Eine Inszenierung des Jungen DT

Der Plan von der Abschaffung des Dunkels

nach dem Roman von Peter Høeg
Musik Simon James Phillips
Video Antonia Lind
Dramaturgie Birgit Lengers
Premiere
12. Februar 2019, Kammerspiele
Kya-Celina BaruckiKatharina
Lina Hella BookhagenKatharina, Astrid Biehl
Elektra Luise BreinlKatharina, Karin Aero
Ida Agnes BüterKatharina
Leo DomogalskiPeter, Erzähler
Jona GaensslenAugust
Ananda Luna Cruz GrünbauerKatharina
Christian GrygoryevPeter
Paul KutznerPeter, Schulleiter Biehl
Jona Levin NicolaiHumlum
Mustafa Eren ÖzdilberlerAugust, Schulrat Baunsbak-Kold
Rio ReisenerPeter
Amelie PaneruKatharina
Kerem Aliser TopuzPeter
Leni von der WaydbrinkKatharina, Inspektor Flakkedam
Christoph FrankenErwachsener Peter mit Kind (Videoinstallation)
Flynn Fels FrankenErwachsener Peter mit Kind (Videoinstallation)
Kya-Celina Barucki
Katharina
Lina Hella Bookhagen
Katharina, Astrid Biehl
Elektra Luise Breinl
Katharina, Karin Aero
Ida Agnes Büter
Katharina
Leo Domogalski
Peter, Erzähler
Jona Gaensslen
August
Ananda Luna Cruz Grünbauer
Katharina
Christian Grygoryev
Peter
Paul Kutzner
Peter, Schulleiter Biehl
Jona Levin Nicolai
Humlum
Mustafa Eren Özdilberler
August, Schulrat Baunsbak-Kold
Rio Reisener
Peter
Amelie Paneru
Katharina
Kerem Aliser Topuz
Peter
Leni von der Waydbrink
Katharina, Inspektor Flakkedam
Christoph Franken, Flynn Fels Franken
Erwachsener Peter mit Kind (Videoinstallation)
junge bühne
Magdalena Sporkmann, 15.02.2019
Die Wände kommen näher und die Zeit rennt davon. – Peter und Katharina leben in einer Privatschule. Pünktlichkeit gilt dort als größte Tugend. Doch was geschieht, wenn jemand sich nicht an das strenge Regiment hält? Mit dem neuen Schüler August kommt auch das Chaos und die Kinder finden heraus, dass man der Zeit nicht einfach ausgeliefert ist, sondern sie selbst erschaffen kann. [...]

Das 15-köpfige Ensemble junger Laiendarsteller*innen zwischen 12 und 22 Jahren leiht den Protagonist*innen verschiedene Gesichter. Alle stecken in derselben grauen Hose und weißen Bluse, aber ihre Stimmen, Körper, Temperamente könnten unterschiedlicher nicht sein. Der Plan der Regisseurin, dass die Figuren dadurch "wachsen" und vielschichtiger werden, sodass das erzählte Einzelschicksal eine Allgemeingültigkeit erlangt, geht auf. Es entsteht ein lebendiges Bild des wundersamen schöpferischen Reichtums, den allein die Kindheit birgt. Katharina, Peter und August sind dabei zunächst eine Schicksalsgemeinschaft im Kampf gegen die Bedrohung ihrer Kindlichkeit durch die Erwachsenen, aber sie entfalten in diesem Kampf eine Kraft, die sie bewusst füreinander einstehen lässt. In der Gemeinschaft finden Peter und Katharina ihren persönlichen Weg zum Licht – und zwar durch Liebe, nicht durch Gehorsam.

Licht und Dunkel sind auch die bestimmenden Elemente des Bühnenbildes. Die vermeintliche Rückwand der Bühne bildet ein Spiegel. Bei entsprechender Beleuchtung wird er durchsichtig und gibt den Blick auf den – wesentlich größeren – Bühnenraum dahinter frei. Zunächst undurchdringlich wird diese Spiegelwand bald zu einem Tor, durch das die Kinder frei wandeln können, wie durch die Zeit. Aus Gefangenen der Zeit werden so Herrscher*innen der Zeit.
Die Wände kommen näher und die Zeit rennt davon. – Peter und Katharina leben in einer Privatschule. Pünktlichkeit gilt dort als größte Tugend. Doch was geschieht, wenn jemand sich nicht an das strenge Regiment hält? Mit dem neuen Schüler August kommt auch das Chaos und die Kinder finden heraus, dass man der Zeit nicht einfach ausgeliefert ist, sondern sie selbst erschaffen kann. [...]

Das 15-köpfige Ensemble junger Laiendarsteller*innen zwischen 12 und 22 Jahren leiht den Protagonist*innen verschiedene Gesichter. Alle stecken in derselben grauen Hose und weißen Bluse, aber ihre Stimmen, Körper, Temperamente könnten unterschiedlicher nicht sein. Der Plan der Regisseurin, dass die Figuren dadurch "wachsen" und vielschichtiger werden, sodass das erzählte Einzelschicksal eine Allgemeingültigkeit erlangt, geht auf. Es entsteht ein lebendiges Bild des wundersamen schöpferischen Reichtums, den allein die Kindheit birgt. Katharina, Peter und August sind dabei zunächst eine Schicksalsgemeinschaft im Kampf gegen die Bedrohung ihrer Kindlichkeit durch die Erwachsenen, aber sie entfalten in diesem Kampf eine Kraft, die sie bewusst füreinander einstehen lässt. In der Gemeinschaft finden Peter und Katharina ihren persönlichen Weg zum Licht – und zwar durch Liebe, nicht durch Gehorsam.

Licht und Dunkel sind auch die bestimmenden Elemente des Bühnenbildes. Die vermeintliche Rückwand der Bühne bildet ein Spiegel. Bei entsprechender Beleuchtung wird er durchsichtig und gibt den Blick auf den – wesentlich größeren – Bühnenraum dahinter frei. Zunächst undurchdringlich wird diese Spiegelwand bald zu einem Tor, durch das die Kinder frei wandeln können, wie durch die Zeit. Aus Gefangenen der Zeit werden so Herrscher*innen der Zeit.
Zitty
Friedhelm Teicke, 28.02.2019
Die Inszenierung versucht gar nicht erst, den retrospektiven Blick auf ein Schulsystem der 1960er-Jahre ins Heute zu versetzen, auch die schuluniformartigen Kostfime verweisen in ein strenges Gestern. Das provoziert eine mitunter anstrengende Distanz, schärft aber auch das Gefühl für die eigentliche Hauptperson, die Zeit, den "Augenblicken, die werden wie die Ewigkeit". [...] Der Lehrer erscheint mit Maske als austauschbarer Disziplinierungsgehilfe eines Systems, das nichts mehr fürchtet als die abweichende Individualität und Solidarität der Schüler, denen das Ensemble hier sehr frische Gestalt gibt.  Die Inszenierung versucht gar nicht erst, den retrospektiven Blick auf ein Schulsystem der 1960er-Jahre ins Heute zu versetzen, auch die schuluniformartigen Kostfime verweisen in ein strenges Gestern. Das provoziert eine mitunter anstrengende Distanz, schärft aber auch das Gefühl für die eigentliche Hauptperson, die Zeit, den "Augenblicken, die werden wie die Ewigkeit". [...] Der Lehrer erscheint mit Maske als austauschbarer Disziplinierungsgehilfe eines Systems, das nichts mehr fürchtet als die abweichende Individualität und Solidarität der Schüler, denen das Ensemble hier sehr frische Gestalt gibt. 
Stage and Screen
Sascha Krieger, 22.03.2019
Wenn es aus dem grandiosen Ensemble der 12- bis 22- jährigen spieler*innen einen exemplarisch zu nennen gilt, ist es Jona Gaensslen, der die Figur des August einführt, der den Bruch in ihr spielt, Mimik und Gestik, Ruhe und Auflösung als nicht kombinierbare Fragmente im gleichen Körper sichtbar macht. Der wie vielleicht kein anderer in sich die Grenze sichtbar macht – zwischen Hell und Dunkel, drinnen (im System) und draußen. 

Um sie geht es, um ihre Macht, ihre gewalttätige Wirkung – und ihre Überwindung. Ihr Instrument ist die Zeit, eine normative, lineare Zeit, die den Menschen eintaktet, eingrenzt, ihm keinen Raum gibt, sich in ihr und aus ihr zu bewegen. Eine manipulierende und manipulierbare. Das zeigt Schlocker eindrucksvoll in der Eingangsszene. [...]

Eigentlich müsste hier jede*r der 15 Spieler*innen einzeln gewürdigt werden, wie sie die Brüche und unüberschreitbaren Schwellen , die Zersplitterungen und momentane Versuche der Zusammenfügung durch die stille, flüchtige Kraft der Liebe in und zwischen sich spür- und sichtbar machen, ist atemberaubend. Christian Grygoryev, einer der Peters, muss man nennen, eine nuancierte Studie in subkutan aufkeimender Rebellion. Ebenso Amelie Paneru, die erste Katharina, kontrolliert, willensstark und sich zunehmend im Zweifel verlierend, oder Mustafa Eren Özdilberler, der ältere August, ein verloren gegen sich und die Welt Wütender, voller Energie, die sich in Verzweiflung entlädt. Und dann wären da noch Rio Reisener, noch ein Peter, mit hoher physischer Präsenz, ein nicht totzukriegender Hoffnungsverfolger, Leni van der Waydbrink, die eindrucksvoll den teuflischen Plan ins Positive umzudeuten sucht und die Zuschauer*innen beinahe überzeugt. [...]

Dem Jungen DT, das die Aufführungen erst ab 16 Jahren empfehlt, ist ein erstaunlich düsterer, ungeheuer vielschichtige und klaustrophobisch intensiver Abend gelungen, der die Unterdrückung des menschlichen Dunkels durch das normierende Licht bis in den Zuschauerraum spürbar macht, dessen luftleere Stille die Atemluft abschnürt, der Denkräume öffnet, die Schwarz und weiß verschwimmen lassen, der zur Reflexion aufruft über gute Absicht und fatale Wirkung, Hell und Dunkel, Gemeinschaft und Individuum. In den das helle dunkel wird und das Dunkle hell. Theater halt.
Wenn es aus dem grandiosen Ensemble der 12- bis 22- jährigen spieler*innen einen exemplarisch zu nennen gilt, ist es Jona Gaensslen, der die Figur des August einführt, der den Bruch in ihr spielt, Mimik und Gestik, Ruhe und Auflösung als nicht kombinierbare Fragmente im gleichen Körper sichtbar macht. Der wie vielleicht kein anderer in sich die Grenze sichtbar macht – zwischen Hell und Dunkel, drinnen (im System) und draußen. 

Um sie geht es, um ihre Macht, ihre gewalttätige Wirkung – und ihre Überwindung. Ihr Instrument ist die Zeit, eine normative, lineare Zeit, die den Menschen eintaktet, eingrenzt, ihm keinen Raum gibt, sich in ihr und aus ihr zu bewegen. Eine manipulierende und manipulierbare. Das zeigt Schlocker eindrucksvoll in der Eingangsszene. [...]

Eigentlich müsste hier jede*r der 15 Spieler*innen einzeln gewürdigt werden, wie sie die Brüche und unüberschreitbaren Schwellen , die Zersplitterungen und momentane Versuche der Zusammenfügung durch die stille, flüchtige Kraft der Liebe in und zwischen sich spür- und sichtbar machen, ist atemberaubend. Christian Grygoryev, einer der Peters, muss man nennen, eine nuancierte Studie in subkutan aufkeimender Rebellion. Ebenso Amelie Paneru, die erste Katharina, kontrolliert, willensstark und sich zunehmend im Zweifel verlierend, oder Mustafa Eren Özdilberler, der ältere August, ein verloren gegen sich und die Welt Wütender, voller Energie, die sich in Verzweiflung entlädt. Und dann wären da noch Rio Reisener, noch ein Peter, mit hoher physischer Präsenz, ein nicht totzukriegender Hoffnungsverfolger, Leni van der Waydbrink, die eindrucksvoll den teuflischen Plan ins Positive umzudeuten sucht und die Zuschauer*innen beinahe überzeugt. [...]

Dem Jungen DT, das die Aufführungen erst ab 16 Jahren empfehlt, ist ein erstaunlich düsterer, ungeheuer vielschichtige und klaustrophobisch intensiver Abend gelungen, der die Unterdrückung des menschlichen Dunkels durch das normierende Licht bis in den Zuschauerraum spürbar macht, dessen luftleere Stille die Atemluft abschnürt, der Denkräume öffnet, die Schwarz und weiß verschwimmen lassen, der zur Reflexion aufruft über gute Absicht und fatale Wirkung, Hell und Dunkel, Gemeinschaft und Individuum. In den das helle dunkel wird und das Dunkle hell. Theater halt.

Außerdem im Spielplan

Heute1516171819202122232425262728293031November 123456789101112131415161718192021222324252627282930Dezember 12345678910111213141516171819202122232425262728293031Januar 12345678910111213141516171819202122232425262728293031
Mit englischen Übertiteln
von Jakob Nolte nach Miguel de Cervantes
Regie: Jan Bosse
Deutsches Theater
19.30 - 22.00