Limited Edition

Tropfen auf heiße Steine

von Rainer Werner Fassbinder
Kostüme Julia Dietrich
Dramaturgie Juliane Koepp
Premiere am 7. April 2017, Box
Bernd MossLeopold Bluhm
Daniel HoevelsFranz Meister
Natali SeeligAnna Wolf
Franziska MachensVera
Leopold Bluhm
Franz Meister
Anna Wolf
Siegessäule
Axel Schock, 08.04.2017
Mit ihren stummfilmhaft bleich geschminkten Gesichtern und hypernervösen Gesten setzen Bernd Moss und Daniel Hoevels dann auch gleich die Dialogmaschinerie in Gang, und die kennt keine Gnade und kaum eine Pause. Philipp Arnold hat das Beziehungsdrama so auf eine Stunde Spieldauer zusammenschnurren lassen und die perfekt getimten, stakkatohaften Wortwechsel aus der Beziehung- und Kleinbürgerhölle wirken umso grotesker. Von der schmierig-gierigen Verführung zur leidenschaftlichen Zweisam- und Abhängigkeit ist der Weg dann auch nicht mehr weit, bis sich Leopold in einen gehässigen Haustyrannen verwandelt. Die finale Eskalationsstufe wird schließlich mit dem Auftauchen von Franz’ Verlobter (Natali Seelig) und Leopolds Exfrau (Franziska Machens) erreicht. Jetzt geht die Party richtig los, ohne dass Philipp Arnold deshalb sein Regiekonzept verlassen müsste. Begehrt und begrabscht wird nun wild durcheinander, und doch muss bei dieser hysterischen Orgie niemand aus den steifen Kleidern schlüpfen.

Und wenn Natali Seelig ausdauernd und enthemmt an Bernd Moss’ Nase lutscht, ist das nicht nur unglaublich komisch, sondern auch ein genialer Einfall, um auf groteske und doch sehr körperliche Weise den sexuellen Rausch zu zeigen.
Mit ihren stummfilmhaft bleich geschminkten Gesichtern und hypernervösen Gesten setzen Bernd Moss und Daniel Hoevels dann auch gleich die Dialogmaschinerie in Gang, und die kennt keine Gnade und kaum eine Pause. Philipp Arnold hat das Beziehungsdrama so auf eine Stunde Spieldauer zusammenschnurren lassen und die perfekt getimten, stakkatohaften Wortwechsel aus der Beziehung- und Kleinbürgerhölle wirken umso grotesker. Von der schmierig-gierigen Verführung zur leidenschaftlichen Zweisam- und Abhängigkeit ist der Weg dann auch nicht mehr weit, bis sich Leopold in einen gehässigen Haustyrannen verwandelt. Die finale Eskalationsstufe wird schließlich mit dem Auftauchen von Franz’ Verlobter (Natali Seelig) und Leopolds Exfrau (Franziska Machens) erreicht. Jetzt geht die Party richtig los, ohne dass Philipp Arnold deshalb sein Regiekonzept verlassen müsste. Begehrt und begrabscht wird nun wild durcheinander, und doch muss bei dieser hysterischen Orgie niemand aus den steifen Kleidern schlüpfen.

Und wenn Natali Seelig ausdauernd und enthemmt an Bernd Moss’ Nase lutscht, ist das nicht nur unglaublich komisch, sondern auch ein genialer Einfall, um auf groteske und doch sehr körperliche Weise den sexuellen Rausch zu zeigen.
Theater pur
Eva Britsch, 10.04.2017
Dunkel, düster, bedrückend, aber auch irgendwie urkomisch, so kommt "Tropfen auf heiße Steine" am Deutschen Theater, im Spielraum "Box", daher. [...]

Die impulsive Spielweise von Moss und die subtile Zurückgenommenheit von Hoevels führen immer wieder zu Knallmomenten, die Spaß machen und das Beziehungsgeflecht absurd und dennoch real wirken lassen. Das Ganze steigert sich, als Anna und Vera (Franziska Machens und Natali Seelig), Franz' Verlobte und Leopolds Exfreundin dazu kommen. Das Wirrwarr ist nicht mehr zu durchschauen, Anna treibt's mit Leopold und Franz und Vera schauen zu. Das ist verstörend, heiter, schräg und irgendwie zwangsläufig, was da passiert. Am Ende bleibt Liebe, die ins Leere läuft, und die Idee, ob Fassbinder vielleicht die Frage stellt, gibt es Liebe überhaupt? Überzeugend inszeniert von Philipp Arnold sollten Fassbinder-Fans und alle, die es noch werden wollen, sich diesen Theaterabend nicht entgehen lassen.
Dunkel, düster, bedrückend, aber auch irgendwie urkomisch, so kommt "Tropfen auf heiße Steine" am Deutschen Theater, im Spielraum "Box", daher. [...]

Die impulsive Spielweise von Moss und die subtile Zurückgenommenheit von Hoevels führen immer wieder zu Knallmomenten, die Spaß machen und das Beziehungsgeflecht absurd und dennoch real wirken lassen. Das Ganze steigert sich, als Anna und Vera (Franziska Machens und Natali Seelig), Franz' Verlobte und Leopolds Exfreundin dazu kommen. Das Wirrwarr ist nicht mehr zu durchschauen, Anna treibt's mit Leopold und Franz und Vera schauen zu. Das ist verstörend, heiter, schräg und irgendwie zwangsläufig, was da passiert. Am Ende bleibt Liebe, die ins Leere läuft, und die Idee, ob Fassbinder vielleicht die Frage stellt, gibt es Liebe überhaupt? Überzeugend inszeniert von Philipp Arnold sollten Fassbinder-Fans und alle, die es noch werden wollen, sich diesen Theaterabend nicht entgehen lassen.

Außerdem im Spielplan

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mit englischen Übertiteln
Tragödie in sieben Bildern von Ödön von Horváth
Regie: Dušan David Pařízek
Nachgespräch mit dem Ensemble und Leitungsteam - Saal
Kammerspiele
19.30 - 21.35
mit englischen Übertiteln
von Jean Racine
Regie: Stephan Kimmig
Deutsches Theater
20.00 - 21.50