Persona

von Ingmar Bergman
Bühne Jo Schramm
Kostüme Lane Schäfer
Musik Hannes Gwisdek
Licht Sven Erik Andersson
Dramaturgie Sonja Anders, Felicia Ohly
Premiere Malmö Stadsteater
15. September 2018
Berlin-Premiere
30. November 2018, Kammerspiele
Koproduktion mit dem Malmö Stadsteater
Karin LithmanFrau Elisabeth Vogler
Corinna HarfouchSchwester Alma
Franziska MachensÄrztin
Andreas GrötzingerHerr Vogler
Frau Elisabeth Vogler
Schwester Alma
Herr Vogler
nachtkritik.de
Sophie Diesselhorst, 01.12.2018
Anna Bergmann hat den Stoff als Koproduktion des Malmö Stadsteater und des Deutschen Theaters Berlin inszeniert. In Malmö, wo im September die Premiere stattfand, spielte Corinna Harfouch die stumme Rolle der Elisabeth Vogler und Karin Lithman ihre Krankenschwester Alma. Für die deutsche Version tauschen die beiden Schauspielerinnen jetzt die Rollen. 

Es beginnt in Elisabeths Kopf. Karin Lithman liegt auf dem Boden, gerahmt von einer Muschel aus von der Decke hängenden weißen Papierbahnen. In ihrer entfremdeten Wahrnehmung sprechen die Ärztin (Franziska Machens) und Schwester Alma mit verzerrten Stimmen und bewegen sich verzögert wie Marionetten. [...] Die liegende Elisabeth ist auf ihre Mimik reduziert, wird von Traumbildern aus ihrem Bühnen- und Familienleben heimgesucht, die als Videos über die Papierbahnen flirren. [...]

Ein Bühnenregen weicht die Papierbahnen auf, und es offenbart sich eine zweite größere, metallisch funkelnde Muschel. Im flachen Wasser platschen die Frauen herum, plappert Schwester Alma, um die Stille zu füllen, und erzählt der immer gelöster wirkenden Elisabeth aus ihrem Leben. Je länger diese ihren Geschichten stumm beiwohnt, desto mehr Vertrauen fasst Alma. [...]

Wenn Elisabeth Alma und sich Masken ins Gesicht malt und ihr einen rituell anmutenden Tanz beibringt, der später zu "I'll be your mirror" noch einmal zitiert wird, dann liegt auf einmal eine Leichtigkeit in der Luft, die es im Film nicht gibt: Was die beiden Frauen hier zelebrieren, ist die seltene Möglichkeit, Projektionsflächen füreinander zu sein und nicht, wie sonst, für die Männer. [...] 

Vor diesem Hintergrund hat auch "I'll be your mirror" noch eine weitere Bedeutung, schwingt in dem Lied, für das Elisabeth auf einmal wieder eine Stimme hat, neben der Demütigung auch ein frauensolidarisches Bekenntnis mit. Dass man es so oder so lesen kann, ja so und so lesen muss, liegt in der Stärke der beiden Hauptdarstellerinnen, die die Konkurrenz um die Hauptrolle, die in dieser Konstellation ja auch angelegt ist, in ein spannungsvolles Zusammenspiel ummünzen.
Anna Bergmann hat den Stoff als Koproduktion des Malmö Stadsteater und des Deutschen Theaters Berlin inszeniert. In Malmö, wo im September die Premiere stattfand, spielte Corinna Harfouch die stumme Rolle der Elisabeth Vogler und Karin Lithman ihre Krankenschwester Alma. Für die deutsche Version tauschen die beiden Schauspielerinnen jetzt die Rollen. 

Es beginnt in Elisabeths Kopf. Karin Lithman liegt auf dem Boden, gerahmt von einer Muschel aus von der Decke hängenden weißen Papierbahnen. In ihrer entfremdeten Wahrnehmung sprechen die Ärztin (Franziska Machens) und Schwester Alma mit verzerrten Stimmen und bewegen sich verzögert wie Marionetten. [...] Die liegende Elisabeth ist auf ihre Mimik reduziert, wird von Traumbildern aus ihrem Bühnen- und Familienleben heimgesucht, die als Videos über die Papierbahnen flirren. [...]

Ein Bühnenregen weicht die Papierbahnen auf, und es offenbart sich eine zweite größere, metallisch funkelnde Muschel. Im flachen Wasser platschen die Frauen herum, plappert Schwester Alma, um die Stille zu füllen, und erzählt der immer gelöster wirkenden Elisabeth aus ihrem Leben. Je länger diese ihren Geschichten stumm beiwohnt, desto mehr Vertrauen fasst Alma. [...]

Wenn Elisabeth Alma und sich Masken ins Gesicht malt und ihr einen rituell anmutenden Tanz beibringt, der später zu "I'll be your mirror" noch einmal zitiert wird, dann liegt auf einmal eine Leichtigkeit in der Luft, die es im Film nicht gibt: Was die beiden Frauen hier zelebrieren, ist die seltene Möglichkeit, Projektionsflächen füreinander zu sein und nicht, wie sonst, für die Männer. [...] 

Vor diesem Hintergrund hat auch "I'll be your mirror" noch eine weitere Bedeutung, schwingt in dem Lied, für das Elisabeth auf einmal wieder eine Stimme hat, neben der Demütigung auch ein frauensolidarisches Bekenntnis mit. Dass man es so oder so lesen kann, ja so und so lesen muss, liegt in der Stärke der beiden Hauptdarstellerinnen, die die Konkurrenz um die Hauptrolle, die in dieser Konstellation ja auch angelegt ist, in ein spannungsvolles Zusammenspiel ummünzen.
NDR Kultur
Oliver Kranz, 01.12.2018
Anna Bergmann arbeitet gern mit Gegensätzen. Am Anfang erscheint die eine Schauspielerin alt, die andere jung, die eine stark, die andere schwach – doch im Verlauf des Stücks lösen sich die Unterschiede auf. [...]

Indem die Krankenschwester über sich erzählt, gewinnt sie das Vertrauen ihrer Patientin. Die beiden planschen ausgelassen im Wasser, schminken ihre Gesichter weiß und tanzen wie die Derwische. Es scheint eine Freundschaft zu entstehen – doch schon im nächsten Augenblick reißen die Gräben zwischen ihnen wieder auf. Das Schweigen der Schauspielerin wird für die Krankenschwester zur physischen Qual. Sie bittet und bettelt, schreit und tobt. Im Handgemenge beißt sie ihre Patientin sogar. All das wird von Corinna Harfouch überzeugend gespielt. Wie sie vor Wut glüht, vor Ekel zittert und kurz darauf zarte Liebesgeständnisse macht, ist höchst sehenswert. [...]

Der Machtkampf der beiden Frauen geht unentschieden aus. Es gewinnt das Publikum. Trotz der Künstlichkeit des Rahmens werden große Gefühle gezeigt. Die Sehnsucht nach dem anderen, die Enttäuschung, als die Annäherung nicht funktioniert, das Zurückgeworfensein auf sich selbst. Und auch verschiedene Spielstile werden gezeigt. Anna Bergmann ist eine außerordentlich reiche und bildstarke Inszenierung gelungen.
Anna Bergmann arbeitet gern mit Gegensätzen. Am Anfang erscheint die eine Schauspielerin alt, die andere jung, die eine stark, die andere schwach – doch im Verlauf des Stücks lösen sich die Unterschiede auf. [...]

Indem die Krankenschwester über sich erzählt, gewinnt sie das Vertrauen ihrer Patientin. Die beiden planschen ausgelassen im Wasser, schminken ihre Gesichter weiß und tanzen wie die Derwische. Es scheint eine Freundschaft zu entstehen – doch schon im nächsten Augenblick reißen die Gräben zwischen ihnen wieder auf. Das Schweigen der Schauspielerin wird für die Krankenschwester zur physischen Qual. Sie bittet und bettelt, schreit und tobt. Im Handgemenge beißt sie ihre Patientin sogar. All das wird von Corinna Harfouch überzeugend gespielt. Wie sie vor Wut glüht, vor Ekel zittert und kurz darauf zarte Liebesgeständnisse macht, ist höchst sehenswert. [...]

Der Machtkampf der beiden Frauen geht unentschieden aus. Es gewinnt das Publikum. Trotz der Künstlichkeit des Rahmens werden große Gefühle gezeigt. Die Sehnsucht nach dem anderen, die Enttäuschung, als die Annäherung nicht funktioniert, das Zurückgeworfensein auf sich selbst. Und auch verschiedene Spielstile werden gezeigt. Anna Bergmann ist eine außerordentlich reiche und bildstarke Inszenierung gelungen.
Berliner Morgenpost
Katrin Pauly, 03.12.2018
Frau Vogler spricht nicht mehr. Vor drei Monaten ist die Schauspielerin Elisabeth Vogler verstummt. Hat sich der Welt entzogen, hat die Sprache und ihre Rollen auf der Bühne und im Leben nicht mehr ertragen. Jetzt liegt sie auf dem Boden in einem weißen Krankenzimmer, manchmal bewegen sich ihre Augen. Wir sehen das, weil ihr Gesicht auf die aus Papierbahnen bestehende Rückwand des Krankenzimmers projiziert wird. Wir sehen ihren Kopf riesengroß. Wir sehen in ihren Kopf hinein. Da sind lauter flackernde Bilder, Alltagsszenen, Rollenbilder, als Schauspielerin, als Mutter. 

Mit diesem surrealen Bewusstseinsstrom eröffnet Regisseurin Anna Bergmann in den Kammerspielen des Deutschen Theaters ihre Inszenierung von "Persona", ein Stück, das auf dem gleichnamigen Film von Ingmar Bergman beruht. [...]

Die medizinischen Untersuchungen bei Elisabeth Vogler bleiben ohne Befund. Die Ärztin, gespielt von Franziska Machens, schickt Elisabeth mit Krankenschwester Alma zur Erholung in ein Sommerhaus ans Meer. Wie sich dort ihre Beziehung zueinander verändert, das hat Anna Bergmann sehr überzeugend zu einem intensiven, psychologischen Kammerspiel verdichtet.

Die schwedische Schauspielerin Karin Lithman spielt Elisabeth, die Schweigende, zunächst Ertragende, später Erhabene. Corinna Harfouch ist Krankenschwester Alma, hart und unterkühlt am Anfang, sich dann öffnend. Bis Alma einen Brief findet, in dem Elisabeth despektierlich über sie spricht.

Wieder ändert sich das Kräfteverhältnis. Den Schauspielerinnen Corinna Harfouch und Karin Lithman dabei zuzuschauen, ist eine Freude. Es herrscht eine Hochspannung auf der Bühne, die in dieser Intensität selten ist. Da ist Erotik, Unbeschwertheit, Intimität in ihren Gesten und Küssen. Dann plötzlich Entfremdung, Manipulation, Verletzung. Ein so zartes wie hartes Spiel im Ringen um Wahrhaftigkeit.
Frau Vogler spricht nicht mehr. Vor drei Monaten ist die Schauspielerin Elisabeth Vogler verstummt. Hat sich der Welt entzogen, hat die Sprache und ihre Rollen auf der Bühne und im Leben nicht mehr ertragen. Jetzt liegt sie auf dem Boden in einem weißen Krankenzimmer, manchmal bewegen sich ihre Augen. Wir sehen das, weil ihr Gesicht auf die aus Papierbahnen bestehende Rückwand des Krankenzimmers projiziert wird. Wir sehen ihren Kopf riesengroß. Wir sehen in ihren Kopf hinein. Da sind lauter flackernde Bilder, Alltagsszenen, Rollenbilder, als Schauspielerin, als Mutter. 

Mit diesem surrealen Bewusstseinsstrom eröffnet Regisseurin Anna Bergmann in den Kammerspielen des Deutschen Theaters ihre Inszenierung von "Persona", ein Stück, das auf dem gleichnamigen Film von Ingmar Bergman beruht. [...]

Die medizinischen Untersuchungen bei Elisabeth Vogler bleiben ohne Befund. Die Ärztin, gespielt von Franziska Machens, schickt Elisabeth mit Krankenschwester Alma zur Erholung in ein Sommerhaus ans Meer. Wie sich dort ihre Beziehung zueinander verändert, das hat Anna Bergmann sehr überzeugend zu einem intensiven, psychologischen Kammerspiel verdichtet.

Die schwedische Schauspielerin Karin Lithman spielt Elisabeth, die Schweigende, zunächst Ertragende, später Erhabene. Corinna Harfouch ist Krankenschwester Alma, hart und unterkühlt am Anfang, sich dann öffnend. Bis Alma einen Brief findet, in dem Elisabeth despektierlich über sie spricht.

Wieder ändert sich das Kräfteverhältnis. Den Schauspielerinnen Corinna Harfouch und Karin Lithman dabei zuzuschauen, ist eine Freude. Es herrscht eine Hochspannung auf der Bühne, die in dieser Intensität selten ist. Da ist Erotik, Unbeschwertheit, Intimität in ihren Gesten und Küssen. Dann plötzlich Entfremdung, Manipulation, Verletzung. Ein so zartes wie hartes Spiel im Ringen um Wahrhaftigkeit.
Berliner Zeitung
Doris Meierhenrich, 03.12.2018
Dass sich die unerschrockene Corinna Harfouch, die sich wie nur wenige ihres Fachs auch kritisch damit auseinander setzt, nicht zweimal bitten lassen musste, um in der Theateradaption des Experimentalklassikers mitzuspielen, ist beglückend. [...] in Berlin ist Harfouch die naive Alma, die sich angesichts der bewunderten Künstlerin zum endlosen Monologisieren, Beichten, Sich-interessant-Reden hinreißen lässt. Und das macht sie nicht nur sehr witzig. Sie steigert sich auch in genau jene schauerlich wahren Lebensmomente hinein, an denen Ingmar Bergman verzweifelte. Als sie in einem abgründigen Gemisch aus Gier und Angst von Almas heimlicher Sexorgie am Strand erzählt, macht Harfouch spürbar, wie Spiel eben doch auch Leben preisgibt. Dass sich die unerschrockene Corinna Harfouch, die sich wie nur wenige ihres Fachs auch kritisch damit auseinander setzt, nicht zweimal bitten lassen musste, um in der Theateradaption des Experimentalklassikers mitzuspielen, ist beglückend. [...] in Berlin ist Harfouch die naive Alma, die sich angesichts der bewunderten Künstlerin zum endlosen Monologisieren, Beichten, Sich-interessant-Reden hinreißen lässt. Und das macht sie nicht nur sehr witzig. Sie steigert sich auch in genau jene schauerlich wahren Lebensmomente hinein, an denen Ingmar Bergman verzweifelte. Als sie in einem abgründigen Gemisch aus Gier und Angst von Almas heimlicher Sexorgie am Strand erzählt, macht Harfouch spürbar, wie Spiel eben doch auch Leben preisgibt.
New York Times
A.J. Goldmann, 14.12.2018
Frau Bergmanns Persona haucht dieser intensiven, rätselhaften Studie über psychologische Desintegration und Transformation mit einer fulminanten Bühne samt Wasserbecken, reichlich Videoeinsatz und guten altmodischen Monologen neues Leben ein.

Karin Lithman und Corinna Harfouch schlüpfen in die Charaktere, die Liv Ullmann und Bibi Andersson im Film denkwürdig dargestellt haben: eine Schauspielerin, die mitten in einer Aufführung auf mysteriöse Weise aufhört zu sprechen, und die Krankenschwester, die sich um sie in einer Hütte auf einer abgelegenen Insel kümmert. Frau Harfouch, die praktisch alle Gespräch alleine führt, spielt den Wandel von Krankenschwester Almas oft gegensätzlichen Emotionen überzeugend und glaubwürdig. Nicht minder beeindruckend ist Frau Lithman in ihrer stummen Rolle, da sie auf ihre Pflegerin zunehmend mit Gleichgültigkeit, Feindseligkeit und Zuneigung reagiert.


Die verspiegelte Muschel (Bühnenbild: Joe Schramm) ist ein cleverer und vielseitiger Rahmen: Die verzerrten Reflexionen spiegeln die surrealen Aspekte des Film wider.
Frau Bergmanns Persona haucht dieser intensiven, rätselhaften Studie über psychologische Desintegration und Transformation mit einer fulminanten Bühne samt Wasserbecken, reichlich Videoeinsatz und guten altmodischen Monologen neues Leben ein.

Karin Lithman und Corinna Harfouch schlüpfen in die Charaktere, die Liv Ullmann und Bibi Andersson im Film denkwürdig dargestellt haben: eine Schauspielerin, die mitten in einer Aufführung auf mysteriöse Weise aufhört zu sprechen, und die Krankenschwester, die sich um sie in einer Hütte auf einer abgelegenen Insel kümmert. Frau Harfouch, die praktisch alle Gespräch alleine führt, spielt den Wandel von Krankenschwester Almas oft gegensätzlichen Emotionen überzeugend und glaubwürdig. Nicht minder beeindruckend ist Frau Lithman in ihrer stummen Rolle, da sie auf ihre Pflegerin zunehmend mit Gleichgültigkeit, Feindseligkeit und Zuneigung reagiert.


Die verspiegelte Muschel (Bühnenbild: Joe Schramm) ist ein cleverer und vielseitiger Rahmen: Die verzerrten Reflexionen spiegeln die surrealen Aspekte des Film wider.

Eine Koproduktion mit dem

Außerdem im Spielplan

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Eine Inszenierung des Jungen DT

Hool

nach dem Roman von Philipp Winkler
Box
19.00 - 20.25
Mit englischen Übertiteln
von Ewald Palmetshofer nach Gerhart Hauptmann
Kammerspiele
19.30 - 21.55
Mit englischen Übertiteln
von Jean Genet
Deutsches Theater
20.00 - 21.30