Tschick

nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf
Bühne und Kostüme Rimma Starodubzeva
Musik Arne Jansen
Dramaturgie Birgit Lengers
Premiere 3. Dezember 2011
Wiebke Mollenhauer
Sven Fricke
Thorsten Hierse
Arne Jansen
Berliner Zeitung
Ulrich Seidler, 06.12.2011
Außer ein paar Glühbirnen, Wüstendünen, Kakteen und dem Musiker Arne Jansen, der dem Geschehen mit Bluesschleifen das Tempo gibt und nimmt, sind erst einmal nur Sven Fricke und Thorsten Hierse auf der Bühne. Sie spielen alle. Isa, Eltern, Polizisten, Lehrer, Mitschüler und dies alles ohne große Chargiererei. Aber die beste Regie-Idee ist, dass beide sowohl Maik als auch Tschick sind. Sie tauschen von einem Moment auf den anderen die Rollen, sie identifizieren sich erzählend und spielend miteinander – es gibt vermutlich keinen größeren Freundschaftsbeweis. Damit ist auch etwas über die Flüchtigkeit der Identität gesagt, besonders in der Pubertät, wenn Rolle und Platz noch nicht gefunden sind – was das Quälende, aber auch das Schöne an dieser kurzen Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsensein ist.
Mit dem Auftritt von Natalia Belitski wird diese schöne Idee nochmals gekrönt. Obwohl das für die Erzählung gar nicht nötig wäre und man bisher auf das Beste mit den beiden Spielern begnügt hat, erscheint sie – wie einem zarten Traum entstiegen – als leibhaftige Isa und verschenkt ihr heiteres Märchenmädchenlächeln. Eine kleine, umso berührendere vorweihnachtliche Wunschwirklichwerdung und eine herzliche Lebenseinladung.
Außer ein paar Glühbirnen, Wüstendünen, Kakteen und dem Musiker Arne Jansen, der dem Geschehen mit Bluesschleifen das Tempo gibt und nimmt, sind erst einmal nur Sven Fricke und Thorsten Hierse auf der Bühne. Sie spielen alle. Isa, Eltern, Polizisten, Lehrer, Mitschüler und dies alles ohne große Chargiererei. Aber die beste Regie-Idee ist, dass beide sowohl Maik als auch Tschick sind. Sie tauschen von einem Moment auf den anderen die Rollen, sie identifizieren sich erzählend und spielend miteinander – es gibt vermutlich keinen größeren Freundschaftsbeweis. Damit ist auch etwas über die Flüchtigkeit der Identität gesagt, besonders in der Pubertät, wenn Rolle und Platz noch nicht gefunden sind – was das Quälende, aber auch das Schöne an dieser kurzen Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsensein ist.
Mit dem Auftritt von Natalia Belitski wird diese schöne Idee nochmals gekrönt. Obwohl das für die Erzählung gar nicht nötig wäre und man bisher auf das Beste mit den beiden Spielern begnügt hat, erscheint sie – wie einem zarten Traum entstiegen – als leibhaftige Isa und verschenkt ihr heiteres Märchenmädchenlächeln. Eine kleine, umso berührendere vorweihnachtliche Wunschwirklichwerdung und eine herzliche Lebenseinladung.
Berliner Morgenpost
Georg Kasch, 05.12.2011
Quer durch den wilden Osten schickt Wolfgang Herrndorf die beiden Jungs in seinem grandiosen Roman 'Tschick'. In der kleinen Box des Deutschen Theaters wirft Alexander Riemenschneider nur wenige Wochen nach der Uraufführung in Dresden statt röhrendem Motor das Kopfkino an. Zwischen Podesten mit Wüstensand und Kakteen, hinter denen der Sehnsuchtsort Walachei in Großbuchstaben leuchtet, erzählen Sven Fricke und Thorsten Hierse in knapp zwei Stunden die Geschichte als verrücktes Rollenspiel. Beide sind sie Maik, aber auch alle anderen Charaktere. Selbst mitten im Dialog wechseln sie fliegend die Rollen. Verwirrend ist das nicht, sondern hervorragend gespielt. Bei Hierse sitzt jede behutsame Geste, jeder Akzent; oft ist es nur ein Blick, ein neuer Ton in seiner Stimme, die andeuten, dass er plötzlich als Lehrer spricht oder als Mutter, während Fricke  gröber schnitzt, aber herrlich komische Miniaturen hinfetzt. Toll auch die Lösung, wie sich Isa materialisiert: Als sie das Mädchen als Kobold auf der Müllhalde auflesen, rotzen die Jungs sie noch als Karikatur hin. Erst als Maik sie als Frau wahrnimmt, steht Natalia Belitski auf der Bühne. Dass diese Episode so schnell verfliegt, dass andere Lieblingsszenen fehlen  - Schwamm drüber. Insgesamt funktioniert die Fassung von Robert Koall hervorragend, und neben den Pointen zünden auch die Momente ungehemmter Melancholie, die bruchlos zurückkippen in den Witz. Natürlich spart man sich mit einem Box-Besuch nicht die Romanlektüre. Aber auch hier bleibt 'Tschick' eine Feier des Lebens, die glücklich macht. Quer durch den wilden Osten schickt Wolfgang Herrndorf die beiden Jungs in seinem grandiosen Roman 'Tschick'. In der kleinen Box des Deutschen Theaters wirft Alexander Riemenschneider nur wenige Wochen nach der Uraufführung in Dresden statt röhrendem Motor das Kopfkino an. Zwischen Podesten mit Wüstensand und Kakteen, hinter denen der Sehnsuchtsort Walachei in Großbuchstaben leuchtet, erzählen Sven Fricke und Thorsten Hierse in knapp zwei Stunden die Geschichte als verrücktes Rollenspiel. Beide sind sie Maik, aber auch alle anderen Charaktere. Selbst mitten im Dialog wechseln sie fliegend die Rollen. Verwirrend ist das nicht, sondern hervorragend gespielt. Bei Hierse sitzt jede behutsame Geste, jeder Akzent; oft ist es nur ein Blick, ein neuer Ton in seiner Stimme, die andeuten, dass er plötzlich als Lehrer spricht oder als Mutter, während Fricke  gröber schnitzt, aber herrlich komische Miniaturen hinfetzt. Toll auch die Lösung, wie sich Isa materialisiert: Als sie das Mädchen als Kobold auf der Müllhalde auflesen, rotzen die Jungs sie noch als Karikatur hin. Erst als Maik sie als Frau wahrnimmt, steht Natalia Belitski auf der Bühne. Dass diese Episode so schnell verfliegt, dass andere Lieblingsszenen fehlen  - Schwamm drüber. Insgesamt funktioniert die Fassung von Robert Koall hervorragend, und neben den Pointen zünden auch die Momente ungehemmter Melancholie, die bruchlos zurückkippen in den Witz. Natürlich spart man sich mit einem Box-Besuch nicht die Romanlektüre. Aber auch hier bleibt 'Tschick' eine Feier des Lebens, die glücklich macht.
Zitty
Tom Mustroph, 14.12.2011
Ein schöner, ein runder, ein lässiger Abend, der Lust entfacht, die Nase aus der Komfortzone der Konventionen herauszubewegen. Ein schöner, ein runder, ein lässiger Abend, der Lust entfacht, die Nase aus der Komfortzone der Konventionen herauszubewegen.
SWR 2
05.12.2011
Es geht darum, ein Lebensgefühl zu beschreiben, über das  Erwachsenwerden zu reflektieren, das Mensch-Sein an sich zu thematisieren. Das spitzt Regisseur Riemenschneider so weit zu, dass er die Rollen gar nicht mehr individuell besetzt: die beiden Schauspieler Sven Fricke und Thorsten Hierse spielen nahezu alle Rollen und wechseln nahtlos von einer in die andere über, mitunter mitten im Satz. Dabei sind sie so virtuos, augenzwinkernd, lakonisch und ernsthaft zugleich, so voller Spielfreude und Realitätssinn, dass man sich fühlt, als säße man die ganze Zeit auf dem Rücksitz des Lada Niva und rausche mit ihnen durch Zeit und Raum – der hier eine unbestimmbare Wüstenlandschaft mit Kaktus und musizierendem Cowboy ist.  Man wünscht sich, dass dieser wunderbar traurig komische Roadmovie niemals endet und freut sich unglaublich, dass man zu diesem Abend eingeladen war. Es geht darum, ein Lebensgefühl zu beschreiben, über das  Erwachsenwerden zu reflektieren, das Mensch-Sein an sich zu thematisieren. Das spitzt Regisseur Riemenschneider so weit zu, dass er die Rollen gar nicht mehr individuell besetzt: die beiden Schauspieler Sven Fricke und Thorsten Hierse spielen nahezu alle Rollen und wechseln nahtlos von einer in die andere über, mitunter mitten im Satz. Dabei sind sie so virtuos, augenzwinkernd, lakonisch und ernsthaft zugleich, so voller Spielfreude und Realitätssinn, dass man sich fühlt, als säße man die ganze Zeit auf dem Rücksitz des Lada Niva und rausche mit ihnen durch Zeit und Raum – der hier eine unbestimmbare Wüstenlandschaft mit Kaktus und musizierendem Cowboy ist.  Man wünscht sich, dass dieser wunderbar traurig komische Roadmovie niemals endet und freut sich unglaublich, dass man zu diesem Abend eingeladen war.
Der Tagesspiegel
Christine Wahl, 05.12.2011
Und weil die beiden Hauptdarsteller das ausgesprochen gut beherrschen und sich mit großer Lust in die Story hineinwerfen, hat man auch im Parkett entsprechenden Spaß. Man schaut praktisch – und damit ist der Abend durchaus nahe am Roman – zwei pubertierenden Außenseitern beim ständigen Entwerfen, Übermalen und Zurechtrücken ihrer eigenen, schön spinnerten Gedankenwelt zu. Das anfangs etwas angestrengt wirkende Hauptrollen-Switching gewinnt dabei immer mehr an Reiz, weil Sven Fricke als rührender, eher pragmatischer Geradeausdenker und Thorsten Hierse als tendenziell hintergründiger sensibel mit gehobener Ironiefähigkeit die Jungs komplett unterschiedlich interpretieren. Allein, wie verschieden beide Charaktere mit der Ablehnung durch die Klassen-Schönheit Tatjana umgehen, die weder Tschick noch den schwer in die verliebten Maik zu ihrer Geburtstagsparty eingeladen hat, ist von schön subtilem Witz: Während Fricke sich die Gitarre schnappt und einen unglaublich schüttelreimlastigen Schmachtfetzen mit dem Titel "ich bin nicht eingeladen" intoniert, lässt sich Hierse nur sehr langsam aus der Süffisanz-Reserve locken, die er so mühselig aufgebaut hatte. Und weil die beiden Hauptdarsteller das ausgesprochen gut beherrschen und sich mit großer Lust in die Story hineinwerfen, hat man auch im Parkett entsprechenden Spaß. Man schaut praktisch – und damit ist der Abend durchaus nahe am Roman – zwei pubertierenden Außenseitern beim ständigen Entwerfen, Übermalen und Zurechtrücken ihrer eigenen, schön spinnerten Gedankenwelt zu. Das anfangs etwas angestrengt wirkende Hauptrollen-Switching gewinnt dabei immer mehr an Reiz, weil Sven Fricke als rührender, eher pragmatischer Geradeausdenker und Thorsten Hierse als tendenziell hintergründiger sensibel mit gehobener Ironiefähigkeit die Jungs komplett unterschiedlich interpretieren. Allein, wie verschieden beide Charaktere mit der Ablehnung durch die Klassen-Schönheit Tatjana umgehen, die weder Tschick noch den schwer in die verliebten Maik zu ihrer Geburtstagsparty eingeladen hat, ist von schön subtilem Witz: Während Fricke sich die Gitarre schnappt und einen unglaublich schüttelreimlastigen Schmachtfetzen mit dem Titel "ich bin nicht eingeladen" intoniert, lässt sich Hierse nur sehr langsam aus der Süffisanz-Reserve locken, die er so mühselig aufgebaut hatte.
Die Zeit
Eva Biringer, 08.12.2011
Wie magische Orte aus dem Nichts entstehen: Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ an Deutschen Theater Berlin
[…] Riemenschneider entwirft auf der winzigen Bühne der Box im Deutschen Theater mit sparsamen Mitteln eine Minimalutopie, fast ausschließlich mit der Kraft des gesprochenen Worts. […] Vertont wird diese imaginäre Bilderflut von einem lonelyman in adrettem Cowboykostüm (Arne Jansen), der geduldig am Bühnenrand der Lieder harrt, die da kommen. Einmal greift Thorsten Hierse als Maik selbst zur Akustikgitarre. Mit ergreifendem Pathos, in seiner dilettantischen Entschlossenheit eine Reminiszenz an Rainald Grebe, beklagt er den Umstand, nicht zur Geburtstagsfeier seiner Angebeteten eingeladen zu sein. Mit Sven Fricke teilt er sich gekonnt die Darstellung fast aller Figuren des Romans, meistens aber sind es Maik und Andrej, die das Wort haben – sie beherrschen den Sprachduktus der Jugendlichen, ohne beim Zuschauer Fremdscham auszulösen. Sowie sie da stehen, in ihrer Casual-Uniform aus Jeans und Sneakers, so adoleszent-unbeholfen, wie man sich eben fühlt als 14-Jähriger, der nicht weiß,wohin mit seinen Händen, vergisst man schnell, dass es sich um erwachsene Männer handelt. Oder im Fall von Isa, um eine erwachsene Frau. Natalia Belitski gibt ihrem kurzen Auftritt denselben souveränen Habitus jugendlicher Sorglosigkeit wie ihre Kollegen.
 
Wie magische Orte aus dem Nichts entstehen: Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ an Deutschen Theater Berlin
[…] Riemenschneider entwirft auf der winzigen Bühne der Box im Deutschen Theater mit sparsamen Mitteln eine Minimalutopie, fast ausschließlich mit der Kraft des gesprochenen Worts. […] Vertont wird diese imaginäre Bilderflut von einem lonelyman in adrettem Cowboykostüm (Arne Jansen), der geduldig am Bühnenrand der Lieder harrt, die da kommen. Einmal greift Thorsten Hierse als Maik selbst zur Akustikgitarre. Mit ergreifendem Pathos, in seiner dilettantischen Entschlossenheit eine Reminiszenz an Rainald Grebe, beklagt er den Umstand, nicht zur Geburtstagsfeier seiner Angebeteten eingeladen zu sein. Mit Sven Fricke teilt er sich gekonnt die Darstellung fast aller Figuren des Romans, meistens aber sind es Maik und Andrej, die das Wort haben – sie beherrschen den Sprachduktus der Jugendlichen, ohne beim Zuschauer Fremdscham auszulösen. Sowie sie da stehen, in ihrer Casual-Uniform aus Jeans und Sneakers, so adoleszent-unbeholfen, wie man sich eben fühlt als 14-Jähriger, der nicht weiß,wohin mit seinen Händen, vergisst man schnell, dass es sich um erwachsene Männer handelt. Oder im Fall von Isa, um eine erwachsene Frau. Natalia Belitski gibt ihrem kurzen Auftritt denselben souveränen Habitus jugendlicher Sorglosigkeit wie ihre Kollegen.
 

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Offenes DT

Zwischen Ankommen und Bleiben
Biografische Gespräche zwischen Neu- und Altberliner_innen. In Kooperation mit dem Nachbarschaftsmuseum e.V. im Rahmen des Projekts "Erfahren, verstehen, gestalten – für eine
gemeinsame Zukunft in Berlin"
Weitere Informationen hier
Bar
17.00
Eintritt frei
zum 50. Mal
mit englischen Übertiteln
Nachgespräch mit Andres Veiel und Hasko Weber, Moderation: Stefan Reinecke - DT
Deutsches Theater
19.30 - 21.25
Ausverkauft
Evtl. Restkarten an der Abendkasse