In der Sache J. Robert Oppenheimer

von Heinar Kipphardt
Premiere
20. Januar 2019, Deutsches Theater
Felix Goeser
Michael Goldberg
Camill Jammal
Maike Knirsch
Katharina Matz
Wiebke Mollenhauer
nachtkritik.de
Christian Rakow, 20.01.2019
"Das ganze verdammte Ding war eine Farce." Der Satz scheint so zentral, dass er sowohl im Programmheft als auch auf der Bühne selbst auftaucht. Und wirklich gibt Christopher Rüping in seiner Inszenierung am Deutschen Theater dem Geschehen einen Hauch von Farce zurück, ohne das ernste, apokalyptische Moment einzubüßen. Eine bewundernswerte Gratwanderung – an dem Ort, an dem Heinar Kipphardt in den 1950ern Chefdramaturg war, ehe er Ost-Berlin in Richtung Westen verließ.

An einem kühl ausgeleuchteten Untersuchungstisch beginnt es, rundherum Kameras, die Anwälte verhören ihre Zeugen mit Knopf im Ohr. Vernehmbar wird ihnen Text durch den Kopfhörer vorgesagt. Das Dokudrama ist auf seine Ursprünge im historischen Protokoll zurückgeführt; die Figuren erscheinen als ferngesteuerte Exekutionsbeauftragte. Ein Kunstgriff aus dem Geiste des Brechtschen V-Effekts. [...]

Unter dem Ausschussvorsitz von Gordon Gray (Katharina Matz) nimmt Maike Knirsch als Anwalt der Atomkommission genussvoll Oppenheimer alias Felix Goeser in die Mangel, abgefilmt für Videoleinwände, wo's mitunter wie eine Skype-Konferenz ausschaut. Camill Jammal ist als Oppenheimers Verteidiger am Start, kontert mit trockenen Einlassungen. [...] Rüping scheint angetreten, die Brecht-Linie mit Kipphardt zu rehabilitieren: analytisch, mitunter auch ein wenig didaktisch, stets gedanklich klar strahlend entfaltet sich das Spiel bei ihm.

Die Farce kommt in kleinen, feinen Unzen herein, wenn Michael Goldberg mit kurios angeklebten Schnauzern in den Zeugenstand tritt oder sich als genialischer Physiker Edward Teller ("Vater der Wasserstoffbombe") mit einem Serviertablett auf dem Handteller vorstellt. Charmant skizzieren sie die Zeit, als Männer noch ihrem Geniekult frönten, unbefangen Oberlippenbärte trugen oder gravitätisch Pfeife rauchten, vor einer vertäfelten Bücherwand, die bald auf die DT-Bühne geschoben wird (Bühnenbild: Jonathan Mertz). Rüping verschlankt das gut 140seitige Drama gehörig, ohne dessen Dialogkunst zu verraten. Und ohne den apokalyptischen Basston zu ignorieren. Mit großer, stiller Dringlichkeit kündet Felix Goesers Oppenheimer – nah gefilmt, den Schrecken im Gesicht – von der ersten Zündung der Atombombe.
Dabei wird der Akzent gegenüber der Stückvorlage deutlich verschoben. Bei Kipphardt geht es dezidiert um die politische Rolle der Wissenschaft im Kalten Krieg und um die Sorge vor dem Aufkommen des Überwachungsstaats, der sich bereits ankündigt, wenn der Ankläger Oppenheimer am Ende des "Gedankenverrats" beschuldigt (ein Wort wie Orwells Diktaturroman 1984 abgelauscht). Rüping tauscht dieses Schlussplädoyer gegen ein moderneres, aber auch abstrakteres, nicht mehr konkret politisch verortetes Finale aus: Düstere Elektroniksounds wogen herein (von Komponist Christoph Hart mittels Künstlicher Intelligenz-Programme generiert), kleine Lichtroboter wuseln selbstfahrend über die Bühne. Und Maike Knirsch feiert mit futuristischem Furor den ungebremsten Maschinenbau, den technologischen Overkill, die Politik der Beschleunigung, den Akzelerationismus.

Mit großer Technik bastelt sich Rüping eine paradoxe Technikkritik. Der skrupulöse Wissenschaftler gehöre der Vergangenheit an. triumphiert Knirsch. "Die Zukunft muss neu konstruiert werden." Sie schreit es in garstigem Ton heraus, dass man es ja nicht gut finden möge. Danach kehrt Ruhe ein, ratlose Ruhe. Wie ein Gespenst erscheint Oppenheimers Gesicht an der Rampe, auf Nebel projiziert. Wiebke Mollenhauer rekapituliert ätherisch, abgewandt Schnipsel der Protokolle, und Felix Goesers Oppenheimer serviert O-Saft-Frühstück. Ein Bild versunkener Idylle? Man weiß nicht vor noch zurück. "Alles Neue ist besser als alles Alte", hieß es bei Brecht. Ein Satz, den man mit Rüping schwer glauben kann, aber seine Umkehrung gilt auch nicht.
"Das ganze verdammte Ding war eine Farce." Der Satz scheint so zentral, dass er sowohl im Programmheft als auch auf der Bühne selbst auftaucht. Und wirklich gibt Christopher Rüping in seiner Inszenierung am Deutschen Theater dem Geschehen einen Hauch von Farce zurück, ohne das ernste, apokalyptische Moment einzubüßen. Eine bewundernswerte Gratwanderung – an dem Ort, an dem Heinar Kipphardt in den 1950ern Chefdramaturg war, ehe er Ost-Berlin in Richtung Westen verließ.

An einem kühl ausgeleuchteten Untersuchungstisch beginnt es, rundherum Kameras, die Anwälte verhören ihre Zeugen mit Knopf im Ohr. Vernehmbar wird ihnen Text durch den Kopfhörer vorgesagt. Das Dokudrama ist auf seine Ursprünge im historischen Protokoll zurückgeführt; die Figuren erscheinen als ferngesteuerte Exekutionsbeauftragte. Ein Kunstgriff aus dem Geiste des Brechtschen V-Effekts. [...]

Unter dem Ausschussvorsitz von Gordon Gray (Katharina Matz) nimmt Maike Knirsch als Anwalt der Atomkommission genussvoll Oppenheimer alias Felix Goeser in die Mangel, abgefilmt für Videoleinwände, wo's mitunter wie eine Skype-Konferenz ausschaut. Camill Jammal ist als Oppenheimers Verteidiger am Start, kontert mit trockenen Einlassungen. [...] Rüping scheint angetreten, die Brecht-Linie mit Kipphardt zu rehabilitieren: analytisch, mitunter auch ein wenig didaktisch, stets gedanklich klar strahlend entfaltet sich das Spiel bei ihm.

Die Farce kommt in kleinen, feinen Unzen herein, wenn Michael Goldberg mit kurios angeklebten Schnauzern in den Zeugenstand tritt oder sich als genialischer Physiker Edward Teller ("Vater der Wasserstoffbombe") mit einem Serviertablett auf dem Handteller vorstellt. Charmant skizzieren sie die Zeit, als Männer noch ihrem Geniekult frönten, unbefangen Oberlippenbärte trugen oder gravitätisch Pfeife rauchten, vor einer vertäfelten Bücherwand, die bald auf die DT-Bühne geschoben wird (Bühnenbild: Jonathan Mertz). Rüping verschlankt das gut 140seitige Drama gehörig, ohne dessen Dialogkunst zu verraten. Und ohne den apokalyptischen Basston zu ignorieren. Mit großer, stiller Dringlichkeit kündet Felix Goesers Oppenheimer – nah gefilmt, den Schrecken im Gesicht – von der ersten Zündung der Atombombe.
Dabei wird der Akzent gegenüber der Stückvorlage deutlich verschoben. Bei Kipphardt geht es dezidiert um die politische Rolle der Wissenschaft im Kalten Krieg und um die Sorge vor dem Aufkommen des Überwachungsstaats, der sich bereits ankündigt, wenn der Ankläger Oppenheimer am Ende des "Gedankenverrats" beschuldigt (ein Wort wie Orwells Diktaturroman 1984 abgelauscht). Rüping tauscht dieses Schlussplädoyer gegen ein moderneres, aber auch abstrakteres, nicht mehr konkret politisch verortetes Finale aus: Düstere Elektroniksounds wogen herein (von Komponist Christoph Hart mittels Künstlicher Intelligenz-Programme generiert), kleine Lichtroboter wuseln selbstfahrend über die Bühne. Und Maike Knirsch feiert mit futuristischem Furor den ungebremsten Maschinenbau, den technologischen Overkill, die Politik der Beschleunigung, den Akzelerationismus.

Mit großer Technik bastelt sich Rüping eine paradoxe Technikkritik. Der skrupulöse Wissenschaftler gehöre der Vergangenheit an. triumphiert Knirsch. "Die Zukunft muss neu konstruiert werden." Sie schreit es in garstigem Ton heraus, dass man es ja nicht gut finden möge. Danach kehrt Ruhe ein, ratlose Ruhe. Wie ein Gespenst erscheint Oppenheimers Gesicht an der Rampe, auf Nebel projiziert. Wiebke Mollenhauer rekapituliert ätherisch, abgewandt Schnipsel der Protokolle, und Felix Goesers Oppenheimer serviert O-Saft-Frühstück. Ein Bild versunkener Idylle? Man weiß nicht vor noch zurück. "Alles Neue ist besser als alles Alte", hieß es bei Brecht. Ein Satz, den man mit Rüping schwer glauben kann, aber seine Umkehrung gilt auch nicht.
NDR Journal
Sven Ricklefs, 21.01.2019
Kahl-weiß ist der hochaufschießende Bühnenraum, in dem nur vorn ein Verhandlungstisch steht. Jeder, der dort Platz nimmt, hat ein Mikrofon und eine Kamera vor sich, die die Gesichter jeweils auf die beiden großen Screens übertragen kann. Während also schon durch die abgefilmte Bühnenrealität so etwas wie eine dokumentarische Distanz entsteht, wird diese noch einmal potenziert, indem der Text der Verhandlung phasenweise von einer Off-Stimme souffliert und dann erst von den Schauspielern nachgesprochen wird. Christopher Rüping ist ein Regisseur, der immer auch die Reibung mit seinen Stoffen sucht, um mit diesen dann ästhetisch zu spielen. Und so löst er nun in Berlin nach und nach geschickt sein sehr dokumentarisches Setting auf, indem er sukzessiv Bauteile eines großzügigen amerikanischen Bungalows aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts auf die Szene schiebt, in dessen Szenerie sich das Spiel mehr und mehr verlagert. Zugleich spielt er auch mit dem Soundtrack jener Jahre, indem er z. B. Frank Sinatra trällern lässt. Ironisch scheint da der erbarmungslos harmlose Background auf, auf dem sich die damaligen Gewissenstreibjagden abspielten. Und so wähnt man sich also zusammen mit dem ehrenhaft und moralisch korrekten J. R. Oppenheimer und seiner Fortschrittsskepsis auf der richtigen Seite, bis einem diese Sicherheit radikal weggeblasen wird. Dazu lässt Regisseur Rüping das jüngste Mitglied seines Ensembles, die Schauspielerin Maike Knirsch, in einem furiosen Monolog alle Skrupel und alle Zukunftsängste hinwegfegen.

Das hat in seiner Vehemenz sowohl etwas Überzeugendes als auch etwas durchaus Erschreckendes, ebenso wie die Musik, die währenddessen auch immer mehr an Furor gewinnt, und die – wie man aus dem Programmheft erfahren kann – nicht mehr von einem Menschen geschaffen, sondern von einem Computer generiert wurde. Ästhetisch also entscheidet sich Christopher Rüping durchaus eindrucksvoll für eine technologisch dominierte Zukunft, während er die sich ethisch und moralisch stellenden Fragen seinen Zuschauern mit auf den Weg gibt.
Kahl-weiß ist der hochaufschießende Bühnenraum, in dem nur vorn ein Verhandlungstisch steht. Jeder, der dort Platz nimmt, hat ein Mikrofon und eine Kamera vor sich, die die Gesichter jeweils auf die beiden großen Screens übertragen kann. Während also schon durch die abgefilmte Bühnenrealität so etwas wie eine dokumentarische Distanz entsteht, wird diese noch einmal potenziert, indem der Text der Verhandlung phasenweise von einer Off-Stimme souffliert und dann erst von den Schauspielern nachgesprochen wird. Christopher Rüping ist ein Regisseur, der immer auch die Reibung mit seinen Stoffen sucht, um mit diesen dann ästhetisch zu spielen. Und so löst er nun in Berlin nach und nach geschickt sein sehr dokumentarisches Setting auf, indem er sukzessiv Bauteile eines großzügigen amerikanischen Bungalows aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts auf die Szene schiebt, in dessen Szenerie sich das Spiel mehr und mehr verlagert. Zugleich spielt er auch mit dem Soundtrack jener Jahre, indem er z. B. Frank Sinatra trällern lässt. Ironisch scheint da der erbarmungslos harmlose Background auf, auf dem sich die damaligen Gewissenstreibjagden abspielten. Und so wähnt man sich also zusammen mit dem ehrenhaft und moralisch korrekten J. R. Oppenheimer und seiner Fortschrittsskepsis auf der richtigen Seite, bis einem diese Sicherheit radikal weggeblasen wird. Dazu lässt Regisseur Rüping das jüngste Mitglied seines Ensembles, die Schauspielerin Maike Knirsch, in einem furiosen Monolog alle Skrupel und alle Zukunftsängste hinwegfegen.

Das hat in seiner Vehemenz sowohl etwas Überzeugendes als auch etwas durchaus Erschreckendes, ebenso wie die Musik, die währenddessen auch immer mehr an Furor gewinnt, und die – wie man aus dem Programmheft erfahren kann – nicht mehr von einem Menschen geschaffen, sondern von einem Computer generiert wurde. Ästhetisch also entscheidet sich Christopher Rüping durchaus eindrucksvoll für eine technologisch dominierte Zukunft, während er die sich ethisch und moralisch stellenden Fragen seinen Zuschauern mit auf den Weg gibt.
Die Deutsche Bühne
Barbara Behrendt, 21.01.2019
Am Ende ist die ganze Nostalgie weggefegt, die im Laufe des Abends mit schicken Sesseln aus den 1950ern, mit holzvertäfelten Bücherwänden, Drinks und Toast Hawaii hereingetragen worden war. Am Ende steht Maike Knirsch als Anwältin der Atomenergiekommission auf leerer, weißer Bühne und hält das Schlussplädoyer der "Anklage", das ihr nicht Heinar Kipphardt, sondern Christopher Rüping in den Mund gelegt hat. Kleine, leuchtende Roboter fahren umher, dazu dröhnen Bässe, Nebel steigt auf und projiziert das historische Foto von J. Robert Oppenheimer. Es ist der effektvolle ästhetische Höhepunkt nach einer langen, wortreichen Verhandlung.

Kein moralischer Zeigefinger wird hier geschwungen, keine Mahnung ans Publikum, nicht allzu fortschrittsgläubig zu sein. Was würde es nutzen? Wer würde nicht zustimmen, dass die Atombombe der Welt nichts Gutes gebracht hat? Rüping entscheidet sich deshalb für das Gegenteil: Er lässt die Anklägerin Oppenheimer als einen Verräter an der Zukunft schmähen, einen Zyniker, der aus Angst und aus Nostalgie die Zukunft verhindern möchte, die aber längst nicht mehr zu verhindern ist. [...] Und so empathisch, wie Knirsch das formuliert, beginnt man nachzudenken, was passiert wäre, wären alle Forscher stets ihrer Angst gefolt, dieses Medikament oder jene Erfindung unter Verschluss zu halten.

Felix Goeser schreitet dazu als alter, müder Indianer Oppenheimer mit Federschmuck über diese Zukunftsbühne, seine Zeit ist vorbei. Nur die Stimme seiner früheren Verlobten Jean Tatlock klingt noch einmal aus dem Off. [...] Oppenheimer und Tatlock – sie sind die Menschen, denen Rüping mehr als bloß Verstand zugesteht: Angst, Leid, Liebe, Gewissen. Doch all das ist hier Teil der alten Welt.

[...]

Rüping tut nicht das Naheliegende, er aktualisiert das Stück nicht einfach [...]. Im Gegenteil: Er verlässt die Ebene des konkreten Beispiels und setzt auf die grundlegende Debatte. Es ist die klügere Herangehensweise, die das Stück auf die dialektische Grundfrage zurückwirft: bewahren – oder erneuern? Rüping inszeniert Oppenheimer als den Bewahrer, der davor zurückschreckt, Türen zu etwas aufzustoßen, das die Kraft hätte, den Planeten zu zerstören. Oppenheimer sagt im Stück über die Atombombe: "Wir haben sie gebaut, um zu verhindern, dass sie verwendet wird." [...]

Im ersten Teil des Abends schauen wir noch auf eine ebenso weiße Bühne wie in der Schlussszene, darauf nur ein runder Tisch. Das Personal hat Rüping reduziert, auf eine Dame aus dem Sicherheitsausschuss, dazu ein "Kläger", ein Verteidiger und einen Spieler, Michael Goldberg, der alle Zeugen mithilfe unterschiedlicher Schnauzbärte und Brillen recht satirisch verkörpert. Gemeinsam mit Oppenheimer sitzen alle um diesen Tisch und verhandeln, wie es das dokumentarische Material Kipphardts vorsieht – vor ihnen Kameras, die ihr Gesicht in Großaufnahme auf einer Leinwand zeigen. Doch alle tragen einen Knopf im Ohr und sprechen nur das, was ihnen eine Protokollantin vorsagt. Zum einen wird auf diese Weise deutlich, dass es sich hier um ein historisches Dokument handelt, das lediglich nachgespielt wird. Zum anderen zeigt sich so, dass die Akteure hier Instrumente und Spielbälle einer höheren, vermutlich staatlichen Instanz sind. [...]

Rüping hat einen intellektuell fordernden, klugen, auch mitunter farcenhaften Abend inszeniert – doch vor allem im zweiten Teil lädt er sich immer bildreicher auf, wird zudem vielschichtiger, gefühlvoller, komplexer. Ein Dokumentartheater, das nicht nur auf Fakten und Recherche setzt, sondern auch auf Sinnlichkeit.
Am Ende ist die ganze Nostalgie weggefegt, die im Laufe des Abends mit schicken Sesseln aus den 1950ern, mit holzvertäfelten Bücherwänden, Drinks und Toast Hawaii hereingetragen worden war. Am Ende steht Maike Knirsch als Anwältin der Atomenergiekommission auf leerer, weißer Bühne und hält das Schlussplädoyer der "Anklage", das ihr nicht Heinar Kipphardt, sondern Christopher Rüping in den Mund gelegt hat. Kleine, leuchtende Roboter fahren umher, dazu dröhnen Bässe, Nebel steigt auf und projiziert das historische Foto von J. Robert Oppenheimer. Es ist der effektvolle ästhetische Höhepunkt nach einer langen, wortreichen Verhandlung.

Kein moralischer Zeigefinger wird hier geschwungen, keine Mahnung ans Publikum, nicht allzu fortschrittsgläubig zu sein. Was würde es nutzen? Wer würde nicht zustimmen, dass die Atombombe der Welt nichts Gutes gebracht hat? Rüping entscheidet sich deshalb für das Gegenteil: Er lässt die Anklägerin Oppenheimer als einen Verräter an der Zukunft schmähen, einen Zyniker, der aus Angst und aus Nostalgie die Zukunft verhindern möchte, die aber längst nicht mehr zu verhindern ist. [...] Und so empathisch, wie Knirsch das formuliert, beginnt man nachzudenken, was passiert wäre, wären alle Forscher stets ihrer Angst gefolt, dieses Medikament oder jene Erfindung unter Verschluss zu halten.

Felix Goeser schreitet dazu als alter, müder Indianer Oppenheimer mit Federschmuck über diese Zukunftsbühne, seine Zeit ist vorbei. Nur die Stimme seiner früheren Verlobten Jean Tatlock klingt noch einmal aus dem Off. [...] Oppenheimer und Tatlock – sie sind die Menschen, denen Rüping mehr als bloß Verstand zugesteht: Angst, Leid, Liebe, Gewissen. Doch all das ist hier Teil der alten Welt.

[...]

Rüping tut nicht das Naheliegende, er aktualisiert das Stück nicht einfach [...]. Im Gegenteil: Er verlässt die Ebene des konkreten Beispiels und setzt auf die grundlegende Debatte. Es ist die klügere Herangehensweise, die das Stück auf die dialektische Grundfrage zurückwirft: bewahren – oder erneuern? Rüping inszeniert Oppenheimer als den Bewahrer, der davor zurückschreckt, Türen zu etwas aufzustoßen, das die Kraft hätte, den Planeten zu zerstören. Oppenheimer sagt im Stück über die Atombombe: "Wir haben sie gebaut, um zu verhindern, dass sie verwendet wird." [...]

Im ersten Teil des Abends schauen wir noch auf eine ebenso weiße Bühne wie in der Schlussszene, darauf nur ein runder Tisch. Das Personal hat Rüping reduziert, auf eine Dame aus dem Sicherheitsausschuss, dazu ein "Kläger", ein Verteidiger und einen Spieler, Michael Goldberg, der alle Zeugen mithilfe unterschiedlicher Schnauzbärte und Brillen recht satirisch verkörpert. Gemeinsam mit Oppenheimer sitzen alle um diesen Tisch und verhandeln, wie es das dokumentarische Material Kipphardts vorsieht – vor ihnen Kameras, die ihr Gesicht in Großaufnahme auf einer Leinwand zeigen. Doch alle tragen einen Knopf im Ohr und sprechen nur das, was ihnen eine Protokollantin vorsagt. Zum einen wird auf diese Weise deutlich, dass es sich hier um ein historisches Dokument handelt, das lediglich nachgespielt wird. Zum anderen zeigt sich so, dass die Akteure hier Instrumente und Spielbälle einer höheren, vermutlich staatlichen Instanz sind. [...]

Rüping hat einen intellektuell fordernden, klugen, auch mitunter farcenhaften Abend inszeniert – doch vor allem im zweiten Teil lädt er sich immer bildreicher auf, wird zudem vielschichtiger, gefühlvoller, komplexer. Ein Dokumentartheater, das nicht nur auf Fakten und Recherche setzt, sondern auch auf Sinnlichkeit.
Berliner Morgenpost
Georg Kasch, 22.01.2019
Regisseur Christopher Rüping, berühmt dafür, Stücke und Stoffe liebevoll durchzuschütteln und spielerisch zu befragen, nimmt am Deutschen Theater Kipphardts wortreiche kalte Krieger als Material. Er macht die Distanz klar, die uns von den Vorgängen damals trennt. Nur ein runder Tisch steht auf der Bühne mit Mikrofonen und Kameras. Wiebke Mollenhauer spricht den gesamten Text, die anderen stecken sich die Knöpfe in die Ohren und sprechen ihn nach. Erst später tasten sie sich in einzelne Rollen: Felix Goesers Oppenheimer guckt man beim Denken zu, Camill Jammal verteidigt das freie Denken, Katharina Matz gibt dem Vorsitzenden eine Stimme. Michael Goldberg schlüpft mit Oberlippenbart und Brille vergnüglich chargenhaft in mehrere Zeugenrollen. Und Maike Knirsch vertritt den Staat, der die Waffe will und keine Skrupel.

Indem Rüping die Rollen auf wenige Typen reduziert und Knirsch, diese sympathisch leuchtende Frau, als Freiheitsapostel besetzt, der für einen ominösen Fortschrittsbegriff alle Bedenkenträger beiseitefegen will, rückt das Argument wieder in den Vordergrund, steigt die Spannung. Zwischendurch schlüpfen alle in historische Kostüme, wird ein schickes Landhaus samt Minibar und Swimmingpool zusammengesetzt und wieder abgeräumt.

Eine zentrale Rolle kommt bei Rüping Jean Tatlock zu, einst Oppenheimers Verlobte, Kommunistin, Selbstmörderin. Bei Kipphardt versuchen die Oppenheimer-Kritiker, ihm aus der Bekanntschaft zu ihr einen Strick zu drehen. Rüping macht aus ihr das personifizierte Gewissen, legt ihr die Worte des Physikers Hans Bethe in den Mund, der die Wasserstoffbombe scharf verurteilt: "Wenn wir einen Krieg mit H-Bomben führen und gewinnen, wird sich die Geschichte nicht an die Ideale erinnern, für die wir kämpften, sondern an die Methode, die wir anwandten, um sie durchzusetzen." Passend, dass das ein Geist spricht.
Regisseur Christopher Rüping, berühmt dafür, Stücke und Stoffe liebevoll durchzuschütteln und spielerisch zu befragen, nimmt am Deutschen Theater Kipphardts wortreiche kalte Krieger als Material. Er macht die Distanz klar, die uns von den Vorgängen damals trennt. Nur ein runder Tisch steht auf der Bühne mit Mikrofonen und Kameras. Wiebke Mollenhauer spricht den gesamten Text, die anderen stecken sich die Knöpfe in die Ohren und sprechen ihn nach. Erst später tasten sie sich in einzelne Rollen: Felix Goesers Oppenheimer guckt man beim Denken zu, Camill Jammal verteidigt das freie Denken, Katharina Matz gibt dem Vorsitzenden eine Stimme. Michael Goldberg schlüpft mit Oberlippenbart und Brille vergnüglich chargenhaft in mehrere Zeugenrollen. Und Maike Knirsch vertritt den Staat, der die Waffe will und keine Skrupel.

Indem Rüping die Rollen auf wenige Typen reduziert und Knirsch, diese sympathisch leuchtende Frau, als Freiheitsapostel besetzt, der für einen ominösen Fortschrittsbegriff alle Bedenkenträger beiseitefegen will, rückt das Argument wieder in den Vordergrund, steigt die Spannung. Zwischendurch schlüpfen alle in historische Kostüme, wird ein schickes Landhaus samt Minibar und Swimmingpool zusammengesetzt und wieder abgeräumt.

Eine zentrale Rolle kommt bei Rüping Jean Tatlock zu, einst Oppenheimers Verlobte, Kommunistin, Selbstmörderin. Bei Kipphardt versuchen die Oppenheimer-Kritiker, ihm aus der Bekanntschaft zu ihr einen Strick zu drehen. Rüping macht aus ihr das personifizierte Gewissen, legt ihr die Worte des Physikers Hans Bethe in den Mund, der die Wasserstoffbombe scharf verurteilt: "Wenn wir einen Krieg mit H-Bomben führen und gewinnen, wird sich die Geschichte nicht an die Ideale erinnern, für die wir kämpften, sondern an die Methode, die wir anwandten, um sie durchzusetzen." Passend, dass das ein Geist spricht.
Berliner Zeitung
Doris Meierhenrich, 22.01.2019
Im Deutschen Theater, wo der findungsreiche Regisseur Christopher Rüping nun Heinar Kipphardts Dokumentarstück In der Sache J. Robert Oppenheimer von 1964 zurück auf die Bühne holt – jenes Stück, das aus 3000 Seiten Verhörprotokoll der Atomenergiekommission nicht nur die Frage kondensiert, wie "unschuldig" Wissenschaft noch sein kann, sondern auch die nach politischer Korrektheit, Konformität, Auflösung des Privaten – ist dieser Moment der magisch intensive Wendepunkt des Abends. Die zuvor noch weiße Bühne, die mit Monitoren und Aufnahmetechnik den aseptischen Verhörraum darstellt, ist in die wohnliche Professorenbungalow-Kulisse von Los Alamos gewechselt (Bühne: Jonathan Mertz), wohin sich – in Zeit und Raum springend – auch die Kommission verschoben hat.

Und als Felix Goesers Oppenheimer nun dort sitzt und die Explosion noch einmal, jedem Wort nachspürend, in die Gegenwart holt, die Faszination und den Schrecken darin, das Teuflischschöpferische, da wird es plötzlich dunkel im Theater, niemand regt sich, Nullpunkt. "Was wird denn nun?", wimmert sich nach langem dann Goeser leise aus der Aporie und weiter ins Surreale seiner Träume, bis die weiß gewandete Wiebke Mollenhauer als Jean Tatlock erscheint, seine Verlobte. Sie ist längst tot, Selbstmord, doch wird sie für den schwachen, lavierenden Robert nun alle Einsichten klarer auf den Punkt bringen, als er es je konnte.

Diese gespenstische Szene verdichtet wunderbar den kaum greifbaren, formal komplexen Wandlungsgang dieses Abends: Ganz prosaisch beginnt er als fernes Nachsprechen, Einfinden in die historischen Protokolle, nimmt mit Camill Jammal als Oppenheimer-Anwalt und Maike Knirsch als Anklägerin Robb Fahrt auf und rutscht mit den Auftritten der Zeugen in Gestalt des munter die Schnäuzer wechselnden Michael Goldberg langsam von der Dokumentation ins immer persönlichere, suggestive Bewusstwerdungsspiel, bis hin ins surreal Imaginierte.

Dennoch verliert der Abend dabei nie den dokumentarischen Charakter, und genau das ist das herrlich kreative Gelingen daran. Ganz in Kipphardt'scher Weise betet Rüping die Vorlagen nicht nach, sondern erfasst ihren Sinn und führt ungelöste Fragen weiter. So endet es auch nicht in dem Katzenjammer Oppenheimers zur verlorenen Souveränität der Physik, sondern in einem gespenstisch prometheischen "Beschleunigungsmanifest", das statt der Zweifel einen Neuwissenschaftlichen Zukunftsgeist beschwört. [...]
Im Deutschen Theater, wo der findungsreiche Regisseur Christopher Rüping nun Heinar Kipphardts Dokumentarstück In der Sache J. Robert Oppenheimer von 1964 zurück auf die Bühne holt – jenes Stück, das aus 3000 Seiten Verhörprotokoll der Atomenergiekommission nicht nur die Frage kondensiert, wie "unschuldig" Wissenschaft noch sein kann, sondern auch die nach politischer Korrektheit, Konformität, Auflösung des Privaten – ist dieser Moment der magisch intensive Wendepunkt des Abends. Die zuvor noch weiße Bühne, die mit Monitoren und Aufnahmetechnik den aseptischen Verhörraum darstellt, ist in die wohnliche Professorenbungalow-Kulisse von Los Alamos gewechselt (Bühne: Jonathan Mertz), wohin sich – in Zeit und Raum springend – auch die Kommission verschoben hat.

Und als Felix Goesers Oppenheimer nun dort sitzt und die Explosion noch einmal, jedem Wort nachspürend, in die Gegenwart holt, die Faszination und den Schrecken darin, das Teuflischschöpferische, da wird es plötzlich dunkel im Theater, niemand regt sich, Nullpunkt. "Was wird denn nun?", wimmert sich nach langem dann Goeser leise aus der Aporie und weiter ins Surreale seiner Träume, bis die weiß gewandete Wiebke Mollenhauer als Jean Tatlock erscheint, seine Verlobte. Sie ist längst tot, Selbstmord, doch wird sie für den schwachen, lavierenden Robert nun alle Einsichten klarer auf den Punkt bringen, als er es je konnte.

Diese gespenstische Szene verdichtet wunderbar den kaum greifbaren, formal komplexen Wandlungsgang dieses Abends: Ganz prosaisch beginnt er als fernes Nachsprechen, Einfinden in die historischen Protokolle, nimmt mit Camill Jammal als Oppenheimer-Anwalt und Maike Knirsch als Anklägerin Robb Fahrt auf und rutscht mit den Auftritten der Zeugen in Gestalt des munter die Schnäuzer wechselnden Michael Goldberg langsam von der Dokumentation ins immer persönlichere, suggestive Bewusstwerdungsspiel, bis hin ins surreal Imaginierte.

Dennoch verliert der Abend dabei nie den dokumentarischen Charakter, und genau das ist das herrlich kreative Gelingen daran. Ganz in Kipphardt'scher Weise betet Rüping die Vorlagen nicht nach, sondern erfasst ihren Sinn und führt ungelöste Fragen weiter. So endet es auch nicht in dem Katzenjammer Oppenheimers zur verlorenen Souveränität der Physik, sondern in einem gespenstisch prometheischen "Beschleunigungsmanifest", das statt der Zweifel einen Neuwissenschaftlichen Zukunftsgeist beschwört. [...]
Der Tagesspiegel
Christine Wahl, 22.01.2019
Aus der historischen Distanz entdecken die Darsteller im Laufe des Abends mehr und mehr Anknüpfungspunkte und spielen sich entsprechend in die Figuren hinein. 
So startet der Oppenheimer-Abend im DT auf einer nüchternen Technokraten-Bühne. Wenn Katharina Matz als Vorsitzende des Sicherheitsausschusses und Maike Knirsch als Anwältin der Atomenergiekommission den von Felix Goeser angemessen eindringlich gespielten Oppenheimer und dessen Anwalt (Camill Jammal) am Verhandlungstisch gegenübersitzen, justieren sie alle gern mal ihre Ohrstöpsel nach. Denn der Kipphardt-Text wird ihnen deutlich hörbar eingeflüstert, von Wiebke Mollenhauer als "Stimme des Protokolls".
Ein Monitor neben und eine Leinwand über den Akteuren präsentieren parallel unterschiedliche Bildausschnitte des Live-Geschehens: Klar, die große abstrakte Wahrheit ist immer auch eine Frage der konkreten Perspektive. [...]

Parallel füllt sich auch die von Jonathan Mertz gestaltete Bühne: Schrankwände mit Fünfziger-Jahre-Appeal werden hereingeschoben. Davor sitzen die Schauspieler jetzt als stilecht rauchende und Whiskey trinkende Männer, die keine Ohrknöpfe mehr brauchen und geradewegs aus der US-Serie Mad Men gefallen sein könnten – mit einem leichten Dreh in Richtung Komödie.

Ohne je den Grundernst der Lage auszuhebeln, lässt Rüping männliche Unterredungen zu Spionage-Thriller-Parodien mutieren. Und Michael Goldberg parliert als Physiker Edward Teller moralische Probleme mit der Wasserstoffbombe in einer Art Party-Smalltalk beim Toast Hawaii weg. [...]
Gegen Schluss, wenn Rüping Maike Knirsch an der Rampe als vollends gegenwärtige High-Tech-Apologetin für bedingungslosen technischen Fortschritt eifern lässt, ist die Bühne wieder leer. Und auch ansonsten herrschen klare Verhältnisse.
Aus der historischen Distanz entdecken die Darsteller im Laufe des Abends mehr und mehr Anknüpfungspunkte und spielen sich entsprechend in die Figuren hinein. 
So startet der Oppenheimer-Abend im DT auf einer nüchternen Technokraten-Bühne. Wenn Katharina Matz als Vorsitzende des Sicherheitsausschusses und Maike Knirsch als Anwältin der Atomenergiekommission den von Felix Goeser angemessen eindringlich gespielten Oppenheimer und dessen Anwalt (Camill Jammal) am Verhandlungstisch gegenübersitzen, justieren sie alle gern mal ihre Ohrstöpsel nach. Denn der Kipphardt-Text wird ihnen deutlich hörbar eingeflüstert, von Wiebke Mollenhauer als "Stimme des Protokolls".
Ein Monitor neben und eine Leinwand über den Akteuren präsentieren parallel unterschiedliche Bildausschnitte des Live-Geschehens: Klar, die große abstrakte Wahrheit ist immer auch eine Frage der konkreten Perspektive. [...]

Parallel füllt sich auch die von Jonathan Mertz gestaltete Bühne: Schrankwände mit Fünfziger-Jahre-Appeal werden hereingeschoben. Davor sitzen die Schauspieler jetzt als stilecht rauchende und Whiskey trinkende Männer, die keine Ohrknöpfe mehr brauchen und geradewegs aus der US-Serie Mad Men gefallen sein könnten – mit einem leichten Dreh in Richtung Komödie.

Ohne je den Grundernst der Lage auszuhebeln, lässt Rüping männliche Unterredungen zu Spionage-Thriller-Parodien mutieren. Und Michael Goldberg parliert als Physiker Edward Teller moralische Probleme mit der Wasserstoffbombe in einer Art Party-Smalltalk beim Toast Hawaii weg. [...]
Gegen Schluss, wenn Rüping Maike Knirsch an der Rampe als vollends gegenwärtige High-Tech-Apologetin für bedingungslosen technischen Fortschritt eifern lässt, ist die Bühne wieder leer. Und auch ansonsten herrschen klare Verhältnisse.
Zitty
Georg Kasch, 14.02.2019
Am Deutschen Theater nähert er [Christopher Rüping] sich behutsam dem fremd wirkenden Stoff, sprechen die Schauspieler zunächst die Worte distanziert mit Knopf im Ohr. Bald schlüpfen sie in Rollen und Kostüme, wird hinten eine Villen-Kulisse aufgebaut.

Am Ende ist die Bühne wieder wüst und leer, als hätte eine Bombe alles ausgelöscht. Nur kleine Lichtroboter huschen über die Bühne. Starke Bilder sind das. Dazwischen gewinnt das Drama um einen Wissenschaftler, der spät sein Gewissen findet, an Fahrt, wiegen die leidenschaftlichen Argumente schwer. Manchmal blitzt auch Witz auf.
Am Deutschen Theater nähert er [Christopher Rüping] sich behutsam dem fremd wirkenden Stoff, sprechen die Schauspieler zunächst die Worte distanziert mit Knopf im Ohr. Bald schlüpfen sie in Rollen und Kostüme, wird hinten eine Villen-Kulisse aufgebaut.

Am Ende ist die Bühne wieder wüst und leer, als hätte eine Bombe alles ausgelöscht. Nur kleine Lichtroboter huschen über die Bühne. Starke Bilder sind das. Dazwischen gewinnt das Drama um einen Wissenschaftler, der spät sein Gewissen findet, an Fahrt, wiegen die leidenschaftlichen Argumente schwer. Manchmal blitzt auch Witz auf.
neues deutschland
Hans-Dieter Schütt, 25.02.2019
Im Prinzip "nur" ein Dokumentarstück, Verhandlungsmasse, verdichtet. Weiß und weit die Bühne, bis zum Rundhorizont. Die Schauspieler laufen sich warm wie nervöse Gefangene. Später wird sich ein büchervoller Raum der fünfziger Jahre ins kalte, gestaltlose Appeal der Verhörszenerie senken. Das Abstrakte und das Konkrete im Widerspiel. Katharina Matz, ehrwürdig alt, ist der Vorsitzende, Maike Knirsch, nüchtern jung, eine Anwältin der Behörde, Camill Jammal gibt jovial erwartungslos den rechtlichen Beistand Oppenheimers. [...]

Die Inszenierung fasziniert durch gezielte Verwirrung. Das Dokument spielt mit der Technik, die es verbreitet. Das Protokoll kokettiert mit dem Medium, das es festhält. Die Stimme zwinkert mit dem Gerät, das Töne weitergibt. Gesichter und Leinwand, Körper und Kameras, Münder und Mikrofone, Augenschein und Monitore bilden eine Partitur des Diffusen, in der das Wirkliche und seine mediale Wiederspiegelung ineinandergreifen, miteinander verschwimmen. [...]

Hier ist der starke Felix Goeser die Titelgestalt. Dieser beeindruckende Kerl ist Kraft, die mit der Scheu spielt. So kommt bei ihm gern das Lächeln ins Spiel, das zur Schönheit der Täuschungsmanöver gehört. Er neigt eher zum Anker als zum Segel, aber in der Selbstbeherrschung liegt ein Keim zum Beben. Goeser kann daherkommen als ein Gewaltiger und hat für sein Spiel doch zarte Beseeltheit zur Verfügung. Er geht mitunter den Ansatz zum krachenden Schritt, als sei dies eine Nebenart der Anmut. "Was wird denn nun?", seufzt dieser Oppenheimer, allein im Weltall seiner Bedrückungen. [...]
Im Prinzip "nur" ein Dokumentarstück, Verhandlungsmasse, verdichtet. Weiß und weit die Bühne, bis zum Rundhorizont. Die Schauspieler laufen sich warm wie nervöse Gefangene. Später wird sich ein büchervoller Raum der fünfziger Jahre ins kalte, gestaltlose Appeal der Verhörszenerie senken. Das Abstrakte und das Konkrete im Widerspiel. Katharina Matz, ehrwürdig alt, ist der Vorsitzende, Maike Knirsch, nüchtern jung, eine Anwältin der Behörde, Camill Jammal gibt jovial erwartungslos den rechtlichen Beistand Oppenheimers. [...]

Die Inszenierung fasziniert durch gezielte Verwirrung. Das Dokument spielt mit der Technik, die es verbreitet. Das Protokoll kokettiert mit dem Medium, das es festhält. Die Stimme zwinkert mit dem Gerät, das Töne weitergibt. Gesichter und Leinwand, Körper und Kameras, Münder und Mikrofone, Augenschein und Monitore bilden eine Partitur des Diffusen, in der das Wirkliche und seine mediale Wiederspiegelung ineinandergreifen, miteinander verschwimmen. [...]

Hier ist der starke Felix Goeser die Titelgestalt. Dieser beeindruckende Kerl ist Kraft, die mit der Scheu spielt. So kommt bei ihm gern das Lächeln ins Spiel, das zur Schönheit der Täuschungsmanöver gehört. Er neigt eher zum Anker als zum Segel, aber in der Selbstbeherrschung liegt ein Keim zum Beben. Goeser kann daherkommen als ein Gewaltiger und hat für sein Spiel doch zarte Beseeltheit zur Verfügung. Er geht mitunter den Ansatz zum krachenden Schritt, als sei dies eine Nebenart der Anmut. "Was wird denn nun?", seufzt dieser Oppenheimer, allein im Weltall seiner Bedrückungen. [...]

Außerdem im Spielplan

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von Alfred Jarry
Box
19.00 - 20.40
Zum letzten Mal
Eine Inszenierung des Jungen DT

Katzelmacher

von Rainer Werner Fassbinder
Kammerspiele
19.30 - 20.40
19.00 Einführung – Saal
Mit englischen Übertiteln
nach Anton Tschechow
Deutsches Theater
20.00 - 22.00

Fußballsalon

mit Christoph Biermann (11 FREUNDE), Lutz Lindemann und Frank Willmann
Bar
21.00