillt. [...]

Das große Wunder an Pařízeks Drei-Stunden-Inszenierung ist, dass sie nie trocken, nie belehrend oder moralisierend wird. Im Gegenteil: In dieser großen, ernsten Erzählung gibt es immer wieder lustige Stellen, kleine Absurditäten, beispielsweise Henning Hartmann in einer Rolle als Hund. Oder den Wahnsinn einer Kostümparty, auf der die ehemaligen Geheimdienstfunktionäre sich als die Personen verkleiden, die sie einst observiert haben.

"Macht und Widerstand" von Ilija Trojanow ist ein Brocken von Roman, lohnenswert, aber mit einer Menge Arbeit verbunden. Pařízeks "Macht und Widerstand" ist eine leichtfüßige, spannende Angelegenheit, gute drei Stunden, die nie langweilig werden – ohne dass die Ernsthaftigkeit des Themas leidet. Und das, gepaart mit Schauspielern, die kraftvoll und subtil mit ihren Figuren arbeiten, ist tatsächlich eine Lobpreisung wert.
The Huffington Post
Ulrich Fischer, 16.12.2016
Dušan David Pařízeks Bearbeitung für die Bühne ist geglückt. Bei der Uraufführung im Niedersächsischen Staatsschauspiel Hannover ging seine schlanke Adaption, die geschickt das Wichtigste des Romans aufnahm, über die Bühne des Großen Hauses. Pařízek führte auch Regie, lehnte sich an Dimiter Gotscheffs und Heiner Müllers Kargheit an.

Samuel Finzi spielt Konstantin. Er zeichnet nicht einen strahlenden Helden, der kraftvoll, kühn und unbeirrt dem Recht den Weg bahnt, sondern einen Mann, der mit aller Kraft dagegen ankämpfen muss, die Folgen der Folter, unter denen er fast zerbricht, zu ertragen - und kaum noch Energie hat für seinen Kampf; er hat mitunter schwer erträgliche Züge von Besessenheit, manchmal erinnert er an Don Quijote beim Kampf gegen Windmühlen. Eine beeindruckende, nachvollziehbare Interpretation der Figur. Finzi überzeugt bis in die Körperhaltung - gebeugt, trotz aller Versuche, sich energisch zu straffen.
Dušan David Pařízeks Bearbeitung für die Bühne ist geglückt. Bei der Uraufführung im Niedersächsischen Staatsschauspiel Hannover ging seine schlanke Adaption, die geschickt das Wichtigste des Romans aufnahm, über die Bühne des Großen Hauses. Pařízek führte auch Regie, lehnte sich an Dimiter Gotscheffs und Heiner Müllers Kargheit an.

Samuel Finzi spielt Konstantin. Er zeichnet nicht einen strahlenden Helden, der kraftvoll, kühn und unbeirrt dem Recht den Weg bahnt, sondern einen Mann, der mit aller Kraft dagegen ankämpfen muss, die Folgen der Folter, unter denen er fast zerbricht, zu ertragen - und kaum noch Energie hat für seinen Kampf; er hat mitunter schwer erträgliche Züge von Besessenheit, manchmal erinnert er an Don Quijote beim Kampf gegen Windmühlen. Eine beeindruckende, nachvollziehbare Interpretation der Figur. Finzi überzeugt bis in die Körperhaltung - gebeugt, trotz aller Versuche, sich energisch zu straffen.
TAZ
Jens Fischer, 18.12.2016
Fast 500 Seiten Lesefutter, das Dušan David Pařízek, Regisseur aus dem ähnlich geprägten Tschechien, mit dem aus Bulgarien stammenden Ensemblestar des Deutschen Theaters Berlin, Samuel Finzi, fürs Schauspiel Hannover adaptiert. Nicht dokutheaternd, nicht tränendrückend Staatsterror bebildernd, nicht billig auf Parallelen zur Aufarbeitung der NS- und SED-Geschichte verweisend, sondern als geradezu archetypischen Versuch über Erinnerungsarbeit. [...]

Mit überzeugend beiläufiger Präzision arbeitet die Bühnenfassung das Grundprinzip politischer Wenden heraus: Die alte Nomenklatura macht nach dem Umsturz unter neuer Überschrift weiter. [...]

Metodi und Konstantin, "Macht und Widerstand", das ist in Hannover ein virtuos einfühlsam gespielter Balanceakt zwischen Distanzierung und Umarmung, da Pařízek auch in emotionalen Aufschwüngen bohrend genau die Antriebe der Figuren erkundet, nicht bewertet. Dabei mit clownesken Zwischenspielen, Witzen, schrägen Blasmusikeinlagen, kurzfristigem Durchtauschen der Rollen entspannt und auch eine Furzchoreografie einbaut. Absurde Fußnoten, die den beängstigend karg ausgearbeiteten Folterszenen als Resonanzraum zur Wirkkraft verhelfen. Ohne dass es je deprimierend wird.

Stets ist ein Kampf um Würde zu erleben, durchglüht vom heiligen Zorn der Aufklärung. Und ein Appell gegen die "Vergiss es"-Aufforderung der Nachgeborenen, die auf der Bühne dahingehend zitiert werden, sie seien nicht apathisch, sie wollten einfach nur leben. Macht ohne Widerstand wird akzeptiert – was den zu früh Geborenen nicht mehr möglich ist.
Fast 500 Seiten Lesefutter, das Dušan David Pařízek, Regisseur aus dem ähnlich geprägten Tschechien, mit dem aus Bulgarien stammenden Ensemblestar des Deutschen Theaters Berlin, Samuel Finzi, fürs Schauspiel Hannover adaptiert. Nicht dokutheaternd, nicht tränendrückend Staatsterror bebildernd, nicht billig auf Parallelen zur Aufarbeitung der NS- und SED-Geschichte verweisend, sondern als geradezu archetypischen Versuch über Erinnerungsarbeit. [...]

Mit überzeugend beiläufiger Präzision arbeitet die Bühnenfassung das Grundprinzip politischer Wenden heraus: Die alte Nomenklatura macht nach dem Umsturz unter neuer Überschrift weiter. [...]

Metodi und Konstantin, "Macht und Widerstand", das ist in Hannover ein virtuos einfühlsam gespielter Balanceakt zwischen Distanzierung und Umarmung, da Pařízek auch in emotionalen Aufschwüngen bohrend genau die Antriebe der Figuren erkundet, nicht bewertet. Dabei mit clownesken Zwischenspielen, Witzen, schrägen Blasmusikeinlagen, kurzfristigem Durchtauschen der Rollen entspannt und auch eine Furzchoreografie einbaut. Absurde Fußnoten, die den beängstigend karg ausgearbeiteten Folterszenen als Resonanzraum zur Wirkkraft verhelfen. Ohne dass es je deprimierend wird.

Stets ist ein Kampf um Würde zu erleben, durchglüht vom heiligen Zorn der Aufklärung. Und ein Appell gegen die "Vergiss es"-Aufforderung der Nachgeborenen, die auf der Bühne dahingehend zitiert werden, sie seien nicht apathisch, sie wollten einfach nur leben. Macht ohne Widerstand wird akzeptiert – was den zu früh Geborenen nicht mehr möglich ist.
Der Standard
Bernhard Doppler, 19.12.2016
Verblüffend, wie theatralisch effektvoll Ilija Trojanows ein halbes Jahrhundert bulgarischer Geschichte abhandelnder Roman "Macht und Widerstand" in der minimalistischen Inszenierung von Dušan David Pařízek wirkt. [...]

Sicherlich überzeugt auch die Authentizität von Autor, Regisseur und Darsteller. Trojanow und Finzi hatten Kindheits- und Jugenderfahrungen in Bulgarien nachgespürt, Pařízek der Biografie seines Vaters, eines Prager Dissidenten. Doch eine beschädigte Gesellschaft voller Spitzel und Anpassung ist wohl nicht auf den Ostblock Ende der 1990er beschränkt. Ein beklemmend aktueller Abend in Hannover.
Verblüffend, wie theatralisch effektvoll Ilija Trojanows ein halbes Jahrhundert bulgarischer Geschichte abhandelnder Roman "Macht und Widerstand" in der minimalistischen Inszenierung von Dušan David Pařízek wirkt. [...]

Sicherlich überzeugt auch die Authentizität von Autor, Regisseur und Darsteller. Trojanow und Finzi hatten Kindheits- und Jugenderfahrungen in Bulgarien nachgespürt, Pařízek der Biografie seines Vaters, eines Prager Dissidenten. Doch eine beschädigte Gesellschaft voller Spitzel und Anpassung ist wohl nicht auf den Ostblock Ende der 1990er beschränkt. Ein beklemmend aktueller Abend in Hannover.
Neues Deutschland
Christian Baron, 20.12.2016
Es gibt hier keinen Plot und keine sich entwickelnden Figuren. Spannung entsteht in diesen drei Stunden aber sehr wohl, und das liegt vor allem an dem ruhelos über die Bühne rumpelnden und sich in ausufernden Monologen verausgabenden Konstantin (Samuel Finzi). Und Metodi? Den spielt Markus John so leutselig, dass er einem in seiner abstoßenden Bosheit, in seinem primitiven Ton, in seinem grundlosen Greinen fast sympathisch wird. Es gibt hier keinen Plot und keine sich entwickelnden Figuren. Spannung entsteht in diesen drei Stunden aber sehr wohl, und das liegt vor allem an dem ruhelos über die Bühne rumpelnden und sich in ausufernden Monologen verausgabenden Konstantin (Samuel Finzi). Und Metodi? Den spielt Markus John so leutselig, dass er einem in seiner abstoßenden Bosheit, in seinem primitiven Ton, in seinem grundlosen Greinen fast sympathisch wird.
Berliner Morgenpost
Felix Müller, 05.10.2017
Die Montageform, bei der immer wieder seitenlang Akten zitiert wurden, ließ es abwegig erscheinen, den Roman für die Bühne kompatibel zu machen. Und doch ist es Regisseur Dušan David Pařízek, der diese Inszenierung zuerst am Schauspiel Hannover zeigte, auf ganz furiose Weise gelungen. Das Bühnenbild besteht nur aus einem Würfel aus Stangen, in dem sich mal die Wohnung Konstantins, mal die Amtsstube ehemaliger Weggefährten materialisiert. Im Hintergrund ein paar Tische und Garderobenstangen. Ein paar Overhead-Projektoren, die verloren in der Gegend herumstehen, werden in den drei Stunden des Stücks immer wieder Aktenauszüge und Fotos auf die Leinwände werfen, die das Bühnenbild komplettieren.

Es braucht auch nicht mehr als diesen Minimalismus. Die Schauspieler, allen voran der grandiose Samuel Finzi als Konstantin, leisten genug, um die Abgründe der Schuld, die Fesseln der Vergangenheit im Postsozialismus sichtbar zu machen. Finzis Konstantin ist eine im Innersten gebrochene Figur – nicht nur von den Jahren der Lagerhaft, auch von der Weigerung seiner Umwelt, sich mit dem Unrecht der Vergangenheit zu beschäftigen. Das macht ihn einsam und misstrauisch auch gegenüber liebevollen Annäherungsversuchen.

Metodi Popow hingegen, sein großer Gegenspieler, wird von Markus John mit gediegener Schmierigkeit verkörpert, durch die immer wieder die Gewalt eines autoritären Charakters schimmert – auch dann, wenn wir ihn nur in Unterhosen vor uns sehen. In wechselnden Rollen sorgen Sarah Franke und Henning Hartmann immer wieder auch für komische Momente – vor allen Dingen letzterer, der auch mal in die Rolle des Hundes schlüpft, der sich von Konstantin mit Leckerli versorgen lässt. So durchbricht immer wieder das Absurde diese tragische, tieftraurige Geschichte. Wer etwas über die Seelenverwüstungen des 20. Jahrhunderts lernen möchte, sollte sie sich ansehen.
Die Montageform, bei der immer wieder seitenlang Akten zitiert wurden, ließ es abwegig erscheinen, den Roman für die Bühne kompatibel zu machen. Und doch ist es Regisseur Dušan David Pařízek, der diese Inszenierung zuerst am Schauspiel Hannover zeigte, auf ganz furiose Weise gelungen. Das Bühnenbild besteht nur aus einem Würfel aus Stangen, in dem sich mal die Wohnung Konstantins, mal die Amtsstube ehemaliger Weggefährten materialisiert. Im Hintergrund ein paar Tische und Garderobenstangen. Ein paar Overhead-Projektoren, die verloren in der Gegend herumstehen, werden in den drei Stunden des Stücks immer wieder Aktenauszüge und Fotos auf die Leinwände werfen, die das Bühnenbild komplettieren.

Es braucht auch nicht mehr als diesen Minimalismus. Die Schauspieler, allen voran der grandiose Samuel Finzi als Konstantin, leisten genug, um die Abgründe der Schuld, die Fesseln der Vergangenheit im Postsozialismus sichtbar zu machen. Finzis Konstantin ist eine im Innersten gebrochene Figur – nicht nur von den Jahren der Lagerhaft, auch von der Weigerung seiner Umwelt, sich mit dem Unrecht der Vergangenheit zu beschäftigen. Das macht ihn einsam und misstrauisch auch gegenüber liebevollen Annäherungsversuchen.

Metodi Popow hingegen, sein großer Gegenspieler, wird von Markus John mit gediegener Schmierigkeit verkörpert, durch die immer wieder die Gewalt eines autoritären Charakters schimmert – auch dann, wenn wir ihn nur in Unterhosen vor uns sehen. In wechselnden Rollen sorgen Sarah Franke und Henning Hartmann immer wieder auch für komische Momente – vor allen Dingen letzterer, der auch mal in die Rolle des Hundes schlüpft, der sich von Konstantin mit Leckerli versorgen lässt. So durchbricht immer wieder das Absurde diese tragische, tieftraurige Geschichte. Wer etwas über die Seelenverwüstungen des 20. Jahrhunderts lernen möchte, sollte sie sich ansehen.
Berliner Zeitung
Ulrich Seidler, 05.10.2017
Ein thematisch und schauspielerisch lohnender, auch komischer Abend, der durch die gestalterische Zurückhaltung von Pařízek in diesem Fall an Wucht gewinnt. Dieser Zweikampf der verbiesterten Greise vor den bohrenden, begreifen und lieben wollenden Blicken des Weiblichen (mag es auch ein Klischee sein) hält die Spannung, und der reale Hintergrund fährt einem immer wieder wie ein Blitz in die gegenwartsweichen Knochen. Ein thematisch und schauspielerisch lohnender, auch komischer Abend, der durch die gestalterische Zurückhaltung von Pařízek in diesem Fall an Wucht gewinnt. Dieser Zweikampf der verbiesterten Greise vor den bohrenden, begreifen und lieben wollenden Blicken des Weiblichen (mag es auch ein Klischee sein) hält die Spannung, und der reale Hintergrund fährt einem immer wieder wie ein Blitz in die gegenwartsweichen Knochen.
die deutsche bühne
Detlev Baur, 16.12.2016
"Macht und Widerstand" ist ein nüchterner, dokumentarisch wirkender Roman. Pařízeks Theaterfassung ist eine ideale Umsetzung, weil sie dem Geist und Buchstaben des Buchs folgt und das Werk zugleich entschieden aufs Theater bringt. [...]

Das Zusammenspiel der vier einschließlich Rollenwechseln und Spiel mit Tuba und Trompete ist überzeugend und schlüssig. [...]

Die Ernsthaftigkeit, mit der in der Inszenierung Spiel und Geschichtsaufarbeitung verbunden werden, ist außergewöhnlich und frei von jeder Verkrampftheit. Dieses Historienspiel aus einem fernen, kleinen Land kümmert sich scheinbar gar nicht um Brüche und Wunden im Deutschland des Jahres 2016 oder um Mord und Krieg im sehr nahen Osten Aleppos. Die exakte Beschreibung dieses doppelten Falles zeigt aber: Demokratieverachtung ist keine Erfindung der neuen Rechten. Vor allem aber zeigt die Inszenierung, dass Wert und Umgang mit Fakten in der Politik – die das Leben aller prägt und das Leben vieler unmittelbar bestimmen bzw. zerstören kann – ein zentrales Thema in einer offenen und womöglich gar gerechten Gesellschaft sein muss. Diese Geschichten-Stunde in Hannover bietet damit unglaublich aktuelles politisches Theater. Sie projiziert vergangene Geschichten auf uns, zeigt, wie präsent Vergangenes oder vermeintlich Fernes uns erhellen kann, so wie auch diese seltsamen Projektoren auf der Bühne.
"Macht und Widerstand" ist ein nüchterner, dokumentarisch wirkender Roman. Pařízeks Theaterfassung ist eine ideale Umsetzung, weil sie dem Geist und Buchstaben des Buchs folgt und das Werk zugleich entschieden aufs Theater bringt. [...]

Das Zusammenspiel der vier einschließlich Rollenwechseln und Spiel mit Tuba und Trompete ist überzeugend und schlüssig. [...]

Die Ernsthaftigkeit, mit der in der Inszenierung Spiel und Geschichtsaufarbeitung verbunden werden, ist außergewöhnlich und frei von jeder Verkrampftheit. Dieses Historienspiel aus einem fernen, kleinen Land kümmert sich scheinbar gar nicht um Brüche und Wunden im Deutschland des Jahres 2016 oder um Mord und Krieg im sehr nahen Osten Aleppos. Die exakte Beschreibung dieses doppelten Falles zeigt aber: Demokratieverachtung ist keine Erfindung der neuen Rechten. Vor allem aber zeigt die Inszenierung, dass Wert und Umgang mit Fakten in der Politik – die das Leben aller prägt und das Leben vieler unmittelbar bestimmen bzw. zerstören kann – ein zentrales Thema in einer offenen und womöglich gar gerechten Gesellschaft sein muss. Diese Geschichten-Stunde in Hannover bietet damit unglaublich aktuelles politisches Theater. Sie projiziert vergangene Geschichten auf uns, zeigt, wie präsent Vergangenes oder vermeintlich Fernes uns erhellen kann, so wie auch diese seltsamen Projektoren auf der Bühne.

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Kammerspiele
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nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf
Kammerspiele
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von Jean Racine
Deutsches Theater
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