Kathleen Morgeneyer

Foto: Klaus Dyba
tip
Regine Bruckmann, 19.04.2018
Maren Eggert bringt sich als Medea tapfer in Pose, fällt in das große flache Wasserbecken, welches den Bühnenboden fast komplett bedeckt, rappelt sich wieder hoch, kämpft, liebt, ruft nach der Mutter. [...] Maren Eggert bringt sich als Medea tapfer in Pose, fällt in das große flache Wasserbecken, welches den Bühnenboden fast komplett bedeckt, rappelt sich wieder hoch, kämpft, liebt, ruft nach der Mutter. [...]

Als Morgeneyer spät als Glauke ihre Stimme erhebt, geht es wie ein Ruck durch die Inszenierung: Plötzlich ist alles wahr und furchtbar, obwohl oder eher weil die Spielerin das Pathos im Ton unterläuft.
Tilmann Köhler und sein Team sind Inhalten auf der Spur, ein Anliegen ist spürbar: Wo liegen die Wurzeln der Fremdenfeindlichkeit, wie wird eine Kultur durch eine andere überformt, wird es das immer geben, dieses "Wir" und "Ihr"? [...]

Am Ende eine große Ensemble-Leistung: Der Abend entlässt den Zuschauer erschüttert, verstört, berührt.
Hamburger Abendblatt
Annette Stiekele, 26.01.2017
Mädchen? Kämpferinnen? Diese Frau kann alles

Ein Bühnenstar mit vielen Gesichtern: [...] Kathleen Morgeneyer ist eine Schauspielerin, die über ein breites Repertoire an Stimmungen und Gesichtern verfügt. Sie ist die kämpferische Johanna in "Die Jungfrau von Orleans", Regie Michael Thalheimer, genauso wie die mädchenhafte Nina in "Die Möwe", Regie Jürgen Gosch. All diese Berliner Inszenierungen gastierten beim Hamburger Theaterfestival. Zuletzt überzeugte sie als kühle Strategin Gräfin Eboli in "Don Carlos" von Stephan Kimmig.
Mädchen? Kämpferinnen? Diese Frau kann alles

Ein Bühnenstar mit vielen Gesichtern: [...] Kathleen Morgeneyer ist eine Schauspielerin, die über ein breites Repertoire an Stimmungen und Gesichtern verfügt. Sie ist die kämpferische Johanna in "Die Jungfrau von Orleans", Regie Michael Thalheimer, genauso wie die mädchenhafte Nina in "Die Möwe", Regie Jürgen Gosch. All diese Berliner Inszenierungen gastierten beim Hamburger Theaterfestival. Zuletzt überzeugte sie als kühle Strategin Gräfin Eboli in "Don Carlos" von Stephan Kimmig.
Die Welt
Reinhard Wengierek, 26.01.2017
Sie wird als Hochbegabte beschrieben, als Schauspielerin von sanfter Energie und stiller Insistenz. [...]

Die Gabe, sich hingebungsvoll öffnen, sich umstandslos locker und frei machen zu können, diese souveräne Grundgestimmtheit einer gewiss immer auch heiklen Rückhaltlosigkeit ist ein starkes Fundament, auf dem diese längst zu den Großen der Zunft zählende Schauspielerin ihre Kunst baut. [...]

Gerade diese "Durchlässigkeit" ist es, die auch der legendäre Regisseur Jürgen Gosch gleich am Anfang von Kathleen Morgeneyers steilen Karriere damals 2005 in Düsseldorf sofort erkannte: Als kostbaren Humus, aus dem ein weit gespannter Ausdrucksreichtum erwächst; den er drei Jahre später nutzte in seiner Berliner "Möwe"-Inszenierung (steht noch heute im Spielplan): Er besetzte K.M. für die Rolle der ach so ätherischen und euphorischen, ach so trostlos lebensernüchterten, schließlich verbitterten Nina. – Das war für die Morgeneyer mit der dunkel getönten, ganz fein wie von einer weggesteckten Träne gedämpften Stimme (ein fesselndes Markenzeichen!), das war nur drei Jahre nach Abschluss ihres Studiums Spitze in jeder Hinsicht: Das DT-Ensemble, dieser Regie-Star, die Hauptstadt, das Theatertreffen, der Fachjournalisten-Titel "Beste Nachwuchsschauspielerin", der Alfred-Kerr-Preis. "Eine Hochbegabte mit so vielen schönen Fähigkeiten, dass sie auf der Bühne nicht spielt, sondern lebt", rief Jutta Lampe in ihrer Laudatio. [...]

Man sollte das Lob Jutta Lampes modifizieren: Morgeneyers Iphigenie zum Beispiel: erst weinerlich wehklagend, dann kühl die Lage sezierend, dann sanft bittend, zuletzt herrisch fordernd – wieder so ein Exempel an "Durchlässigkeit" (diesmal zwischen zart und hart); oder ihre Eboli, ihre Nina, all diese Figuren mögen sehr wohl auf der Bühne leben. Doch dürfte K.M. genau wissen, wie und was sie da lebt, wenn sie spielt. Der beträchtlich unauflösbare Rest freilich bleibt ihr Geheimnis. [...]

Ein Antlitz, das den Zuschauer bannt, aber auch Fantasien auslöst (wieder: diese "Durchlässigkeit"). Ein Gesicht, das eine jede Figur reich macht. Romantisch gesagt: ihr wundersam, gar unheimlich Seelentiefe schenkt.
Sie wird als Hochbegabte beschrieben, als Schauspielerin von sanfter Energie und stiller Insistenz. [...]

Die Gabe, sich hingebungsvoll öffnen, sich umstandslos locker und frei machen zu können, diese souveräne Grundgestimmtheit einer gewiss immer auch heiklen Rückhaltlosigkeit ist ein starkes Fundament, auf dem diese längst zu den Großen der Zunft zählende Schauspielerin ihre Kunst baut. [...]

Gerade diese "Durchlässigkeit" ist es, die auch der legendäre Regisseur Jürgen Gosch gleich am Anfang von Kathleen Morgeneyers steilen Karriere damals 2005 in Düsseldorf sofort erkannte: Als kostbaren Humus, aus dem ein weit gespannter Ausdrucksreichtum erwächst; den er drei Jahre später nutzte in seiner Berliner "Möwe"-Inszenierung (steht noch heute im Spielplan): Er besetzte K.M. für die Rolle der ach so ätherischen und euphorischen, ach so trostlos lebensernüchterten, schließlich verbitterten Nina. – Das war für die Morgeneyer mit der dunkel getönten, ganz fein wie von einer weggesteckten Träne gedämpften Stimme (ein fesselndes Markenzeichen!), das war nur drei Jahre nach Abschluss ihres Studiums Spitze in jeder Hinsicht: Das DT-Ensemble, dieser Regie-Star, die Hauptstadt, das Theatertreffen, der Fachjournalisten-Titel "Beste Nachwuchsschauspielerin", der Alfred-Kerr-Preis. "Eine Hochbegabte mit so vielen schönen Fähigkeiten, dass sie auf der Bühne nicht spielt, sondern lebt", rief Jutta Lampe in ihrer Laudatio. [...]

Man sollte das Lob Jutta Lampes modifizieren: Morgeneyers Iphigenie zum Beispiel: erst weinerlich wehklagend, dann kühl die Lage sezierend, dann sanft bittend, zuletzt herrisch fordernd – wieder so ein Exempel an "Durchlässigkeit" (diesmal zwischen zart und hart); oder ihre Eboli, ihre Nina, all diese Figuren mögen sehr wohl auf der Bühne leben. Doch dürfte K.M. genau wissen, wie und was sie da lebt, wenn sie spielt. Der beträchtlich unauflösbare Rest freilich bleibt ihr Geheimnis. [...]

Ein Antlitz, das den Zuschauer bannt, aber auch Fantasien auslöst (wieder: diese "Durchlässigkeit"). Ein Gesicht, das eine jede Figur reich macht. Romantisch gesagt: ihr wundersam, gar unheimlich Seelentiefe schenkt.